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Confusion

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
23.01.2023
02.02.2023
3
5.549
5
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.01.2023 1.701
 
Da der Prolog so kurz war, folgt heute gleich das erste Kapitel.
Ursprünglich wollte ich einen OneShot schreiben, aber der wurde dann dafür zu lang und ich habe nachträglich Kapitel eingeteilt. Aber dadurch sind die Kapitel auch nicht ganz soo lang teilweise. Sorry.

***

Kapitel 1



Steve erwachte mitten in der Nacht. Ein seltsames Gefühl durchfuhr ihn. Es war nicht sein Gespür für Gefahr, was seine Sinne erregte, doch irgendetwas war anders. Aufmerksam sah er sich im Schlafzimmer um, nachdem sich seine Augen ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Die Tür stand offen, doch er war sich nicht sicher, ob er sie geschlossen hatte. Steve schwang seine langen Beine aus dem Bett, geräuschlos schlich er auf sein Wohnzimmer zu und schob sich durch den offenen Türspalt. Niemand war hier, nichts hatte sich verändert. Hatte er sich getäuscht? War er vielleicht von einem Traum erwacht, an den er sich nicht mehr erinnerte? Steve wollte sich gerade abwenden, zurück ins Bett legen und sich mit einer rationaleren Erklärung zufriedengeben, als er einen Luftzug wahrnahm. Das Fenster an der Feuertreppe stand offen. Nicht ungewöhnlich, er mochte den Zugang nach draußen und ließ das Fenster häufig tagsüber offenstehen, wenn er zu Hause war, doch für gewöhnlich schloss er es abends, bevor er ins Bett ging. Hatte er es vergessen? Aber er war ein sehr routinierter Mensch, abends tat er immer dasselbe und die Handgriffe passierten automatisch. Es wäre seltsam, wenn er das Fenster tatsächlich vergessen hätte. Außer seinen eigenen Gedanken gab es keine Ablenkung. War der Grund für das geöffnete Fenster ein anderer? Jemand anderes? Spuren waren nicht ersichtlich. Wer sollte einbrechen und einfach wieder gehen, ohne etwas mitzunehmen?  Ein Blick nach draußen zeigte nichts Ungewöhnliches. Ein möglicher Eindringling war längst fort. Nachdenklich schloss Steve das Fenster und kehrte in sein Bett zurück.



“Es waren fünf Männer.” erklärte ihm Sam am nächsten Tag aufgeregt am Telefon. “Bis an die Zähne bewaffnet, eindeutig Hydra. Dafür, dass sie eigentlich jahrzehntelang eine Geheimorganisation waren, tragen sie überraschend oft Erkennungssymbole bei sich.”

“Vielleicht gibt es ja einen Grund, weshalb sie sich eindeutig als Hydra-Soldaten präsentiert haben.” gab Steve zu bedenken.

“Du meinst...”

“Leben sie noch?” fiel Steve Sam ins Wort.

“... Ja. Zwei sind noch bewusstlos und sie wurden übel verprügelt, aber alle kommen durch. Das kann nur er gewesen sein, Steve. Er ist noch in der Stadt! Ich glaube Hydra will ihn wieder einfangen.”

Ein wenig erleichtert holte Steve Luft und sein Blick schweifte zu dem offenen Fenster neben ihm. War er hier gewesen?

“Wo hat man die Männer gefunden?” fragte Steve.

“Ecke 23rd Street/ L Street. Das ist nicht so weit von dir entfernt.” beantwortete Sam die Frage. “Sei vorsichtig, Mann. Mag sein, dass er diesmal die richtigen vermöbelt hat, aber keiner kann sagen, ob er das auseinanderhalten kann. Hydra, Shield, du... er sieht vielleicht alle als Feinde.”

“Danke Sam.” Steve legte auf. Ihm war klar, dass er Sams Rat nicht befolgen würde, nicht bei Bucky und Sam wusste es mit Sicherheit auch.



