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Darkblood Legacies (EMMFF)

Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
23.01.2023
05.02.2023
2
2.638
4
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Dieses Kapitel
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05.02.2023 1.952
 
Vespa kramte gerade im Müll hinter der Taverne, als es anfing zu regnen. Na toll. Genau das hab ich jetzt auch noch gebraucht. Sie schnappte sich einen noch halb eingepackten Burrito und eine Zeitung, die sie sich sinnlos über den Kopf hielt. Trocken würde sie das auch nicht halten, stattdessen spürte sie direkt wie das Papier den Regnen aufsog.
Mit einem Krachen flog die Hintertür auf und eine stämmige Frau mit wutverzerrten Gesicht trat auf die Gasse. Mit erhobener Faust brüllte sie: „Scheiß Penner! Sucht euch anderen Müll, in dem ihr herumkramen könnt und stört nicht meine Gäste!“
Der Fakt, dass sich keine Menschen weit und breit zu erblicken ließen und sie einen viel größeren Aufstand machte als Vespa, ließ sie unkommentiert. Sie schnaubte nur, gab der Frau einen Mittelfinger und nahm ihre Beine in die Hand.

Zwei Straßen weiter konnte sie ihr Gekreische immer noch hören. Seufzend setzte sie sich unter einen Baum am Wegrand. Auch das würde sie nicht trocken halten, war aber besser als der Papiermatsch, zu dem die Zeitung geworden war. Dass ihr Leben in nur unter einer Woche eine so drastische Wendung nehmen konnte, kam ihr weiterhin surreal vor.
Letzte Woche noch war sie zuhause in ihrem großen Anwesen mit der großen Bibliothek und den großen Fenstern gewesen. Sie hatte ihre Tage mit lesen verbringen können und abends hatte auf sie ein fertiges Bad gewartet. Ein warmes Zimmer. Ein gemütliches Bett. Menschen, die sie kannten und mochten. Ein Zuhause.
Ein Vater.

Tränen stiegen ihr in die Augen und wütend rieb sie diese weg. Weinen nützte auch nichts. Was geschehen war, war geschehen. Die Toten brachte nichts mehr zurück. Sie musste sich um sich selbst kümmern. Und bei Gott, das war genug Arbeit. Mittlerweile war ihr leichtes Kleid durchnässt und ihre braunen Locken klebten ihr kalt im Gesicht. Sie zitterte unkontrollierbar. Wenn sie nicht bald aus dem Regen kam, würde sie definitiv krank werden. Doch sie hatte kein Geld für eine Unterkunft. Sie konnte sich ja noch nicht einmal etwas zu essen leisten. Mit tauben Händen entfaltete sie den Burrito und verschlang ihn in nur wenigen Minuten. Nicht mehr hungrig, aber umso verzweifelter, holte sie aus ihrem Ausschnitt ein zusammengerolltes Papier heraus.

Sie wusste nicht mehr, wie oft sie sich den Steckbrief angeschaut hatte. Noch immer wusste sie nicht, was ihr eigenes Gesicht über der fetten Zahl von 25 Millionen zu suchen hatte. Es war der Job der Marine, gefährliche Verbrecher zu jagen und keine unschuldigen Opfer. Vielleicht lag ein großes Missverständnis vor, das sie leicht mit Kommunikation lösen konnte. Nein, sie durfte jetzt nicht dumm sein. Sie musste vom Schlimmsten ausgehen und annehmen, dass es kein Versehen war. Sie wurde gesucht, aber sie wusste nicht, warum. Sie ballte ihre Faust um das Papier und knüllte es zusammen. Verstaute es wieder in ihrem Ausschnitt. Warum sie es mit sich herumtrug? Das war ihr auch ein Rätsel. Vielleicht, um sich noch mehr zu quälen. Es war eine weitere Erinnerung daran, was sie verloren hatte. Doch sie würde die finden, die für alles verantwortlich waren. Und sie würde sie zur Rechenschaft ziehen.

Das Regentropfen stoppte abrupt und als Vespa aufschaute, sah sie in das Gesicht einer Frau mittleren Alters, die einen Regenschirm über sie hielt. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden, aber ein paar lose Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Sie rückte ihre Brille zurecht und räusperte sich.
„Was machst du hier draußen im Regen? Solltest du dich nicht ins Warme begeben, anstatt unter einem Baum zu sitzen?“

Ihre freundlichen Augen beäugten sie besorgt und auch wenn Vespa keinem mehr vertrauen wollte, so platzte doch irgendetwas in ihr und sie begann unter Tränen zu jammern: „Ich hab kein Geld und alle Menschen sind so gemein zu mir. Grab nicht im Müll herum! Lunger nicht vor unserem Lokal herum! Beobachte uns nicht durch die Fenster! Ich will doch auch keinen Müll essen. Und ich wusste nicht, dass es verboten war, sich vor Türen zu stellen. Und eine Beschäftigung hab ich auch keine. Was soll ich denn machen außer Leute zu beobachten und mir zu wünschen mein Leben hätte nur den Hauch ihrer Gelassenheit? Mir ist kalt, ich bin müde und will wieder so behandelt werden, wie es mir zusteht!“

