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Ein König auf Abwegen

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
24.01.2023
24.01.2023
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Hallo erst Mal. Ich wurde auf dieses Projekt (Bookshelf-Schreibwettbewerb 2023-1) hingewiesen und auch sogleich dazu genötigt, hier mitzumachen. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe das freiwillig unternommen, insbesondere, da ich die Personenbeschreibungen lustig fand (nicht böse gemeint) und gleich Vorstellungen hatte, wie ich damit arbeiten könnte.
Durch meine Grundidee habe ich sogleich zwei OCs mit hineingenommen, wobei das Wort OC nicht hundertprozentig zutreffend ist, da ich einen geborgt bzw. aufgezwungen bekommen habe. Immerhin gehört dieser einer anderen Person, die mir die Erlaubnis zur Verwendung gegeben hat. Es handelt sich hierbei um den kaiserlich hochnäsigen Leopold den II.

Der andere OC (Lolita) stammt aus einer meiner zukünftigen Geschichten, die noch auf ihre Realisierung wartet.
Jedenfalls dachte ich, dass die beiden Charaktere aber auch ganz gut in diese WG passen könnten, (wobei Lolita leider letztlich etwas zu kurz kommt, aber ich möchte hier mal nicht zu viel vorweg nehmen).

Zu Lolita gehört übrigens noch ein fliegender Vogel, der zum einen für sich, aber auch für diese Dame spricht, da sie nicht reden kann. So gibt der Vogel selbst gerne seinen Senf dazu, um dann von ihr unterbrochen zu werden (meistens: "Fresse!"), wobei er dies dann aber an ihrer Stelle ausspricht. Etwas kompliziert, aber ihr solltet es schon merken.

*~*~*~*~*~*

Erstes und einziges Kapitel

Mehrfach ließ ich meinen Flummi auf dem Boden aufschlagen, um ihn erst wieder aus der Luft zu fischen. Es war nun wirklich nicht mehr weit und die Nervosität nahm immer mehr überhand. Unsere Gruppe war vorübergehend aufgelöst und so machten wir in einer anderen Welt Urlaub, wobei sie mich und meine Begleiterin einfach in einer WG eingeschrieben hatten, in der wir wohl etwas Zeit verbringen würden. Wir sollten auch mal „unter Leute“ kommen.
Dabei hatte ich doch normal so viele Bedienstete, eine ganze Armee... Was dachten sie sich dabei? Vermutlich wollten sie einfach in Ruhe einen heben gehen und wir waren für dieses Vorhaben wohl zu jung. Oder sahen zumindest so aus…
Mein Blick glitt zu dem Mädchen neben mir, deren Aussehen ihrem Namen gleich kam. Lolita. Sie war älter, als sie aussah, doch ich hatte mich nie getraut, sie nach ihrem richtigen Alter zu fragen, was insbesondere an ihrer Persönlichkeit lag…
Die besagte Person starrte mich gerade auch wieder an. Verschreckt zuckte ich zusammen, vergaß des kleinen Balls habhaft zu werden, der kurzerhand gegen die Decke sprang und quer durch den Wagen schoss. Sie konnte einem wirklich Angst machen. Hatte ich sie mit meinen Verhalten genervt?
Der Fahrer fluchte vorne los und löste damit den Schrecken auch schon wieder oder gab mir die Möglichkeit, mich sofort auf etwas Anderes zu konzentrieren. Den fehlenden Ball, den ich vorne in einem Kaffeebecher wiederfand. Einem Becher Kaffee, dessen Inhalt sich nun teilweise im Wagen verteilt hatte. Nun gut, es war nicht meiner, also halb so schlimm. Nerviger war eher, dass ich etwas zu klein war, um nun an den Flummi heranzukommen. Also starrte ich nun wieder etwas abwesend aus dem Fenster. Überlegte, wie es dort sein würde, was uns erwartete und besonders, ob es meinem Stand entsprach. Das war doch das Wichtigste. Abgesehen von mir natürlich.

Der Wagen hielt. Ein junger Mann öffnete uns die Türe. Mit braunen Flecken auf der Hose. Er sah ziemlich frustriert aus, tat aber seinen Job. Ein Praktikant konnte auch ruhig als Kutscher fungieren, oder wie auch immer man die Fahrer von diesen… Autos nannte. Er war meiner nicht würdig und so sollte er doch machen, was er wollte, oder besser noch, seine Pflicht erfüllen.

Als Allererstes stieg ich aus. Wir waren die Nacht durchgefahren und die Sonne brach schwach durch die Wolken, was die Villa vor uns in ein düsteres Licht tauchte. Es war noch früh morgens und der Wind zog durch die Kleidung hindurch und jagte mir auch sogleich einen Schauder über den Rücken. Ich winkte kurz mit der Hand, während ich mein künftiges Gebäude vor mir musterte. Es war nichts im Vergleich zu meinem Schloss, aber es würde seine Zwecke erfüllen. Hoffte ich zumindest.
Hinter mir öffnete sich der Kofferraum. Eine Horde an Gummibärchen brach aus diesem heraus und trugen den Koffer samt all meiner Habseligkeiten zu mir herüber.
Kurz blickte ich noch an mir herunter, rückte meine Krawatte zurecht und sah noch einmal vorsichtig zu meiner Kollegin hinüber.
Diese hatte das Auto ebenfalls verlassen und hatte ihr Großschwert bereits vom Wagendach geschnallt. Ein Schwert mit einer imposanten Größe, welche gut das Doppelte von ihr betrug.
Nun denn, wir schienen so weit fertig zu sein. Wir waren hier, hatten alles, was wir brauchten und ich war nun auch mental darauf vorbereitet, voranzuschreiten.