Er war froh, dass er Sam begegnet ist. In dieser Zeit hatte er nicht viele Freunde. Nicht, dass er damals viele gehabt hätte, doch damals... war da immer Bucky und dieser hatte ihm gereicht. Sam kannte er erst kurze Zeit, doch es zeigte sich schnell, wie sehr er sich auf den Mann verlassen konnte. Ohne zu zögern half er ihm, obwohl die Mission gefährlich war und leicht ihrer aller Leben hätte kosten können. Doch Sam hatte Ideale und war bereit sein Leben für ein größeres Ziel zu riskieren. Er war ein guter Mensch, leitete sogar ehrenamtlich Therapiesitzungen für Veteranen und seine Sorge um ihn, rührte Steve. Doch noch kannten sie sich nicht lang genug, dass Steve ihm alles erzählt hätte. Sam wusste nicht, wie seine Beziehung zu Bucky damals wirklich ausgesehen hatte und er kannte seinen Freund nicht. Er sah nur den Winter Soldier, den Mann, der sie alle fast umgebracht hätte. Nick Fury gilt weiterhin sogar offiziell als vom Winter Soldier ermordet. Einer der Gründe, weshalb Bucky jetzt ganz oben auf allen Fahndungslisten stand. Der Winter Soldier war kein Geist, kein Mythos mehr.



Vermutlich hatte Hydra die Möglichkeit Bucky aufzuspüren. Ein Sender, eingebaut in dem Metallarm vielleicht. Sie mussten ihn gefunden haben. Doch statt ihr braver gehorsamer kleiner Soldat zu sein, hatte Bucky sie überwältigt. Steve war froh, dass sich sein Freund scheinbar zurückgehalten hatte. Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, diese Männer im Kampf umzubringen, doch sie lebten noch. Bedeutete dies, dass Bucky irgendwo in dem Soldier steckte? Dass er niemanden umbringen wollte? War er verwirrt? Jahrzehntelang wurde sein Geliebter kontrolliert. Eigene Entscheidungen kannte er nicht. Wie ging es ihm jetzt, allein da draußen?



Steve suchte die Stelle auf, an der man die bewusstlosen Hydra-Soldaten gefunden hatte. Es gab noch Spuren eines Kampfes, doch wie es schien, hatte Bucky ihnen keine großen Chancen, ihre Schusswaffen einzusetzen, gelassen. Er versuchte sich vorzustellen, woher Bucky gekommen war und wohin er gehen wollte. War er vor oder nach dem Kampf in seiner Wohnung gewesen? Wenn er überhaupt da war... Dieses Fenster ließ ihm keine Ruhe.



Wie jeden Abend schloss er es erneut und ging in sein Schlafzimmer, doch schlafen konnte er nicht. Steve lag da und lauschte. Jedes kleinste Geräusch nahm er wahr und identifizierte es. Geräusche seiner Nachbarn, Lärm von der Straße, eine Katze unten in der Gasse bei der Feuertreppe, doch sein Fenster hörte er nicht.



Erst drei Nächte später... ein leises Knarzen... Steve war sofort hellwach und alarmiert, doch er rührte sich nicht. Er hörte genau hin, wagte es kaum zu atmen. Das Geräusch, wie das Fenster langsam nach oben geschoben wurde, verursachte ihm Gänsehaut. Steve wusste einfach, dass es Bucky war, der lautlos durch das Fenster kletterte. Keine Schritte waren zu vernehmen, aber wenige Sekunden später rührte sich die Türklinke zu seinem Schlafzimmer. Aus dem Augenwinkel konnte Steve die Bewegung sehen und wie sich die Tür vorsichtig öffnete. Er stellte sich weiter schlafend, seine Augen geschlossen. Es war vermutlich wahnsinnig. Der Winter Soldier hatte die eindeutige Mission ihn zu töten und das hier konnte eine Situation sein, in der sich ein Mörder an sein schlafendes Opfer heranschlich und doch wollte sich Steve nicht rühren, aus Angst, Bucky zu verschrecken. Er spürte Blicke auf sich. Bucky stand im Schlafzimmer und betrachtete ihn still. Sekunden verstrichen und kein Messer wurde ihm in den Körper gerammt, kein Klicken eines Abzuges. Bucky tat einfach gar nichts. Dann, ein unterdrücktes sehr leises Aufkeuchen. Schmerzvoll. Hatte Bucky Schmerzen? Seine Sorgen überwogen...



“Bucky...” flüsterte Steve leise. “ Nicht erschrecken, okay? Ich dreh mich um.”

Steve setzte sich vorsichtig auf und sein Blick suchte Bucky. Dieser wich zwei Schritte zurück, näher zur Tür und durch das von draußen eindringende Licht erkannte Steve die aufgerissenen Augen seines Freundes. Was war es? Verwirrung? Angst? Weshalb war Bucky hergekommen? Steve versuchte etwas zu erkennen, doch es war zu dunkel und Bucky trug noch immer die schwarze Kampfuniform. Ob Bucky verletzt war, konnte er so unmöglich erkennen.

