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Cylis Tristik und das Lavendelfräulein

Kurzbeschreibung
OneshotFantasy / P12 / Het
25.01.2023
25.01.2023
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1.740
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Leise pfeifend schob Cylis seine voll beladene Schubkarre durch den dämmrigen Keller, es brannten nur hier und da ein paar Kerzen und in dem rostigen Lüster über dem Tisch von Sleipnira flackerten einige Kerzenstummel.
Cylis schielte vorsichtig zu ihr hinüber, tief gebeugt stand sie über ihrem brodelnden Hexenkessel und murmelte Formeln vor sich hin und vollführte dabei magische Handbewegungen.
Grüne Wolken stiegen aus dem Kessel empor, es zischte leise und ein grünlicher Schein lag auf Sleipniras Gesicht, das hochkonzentriert und gleichzeitig abwesend aussah.
Cylis verlangsamte seine Schritte, sein Pfeifen erstarb nach und nach, bis er schließlich stumm da stand und mit leicht zusammengekniffenen Augen zu ihr hinüber starrte.

Nicht das er Angst vor ihr gehabt hätte, er und die Hexe lebten schon seit Ewigkeiten hier unten im Keller, waren gut befreundet, aber wenn ihr ein Zauber gelang, oder auch nicht, dann konnte es furchtbar donnern und knallen, was ihm gar nicht gefiel und ihn gelegentlich sogar von den Füßen riss oder gar durch den ganzen Keller schleuderte.
Sie entschuldigte sich natürlich jedes Mal, wenn sie es denn mitbekam und er war ihr auch nie böse, aber die Katzen, die sie ständig umgaben, mindestens zwei, die waren da schon eher sein Problem.
Denn sie machten sich einen Spaß daraus, ihn zu jagen, zu fangen oder mit ihren Pfoten zu stupsen und zu stoßen. Oft saß er dann stundenlang in einem alten Rattenloch oder rettete sich im letzten Moment ein Stuhl- oder Tischbein hinauf, bis sie endlich von ihm abließen.
Sleipnira versicherte ihm zwar auch hier jedes Mal, sie wollten nur spielen und wären lieb und nett, doch Cylis traute ihnen nicht wirklich und machte lieber einen großen Bogen um die riesigen Fellbälle und war auf der Hut.
Schließlich war er kaum so groß wie eine dieser Bierflaschen, die in einem der hinteren Kellerräume verstaubten.

Denn Cylis war ein Hausmümmel, ein hübscher Bursche in den besten Mümmeljahren, groß und drahtig für einen Hausmümmel, doch seine körperlichen Kräfte, die eigentlich nicht zu unterschätzen waren, beeindruckten die Katzen kaum.

Ehrlich gesagt, gar nicht.

Cylis Tristik und seine weit verzweigte Familie lebten schon seit etlichen Generationen in diesem wunderlichen Haus, zusammen mit all den anderen geheimnisvollen Mietern.
Die Hausmümmel hatten seit jeher die Aufgabe, sich um die vier großen "S" in den Häusern, in denen sie lebten, zu kümmern.

Das waren zum einen die Spinnen und der Schimmel, Cylis Aufgabe hier unten im Keller und dann noch die Stockflecken, die von seinen Tanten und Onkeln in den herrlichsten Variationen im ganzen Haus gezüchtet und gepflegt wurden.
Zum Schluss wa da noch der Schwamm, oder auch Hausschwamm, der so speziell und anspruchsvoll war, das sich Cylis Vater, der große Obermümmel,  persönlich mit Cylis Brüdern zusammen um die Hege und Pflege dieser Spezies kümmerte.

Die Hausmümmel bewohnten stets das ganze Haus, vom Speicher bis zum Keller. Ihre Wohnungen, Gänge und Treppen befanden sich hinter den Mauern und Wänden und je nachdem mit wem sie zusammen wohnten, zeigten sie sich oder lebten im Verborgenen und gingen fleißig ihrer Arbeit nach.
Hier in diesem Haus waren alle so besonders, dass die Hausmümmel sich ganz offen zeigten und es wurden Freundschaften geschlossenen.