Der junge Arthi (Praktikant) ging uns voraus und wir folgten ihm bis zur Türe, an der er erst Mal möglichst bedacht versuchte, die Gothic-Lolita davon abzuhalten, das Klopfen zu übernehmen. Man musste ja nicht mitsamt der Tür ins Haus fallen. Wobei das schon etwas Stil hätte.
Stattdessen drückte er auf so einen komischen runden Knopf, worauf eine Art Glocke im Inneren zu hören war.
Haha, wir sind da, wir sind da“, krächzte der Vogel auch schon, der über Lolita schwebte und wie immer nicht wusste, wann er seinen Schnabel zu halten hatte. Die junge Dame schien noch immer nicht gerade über eine gute Laune zu verfügen, wobei sie das Wesen auch schon so seltsam anfunkelte.
„Es kommt jemand, es kommt. Haha.“
Sie fixierte den Vogel mit einem gefährlichen Ausdruck im Gesicht. Still versuchte ich, einfach auf die Türe zu starren, zu hoffen, dass der Kauz sich einmal zu beherrschen wusste und dass die vermeintliche Person, von der er gesprochen hatte, auch baldmöglichst die Türe öffnen würde.
„Na endlich, er ist da. Er ist da“, begann der Vogel erneut, dicht gefolgt von einem lauten „Fresse!“, das er anstelle von Lolita aussprach, und einem Knall.
Diese hatte ihm einen festen Schlag versetzt, so dass er mit Schwung nahe an der sich gerade öffnenden Türe und knapp an der dort stehenden Person vorbeischoss. Er flog den Flur entlang, um dann hinten in der Wand des anschließenden Raumes einzuschlagen.
Die Person, die uns gerade geöffnet hatte, starrte uns nur verdutzt an und schien einen kurzen Moment zu brauchen, um sich wieder zu sammeln. Was ihr aber überraschend schnell gelang. Schien wohl einiges gewöhnt zu sein.
„Sie sind die temporären Mitbewohner?“, fragte diese doch erstaunlich gelassen. Wobei mir ein Hochwohlgeboren oder Sonstiges eigentlich besser als Anrede gefallen hätte...
Arthi starrte an diesem vorbei auf das Flugtier, das noch immer an der Wand klebte, ehe er mit einem „Shit“ und einem entschuldigenden, nervösen Lächeln im Gesicht, sich der Person wieder zuwandte.
„Ähm… ja. Diese beide hier. Ich war nur für den Transport verantwortlich und sollte so langsam auch wieder los.“ Der peinlich berührte Blick, war ihm durchaus anzusehen.
„Ich muss wieder zurück zu den anderen Herrschaften, Kaffee holen“, flüsterte er nun mit einem wehleidigen Ton vor sich hin.
Naja, dafür war der Kerl auch angestellt und tja, wenn er diesen auch verschüttete...
Ich drängte mich an unserem Bediensteten vorbei.
„Ich werde mich mal vorstellen. Sir Leopold der Zweite. Erster Kaiser seines Namens und Herrscher über die Reiche der Imagination, Protektor der Hirngespinste und Oberster Heeresleiter der Gummibären. Sehr erfreut.“
„Aha… noch so einer… Dann werden Sie sich hier wohlfühlen“, meinte er wenig beeindruckt. „Nenn mich Helge. Ich bin der OBERSTE Wächter dieses Hauses und hoffe, dass Sie sich hier wohlfühlen und natürlich keinen Ärger machen.“ Er tätschelte dabei liebevoll den Schaft seines Gewehres, das an einem Gurt über seiner Schulter hing.
Ein schönes Gewehr, das er da hatte. Wenn ich so darüber nachdachte, vielleicht sollte ich mir so eines auf die Liste setzen, um eine Kompanie damit auszustatten, sobald ich wieder zurück in meine Welt gehen würde. Aber für diese Entscheidung war es noch zu früh.
Ich ließ die unangetastete Hand wieder sinken, die ich ihm höflich entgegengestreckt hatte. Gerade da er mir mit seiner zu verstehen gab, dass ich eintreten konnte. Dann würde ich auf einen Handkuss eben verzichten. Nun gut.
Meine Begleiterin nickte ihm noch kurz zu, ehe sie mir folgte. Sie konnte ihn gerade auch nicht begrüßen. Sie war stumm und das Ding, das sonst für sie sprach… nun ja… das taumelte gerade wieder auf uns zu. Wenn auch etwas spät.
Es würde wie üblich wohl noch ein wenig brauchen, bis es wieder zu sprechen beginnen würde, zu unser aller Glück. Aber: Hmm, wenn ich so darüber nachdachte… Das Haus schien erstaunlich stabil gebaut zu sein, wenn das Vieh nicht durch die Wand gekracht war. Etwas, das ich später mal zu Sprache bringen könnte. Wenn es mir bis dahin noch wichtig erschien. Denn wenn es so etwas aufhalten konnte, dann bestimmt auch Kanonen und davon würde ich profitieren...
Jedenfalls ging ich weiter den Flur entlang. Hörte, wie sich unser drittes Rad von uns verabschiedete und den „Wächter“ nach dem nächsten Café fragte, ehe ich fast schon den Raum erreichte, auf den der Gang hier hindeutete. Jedoch versperrte mir ein Wesen den Weg. Eine junge Dame lag dort auf den Boden, quer nahe der Türe, die sperrangelweit offen stand. Was mich nun etwas irritierte.
Sie hatte doch bestimmt auch ein Himmelbett, wie jeder Gewöhnliche, warum war sie dann hier? Hatte sie etwas angestellt? Dunkel erinnerte ich mich daran, das mal als Strafe angewendet zu haben, als einer meiner Angestellten einen Putsch versucht hatte. Er musste eine ganze Nacht auf dem Boden schlafen! Das hatte ihn einiges gelehrt. Oder hatte er versucht, mir eines der Haribos zu stehlen? Na egal, ich war vom Thema abgekommen. Die Frage hier war, was ich nun machen sollte. Einfach über sie drübersteigen? Sie aufwecken? Weder das Eine noch das Andere war für eine Person meiner Größe angemessen. Dafür war Arthi da, oder gerade eher nicht.
Noch während ich überlegte, nahm mir meine Begleiterin das ab. Sie stieß mich grob zur Seite und latschte einfach über die schmächtige Person hinüber, um ins besagte Zimmer zu gelangen.
Das Mädchen wachte daraufhin auf. Starrte ihr verschlafen hinterher, während sie sich tatsächlich aufrichtete.
„Besucher…“, murmelte sie abwesend vor sich hin. Während sie sich erst einmal umsah.
Was für eine seltsame Person.
Naja, jedenfalls war der Weg nun doch frei. Also ging ich voran. Es wurde Zeit, meine jetzige Residenz zu besichtigen und mir die Leute einzuprägen, die nun für mich arbeiten würden. Oder so ähnlich jedenfalls.
Mit diesen hohen Gedanken schritt ich weiter voran und unter dem Rahmen durch in einen größeren Raum hinein. Ein Wohnzimmer, wenn ich den Namen richtig zuordnen konnte. Ich hatte Festsäle, Essenssäle, Ballsäle. Aber so etwas nicht. Das musste ich mir auch notieren.
Sie hatten tatsächlich recht. Man lernte etwas bei solchen Ausflügen. Nicht, dass ich das nötig hätte. Aber zu wissen, wie man sein Reich aufbessern konnte, schadete niemanden.
Allerdings würde ich mit meinen Architekten ein Wörtchen reden müssen, da ich so etwas Banales wohl nicht besaß. Ja… mindestens ein Wörtchen...

