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Team Alpha - Der Gruppenführer

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Action / P12 / Gen
24.01.2023
24.01.2023
1
1.612
 
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Caden stand Ty gegenüber. Seinem besten Freund. Langsam schlichen die beiden Jungs umeinander herum. Wie zwei Tiger, die sich belauerten. In einem Kampf um die Rudelführung. Wer hier gewann, wurde der nächste Gruppenführer der Truppe Alpha. Der andere war ihm unterstellt. Also ein Kampf, der nicht tödlich enden sollte, aber bei dem Verletzungen einkalkuliert werden mussten. Keine Gnade. Es gab drei Möglichkeiten zu gewinnen. Erstens: Seinen Gegner handlungsunfähig machen und ihn so fünf Sekunden lang halten. Zweitens: Der Gegner klatscht ab und gibt auf. Oder drittens: Der Kampf wird durch den Sensei abgebrochen, welcher diesen genauestens beobachtet. Diese Möglichkeit passierte nur im äußersten Notfall, wenn der Tod eines Kämpfers bevorsteht.                                                                                                               Beide Jungen hielten ihre Fäuste erhoben. Sie waren kampfbereit. Wie zwei Boxer schienen sie über der Wiese zu schweben. Ihre Ninja Kollegen saßen um sie herum und feuerten lauthals ihren Favoriten an. Caden versuchte alles, um sich herum auszublenden und konzentrierte sich voll auf seinen Gegner. Ty war nicht zu unterschätzen. Er war einen halben Kopf größer als Caden und eindeutig stärker. Ein schmales Stirnband fixierte die kurze, braune Igelfrisur. Mit finsterer Miene bohrten sich seine kastanienbraunen Augen in Caden hinein. Diesem wurde schlagartig klar, dass ihre Freundschaft nun pausieren musste. „Bereit?“ Sensei Nagano hob seine Hand. „Bereit“ Ty’s Stimme war tief und klar. „Bereit!“, antwortete Caden hochkonzentriert. Er besann sich nochmals auf seine Stärken. Beweglichkeit, Schnelligkeit und Raffinesse. „Los!“ Sensei Nagano senkte seinen Arm und die Zuschauer brachen in Jubel aus. Vorsichtig tasteten sich die beiden Ninjas voran. Schritt für Schritt. Bis sie nur noch eine Armlänge voneinander entfernt standen. Caden hielt den Kopf gesenkt, während seine Beine über das weiche Gras tippelten. Vor, zurück, zur Seite. Zack, zack, zack! Ty machte einen Satz nach vorne. Zeitgleich schwang sein gefürchteter rechter Haken direkt auf Caden zu. Dieser wurde völlig überrascht. Er warf seine Arme schützend vor die Schläfe und spürte wie Ty's Faust in seinen Unterarm stieß. Ein Stechen durchzuckte seine Elle, während die gewaltige Wucht Caden nach hinten taumeln ließ. Ohne zu zögern, setzte Ty mit einer Geraden nach. Caden fand einen sicheren Stand… Und war bereit! Er hob seine Hände locker vor den Körper und lenkte den Schlag zur Seite ab, wodurch Ty ins Leere traf. Sogleich folgte eine zweite, dritte und vierte Gerade von ihm, die Caden Schritt für Schritt zurückdrängte. Mit großer Mühe konnte er die ersten beiden Angriffe parieren. Der vierte jedoch kam ihm mit so einer Kraft entgegen, dass er komplett chancenlos war. Die Faust donnerte gegen seinen Brustkorb und presste ihm augenblicklich die komplette Luft aus der Lunge. Caden stolperte rückwärts und sank auf ein Knie. Er hustete. Schnappte nach Luft. Keuchte und krächzte… Schon tauchte Ty über ihm auf. Sein Freund holte weit aus. Blitzschnell sauste sein Arm herab. Begleitet von frenetischem Jubel seiner Anhänger. Caden stieß seine Hände nach oben. Er griff nach dem Arm seines Freundes. Gleichzeitig stieß er sein stehendes Bein ab, schwang auf seinem Knie herum und drehte seinen Rücken Ty entgegen. Mit dieser 180° Drehung kniete er nun