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Draconia - Stadt der Drachen

von Hopy1x2y
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Gen
23.01.2023
29.01.2023
26
58.297
6
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25.01.2023 2.010
 
Shania

Das war doch alles gar nicht möglich. Da drüben saß ein überaus heißer Kerl, mit dem ich erlaubten, wilden Sex haben könnte, und seine Mutter drängte sich zwischen uns und kam mit immer neuen, krausen Ideen heraus. Warum sagte er denn nichts? Ich sah ihm doch an - und hatte es während des Intermezzos auf dem Sofa auch gespürt - dass er mich wollte. War es denn wirklich so wichtig, was dieser Rat darüber dachte?

»Was ist denn mit dem Unterricht?«, fragte ich, um vielleicht doch noch um den Ausflug herumzukommen.

»Jaiden kann uns bestimmt begleiten«, erwiderte meine Schwiegermutter.

Na toll, das wurde ja immer besser. Statt mit meinem heißen Maharos würde ich also Zeit mit einem dicklichen Lehrer verbringen. Ich stand kurz davor, laut loszubrüllen.

»Du könntest eigentlich direkt mit uns kommen und in unserem Haus übernachten«, schlug Xardos' Mutter jetzt auch noch vor. »Morgen gehen wir auf den Markt und besorgen dir etwas Bequemes für die Reise.«

»Aber das ist doch …«, begann Xardos, wurde aber sofort unterbrochen.

»Das macht uns nichts aus«, erwiderte seine Mutter und lächelte dabei. »Außerdem schaffst du es leichter, den Ratsbefehl einzuhalten, wenn du keine … Versuchung im Haus hast. Du wolltest dich doch dran halten, oder?«

Er grunzte nur und zeigte mir damit ganz deutlich, dass ich soeben um eine heiße Nacht gebracht wurde. Aber konnte ich es ändern? Es war ja wohl offensichtlich eine der merkwürdigsten Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört hatte - wie auch? In meinem alten Dorf hatten wir uns nie über irgendwelche Befindlichkeiten dieser Drachenwesen unterhalten. Da waren wir immer froh gewesen, wenn sie uns in Ruhe ließen. Noch vor ein paar Tagen hätte ich auch nichts dagegen gehabt, in der Nacht alleine zu schlafen. Aber jetzt, wo ich ihn besser kannte, ihn überaus anziehend fand und wusste, wie er aussah …

»Dann lass uns gehen!«, sagte seine Mutter, verabschiedete sich von ihrem Sohn und zog mich hinter sich her. Es war so lächerlich!
*****
Es war grauenhaft! Einen ganzen Tag lang hatte Jaiden über die Geschichte Draconias und über die verschiedenen Ränge der Maharoi referiert. Zwischendurch hatte er mich ständig abgefragt und war ersichtlich unzufrieden gewesen, weil meine Antworten eher spärlich ausgefallen waren.

Da war es eine Erlösung, als ich am folgenden Tag mit Donna - Xardos' Mutter - und Kamilla die Geschäfte unsicher machen durfte. Anscheinend hatte sie wirklich vor, mich bis zur Pilgerreise von ihrem Sohn fernzuhalten. Falls sie damit erreichen wollte, dass ich nicht mehr an Xardos' Körper dachte, dann erreichte sie eher das Gegenteil. Ich spürte immer noch, wie meine Finger über seine Haut geglitten waren und es erregte mich derart, dass ich beinahe verrückt wurde. Wenn dieser Anfall dann vorbei war, fragte ich mich, was mit mir eigentlich los war. So heftig hatte ich noch nie auf einen Mann reagiert, und nun konnte ich es kaum abwarten, mit einem Drachen im Bett zu liegen. War das noch normal zu nennen?

Daher genoss ich den Einkaufbummel sehr, denn er lenkte mich ab und die ganze Atmosphäre auf dem Markt faszinierte mich. Kamilla war offensichtlich nicht zum ersten Mal an diesem Ort, denn sie führte mich zielgerichtet an die interessantesten Stände. Gelegentlich tastete ich nach der Geldbörse in der Hosentasche und kam mir dabei vor wie eine reiche Prinzessin aus den Märchenerzählungen meiner Großmutter. So viel Geld hatte ich noch nie besessen und ich hatte ein schlechtes Gewissen dabei, weil mir unwillkürlich meine Zeit im Dorf einfiel. Was hätten wir mit dem Geld uns alles an Nahrung und Brennmaterial kaufen können! Und nun stand ich hier mit den Gold- und Silbermünzen, die mir Xardos' Eltern gegeben hatten, und sollte alles für mich ausgeben. Es erschien mir einfach nicht richtig.

In dem Moment erregte ein traumhaftes Kleid meine Aufmerksamkeit und schon waren all die Gewissensbisse verflogen.

»Kamilla!«, rief ich. »Was hältst du davon? Kamilla?« Irritiert drehte ich mich um und ließ meine Blicke über das Gewusel schweifen. Wo war sie denn abgeblieben? Ich rief noch zweimal ihren Namen, ohne eine Reaktion zu erhalten.