Der Raum selbst war, wie gesagt, groß. Die Wände waren mit Holz verkleidet und gaben dem Ganzen einen etwas altertümlichen Look, so dass man sich gleich heimischer fühlte. Insbesondere nach diesen ganzen Betonbauten, bah, die hier überall zu finden waren. Da war das hier deutlich besser.
Ein Kronleuchter hing von der Decke, der nett anzusehen war, auch wenn er nicht aus Gold bestand und ein mit Schnitzerei verzierter Tisch, sowie Stühle standen in diesem Raum. Von einem Sofa, Schränken, einer Küche mit „modernen“ Geräten, mal ganz abgesehen. Doch irgendetwas störte mich, passte nicht ganz zu der Erscheinung.
Einen kurzen Augenblick blieb ich stehen, während ich darüber nachdachte. Ach, genau… Die bunten Bilder, die sich überall wiederfanden. Als hätte sie jemand einfach auf die Wand gemalt. Beinahe wäre es mir gar nicht aufgefallen.
Tja, wenn man ein Quartier nahe des Regenbogenreichs hatte, war das wohl auch nicht anders zu erwarten. Oder es lag es einfach an jemand anderem, dass ich es nicht bemerken konnte? Doch hier war niemand… Nun gut. Immerhin war ich ja ich und man, wie ich das war.

„Das hier ist das Wohnzimmer.“ Der Mann, der uns vorhin geöffnet hatte, war an uns herangetreten. Wobei ich mich fragte, warum er so etwas Selbstverständliches aussprechen musste. Jeder hatte doch ein Wohnzimmer oder würde es bald haben…
„Dort hinten haben wir die Küche und ein weiteres Mitglied, wie ihr sehen könnt.“
Eine Dame stand dort, über einen Topf gebeugt. Anscheinend die Köchin hier. Diese schöpfte sich derweil Nudeln aus dem noch kochenden Topf in einen Bottich, ohne so wirklich auf uns achtzugeben. Diesen schnappte sie sich und lief dann tatsächlich auf uns zu.
„Hey Cat, darf ich vorstellen, das sind die…“
Weiter kam er nicht. Sie drehte die Nudeln hastig von uns weg, worauf ich noch ein: „Meins...“  meinte hören zu können, ehe sie dann schon an uns vorbei rauschte.
„Nehmt es ihr nicht übel“, meinte Helge, „sie hat einen schlechten Tag, nachdem Sleipnira einen Trank an ihrem Essen ausprobiert hatte. Naja, das Essen ist danach lebendig geworden und hatte wohl nicht mehr sonderlich geschmeckt, ähm, wo war ich stehen geblieben?“
„Ha, lebendig? Dann muss ich mich damit mal messen!“, sprach der Vogel für Lolita, ehe er für sich weitersprach: „Denkst du wirklich, dass eine Nudel ein Gegner für dich wäre? Wobei, wie ein Spargel siehst du schon aus. Siehst du schon aus…“, meinte das Vieh, dicht gefolgt von einem „Fresse!“ Wobei es wieder einen Schlag tat und der Vogel an der nächsten Wand klebte und mit etwas Farbe auf dem Federkleid auf dem Boden aufschlug.
„Könntet ihr das bitte künftig lassen“, hakte der Wächter nach. Wobei seine Stimme keinerlei Widerworte duldete.
„Wenn der blöde Vogel endlich Ruhe gibt...“, krächzte leise das kümmerliche Etwas von weit hinten.
„Das war keine Bitte“, wies der Kerl uns freundlich darauf hin. Wobei er wieder anfing, sein Gewehr zu tätscheln. Er mochte es scheinbar.
Aber Moment… glaubte er etwa, dass er MIR Befehle geben konnte? Nein, bestimmt nicht. Das musste ich missinterpretiert haben. Niemand würde so etwas tun. Ha… es war irgendetwas Anderes gewesen. Es musste irgendetwas Anderes gewesen sein. Aber sei es drum, gerade stand immerhin eine Führung an.