Vespa war sich nicht sicher, ob die fremde Frau auch nur ein Wort durch ihr Schluchzen verstanden hatte oder ob es sie überhaupt interessierte, aber sie war ihre letzte Hoffnung. So erschien es ihr zumindest in diesem Moment. Wenn sie ihr nicht helfen würde, konnte Vespa die Frau auch immer noch bewusstlos schlagen und ihre Sachen an sich reißen. Mit dem Geld könnte sie sich bestimmt eine schäbige Unterkunft leisten. Zumindest für eine Nacht im Warmen sein.
Während sie noch darüber nachgrübelte, wie sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, ohne dass die Fremde großen Schaden davontrug, zog diese plötzlich ihren Mantel aus und legte ihn Vespa um. Sie kniete sich vor sie auf den Boden und strich ihr fürsorglich über den Kopf.
„Du hast viel durchgemacht, nicht wahr? Wie wäre es, wenn du erst mal mit zu mir kommst? Dort kannst du dich aufwärmen und etwas Richtiges essen. Dann reden wir.“
Die Frau half ihr auf die Beine und reichte ihr ein Taschentuch.
Vespa spürte wieder Tränen aufkommen, doch zwang sie wieder zurück und schniefte stattdessen nur.

***


Ihre Retterin stellte sich ihr als Liatra vor. Sie war Näherin und besaß einen eigenen Laden, der sich nicht unweit des Hafens befand. Ihre Wohnung lag direkt darüber. Vespa musste sich eine Bemerkung zur herrschenden Unordnung verkneifen. Sie durfte sich diese Chance nicht direkt mit unüberlegten Kommentaren verspielen. So sagte sie nichts und manövrierte geschickt zwischen Tischen, umgefallenen Stoffballen und allerhand Nähutensilien herum, die den Boden bedeckten. Die Treppe hoch und schon stand sie in Liatras  Wohnung. Ein kleines Zimmer, in das ein Ehebett, eine Kommode und ein Tisch mit zwei Stühlen hineinpassten. Eine Tür führte in ein angrenzendes Zimmer, aber Vespa bezweifelte, dass dieses viel größer war. Sie war anderes gewohnt.
Liatra und ihr Ehemann mussten es nicht einfach haben. Konnte sie wirklich erwarten, dass sie eine dritte Person umsorgten, wenn sie selbst nicht so viel hatten?

„Einen Moment bitte.“
Liatra ging zur Kommode und suchte eine Hose und ein Oberteil heraus. Zusammen mit einem Handtuch drückte sie die Sachen Vespa in die Hand.
„Du kannst dich im Badezimmer dort umziehen.“ Sie deutete auf die andere Tür. „Dort kannst du deine nassen Sachen gerne über die Spüle legen. Ich setze solange Tee auf.“
Frisch umgezogen fühlte sich Vespa schon nicht mehr ganz so scheußlich. Zumindest war ihr nicht mehr kalt.

Sie setzte sich zu Liatra an den Tisch und begann direkt an dem heißen Getränk zu nippen. Ihre Retterin wartete geduldig bis sich Vespa zu Wort meldete.
„Vielen Dank für deine Hilfe. Ich glaube ich wäre echt gestorben vor Kälte, wenn ich noch länger draußen geblieben wäre. Ah! Wo sind denn meine Manieren? Ich bin Vespa.“
Liatra wank ab. „Es tut mir nur leid, dass dir niemand früher geholfen hat.“
Sie legte ihren Kopf etwas schief und fragte dann weiter: „Ich hab dich noch nie gesehen. Bist du neu in der Stadt?“
Vespas Hände fingen an zu schwitzen. Sie konnte ihr unmöglich die Wahrheit sagen.
„Ich bin nicht von hier. Ich kam vor zwei Tagen mit einem Handelsschiff an.“ So viel entsprach der Wahrheit. Die besten Lügen, bauten darauf auf.

