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Only with him

von QueenLuna
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho Seo Changbin
22.01.2023
24.01.2023
2
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24.01.2023 2.969
 
Kapitel 2

Einige Wochen später


„Ich gebe dir einen Kuss.“
Gespannt beobachtete ich, wie Jisung sich erhob und zu Minho hinüberging, der ihn mit übertrieben gespitzten Lippen empfing. Dass jener die Worte nur für dahingesagt hielt, war offensichtlich. Ich war mir da nicht so sicher, wenn ich mir Jisungs breites Grinsen ansah.
Generell hatte ich schon seit Tagen das Gefühl, dass da etwas unter der Oberfläche brodelte. Mehr als sonst. Allerdings konnte ich nicht genau den Finger drauflegen, es war eben nur ein Gefühl.
Aktuell drehten wir in einem abgelegenen Haus eine neue Folge „Finding SKZ“, in der es, wie sollte es auch anders sein, passend zum neuen Album um die Liebe ging. In verschiedenen Challenges mussten wir beweisen, dass wir wahre „Lover“ waren, sei es in internen Abstimmungen, Ratespielen oder wie gut wir mit Worten von uns überzeugen konnten. Nicht alles machte Sinn, aber wen interessierte das schon, solange es den Fans gefiel und uns machte es auf jeden Fall Spaß. Inzwischen waren wir in der vierten Challenge angekommen. Die dunkle Manschette eines Pulsmessers zierte Minhos Oberarm, ebenso wie Seungmins oder meinen zuvor. Die Zahlen auf der Anzeige neben ihm kratzten an der 90er Marke, wie bereits einige Male zuvor, als wir versucht hatten, ihn aus der Ruhe zu bringen. Ziel war es, so entspannt wie möglich zu bleiben, egal womit die anderen einen versuchten aus der Reserve zu locken. Selbst auf meine Provokationen hatte Minho nur leicht reagiert, dafür hatte ich mir einen seiner spitzen Konter eingefangen. Doch nun war Jisung an der Reihe und es würde mich stark wundern, wenn da der Pulsmesser nichts zu tun bekam.
Grinsend legte er seine Arme um Minhos Mitte und schmiegte sich von hinten an ihn, während dieser, entgegen seiner ersten Reaktion, konzentriert auf den Boden starrte. Gab er sich gerade größte Mühe, seinen Puls ruhig zu halten?
Fast hätte ich laut aufgelacht.
Milde lächelnd wiegte Jisung Minho leicht hin und her und dann – machte er seine Ankündigung wahr, was selbst mich überraschte. Diesmal waren es keine leeren Worte gewesen, wie sonst so oft. Seine Lippen senkten sich auf Minhos freiliegenden Nacken. Und verharrten. Eine Sekunde, zwei, drei. Plötzlich, als wäre er aus einer Trance erwacht, riss dieser die Augen auf, befreite sich hastig aus der Umarmung und rutschte weg von Jisung. Ich verbiss mir jegliche Ausrufe, während Hyunjin neben mir lachte. Auch die anderen beobachteten interessiert Minhos Pulsanzeige. Jener kniete etwas überfordert da, tastete über die Stelle in seinem Nacken. Sein Blick huschte zu der Crew hinter den Kameras, doch keiner reagierte.
Dafür sein Puls um so mehr: Stetig stieg er nach oben. Auch der verzweifelte Versuch, sich mit Atemübungen zu beruhigen, half wenig. Johlend beglückwünschten wir ihn als Erster die 100er Marke geknackt zu haben.
Ich warf einen kurzen Blick auf Jisung, der sich erneut von hinten an Minho lehnte, ihn mit seinem Gewicht nach unten drückte und dabei sehr zufrieden wirkte. Unserem Verlierer hingegen stand die Resignation ins Gesicht geschrieben, als er wenig später Chan die Manschette in die Hand drückte. Obwohl er es mit einem leichten Lächeln zu überspielen versuchte… es erreichte seine Augen nicht.
Sicher hatte sich sein Herz noch nicht beruhigt, nach den Blicken zu urteilen, die er Jisung hin und wieder von der Seite her zuwarf.