Das Öffnen einer Türe zog nun unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein silberner Wolf durchschritt diese und trabte auf uns zu. Ah, sie hatten ein Haustier. Ich hatte oft schon davon gehört, dass die Menschen hier dressierte Wölfe hielten. Aus diesem ließ sich bestimmt ein guter Mantel machen. Aber es war warm genug. Vielleicht im Winter. Aber blieben wir so lange überhaupt? Was hatte Arthi noch einmal gesagt? „Ach, Exkalibur, die hören mir eh nicht zu…“ Nein das meinte ich nicht… na egal. Zum Überlegen hatte ich andere Personen. Ich konnte nachher einen meiner Generäle befragen, sobald die Bären den Koffer in mein Quartier gebracht hatten.
Der Silberwolf blieb vor uns stehen, verwandelte sich und… war plötzlich eine Dame, die ungesund blass aussah. Handelte es sich bei ihr auch um einen Vampir? Moment. Sie war ein Werwesen. Sollte ich den Mantel nun vergessen?
„Ah, unsere Gäste sind bereits hier. Und ihr seid…?“
Eine Katze folgte ihr dicht und schlich um ihre Beine herum. War das etwa auch ein Vam… ähm Werwesen?
„Ich bin Sir Leopold der Zweite. Erster Kaiser seines Namens und Herrscher über die Reiche der Imagination, Protektor der Hirngespinste und Oberster Heeresleiter der Gummibären. Dürfte ich fragen, mit wem ich die Ehre habe?“
„Sleipnira. Wahrsagerin, Gestaltwandlerin und Hexe. Heerleiter der Tränke und Beschützerin der Katzen. Hoch erfreut.“
Wahrsagerin, Gestaltwanderin und was noch mal gleich? Ich zählte mit meinen Fingern nach. Man, das war viel…
„Ebenfalls…“, meinte ich verwirrt. „Das hier ist Lolita.“
„Angenehm. Angenehm“, krähte das Vieh.
„Und wie heißt das Mädchen?“
„Lolita. Sagte ich doch…“
„Ach so…“, meinte nun sie verwirrt. „Ich dachte der Rabe heißt so…“
„Wie war das? Wagt sie mich tatsächlich…“
„Nein, nein. Natürlich nicht“, versuchte ich sogleich meine Kollegin zu beruhigen.
Wie kam die Dame denn darauf? Naja, Menschen machten eben Fehler und tja, nicht jeder konnte meinen Intellekt besitzen.

„Das ist gut, dass du hier bist. Kannst du sie durch das Haus führen? Ich sollte mir kurz die Heizung drüben ansehen. Von den Lampen ganz zu schweigen“, sagte Helge.
„Natürlich. Soll ich euch erst einmal Karten legen? Ich beherrsche mein Handwerk.“
„Ach, nein danke. Ich kenne meine Zukunft. Sie ist so großartig wie ich und ebenso strahlend. So mächtig wie mein Reich und…“, mein Blick glitt zu meiner Begleiterin rüber, die gerade weit mit dem Schwert ausholte, „…schön…“, gab ich noch schnell von mir und verstummte augenblicklich.
„Nun gut. Wenn ihr meint. Kommt ihr dann mit mir?“
Ihr Blick glitt zu den Farbflecken auf dem Boden, an deren Stelle unsere fliegende Notration ihre Bruchlandung vollendet hatte.
„Ah, ein neues Werk…“, sprach die Dame zu sich selbst, ehe sie uns voran schritt.

„Das Zimmer hier dürfte Helge euch ja bereits gezeigt haben. Dort unten ist der Keller. Wir haben dort einen Stauraum, außerdem wohnen ich und Cylis Tristik dort. Ihr werdet sie mögen, wenn sie euch nicht gerade die Ohren abquatscht. Naja, dafür hat sie aber auch ihren Schimmel.“
Ihren Schimmel? Sie hielten dort unten Pferde? Was für Leute...
„Ich würde euch das Zimmer zwar zeigen… aber… es ist vielleicht gerade ein schlechter Zeitpunkt. Es ist vielleicht ein wenig geschwärzt und die Trümmerteile… aber das passiert ja mal, wo waren wir stehen geblieben? Ach, ja.“
Sie ging uns voraus auf die Treppe zu. Wobei mir auffiel, dass ihr bereits zwei Katzen um die Beine herumschlichen. Ich konnte nicht sagen, wo die Zweite hergekommen war. Ich hatte sie tatsächlich nicht bemerkt… Wobei so etwas doch kaum möglich sein konnte. Ich musste diese im Auge behalten!