rücklings zu seinem Freund. Mit Hilfe des Schwungs von Ty’s kräftigen Schlag zog er nun am Arm und warf seinen Gegner in hohem Bogen über seine Schulter. Ein perfekt ausgeführter Schulterwurf. Ty’s Anhänger verstummten. Und einen winzigen Augenblick lang senkte sich ehrfürchtiges Schweigen über die Wiese. Dann brach begeisterter Jubel aus. Viel lauter als bei seinem Kontrahenten. Doch Caden durfte sich nicht ausruhen. Der Kampf war noch nicht vorbei. Beide Kämpfer waren etwa zeitgleich wieder auf den Beinen. Doch Ty wirkte noch ein wenig überrascht. Bevor er seine Sinne wieder beieinander hatte, ging Caden in die Offensive. Sein rechter Haken schoss seitlich heran und traf Ty direkt gegen dessen Kiefer. Mit einem knappen „Uff" wurde sein Kopf zur Seite geschleudert. Er torkelte einige Schritte rückwärts. Konnte sich aber auf den Beinen halten. Caden verlor keine Zeit und setzte sofort nach. Rechts, links, rechter Haken, linke Gerade. Seine Fäuste flogen wild durch die Luft. Vollkommen überfordert versuchte Ty die Schläge abzublocken und seitlich von ihm wegzulenken. Mit wenig Erfolg. Meter für Meter wurde er zurückgedrängt. Caden vollführte eine blitzschnelle Drehung und schwang sein Bein gegen Ty's hübsches Gesicht. Ein grandioser Roundhousekick! Caden hörte wie die Menge lauthals seinen Namen rief und ihn begeistert anfeuerte. Mehrere dutzend Hände begannen rhythmisch zu klatschen. Für einen kurzen Moment genoss er dieses Gefühl gefeiert zu werden. Nur ganz kurz. Nicht viel länger als einen Wimpernschlag. Doch dieses kurze Verharren reichte aus... Und Ty ging in die Offensive... Sein muskulöser Arm schnellte nach vorne. Ein gewaltiger Schmerz explodierte auf Cadens Unterlippe und holte ihn in die Realität zurück. Sein Kopf wurde nach hinten gestoßen. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Noch ehe sein Po das Gras berührte, schmeckte er den typischen metallischen Geschmack von Blut, welches aus seiner aufgeplatzten Unterlippe direkt in seinem Mund floss. Caden landete unsanft auf der Wiese, konnte seinen Sturz aber ein wenig abfangen. Seine Lippe brannte, sein Kopf dröhnte und Tränen schossen wie von selbst in seine Augen und verschwammen seine Sicht. Er begann rücklings von Ty wegzukriechen und versuchte zeitgleich seine Augen frei zublinzeln. Da tauchte etwas Unscharfes, schwarzes über ihm auf. Er brauchte keine perfekte Sicht um zu wissen, was das war: Ty’s schwarzer Springerstiefel. Rasch ließ Caden sich wieder auf den Rücken fallen und rollte sich zur Seite weg. Einen winzigen Moment später stieß der Absatz dort ins Gras, wo gerade eben noch sein Kopf gelegen hatte. „Puh!“, Caden wusste genau, was für einen Schaden ein Tritt mit diesen Stiefeln anrichten konnte. Er musste schlucken. Da wäre seine Nase gebrochen gewesen. Und er hätte Glück gehabt, wenn das alles gewesen wäre. Sofort hob Ty sein Bein und ließ es erneut pfeilschnell heruntersausen. Caden vollführte eine zweite Rolle. Der Stiefel streifte seine Schulter, rutschte daran ab und grub sich erneut ins Gras. Caden stöhnte. Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen gesamten Oberarm. Er versuchte rasch aufzustehen, doch Ty war schneller und stieß ihn mit seinem Stiefel zurück auf den Boden. Dort nagelte er ihn fest. Caden rutschte und wackelte, doch außer seinen Armen war sein Oberkörper bewegungslos. Er hatte nicht nur verloren, er wurde blamiert! In diesem Moment ging in Caden‘s Kopf ein Gedankenkarussel los. Mit unglaublicher Geschwindigkeit. Und all diese folgenden Gedanken passierten innerhalb drei Sekunden! Sensei Nagano begann bis fünf zu zählen. Fünf Sekunden… Dann war es vorbei!

