Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / Evan

 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Evan

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Het
19.08.2023
23.09.2023
24
45.742
16
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
18.09.2023 1.383
 
„Wie es wohl Karen inzwischen mit ihrem Freund geht?“ - Das Interesse an dieser eigentlich Nebenfigur scheint groß. Lasset uns dafür ein neues Setup bilden ;)

——————————-

Evan fasste Anna die ganze restliche Woche nicht an. Nach dem, was ihrer Mutter passiert war und was das mit ihr gemacht hatte, empfand er es als taktlos und aufdringlich.

Und doch sehnte er sich nach ihrer Nähe, ihrer Wärme, ihrem Körper.

Der Umstand, dass Anna über das Wochenende noch einmal zu ihren Eltern fahren wollte, machte es nicht besser. Dieses Mal würde er nicht dabei sein - sie hatte noch eine Zugverbindung gefunden, die nur 2 statt 3 Stunden ihrer Zeit stahl.

Evan betrachtete ihren Körper. Er hatte wieder in ihrem Bett geschlafen - das war irgendwie zur Gewohnheit geworden und war aufgewacht, als sie ihm im Halbschlaf den Ellbogen in die Seite gerammt hatte.

Anna durfte sowas. Mit ihr war das anders.

Sie war nackt bis auf den Slip - die Nacht war wieder unheimlich warm gewesen. Auf ihrem Rücken zeigte sich eine feine Linie, die sich ihre Wirbelsäule hinab schlängelte. Sonnenstrahlen küssten ihre Haut und ließen sie fast leuchten, ihre Haare hatte sie gestern Abend noch nach oben gebunden, damit sie nicht so sehr schwitzte. Evan lauschte ihrer leisen, flachen Atmung.

Er rückte zu ihr auf, schmiegte sich an sie, strich mit den Lippen über ihren Hals. Sie schlief noch und hatte die Augen geschlossen, aber Evan wusste, dass sie seine Berührung spüren musste. Das ging gar nicht anders. Sein Arm schlang sich um ihre Hüfte und legte sich auf ihren. Seine Hand fand ihre Fingerspitzen, die sich mit seinen verschränkten. Er lächelte, sog ihren Duft ein, zog sie fester zu sich.

Langsam kam Leben in ihren Körper.

Evan küsste ihre Schulter und warf dabei einen Blick auf ihre wundervollen Brüste, die er so gern gestreichelt und gedrückt hätte. Er traute sich nicht.

Anna drehte sich zu ihm um, kuschelte sich an ihn, legte die Hand auf seine nackte Brust. „Hey“, flüsterte sie, die Augen immer noch geschlossen. Sie wirkte so wunderbar entspannt. Er küsste ihren Mundwinkel.

Seine Hand wanderte über ihre Seite, fuhr über ihre Hüfte, legte sich auf ihren Po. Er tastete sich vorwärts, Schritt für Schritt und beschränkte sich dann doch darauf sie einfach zu betrachten. Sein Blick folgte seinen Händen, heftete sich auf den Saum ihres Slips und an ihren Bauchnabel. Ihre zarten Finger strichen über seinen Brustmuskel und zogen Kreise um seine Brustwarze. Er schaute Anna ins Gesicht. In ihren Augen lag auch eine gewisse Sehnsucht nach ihm aber kein Feuer.

Er küsste sie. Er küsste sie wieder und wieder bis sie sich ihm entgegen schob und er ihre harten Nippel an seinem Oberkörper spüren konnte. Er wusste nicht wie, er wusste nicht wann aber schließlich fand er sich auf ihr wieder, die Hüfte zwischen ihren Schenkeln und heiße Atemzüge auf seiner Haut.

Es war nicht wild, es war nicht leidenschaftlich, es hatte mehr von Kuscheln als von Sex und doch sog Evan den Moment auf wie ein Schwamm. Er brauchte ihn, er brauchte Anna. Es war schon zu lange her gewesen.