»Suchen Sie Ihre Dienerin, Herrin?« Ein fremder Mann sprach mich von der Seite an und lächelte dabei freundlich.

»Ja. Vor ein paar Augenblicken war sie noch dicht bei mir und jetzt …«

Sein Lächeln verstärkte sich noch, während er auf eine kleine Gasse deutete. »Ich habe gesehen, wie Ihre Begleiterin dort hinten verschwunden ist.«

»Danke.«

»Ich gehe besser mit Ihnen«, sagte er. »Manche Ecken in diesem Viertel sollte eine so reizende Frau wie Sie lieber nicht ohne Begleitung aufsuchen. Deswegen ist mir Ihre Dienerin auch aufgefallen, weil ich es für unvorsichtig hielt, als sie in die Gasse ging.«

Wir gingen gemeinsam in die Richtung, die er angegeben hatte. 'Ich hätte besser Donna Bescheid gesagt', schoss es mir durch den Kopf, nachdem wir um zwei Ecken gebogen waren. Nach weiteren hundert Schritten stoppte ich ab. Etwas stimmte hier doch nicht. Woher wollte der Kerl wissen, dass Kamilla genau diesen Weg gegangen war?

»Ich gehe besser wieder zurück«, sagte ich daher und wandte mich um. Doch ehe ich einen Schritt gehen konnte, presste jemand eine schwielige Hand auf meinen Mund, sodass ich keinen Ton mehr herausbekam.

»Dir geschieht nichts, Shania. Du brauchst keine Angst zu haben!«

Es wunderte ihn hoffentlich nicht, dass ich ihm kein Wort glaubte. Ich sträubte mich, so gut ich konnte, wurde aber rücksichtslos in eines der eher schäbigen Häuser in dieser Gasse gezerrt. Mein Herz klopfte wie wild, als ich mir ausmalte, was man wohl mit mir anstellen würde. Umso größer war mein Erstaunen, als ich in der armseligen Wohnstube eine mir nur zu vertraute Gestalt sah.

»Hallo, Schwesterchen«, begrüßte mich Eli. »Du kannst sie jetzt loslassen, Philipp!«

Der Kerl hinter mir entfernte seine Hand von meinem Mund und ich sog die Luft tief ein. Jetzt sah ich auch Kamilla, die in einer Ecke des Raumes stand und mich zu Tode erschrocken anstarrte.

»Er ist mein Bruder«, sagte ich, um sie zu beruhigen, hatte damit aber nicht sonderlich viel Erfolg. Erst jetzt fiel mir ein, wo sich Eli eigentlich befand. »Bist du völlig übergeschnappt?«, fuhr ich ihn an. »Weißt du nicht, wo du hier bist?«

»In Draconia«, erwiderte er und grinste dabei so spitzbübisch, wie ich es noch von früher her kannte. »War auch gar nicht so einfach, hierher zu kommen.«

»Und was willst du in der Stadt?«

»Dich von hier fortbringen.«

Ich starrte ihn nur ungläubig an. »Aber … wie stellst du dir das vor? Sollen wir Hand in Hand aus der Stadt spazieren? Und glaubst du wirklich, dass es Xardos einfach so akzeptiert?«

Eli verzog das Gesicht. »Ich nehme an, Xardos ist das Echsenvieh, das dich gekauft hat. Mich unterstützen genügend Männer, die es mit so einem Monster aufnehmen können.«

Ich schüttelte den Kopf. »Du weißt nicht, wovon du das redest. Außerdem … was ist mit unseren Eltern? Meinst du nicht, man wird sie zur Rechenschaft ziehen? Und was wird aus Kamilla?«

Eli warf ihr einen kurzen Blick zu. »Sie kann mit uns kommen, wenn sie mag. Und was Mutter und Vater angeht: Glaubst du wirklich, dass sie noch leben? Ich kann dir sagen, dass sie nicht mehr in ihrer Hütte wohnen, weil man sie ebenfalls verschleppt hat.«

»Die Eltern einer Dohschendi leben in Draconias Vororten!«

Eli lachte nur höhnisch. »Das ist doch ein Ammenmärchen. Meinst du vielleicht, diese Echsenviecher halten sich an irgendwelche Abmachungen? Frag doch einfach nach ihnen. Ich bin jetzt schon gespannt, was sie dir antworten. Es ist an der Zeit, dass du aufwachst, Schwesterchen!« Er ergriff meine Hand. »Komm mit mir zum Widerstand, Shania. Du darfst nicht …«

»Wir müssen verschwinden, Eli!«, mischte sich Philipp ein, der die Gasse vor dem Haus beobachtete. »Dort hinten kommt ein Suchtrupp.«

»Ich suche unsere Eltern auf, und wenn du recht hast und man mich angelogen hat, komme ich zu dir!«

Er drückte mir noch einmal die Hand, bevor er und sein Begleiter durch den Hinterausgang verschwanden.