Cylis Mutter hatte zum Beispiel W4rriorC4t fest in ihr Herz geschlossen, denn ständig kochte sie Töpfe voller Nudeln und sorgte so für ein angenehm feuchtes Klima auf ihrer Etage,was den Schimmel, um den sich seine Mutter kümmerte, wachsen und gedeihen ließ.
Sie war W4rriorC4t so dankbar für ihre Hilfe, dass sie ihr, wann immer sie Zeit hatte, bei der Suche nach dieser einen speziellen Nudel half, die W4rriorC4t so dringend suchte.

Oder drei seiner Schwestern, die sich zusammen mit einem ganzen Heer von Basen und Vettern um den Berg von Schätzen kümmerten, den LastDragonofoldtimes im Laufe der Zeit angehäuft hatte. Sie wendeten die Münzen und Juwelen, sammelten die Schimmelsporen ein und sorgten dafür, dass sie an anderer Stelle in Ruhe siedeln konnten.
So hatte ein jeder seine Aufgabe auf seiner Etage des Hauses und es herrschte ein gutes Einvernehmen zwischen den Hausbewohnern und den Hausmümmeln.

Cylis stand noch immer wie angewachsen mitten im Keller, Sleipnira hatte ihn nicht bemerkt und er wollte sie auch nicht stören, doch wo waren diese verflixten Katzen?
Angestrengt lauschend bewegte er seine spitzen, weich behaarten Ohren hin und her, die aus den Löchern seiner Mütze ragten, die jeder Hausmümmel trug. Es war nichts zu hören und so hob er sicherheitshalber noch seine empfindliche, kecke, blanke, kugelrunde schwarze Nase schnuppernd in die Luft. Er roch einen Hauch von Baldrian, es mussten also Katzen in der Nähe sein und Cylis sah sich vorsichtig um und entdeckte schließlich den einäugigen Nikodemus und den mageren Franz auf Sleipniras gepolstertem Hocker.
Cylis atmete erleichtert auf, der eine war zu faul zum Jagen und der andere zu feige, es allein zu tun

Er konnte also seinen Weg fortsetzen, schob die schwer beladene Schubkarre wieder an und verschwand im Nebenraum, wo seine Lieblingsspinne wohnte und eine besonders flauschige Schimmelkolonie an der Wand lebte
Cylis fing wieder leise an zu pfeifen und die ersten Schimmeltierchen hoben neugierig die Köpfe.
Er winkte ihnen kurz zu, bevor er den speziellen Schimmelstriegel aus der Schubkarre zog und sich dann im Schneidersitz dicht vor die beschimmelte Wand setzte. Er musste nicht lange warten, bis sich das erste Schimmeltierchen in seinen Schoß gleiten ließ, um sich gründlich striegeln zu lassen.
Cylis hatte ihnen das beigebracht und er musste lächeln, als sich das platte, hauchdünne Tierchen in seinem Schoß reckte und streckte, während er es vorsichtig kämmte.
Eins nach dem anderen kam zu ihm, ließ sich striegeln und kehrte dann an seinen Platz zurück, wo es sich regungslos an die Wand presste.
Cylis mochte diese Aufgabe sehr gerne und während er sie striegelte, unterhielt er sich mit ihnen, denn er hielt gern ein Pläuschchen, besonders gerne mit Sleipnira, doch wenn sie keiner Zeit hatte, dann setzte er sich zu seinem Schimmel und schwatzte mit ihnen. Cylis liebte seine Schimmeltierchen sehr und hatte extra ihre Sprache gelernt, die aus Piepsen und Klicken bestand.

Freundlich klickte und piepste er auch jetzt mit ihnen, denn er war eigentlich immer gut gelaunt und fröhlich. Er hatte ein hübsches Lächeln und als er jetzt einem kleineren Schimmeltierchen zurück an die Wand half, rutschten seine Ärmel hoch und man sah, das nur die Ohren behaart waren, ansonsten war seine Haut ein wenig bleich, weil er meistens hier unten im Keller war.
Gewissenhaft striegelte er jedes Schimmeltierchen und gerade als das Letzte in seinem Schoß lag, hörte er hinter sich ein Räuspern und eine zarte Stimme sprach ihn freundlich an: "Man kann sie streicheln? Das wusste ich ja gar nicht. Darf ich auch Mal?"

Erstaunt drehte Cylis den Kopf und er bekam große Augen.
Da stand doch tatsächlich eines der Lavendelfräulein, hübsche, zarte Wesen, vielleicht einen Kopf kleiner als er und mit großen Augen und langen Haare, aus denen zwei anmutig gedrehte Fühler ragten.
Alle Fräulein hatten eine Schwäche für die Farbe Lavendel, vom dunklen Violett bis hin zum zarten Flieder.
Dieses Fräulein hatte pflaumenblaues Haar und ebensolche Augen, ihre Haut schimmerte geheimnisvoll und ihr Kleid sah aus wie eine aufgebauschte Blüte.
Cylis wusste, das die Fräulein hinter dem Haus im verwilderten Garten lebten, doch er hatte noch nie eines getroffen, geschweige denn, mit einem geredet.

Sie lächelte freundlich, legte dann fragend den Kopf etwas schräg und sah ihn neugierig an.
Cylis war sprachlos, so etwas hübsches hatte er noch nie zuvor gesehen und er spürte, wie sein Herz schneller schlug und ihm plötzlich ganz warm wurde.
Was war da los? Er wurde doch wohl nicht krank?
Und während er sich das fragte, nicht wusste was er sagen sollte und sie einfach nur anstarrte, lachte sie leise auf und kam zu ihm herüber.
Sie hockte sich neben ihn und streckte dem Schimmeltierchen vorsichtig die Hand hin, an der es nach kurzem Zögern schließlich schnupperte.
Das Fräulein kicherte leise und fuhr dem Schimmeltierchen dann sacht durch die langen, weißen Haare, was es sehr zu genießen schien.
Cylis sah den beiden fasziniert zu, normalerweise waren Schimmeltierchen extrem scheu und so gut wie niemand außer den Hausmümmeln wusste überhaupt, dass es kleine Lebewesen waren und nicht einfach nur ein Pilz.

Er hatte ein Dutzend Fragen an das Fräulein, doch er war so kribbelig, ihr zarter Lavendelduft stieg ihm so betörend in die Nase und machte seine Kehle so trocken, dass er kein Wort herausbrachte.
Stumm und verzückt starrte er sie an und fuhr ertappt zusammen, als sie ihn wieder ansah und ansprach: "Bist Du Cylis Tristik? Der Hüter und Heger der Kellerspinnen? Mein Name ist Leopine, ich wohne hinter dem Haus im großen Fliederbusch. Ich bin Seiltänzerin und Schneckendompteuse und ich bräuchte dringend ein neues Seil. Meines hat der letzte Sommerregen davon gespült. Wir feiern in drei Tagen unser Sommerfest und ich kann ohne Seil nicht auftreten. Kannst Du mir bitte helfen? Der große Obermümmel hat mir gesagt, im Keller finde ich Cylis Tristik, der hat die besten Spinnen im ganzen Haus,"
Wieder lächelte sie ihn an und er hatte das Gefühl, in seinem Bauch würden hunderte Schmetterlinge flattern, ein so unbekanntes und doch umwerfendes Gefühl, dass er lächeln musste und somit endlich eine Regung zeigte.

Leopine, die sich langsam nicht mehr so sicher war, am rechten Ort zu sein, bemerkte es und atmete erleichtert auf. "Und", fragte sie erneut und als er nur errötend ein "Ja" stotterte, musste sie sich ein Lachen verbeißen. Dieser Hausmümmel hatte so gar nichts mit dem plappernden und quirligen Cylis zu tun, von dem man ihr erzählt hatte.
Aber gerade das gefiel ihr gut, genau wie seine blauen Augen, seine spitzen Ohren und all die wuseligen Locken, die kaum unter seine Mütze passten.

Sie lächelten sich an und als Cylis endlich seine Verlegenheit abgeschüttelt hatte und ihr von seinen Spinnen erzählte, da hörte sie ihm aufmerksam zu.
Er wurde immer lebhafter und mehr und mehr kam der wahre Cylis zum Vorschein und Fräulein Leopine stellte fest, dass ihr dieser Cylis noch viel besser gefiel.
Schließlich klebte Cylis das Schimmeltierchen, das noch immer in seinem Schoß saß, zurück an die Wand und stand dann auf.
Er reckte sich kurz und während er dem Fräulein eine helfende Hand reichte, sagte er lächelnd: "Ich stelle Ihnen jetzt Ullakasalina vor, meine Lieblingsspinne. Sie webt die schönsten Netze und spinnt die feinsten Fäden, genau richtig für Ihr Seil. Sie werden sehen."

Das Fräulein nickte lächelnd und legte ihre Hand in seine….
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