Sekunde 1:  Caden war gerade in der deutlich schlechteren Position. Schlimmer noch: Er war seinem Freund ausgeliefert. Das wusste er. Das wusste Ty. Das wussten alle Zuschauer, über die sich ein aufgeregtes Schweigen gelegt hatte. Caden musste etwas tun. Er musste sich etwas einfallen lassen, um die Situation wieder unter seine Kontrolle zu bekommen. Nur was?

Sekunde 2: Er konzentrierte sich mit all seinen Sinnen. Er sah Ty über ihm stehen. Schmeckte den Rest des Blutes in seinem Mund. Er hörte seine und Ty’s angestrengte Atmung und bildete sich ein, auch die angespannte Stille der Zuschauer hören zu können. Er roch nach Schweiß und stank überhaupt extrem scheiße. Und zu guter Letzt tat ihm jeder Muskel und Knochen in seinem Körper weh. Und natürlich fühlte er das Gewicht von Ty’s Bein, welches auf seine Brust drückte und ihm die Luft abschnürte… Moment!

Sekunde 3: . Er sah noch einmal mal hoch zu Ty und wie er da stand. Siegessicher und arrogant. Doch das interessierte Caden nicht. Bildete er es sich nur ein oder lagerte Ty's ganzes Gewicht auf dem Bein, das auf ihm stand? Das würde ja bedeuten… Caden drehte seinen Kopf zur Seite und schaute sich das Standbein seines Freundes genauer an. Ja! Die Ferse hob ganz minimal vom Boden ab! Er verwendete sein gesamtes Körpergewicht, um Caden auf dem Boden zu halten. Ergibt sich daraus vielleicht eine Chance…?

Sekunde 4: Jetzt oder nie!

Caden packte das Standbein seines Freundes und zog es mit einem kräftigen Ruck unter ihm weg. „Woaaahhh!“ Ty verlor das Gleichgewicht und fiel rücklings zu Boden. Der Kampf war noch nicht vorbei! Die beiden Ninjas standen etwa gleichzeitig auf. Ty holte sofort zum Schlag aus und schwang seinen gewaltigen Haken auf Caden's Kiefer zu. Dieser hatte genau damit gerechnet und duckte sich pfeilschnell unter dem Schlag hindurch. Noch in gebeugter Haltung drehte sich Caden seinem Freund zu. Er feuerte einen kurzen Hieb in die Kniekehle seines Gegners. Ty’s Bein klappte ein und er fiel auf ein Knie hinunter. Ohne zu zögern, sprang Caden hinter ihn, schwang seinen Arm um dessen Hals und drückte zu. Mit seinem Gegner im Würgegriff ließ sich Caden wieder ins Gras fallen. Ty begann wild zu fuchteln und um sich zu schlagen, doch er hatte keine Chance. Sensei Nagano begann erneut zu zählen. Sekunde 1 – 2 … und die Zuschauer stiegen lautstark mit ein. 3! – 4! …

SCHACHMATT!

„Geht es dir gut?“, fragte Caden seinen hustenden und keuchenden Freund, als der Kampf vorbei war. „Alles in Ordnung, eure Hochheiligkeit!“ Ein spitzbübisches Grinsen huschte über sein Gesicht. Caden erwiderte es und half ihm auf die Beine. Lässig schwang er den Arm um seinen Freund. „Nun… Ich werde einen Vize brauchen!“ Sein Grinsen verwandelte sich in ein wissendes Lächeln. „Wo kann ich mich bewerben?“, fragte Ty, während sich das exakt gleiche Lächeln auch in seinem Gesicht ausbreitete.

MEIN NAME IST CADEN NAKAMURA UND ICH BIN DER LEADER VON TEAM ALPHA!
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