Und er tat gut daran, ihr noch einmal so nah zu sein. Wenige Stunden später setzte ihre Periode ein.

~~~~~~~~~

„Karen! Was gibt’s?“, fragte Evan als er den Anruf entgegen nahm. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn anrief, es war schließlich nicht lange her, dass sie sich gesehen hatten, aber er war froh über Abwechslung - die Lektüre über das Strafrecht vor seiner Nase war unnötig trocken. Das hätte man wahrlich geschickter aufziehen können.

„Bruderherz!“, rief sie. „Ganz spontan: John und ich wollen nächstes Wochenende in die Berge fahren, nicht weit von dir. Eine Ferienwohnung gibt es nicht mehr, aber dafür ein Ferienhaus und ich dachte, du könntest mitkommen? Mit Anna vielleicht?“, sprudelte sie drauf los.

„Mit Anna?“, fragte er überrascht.

„Ja. Oder ist da nich…“

„Doch. Doch, es ist noch. Was das auch immer ist, was wir da haben“, sagte Evan und schaute kurz auf den Kalender. Nächste Woche würde er wieder Geld kriegen, aber ob deswegen jetzt gleich ein Kurzurlaub drin war? Manchmal hasste er das Studentenleben.

„Oh, nicht dass das zu überstürzt ist, ich dachte ihr hättet schon darüber gesprochen“, sagte sie am anderen Ende und schien ihr Angebot zurück ziehen zu wollen.

„Nein, das passt schon“, meinte Evan. „Was kostet die Unterkunft denn?“

„Nichts.“

„Wie ‚Nichts‘?“

„Das regeln wir schon, Evan. Ich würde mich einfach freuen wenn ihr dabei seid“, erklärte sie.

Evan seufzte hörbar. „Kareeeeen“, sagte er gedehnt und hoffentlich leicht vorwurfsvoll. Er hasste sowas. So nett es auch war, aber er wollte nicht der Bruder sein, der seiner Schwester auf der Tasche lag.

„Was denn? Wir verdienen voll und ihr seid Studenten. Mach dir darüber mal keine Sorgen“, sagte sie beschwichtigend.

„Ich mag das nicht“, stellte er klar.

„Ich weiß, aber es ist mir egal. Dann bring was zum Grillen mit, wenn es dir hilft. Ich muss nur wissen ob Ja oder Nein damit ich buchen kann.“

„Warte, Moment“, sagte Evan und überprüfte nochmal seinen Terminkalender. „Bei mir sieht es gut aus, aber Anna ist gerade nicht da, ich kann sie nicht-“  

„Also Ja. Ich bin mir sicher, du kriegst das hin. Ich meld mich nochmal“, sagte sie und legte auf. Evan starrte fassungslos auf sein Telefon. Seine Schwester hatte manchmal eine sehr überrumpelnde Art - und jetzt war er in Erklärungsnot.

Ein Pärchenwochenende.

Na toll! Das warf Fragen auf. Wie sollte er das Anna erklären?

~~~~~~~~~~~~

„Er mag dich, Anna“, sagte ihr Vater Sonntagmorgen am Frühstückstisch. Die Stimmung war relativ heiter, Evelyn ging es deutlich besser und lag mittlerweile auf Normalstation. Ihre Beine waren noch einmal operiert worden - und die Ärzte zeigten sich optimistisch, dass sie wieder laufen können würde, konnten letztlich aber keine Garantie geben. Es stand ihnen ein langer, steiniger Weg bevor.

„Papa!“, schimpfte sie und biss von ihrem Toast ab. Es durfte nicht wahr sein, dass er jetzt auch noch davon anfing, ihre Mutter war schon entzückt genug, dass es für beide reichte. Anna fluchte stumm, dann hielt sie inne und spielte am Henkel ihrer Kaffeetasse. „Meinst du?“, fragte sie dann.

„Er hat freiwillig deine Eltern kennen gelernt. Und dich so weit gefahren. Das macht kein Mann, der dir nur an die Wäsche will“, erklärte er. „Außerdem hab ich gesehen, wie er dich angeschaut hat.“

Anna wusste nicht, was sie sagen sollte. Natürlich war Evan zu ihr hingezogen - aber so? Gott sei Dank versteckte sich ihr Vater wieder hinter der Tageszeitung, sie wollte das Thema nicht vertiefen. Wirklich nicht.

„Wann fahren wir heute eigentlich zu Mama? Mein Zug fährt 15:15 Uhr zurück.“

„Am besten gleich nach dem Mittagessen. Ich glaube Besuchszeit ist ab 13 Uhr, aber so streng wie früher sind die heute nicht mehr.“

Hm.

Anna nickte, kaute, schluckte ihren Bissen herunter. Dann nippte sie an ihrem Kaffee und checkte ihr Handy. Sie lächelte, als sie sah, dass Evan ihr geschrieben hatte. Es war komisch gewesen nicht neben ihm aufzuwachen, nicht sein dunkles ‚Guten Morgen‘ zu hören und nicht seine verstrubbelten Haare zu sehen.

Sie tippte schnell eine Nachricht und biss nochmal in ihr Brot, dann blickte sie auf als sie ihren Vater lachen hörte - er hatte ihre Reaktion bemerkt und grinste wissend vor sich hin.

„Bestell ihm schöne Grüße“, sagte er, dann blätterte er um.

Anna verschluckte sich fast. Oh Mann. War es eine gute Idee gewesen, Evan mit zu ihren Eltern zu nehmen? Sie hatte gar nicht so weit gedacht - in dem Moment war er ihr Chauffeur gewesen, der es ihr ermöglicht hatte, so schnell wie möglich zu ihrer Mutter zu kommen. Und nun waren die beiden ganz hingerissen von ihm. Nicht, dass Anna es nicht hätte nachvollziehen können - sie mochte Evan ja selbst. Sie fragte sich nur, ob sie nicht vielleicht eine Erwartungshaltung erzeugt hatte, die sie gar nicht erfüllen konnte. Sie wollte nicht gefragt werden, wann er wieder mit ihr kommen würde. Sie wollte nicht gefragt werden, wie ernst das jetzt mit ihnen beiden war. Und erst recht nicht, wie sie sich die Zukunft mit ihm vorstellte.

Weil das alles Fragen waren, deren Antwort sie nicht kannte - oder deren Antwort sie nicht finden wollte.

Sie schüttelte ihren Kopf, als könnte sie diese Gedanken damit abschütteln, dann schob sie sich den letzten Bissen Toast in ihren Mund und verhielt sie so neutral sie konnte.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast