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quiero que vivas

von MaKu
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P18 / Het
Carmen Eleazar Fred Garrett Kate Tanya
30.07.2023
04.10.2023
24
44.534
4
Alle Kapitel
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18.09.2023 1.197
 
Kapitel 16
More than a chain or a grey cape


Seine Beine fühlten sich taub an. Irgendwie kribbelten sie noch immer. Sein Geruch und Hörsinn war auch noch nicht so gut wie es sein sollte. Manchmal war das Taubheitsgefühl so schlimm, dass er Hilfe brauchte, um sich fortzubewegen. Alec Betäubung hing noch in seinen Knochen, in seinen Muskeln und Gelenke. Es war manchmal eine Qual.

Einmal saß Eleazar stundenlang auf den Fußboden neben dem Sofa, weil er ohne die Hilfe eines vorbeikommenden Gardisten, der nach ihm sehen sollte, nicht mehr hoch gekommen wäre. Es war ein richtig mieses Gefühl, keine Kontrolle mehr über sich selbst zu haben. Eleazar stakste durch sein altes Zimmer.

Er versuchte einfach, sich so viel zu bewegen, wie möglich, um Alecs Nebel aus seinem System zu vertreiben. „Ich wollte sie nicht umbringen“, sagte Eleazar. Die Stimme versagte ihm. Er ließ sich kraftlos auf das Sofa plumpsen. Felix, der ihn regelmäßig besuchen kam, erinnerte sich an den Schock in dem Gesicht des Anderen.

An die Verzweiflung, die Eleazar in diesem Moment empfunden hatte. Er sank neben Eleazar auf das Sofa. „Ich weiß“, erwiderte er leise. „Ich weiß, mein Freund. Aber du musstest etwas trinken. Es liegt in unser Natur...“ Er nahm ihn in die Arme. „Auch wenn deine Natur Tierblut vorzieht. Du brauchtest Blut, um wieder aufzuwachen. Es war...dumm.“

Eleazar hielt sich an ihm fest, den Kopf an seine Schulter. Sie schwiegen, während Felix ihm behutsam über die Haare strich. Schließlich löste  Eleazar sich von ihm. „Danke“, kam es taktvoll von ihm. Ohne Felix hätte er es nicht geschafft. Mit diesen Schuldgefühlen, und diesem Selbsthass klar zu kommen.

Felix stieß ihn mit der Faust gegen die Schulter und lächelte. „Nicht dafür, Bro.“ Eleazar lächelte etwas widerstrebend zurück. Zuerst dachte Eleazar, dass Felix sich schuldig fühlte - einen Freund - Menschenblut aufgezwungen zu haben. Aber dieser Gedanke verschwand bald. Felix war einfach nur für einen Freund da. „Ich bin da, wenn du mich brauchst.“

Die beiden Vampire genossen das Zusammensein, und wurden wieder gute Freunde. Sie sprachen über Bücher, beide hatten schon Hunderte Bücher gelesen. Aber auch über den Alltag als Mitglied der Wache. Und als die üblichen Themen gingen, sprachen sie über die Gegenüberstellung in Forks, als wäre es etwas ganz Einfaches.

Das sorglose Geplänkel mit Felix hatte zeitweise dafür gesorgt, dass Eleazar den Gedanken an das Mädchen und seine Schuldgefühle vergessen konnte. So sehr hatte ihm das Gefühl mit Felix zu scherzen berauscht. Bei Felix fühlte Eleazar sich seltsamerweise sicher genug, um ihm seine Gedanken anzuvertrauen.

„In Forks, versuchten wir zu verstehen, warum so viele von euch gekommen sind“, begann Eleazar zögernd. Er wusste nicht so richtig, wie er Felix sagen sollte, was er aufgedeckt hatte. „Dabei ist mir etwas merkwürdiges aufgefallen. Bei Zirkelauslöschungen begnadigte Aro immer ein Zirkelmitglied, dessen Gedanken er für besonders reumütig hielt...“

Felix runzelte die Stirn. „Was willst du mir sagen? Ich war bei den meisten Zirkelangelgenheiten dabei. Ich weiß, dass wir die Reumütigen und Unschuldigen verschonen...“ Der Krieger der Volturi-Wache sah Eleazar an. Er wusste nicht, was dieser versuchte ihm mitzuteilen. „Das ist nichts Neues. Wenn Aro mitkam, wurde ein Unschuldiger verschont...“

„Es gibt ein Muster“, murmelte Eleazar. „Aro kam hin und wieder mit, um einen Zirkel zu bestrafen. Aber jedes Mal - stellte sich heraus - dass dieses Mitglied eine besondere Gabe besaß, die Aro faszinierte...“ Er brach ab und presste die Lippen aufeinander. Die roten Augen flackerten zu Felix hinüber, der über das Erzählte nachdachte.

Der Krieger der Volturi wippte mit dem Kopf und schwieg. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis er zum Sprechen ansetzte, wie ein Fisch schnappte und den Mund tonlos wieder schloss. Stille herrschte zwischen ihnen. Dann brach doch noch ein Wort aus Felix Lippen. Seine Stimme klang gebrochen und verwirrt: „Wirklich?“

„Wirklich. Ich war es, der Aro besagte Information persönlich überbracht hat...“, gab Eleazar bitter zurück. „Es hat sich  in zweihundert Jahren wiederholt.“ Er fuhr sich durch sein dunkelbraunes Haar und verkeilte die Hand darin. Wie so oft, wenn er nicht mehr weiter wusste. „Zwei Wachen sind Mitglied, weil ich ihre Fähigkeit bemerkt habe. Wegen mir.“

Felix schluckte hörbar. „Du hast mit Abstand von zweihundert Jahren, zwei Vampire mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit gefunden, und diese an Aro weitergeben? Und diese wurden beide bei Zirkelauslöschungen verschont, weil Aro diese Fähigkeit bei uns haben wollte?“ Er schüttelte den Kopf und schnaubte: „Ist das ein schlechter Scherz, Eleazar?“

Der kurzhaarige Muskelprotz und ballte beide Hände zu Fäuste. Eleazar erklärte Felix sein Denkprozess. Über Chelsea Fähigkeit, über die beiden Rekruten beziehungsweise nannte er die Fähigkeiten, die er damals identifiziert hatte. Felix war ganz leise. Das Stirnrunzeln des Kriegers vertiefte sich, doch er hörte Eleazar weiter zu.

„Scheiße,“, kam es plötzlich von Felix. „Also ist die Hingabe, die ich für die Meister verspüre nur Chelsea zu verdanken? Kontrolliert sie, wen ich mag - oder mit wem ich auskomme. Hauen wir uns deswegen nicht die Köpfe ein - weil sie die Komplizin von Aros Gräueltaten ist? Ich mag sie...doch mag ich sie wirklich, oder hat sie dafür gesorgt...?“

Eleazar schwieg. Er konnte die Fragen von seinem Freund nicht beantworten. Wer wusste schon, ob Chelsea irgendwelche Beziehungen zwischen ihnen allen manipulierte, lockerte oder festigte, außer Chelsea selbst? Chelsea war diejenige, die von niemanden durch ihre Hingabe zu Aro, Caius und Marcus kontrolliert wurde. Die Einzige, die frei war.

Beide diskutierten stundenlang. Felix bemühte sich, seine Handlungen als Hinrichter zu rechtfertigen, doch kam schließlich zu der Erkenntnis, dass es ihm in irgendeiner verdrehten Ansicht auch Spaß gemacht hatte. Kämpfen lag Felix in den Knochen. Während sie sprachen, gesellte sich Demetri zu ihnen. Gemeinsam schwelgten sie in Erinnerungen.

Es wurde über frühere gemeinsame Missionen gesprochen, sich an gemeinsame Wachdienste oder gemeinsames Kampftraining erinnert. Felix und Eleazar erläuterten Demetri ihre Gedanken, und der Tracker schien in Ordnung damit zu sein. Er verstand es und hielt zu Felix. Drei Männer, die beschlossen ihren eigenen Weg zu gehen.

Alles in Volterra ging seinen gewohnten Gang. Felix und Demetri gingen ebenfalls ihren Alltag als Wächter nach, während Eleazar allein in seinem Zimmer mit Malen, Musik oder Lesen verbrachte. Er suchte sich Ziele, eine Aufgabe - irgendetwas was ihn bewegte und woran er glauben konnte. Felix holte ihn gegen Abend zum Kampftraining ab.

Zu Dritt amüsierten sich die Männer im Trainingsraum, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie feilten an ihre Verteidigung, übten Angriffe - und hatten ihren Spaß dabei. Felix gewann die meisten Kämpfe, bis sich Eleazar und Demetri sich gegen den Krieger verbündeten. Sie warfen sich gemeinsam auf Felix und rangen ihn auf die Matte.

Das Kampftraining mit Felix und Demetri war anstrengend, doch Eleazar begrüßte die Ablenkung. Es gab ihm eine Routine, einen Ablauf, um aus dem Zimmer heraus zu kommen. Aro hatte ihm untersagt, dass Schloss zu verlassen. Das Zimmer nur unter Aufsicht. Eleazar war froh, dass Felix und Demetri ihn bei ihren Training berücksichtigen.

All das Lachen und das Gutfühlen. Felix und Demetri waren seine Freunde. Sie machten ihm das Leben als Gardist leichter. Eleazar würde lügen, wenn er etwas anderes behaupten würde. Klar, manchmal nervten sie ihn. Doch das bedeutet nicht, dass er sich in einem Kampf nicht vor sie  werfen würde. Die Volturi waren mehr als die Kette und der graue Umhang.
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