„Keine Angst, Bucky. Ich tue dir nichts. Hast du Schmerzen?“ Steve schob langsam seine Beine aus dem Bett, ohne Bucky aus den Augen zu lassen, doch offenbar war diese Bewegung bereits zu viel. Bucky drehte sich ruckartig weg und flüchtete durch die Tür. Jetzt sprang er schnell auf, rannte Bucky hinterher. „Bucky warte!“ rief er noch, doch er sah wie Bucky bereits durch das Fenster geschlüpft war und sich über das Geländer der Feuertreppe schwang. Der Sprung aus der 5. Etage störte Supersoldaten wie sie nicht, doch als Steve das Fenster erreichte und hinauskletterte war es bereits zu spät. Von Bucky war nichts mehr zu sehen.

„Komm wieder, Bucky.“ rief er in die Nacht. „Bitte!“

Steve starrte eine Weile nach draußen, doch Bucky kam nicht zurück, dann zog er sich wieder in seine Wohnung zurück. Als er das Licht anmachte, erkannte er, dass Bucky tatsächlich verletzt sein musste. Eine Blutspur zog sich vom Fenster bis in sein Schlafzimmer und wieder zurück. Bucky verlor Blut! Was war passiert? Ist er wieder von Hydra angegriffen worden?



Steve lief am nächsten Morgen durch die Gassen hinter seinem Wohnhaus. Er versuchte der Blutspur zu folgen, doch sie endete irgendwann. Bucky musste die Blutung irgendwie gestoppt haben oder seine Regenerationskräfte verschlossen die Wunde. Hier kam er nicht weiter. Wo auch immer Buckys Unterschlupf tagsüber auch war, so konnte er ihn nicht finden.

Sein Handy klingelte. Sam. Steve hatte diesen Anruf erwartet.

„Hey Steve.“ begrüßte Sam ihn.

„Sam?“ erwiderte Steve. „Was gibt es?“ fragte er gespannt.

„Nun... gute Neuigkeiten... Wir haben eine geheime Hydra-Basis gefunden... oder viel mehr, ER hat sie uns finden lassen... Steve, er hat dort gründlich aufgeräumt und uns ein Willkommensschild aufgehängt.“

„Hat er...“

„Niemanden umgebracht, Steve. Er war ein artiger Junge.“    

„Sam, was genau ist passiert?“ fragte Steve nach.

Sam seufzte am anderen Ende der Leitung. „Er ist in die Basis eingedrungen und hat alle Hydra-Leute K.O. gesetzt. Etwa zwei Dutzend. Dann hat er einen der Männer, an einer öffentlichen Straße in der Nähe, an ein Verkehrszeichen gebunden. Er wollte uns hinführen. Hätte natürlich auch einfach anrufen können...“

Dabei musste Bucky verletzt worden sein. So stark sie als Supersoldaten auch waren, einer gegen zwei Dutzend im Kampf ausgebildeter Männer, war dennoch nicht einfach und Schusswaffen konnten sie verletzen wie jeden normalen Menschen.

“Steve, denkst du, er hatte einen Grund dort hinzugehen? Oder ist es einfach... Rache? Sollte er sich nicht möglichst von Hydra fernhalten?” fragte Sam.

“Ich weiß es nicht, Sam.” antwortete Steve ehrlich. “Ich weiß nicht, was in seinem Kopf passiert... Vielleicht weiß er es nicht einmal selbst.”

Schweigen am anderen Ende, doch dann ergriff Sam doch noch einmal das Wort. Er sprach gefasst und eindringlich.

“Steve, er muss gefunden werden. Wir können ihn nicht dort draußen rumlaufen lassen. Er... könnte gefährlich sein und er braucht dringend Hilfe. Psychologische Hilfe!”

Steve schloss die Augen. Davor hatte er Angst. Auch wenn es vielleicht das Richtige wäre, aber er wollte nicht, dass Bucky weggesperrt werden würde. Das war er bereits fast sein gesamtes Leben...

“Ich weiß, Sam...” antwortete Steve dennoch und verabschiedete sich. Er konnte Sam nichts von den nächtlichen Besuchen sagen, nicht bevor er nicht selbst herausfand, was es damit auf sich hatte. Diese Sache war zwischen Bucky und ihm.
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