»Sag bitte nichts zu Donna oder sonst irgendjemanden!«, bat ich Kamilla, die nur stumm nickte. Ich atmete tief durch, bevor ich nach einer kurzen Wartezeit zusammen mit ihr das Haus verließ.
*****
Der Suchtrupp, den Elis Begleiter erwähnt hatte, bestand aus zehn Maharoi, die sofort in die armselige Hütte stürmten und dort drinnen alles auseinandernahmen - was ich aus den Geräuschen schloss. Donna war ebenfalls in heller Aufregung und fragte mich bestimmt ein Dutzend Mal, ob mir auch nichts passiert wäre.

»Wieso denn?«, gab ich harmlos zurück. »Ich wollte mich doch nur ein wenig umsehen.«

»Und der Normi, dem du gefolgt bist? Was ist mit dem?«

»Der ist verschwunden, nachdem er mich hierher gebracht hat. Keine Ahnung, wohin und warum.«

»Ich vermute, er hat es mit der Angst zu tun bekommen, Herrin«, mischte sich Kamilla ein. »Er hat wohl erst zu spät bemerkt, dass er eine Dohschendi ausrauben wollte.«

»Du darfst nicht so leichtgläubig sein und mit jedem fremden Kerl mitgehen!«, ermahnte mich Donna, als ob ich noch ein kleines Kind wäre. »Es gibt Normis, die … jedenfalls bleibst du lieber in unserer Nähe!«

Sie deutete auf die beiden Leibwächter, die sich hinter ihr aufgebaut hatten - zwei ziemlich grimmig dreinschauende Maharoi. Ich versprach es ihr, damit sie dieses Thema nicht noch vertiefte, und folgte ihr zu einem Café, wo wir uns auf den Schreck hin etwas stärken wollten. Während der ganzen Zeit lauschte ich mit einem Ohr auf eventuelle Kampfgeräusche und hoffte inständig, dass Eli sicher aus der Stadt verschwunden war. Es war doch heller Wahnsinn von ihm, mitten am Tag hier herumzuspazieren.

»Macht euch keine Gedanken, Herrin!«, flüsterte mir Kamilla zu, als Donna gerade abgelenkt war. »Der Widerstand hat hier viele Freunde unter den Normis.«

Das kam jetzt überraschend. Ich hatte bisher nicht geahnt, dass offensichtlich auch meine sogenannte Dienerin mit dieser Gruppe in Verbindung stand. Donna und Cassius - Xardos' Vater - ließen mich den gesamten Nachmittag nicht mehr aus den Augen, als ob sie Angst hätten, dass ich ein weiteres Mal auf Abwege geraten würde. Ich hingegen konnte es kaum erwarten, mit Kamilla unter vier Augen zu sprechen.
*****
Die Gelegenheit ergab sich am Abend, als wir uns zum Schlafen zurückziehen wollten.

»Komm bitte in mein Zimmer, Kamilla«, sagte ich betont förmlich. »Ich habe mit dir noch etwas zu besprechen.«

Hastig schloss ich hinter uns die Zimmertür und lauschte sogar noch am Holz. Erst als ich kein Geräusch vernahm, zog ich mich mit ihr in eine Ecke des Zimmers zurück.

»Du kennst Leute im Widerstand?«, fragte ich leise. Für einen Moment meinte ich, Misstrauen in ihren Augen aufflackern zu sehen. »Mein Bruder ist einer der Anführer, wie du wohl gemerkt haben dürftest«, wisperte ich. Er hatte mit mir nie über seine genaue Stellung gesprochen, aber ich wusste, dass er zumindest ein Unterführer war.

Sie nickte zögernd.

»Und warum hast du mir es nie gesagt?«

»Ich wusste bisher ja nicht, dass Ihr ebenfalls Verwandte im Widerstand habt, Herrin.«

»Kannst du etwas über meine Eltern herausfinden? Ich muss wissen, ob es der Wahrheit entspricht, dass man die Angehörigen einer Dohschendi in den Vorstädten Draconias unterbringt. Weißt du etwas darüber?«

Sie schüttelte den Kopf. »Die Vorstädte … es gibt Unterschiede …«

»Was meinst du damit?«

Kamilla holte tief Luft, so als ob sie sich Mut machen wollte. »In manche von ihnen kommen die Normis, für die man keine Verwendung mehr hat. Von diesen Orten gibt es nur Gerüchte … niemand, der bei Verstand ist, geht dort freiwillig hin und kein Mensch kehrt jemals von dort zurück. Aber eure Eltern sind bestimmt in einem anderen Teil, davon bin ich überzeugt.«

»Hat denn noch niemals eine Dohschendi ihre Eltern besucht?«

»Das weiß ich nicht. Ich bin nur eine einfache Dienerin und habe mich um solche Dinge nicht zu kümmern. Darf ich jetzt gehen, Herrin?«

Ich nickte nur stumm und setzte mich auf mein Bett. Kamilla zog sich hastig zurück, während ich über die Ereignisse des zurückliegenden Tages nachdachte. Schließlich stand mein Entschluss fest. Ich würde Xardos bitten, mit mir meine Eltern aufzusuchen. Verweigerte er mir den Besuch, dann würde ich versuchen, zu Eli zu gelangen, denn dann beruhte das ganze Arrangement auf einer Lüge. Dann wäre ich wirklich nichts weiter als eine Sklavin, die nur dafür da war, den Nachwuchs dieser Drachen auszutragen.
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