Das Stockwerk darüber bestand aus einem einzelnen Raum, ihrer Erklärung nach, und das sah man auch, sobald sie die Türe öffnete, die diesen vom Treppenaufgang abschnitt.
Das Zimmer war voll von glitzernden Dingen, allerlei Schätzen und weiteren Katzen? Moment, diese waren aus Stoff und sahen ziemlich bequem aus. Sie erinnerten mich an mein Zimmer. Die Kuschelecke, die ich mir eingerichtet hatte. Nur war diese voller Bären. Es ging aber auch nichts über Bären. Sie waren so lecker und...
Ein Gähnen kam uns entgegen und das müde Blinzeln eines… DRACHENS!!!
Geschwind schlug ich die Türe wieder zu und noch bevor die anderen reagieren konnten, war eine Hitze durch die Wand zu spüren, wobei eine Rauchwolke durch einen Lüfter geschossen kam.
Ich atmete erleichtert aus. Gerade noch rechtzeitig…
Warum hatten sie einen Drachen hier? Es war ja nicht so, dass sie mir Angst machten. Nein, mir machte gar nichts Angst. Vielleicht ein geringfügiges Unbehagen mal, aber selbst das war eher Einbildung. Konnte nichts anderes sein. Nein. Sie hielten Wölfe, Katzen, Pferde und Drachen… Nun ja, wir hatten einen Vogel dabei. Ob er deswegen gemeint hatte, dass wir so gut hier hineinpassten? Tja, das war wieder eine Frage für später...
„Gut reagiert. Sie war wohl noch nicht ganz wach. Sobald Dragon ihren Kaffee hatte, wird sie auch wieder anders. Mein Fehler.“
Hmm, einen Kaffee, vielleicht sollte ich Arhti schicken… ach verflixt. Der war gerade gar nicht da. Was sollte ich ohne einen Praktikanten denn die nächste Zeit machen?

Ohne jegliche Hast, nein, ich drängelte gar nicht, stiegen wir die Treppe ins oberste und letzte Stockwerk. Dort gab es einen Flur mit weiteren Räumen.
„Hier wohnt W4rriorC4t, ihr habt sie vorher kennengelernt. Ich hoffe sie hat euch nicht allzu sehr mit ihrer ‚bestimmten‘ Nudel behelligt?“, fragte Sleipniera ohne jedoch eine Antwort zu erwarten.
Sie klopfte bei ihr an, jedoch öffnete niemand.
„Vielleicht ist sie gerade unten. Nun denn, lassen wir das für den Moment. Also dann… Das dort ist das Zimmer von Cara.“
Sie klopfte und die besagte Person öffnete auch sogleich. Sie trug eine verschmierte Schürze und als die Türe weit genug aufschwang, konnte man eine weitere Person dort sitzen sehen. Die Fehlende vom Zimmer nebenan. Sie saß über ihre Schüssel gebeugt und vesperte gefrustet vor sich hin. Auf ihrem Rücken war ein angefangenes Werk zu erkennen.
CaraKreativ bemalte einfach ihre Kameraden? Man schmolz diese vielleicht, ließ sie auf dem Boden schlafen, schickte sie Kaffee holen, aber das hier? Die Personen hatten doch trotzdem noch etwas wie Ehre! Von dem einen oder anderen abgesehen…
Ein Drache, ein seltsamer Wächter, ein Vampir, der eigentlich eine Hexe war, oder war sie ein Fuchs gewesen? Irgend so was in der Art, die Person auf dem Boden und jemand, der einfach Leute anmalte. War ich der einzig Normale hier? Meine Begleiterin hatte einen gehörigen Schuss weg, aber das würde ich nicht laut aussprechen und Arthi war Arthi, wobei, der war ja weg.
Man, da würde ich eher zu dem Drachen gehen. Auch ohne Kaffee… Puh.
„Und das hier wird euer Zimmer. Es gehört eigentlich Arenja, die Person vom Flur. Aber da sie hier eh nie schläft, sollte es fürs Erste passen. Gibt es noch irgendwelche Fragen?“
„Aber natürlich, ich meine, warum denn auch nicht. Solange sie noch hier sind. Noch hier sind…“ Der Vogel verstummte ganz schnell wieder.
„Nein, nein. Ich denke es passt so weit alles. Vielen Dank, und wenn noch etwas sein sollte, werde ich Sie natürlich rufen.“
„Na dann, ich muss noch nach meinen Nudeln sehen. Nicht, dass sie gerade unten etwas anstellen…“
Nudeln? Ha, ich wusste es. Der einzig Normale hier war ich. Lebendiges Essen, wer hatte denn so etwas? Hmm… wenn ich so darüber nachdachte, was machten meine Gummibären denn gerade ohne mich? So ganz allein in meinem Reich?
Unsere Führerin verabschiedete sich kurzerhand mit einem „Adieu“, was ich kurz mit einem Gruß abtat, um in das mir anvertraute Zimmer einzutreten.

Das eben genannte Zimmer war voller bunter Bilder. Regenbögen, Charaktere, alles Mögliche. Es war wild und teils überlappend. Wobei es mich an zu Hause erinnerte. Mit nur etwas zu wenig Bären hier. Viel zu wenig, aber darum konnte man sich später noch kümmern. Sie sollten mir einfach welche hinzaubern, oder so…
Jedenfalls musterte ich den Rest des Raumes, der ganz nett eingerichtet war. Mit einem Spiegel, einem kleinen Regal mit Büchern und ein paar Postern, von denen aber kaum eins nicht bereits überpinselt war. Mehrer Kuscheltiere lagen auf dem Bett, das rosa überzogen war. Glitzernde Utensilien hingen von der Decke. Es war genau so, wie ich es eingerichtet hätte. So grob jedenfalls. Die Bären fehlten. Aber ein Glück, dass ich welche mitgebracht hatte. Die Koffer waren schon hier und meine Brigade stand bereit. Wartete nur auf Befehle, während sie eine Pause einzulegen schienen.
Seufzend ließ ich mich auf das Bett fallen, während ich zusah, wie die Bärchen nun doch den Koffer öffneten und die Kleider hinaustrugen. Sie bauten eine Leiter, um den Schrank zu öffnen, kamen aber irgendwie nicht hinauf. Waren sie in dieser Welt etwa schwächer? Oder es lag daran, dass ich weniger von ihnen mitgenommen hatte? Aber dann wäre ich doch schuld daran und das konnte natürlich nicht sein. Man, warum waren sie hier nur so schwach? Man konnte sich aber auch anstellen…