„Meine Insel wurde von Piraten überfallen und ich musste alleine fliehen. Deswegen besitze ich auch nichts mehr.“ Selbst diese Aussage könnte stimmen. Sie wusste nicht, wer für die Zerstörung ihrer Heimat verantwortlich war. Nach Vespas bestem Wissen konnten es Piraten gewesen sein.
„Ach du meine Güte. Du armes Ding.“, sagte Liatra mit gebrochener Stimme. Dann sagte sie etwas, das Vespas Innere zum Brodeln brachte.
„Hast du das schon der Marine gemeldet? Wir können gerne zusammen morgen hingehen. Sie werden dir helfen.“

„Nein!“ Liatra blickte erstaunt über ihren Ausbruch.
Vespa räusperte sich und fügte ruhiger hinzu: „Mein Vater und ich haben ausgemacht, dass wir uns in ein paar Wochen hier treffen. Er ist auf einem anderen Schiff entkommen, das aber vorher noch einen anderen Stopp hat. Ich kann nicht riskieren, dass die Marine mich woandershin verlegt. Ich will ihn so schnell wie möglich wiedersehen. Und ich will nicht in einer emotionslosen Marinebasis so lange meine Zeit verbringen.“ Sie drückte nochmal auf die Tränendrüse und machte eine Show daraus, sich zusammenzureißen, ihre Schluchzer hinunterzuschlucken. Sie hoffte, dass Liatra so großes Mitgefühl empfand, dass sie über ihre lauwarme Erklärung nicht weiter nachdachte.
Als sie einen Blick in ihre Richtung wagte, flossen der Näherin Tränen die Wange hinunter.
Das war einfach.

„Kannst du nähen?“
„Bitte?“ Vespa verstand die Frage nicht. Sie hat noch nie etwas nähen gemusst. Das haben immer ihre Arbeiter übernommen.
„Ich bringe es dir bei. Dann kannst du im Laden aushelfen und solange hier bleiben, bis dein Vater angekommen ist.“
Überrascht über das Angebot, vergaß Vespa zu weinen und fragte stattdessen: „Bist du sicher? Dein Ehemann wird auch nichts dagegen haben?“
Für eine Sekunde verdunkelte sich Liatras Gesicht. Mit zitternden Händen nahm sie einen Schluck von ihrem Tee.
„Mein Mann ist tot.“

„Das tut mir leid.“ Mehr wusste Vespa nicht zu sagen. Sie wusste, dass keine Worte dieses Loch in einem Herzen füllen könnten.
Liatra ignorierte ihre Worte und sagte: „Wir müssten uns das Bett teilen. Ich kann dir für den Anfang Klamotten von mir geben bis du dir selbst welche machen kannst. Ich hab kein Geld, um dir welche zu kaufen oder dich zu bezahlen. Du arbeitest für mich und ich gebe dir so gut es geht eine Unterkunft. Das ist der Deal.“

Sie hielt ihrem Gast eine Hand entgegen. Vespa konnte ihren Ohren nicht trauen. Sie würde wirklich eine Unterkunft haben, jemanden, der für sie sorgte. Aber auch nur auf unbestimmte Zeit. Nur solange, wie sie die Scharade aufrechterhalten konnte.
Sie würde sich einen Plan zurecht legen und versuchen unauffällig zu sein, damit weder die Marine noch Liatra Verdacht schöpften. Bis sie wusste, was sie als nächstes tun wollte, würde sie sich in Geduld üben und hoffen, sie fand schneller einen Ausweg, als dass ihre Retterin sie als Last empfand.
Vespa schlug ein.
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Ich hab das erste Kapitel jetzt doch als Prolog genommen, weil danach ein kleiner Timejump kommt. Planmäßig geht dann der Intro Arc zwei Kapitel und dann wären wir auch schon beim Aufsammeln der einzelnen Crewmitglieder. Organisatorisch hab ich auch ein paar Sachen.

1. Ich bin immer am Überlegen, wie ich euch, die Leser, noch mehr mit einbringen kann. Wie schon angekündet werden Fragen und Abstimmungen definitiv Teil davon sein. Ich hätte aber noch eine weitere Idee und hätte gerne Feedback dazu, ob ihr überhaupt darauf Lust habt.
Hättet ihr Lust soetwas wie Charalterwerte und Level zu haben? Nach jedem Arc, den euer Charakter durchlebt steigt er einen Level und ihr bekommt 10 Punkte, die ihr frei auf die 10 Werte verteilen könntet. Euer Charakter würde bei Level 1 starten und damit noch zum Steckbrief dazu müsstest ihr die Werte noch verteilen und mir schicken. Solltet ihr das eine coole Idee finden, können wir dann darüber aber noch reden.

2. Auf der Homepage sind nun auch die Nebencharakter Steckbriefe verfügbar. Ihr könnt so viele einschicken wie ihr lustig seid. Nur werden diese dann absolut in meine Hände fallen und ihr habt nicht wie bei den Crewmitgliedern noch weiter Mitspracherecht. ^^''
Wartet noch ein wenig, dann kommen bald noch Arc Steckbriefe, falls ihr Vorschläge habt und eure Nebencharaktere für bestimmte Arcs kreieren wollt. Falls ihr überhaupt welche einschickt.

Das wäre auch schon alles. Freue mich über jede einzige Rückmeldung und danke an alle, die mir schon Steckbriefe und Reviews geschickt haben. Falls ich mich noch nicht gemeldet habe, werde ich das schleunigst machen. :D
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