Schweren Herzens erhob ich mich wieder und ging zu dem Schrank hinüber. Ein Schlüssel steckte im Schloss, so dass ich die Türe erst einmal öffnete.
Wobei es mich zum einen überraschte, hier Kleider in meinem Zimmer vorzufinden. Es war zwar nett, dass sie mir diese herangeschafft hatten, aber sie entsprachen doch nicht so meinem Stil. Man, ich trug doch keine Röcke oder so…
Wobei mir wieder einfiel, dass die Dame bereits gesagt hatte, dass das Zimmer eigentlich jemand anderem gehörte Aber das war doch ein Thema für sich.
Nun denn, die Dinge mussten hinaus und…
Wieder erstarrte ich überrascht. Ich war hier nicht allein. Eine Person lag seelenruhig auf dem Boden des besagten Schrankes und schlief. Ich meine ernsthaft. Er war abgeschlossen, wie war sie hier hineingekommen… und… ach ja, warum schlief sie hier?
Ich schaute auf das Mädchen herab, wobei mir auffiel, dass ich sie bereits gesehen hatte. Auf dem Flur. Das war die Person gewesen, die meinte, sich MIR in den Weg stellen oder eher legen zu müssen. Was auch immer.
Ein wenig musterte ich sie. Wie sie dalag, die schwarzen langen Haare teils über ihr Gesicht verstreut. Ich sah, wie ihre Brust sich langsam hob und senkte, wobei ein leichter Luftzug ihrem Mund entwich und das Haar wieder hob. Ganz sanft.
Mir wurde warm und ich ein wenig nervös. Hatte ich mir auf dem Weg hierher eine Erkältung eingefangen?
Das Mädchen blinzelte, sah noch benommen hinauf. Weiter blieb ich stehen und musterte sie.
Sie richtete sich langsam auf, verzog dabei das Gesicht, etwas knackte. Sie war ein wenig kleiner als ich, fiel mir auf.
Sie sah sich kurz um und ein Zeichen des Erkennens huschte über ihr Gesicht.
„Ich dachte schon, ich wäre in `ner anderen Wohnung“, murmelte sie vor sich hin.
Fasziniert blieb ich weiter hier. Mein Herz beschleunigte, während ich ihr ansah, wie es in ihrem Kopf ratterte.
„Verdammt“, brauste sie auf einmal auf, „was machst du in meinem Zimmer.“
Ich stolperte überrascht zurück und ihre Hand verfehlte nur ganz knapp mein Gesicht.
War nicht eher die Frage, warum sie in MEINEM Schrank lag? Oder Moment… da war doch etwas gewesen… irgendwas...
„Dein Zimmer? Es wurde mir zugeteilt. Ganz offiziell.“
Ich streckte mich, um der Aussage Ausdruck zu verleihen. Während ich schon anfing, mir einen Fluchtplan zu überlegen. Angriff war die beste Verteidigung.
„Was die Frage aufwirft, was du in meinem Schrank hier zu suchen hast.“
Klatsch. Dieses Mal knallte es, noch ehe ich es kommen sah.
Sie hatte mich geschlagen. Sie hatte es tatsächlich gewagt. Fassungslos starrte ich auf die junge Dame herunter, die mich wütend anfunkelte.
Das hatte mich nun wirklich aus dem Konzept gebracht. Dass sich das mal jemand trauen würde…
Wenn sie in meinem Reich wäre… dann… dann… würde sie mir einen Kuchen backen müssen. Ganz genau! Mit regenbogenfarbenem Überzug! Und wehe, es waren keine Bären dabei.

Ein „Fresse!“ durchbrach die Stille und lenkte den Blick der Dame, die mich ziemlich schräg ansah, sowie meinen, noch ziemlich verdutzten, zur Türe, welche einen Spalt breit offen stand. Das Klirren eines Fensters war zu hören und für einen kurzen Augenblick das Gesicht einer Person zu erkennen, das schnell wieder zurückzuckte.
Arenja seufzte. „Diese Hexe…“, fluchte sie vor sich hin. „Das war geplant…!“
Geplant? Das alles hier? Warum sollte das denn jemand wollen. Wie konnte überhaupt jemand wollen, dass sich mir gegenüber jemand so unziemlich verhielt. Ich meine, sie hatte mich geschlagen!
„Das rechtfertigt aber noch immer nicht dein Verhalten!“ Sie starrte mich nun finster an.
Was hatte ich denn falsch gemacht? Das war unangenehm, das wollte ich nicht. Sie erinnerte mich an Lolita, das machte mir Angst. Also nicht wirklich Angst, aber...
„Also ähm… ich… ich kann auf dem Boden schlafen, dir einen Kuchen backen oder sonst was. Aber können wir dann wieder Frieden schließen? Du bekommst auch ein paar Bären!“
Ja, sie machte mir Angst. Irgendwie musste ich sie besänftigen. Zudem, wenn die eine Person über Kräfte verfügte und eine andere ein Drache war. Von den Werkatzen ganz zu schweigen. Vermutlich wollte ich hier niemanden verärgern. Nicht ohne meine Armee… Man, ich vermisste sie.
Das Mädchen atmete schwer aus und fuhr sich über das Gesicht.
„Na gut… Ein Kuchen klingt gut, dann muss ich schon keine Nudeln mehr essen…“
Sie schnappte ein paar der Bären neben sich, die sie abwesend verspeiste, ehe sie etwas irritiert auf diese hinabsah. Sie dezimierte meine Begleiter! Das durfte nur ich, ich allein...
Meine ganze Kohorte versteckte sich schnell vor der Gewalttätigen.
Sie ging nachdenklich zu dem Bett hinüber, auf dem sie sich niederließ. Von welchem aus sie erst auf die Bären und dann wieder auf mich blickte. Diese verkrochen sich noch weiter, wobei ich ihnen gerne folgen würde...
Sie schüttelte einfach nur den Kopf, ehe sie mich ansah.
„Dürfte ich fragen, wer du nun eigentlich bist?“
Ach, das war gut. Ein Thema, mit dem ich zurechtkam. Ich schöpfte weitere Hoffnung. Das war mein Thema! Etwas, das mich hoffentlich wieder auf den Boden brachte.
„Ich bin Sir Leopold der Zweite. Erster Kaiser seines Namens und Herrscher über die Reiche der Imagination, Protektor der Hirngespinste und Oberster Heeresleiter der Gummibären.“
„Aha…“, meinte sie trocken.“
Dabei hatte sie davon beeindruckt zu sein. Es war eine Ehre, mich zu treffen!
„Nun denn, und solch eine Persönlichkeit meint, andere Personen beim Schlafen beobachten zu müssen und so etwas hier abzuziehen?“
So hatte ich das noch gar nicht betrachte. Hmm, hatte ich das wirklich? Aber nein.
„Ich stand nur da und war überrascht. Zudem war ich in eine Selbstanalyse verstrickt. Mein Herz rast schon die ganze Zeit über, mir war es warm und ich war überraschend nervös. Oh ja, und an sich geht es mir immer noch so. Ich sollte einen Heiler aufsuchen… Ach ja, ihr habt hier doch eine Hexe…“ Hatten sie denn nicht eine erwähnt?
Das Mädchen sah mich verunsichert an. Sie war etwas rot im Gesicht.
Ihr schien es auch nicht gut zu gehen. Aber das kam vermutlich davon, wenn man in Schränken schlief. Vermutlich. Immerhin hatte ich es noch nicht ausprobiert. Vielleicht sollte ich das mal… Allerdings war ich so schon krank. Moment, was dachte ich denn da! Hmm, vielleicht sollte sie ebenfalls zu ihr gehen, zu der Hexe, meine ich. Ob das Mädchen hier mich angesteckt hatte? Heute Morgen ging es mir doch noch gut. Definitiv.
„Weißt du was? Ich werde nun nach unten gehen und die Hexe aufsuchen, um einen Trank einzunehmen. Die Kaiserliche Gesundheit geht über alles, wie mein Vater zu sagen pflegte.“
Sie sah mich irritiert an und schien etwas durch den Wind.
„Nun gut, ich werde mitkommen. Ich habe auch noch ein Hühnchen mit ihr zu rupfen.“
„Du verstehst ihr Handwerk?“
„Äh nein… und gehst du hier endlich raus? Das ist mein Zimmer!“
Hatte ich etwas Falsches gesagt? Na gut, wir sollten los. Das war bestimmt die Aussage und sie hatte recht. Na, dann… vorwärts.

Gemeinsam machten uns daran, das Zimmer zu verlassen. Ein schnelles Huschen war zu hören und jemand, der die Treppe hinunter hechtete. Wir passierten die nicht ganz geschlossene Türe und traten auf den Flur, auf dem Lolita noch immer dastand. Ein Schmetterling saß auf ihrer Hand, den sie abwesend betrachtete.
So gingen wir den Flur entlang, in Schweigen gehüllt.
„Du hast mich beobachtet“, brach es aus ihr heraus.
Hmm, war sie etwa so nachtragend? Wenn, dann hatte ich einen Grund, beleidigt zu sein!
„Nein, nein. Wie schon gesagt, ich war überrascht. Warum sollte ich dich denn beobachten?“
Sie atmete schwer ein und wieder aus.
Was dachte sie sich dabei?
„Und wenn wir schon dabei sind. Wiederhole ich die Frage doch sogleich. Was hattest du in meinem Zimmer zu suchen, vor allem in meinem Schrank.“
Hatte die Hexe nicht irgendwas zu dem Zimmer gesagt? Egal. Es war doch meines, ganz bestimmt. Ja das war es.
„Dein Zimmer? Du bist einfach in meines marschiert und dann das!“
Sie brauste regelrecht auf.
„Nein, nein, meine Liebe, du irrst dich. Ich bin Sir Leopold der Zweite und…“
„Ja, ja…“
„Wieso sollte ich dich auch beobachten wollen? Also echt…“
Ein Glitzern trat in ihre Augen, gerade als wir eine Etage tiefer waren.
„Weißt du was, soweit ich weiß, wollte unsere liebe Hexe dem Drachen einen Besuch abstatten.“
Sie nahm ein Schild von der Türe, auf dem „Achtung, Putztag“ darauf stand.
„Geh also schon mal vor, ich hole so lange ein Hühnchen. In Ordnung?“, säuselte sie.
Einen kurzen Moment verharrte ich. Das war doch gut, sie hatte es endlich verstanden. Dennoch, ich zögerte etwas. Insbesondere, da ich an vorhin zurückdachte.
„Sie hatte ihren Kaffee doch schon?“, fragte ich vorsichtig.
„Natürlich. Sie ist ungefährlich. Solange du sie nicht beim Schlafen stalkst…“
„Nun gut.“ Ich klopfte an. Wer würde denn einen Drachen beim Schlafen stalken. Also echt, wie kam sie darauf? So was machten nur komische Leute. FF-Schreiber zum Beispiel…
„Werter Drache, ich bin Sir Leopold der Zweite…“
„Geh einfach. Sie nimmt es dir nicht krumm“, fuhr mir das Mädchen in die Parole.
Nun denn, ich bin der Beschützer der Gummibären. Herrscher der Imaginationen. Ich habe vor nichts Angst, erst recht nicht vor einem Drachen. Andererseits… so wirklich brauchte ich den Trank doch nicht, oder?
Sie versetzte mir einen Klaps auf die Schulter.
Gut… sie hatte recht.
Geschwind öffnete ich die Türe.
Ein Stoß von hinten und ich stand drinnen. Eine einzelne Person stand nun dort, vom Drachen keine Spur. Eine hochgewachsene Frau. Silbernes, langes Haar, mit ebenfalls heller Haut.
„Fuck!“ war das Letzte, was ich noch dachte. Als sie sich zu mir umdrehte. In Arbeitsklamotten und einen Flammenwerfer in der Hand. Mir fiel noch auf, dass sie Kopfhörer trug und überrascht reagierte, der ganze Augenblick schien sich aufs Extremste zu dehnen. Als mich die Flammen des Gerätes schon erfassten…

*~*~*~*~*~*

Am Ende dieser Geschichte ist für meine Testleser (und Betas) und den kaiserlich hochnäsigen Grund, warum ich überhaupt hier gelandet bin (siehe Leopold den II), die Romanze etwas zu kurz gekommen. Deshalb wird der Erzähler der Geschichte noch eine kleine Erklärung dazu abgeben.
Sie setzt in einer der letzten Situationen ein, als die Unterhaltung der beiden „Turteltauben“ von dem jähen „Fresse“ eines gewissen Vogels unterbrochen worden war.Denn jener hatte, wie man es vielleicht erahnen konnte, eine gewisse Dame in einem Gothic-Outfit verärgert. Diese wiederum hatte ihm einen ordentlichen Schlag versetzt, wobei er es dann doch einmal schaffte, noch mehr Schaden dabei anzurichten als bisher. Vielleicht war die Dame es aber auch einfach leid, dass der Vogel immer so schnell wieder zurück war, sodass sie dieses Mal auf eine der Schwachstellen der Villa, in Form eines Fensters, zielte. Dieses war unter anderem brandsicher und gegen explosive Kessel gewappnet, aber gegen den Aufprall eines Vogels mit der Wucht ihrer einzigartigen Stärke letztlich dann doch nicht.

Zur selben Zeit schwebte ein anderes Wesen unweit des Hauses herum, das meinte, durch die Wand sehen und gerade eine gewisse Schlafwandlerin anvisieren zu müssen, um all dem dann doch noch die gewünschte Nuance zu verleihen, die so ignorant von mir armem Autor gefordert wurde. Das Wesen legte den Pfeil auf, spannte, zielte und wurde mit voller Wucht in die Seite getroffen. So dass sich der Schuss zwar löste, doch in eine ganz andere Richtung flog. Das war vielleicht weniger geschickt, denn ein stattlicher Mann lief oder rannte gerade aufgeregt, mit schussbereiter Waffe zu dem vermeintlichen Unfallort, um herauszufinden, wer es wagte sein Gebäude zu beschädigen! Wobei er auf dem Weg dorthin von einem hölzernen und verzauberten Geschoss getroffen wurde, was ihn erst einmal ins Stocken kommen ließ.
Vermutlich wisst ihr schon, um wen es sich dabei handelt und auch sogleich, welches Problem damit einhergeht. Aber ich möchte es dem Rest natürlich nicht vorenthalten. Der Pfeil des Amors hatte, ganz ohne Umschweife, den Wächter, eben jenen Helge, getroffen, was eine furchtbare Verkettung der Ereignisse nach sich zog. Kurz gesagt handelte es sich hierbei um einen Regelverstoß, denn eben jener war nicht mit zum Freiwild erklärt worden, weswegen der Fliegende von jetzt auf gleich aus der Geschichte verbannt worden war, um sein bisheriges Leben zu überdenken.
Der Rest sollte demnach selbsterklärend sein. Arenja verliebte sich nicht à la Twilight (Stalker) in den überragenden Kaiser, sondern sah diesen eher als einen Störenfried an, der sie erst beim Schlafen beobachtet und anschließend beleidigt hatte. Weshalb sie ihn kurzerhand zu LastDragonofoldtimes sperrte, um sich dieses Problems zu entledigen, während sie über weitere Fakten von Drachen nachdachte. Zum Beispiel, dass man Lenkdrachen auch zum Ziehen von Frachtschiffen verwenden kann.
So ging Leopold der II. nicht hinunter, konnte sich sein Problem nicht von der Hexe erklären lassen, die sich einen Ast abgefreut hätte, dass ihr Experiment erfolgreich war. Die Gummibären konnten keinen Krieg mehr mit den lebenden Nudeln austragen und all dies kam, wie es kommen musste, zu bereits erwähntem Schluss.

Helge geht es übrigens gut.
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