*


Irgendetwas war seltsam. Stirnrunzelnd starrte ich in den schummrig beleuchteten Flur, es war verdächtig ruhig. Hatte Jisung heute vor dem Training nicht gemeint, er wollte heute die halbe Nacht durchzocken? Das ging selten so leise zu, wie es gerade war.
Ich trat mir die Schuhe von den Füßen, stellte die Sporttasche in die Ecke und lief langsam Richtung Wohnzimmer. Es war inzwischen kurz nach Mitternacht, ich hatte wieder einmal die Zeit im Fitnessstudio vergessen und nun meldeten sich nicht nur meine Muskeln klagend zu Wort, sondern ebenso mein Magen. Ein bisschen hoffte ich darauf, dass die anderen mir etwas aufgehoben hatten, denn für selber kochen fühlte ich mich zu ausgelaugt und fürs Bestellen war es wahrscheinlich schon zu spät.

Im Wohnzimmer fand ich Chan auf der Couch vor. Sein Kopf lag auf der Rückenlehne, die Augen geschlossen. Hin und wieder war ein leises Schnarchen zu hören. Himmel, wie konnte er denn in dieser Position schlafen? Morgen hatte er sicher Nackenschmerzen und könnte dann vermutlich die nächsten Tage noch schlechter schlafen als sonst schon. Anscheinend saß er bereits eine geraume Weile so da, denn auf dem Fernseher schwebte mittlerweile nur noch der Bildschirmschoner von einer in die nächste Ecke. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er sich von alleine ausschaltete. Vorsichtig rüttelte ich an Chans Schulter.
„Hey. Aufwachen.“
Ein gemurrtes „Hm…“ war zu vernehmen.
„Geh lieber ins Bett, Chan.“
„Changbin?“
Schwerfällig öffnete sich erst ein Auge, dann mit reichlicher Verspätung das andere. Augenblicklich spürte ich einen Hauch Reue in mir aufsteigen, ihn aus den Schlaf gerissen zu haben. Aber so konnte ich ihn nun wirklich nicht sitzen lassen. Er sah wirklich müde aus. Generell war Chan nie ein sonderlich guter Schläfer, doch in letzter Zeit übertrieb er es mit dem Arbeiten deutlich. Nicht selten blieb er bis in die Morgenstunden im Studio, um sich dann für drei, vier Stunden zu Hause in sein Zimmer zurückzuziehen. Tage wie heute, wo er nur auf dem Sofa saß und Filme schaute, waren zu einer Seltenheit geworden.
Gähnend rieb er sich über die Augenlider.
„Wie spät ist es?“
„0.20 Uhr.“
„Oh.“
Er verzog das Gesicht, als er in eine aufrechtere Position rutschte. Ich meinte, es leise knacken zu hören. Jap, das gab definitiv Schmerzen.
„Bist du jetzt erst zurück?“
„Hm, diesmal hab ich etwas die Zeit aus den Augen verloren“, gab ich verschmitzt zu. „Weißt du, ob noch etwas vom Abendessen übrig ist? Der Magen hängt mir gerade in den Kniekehlen.“
„Ich glaube schon. Jisung hat heute nicht sonderlich viel gegessen und wenn ich mich recht erinnere, war Hyunjin bei den anderen.“
Erfreut inspizierte ich den Kühlschrank. Die zwei großen Schüsseln waren nicht zu übersehen, eine voll mit Reis, die andere mit gedämpften Gemüse und Hähnchen, wie ich auf den zweiten Blick erkannte. Mein Magen gab ein ungeduldiges Grummeln von sich, während ich alles schnell in eine Pfanne lud, um es kurz zu erwärmen.
„Willst du auch etwas?“
Es war mehr als ausreichend übrig.
„Später vielleicht.“
Über die Schulter hinweg warf ich Chan einen vielsagenden Blick zu. Er sollte gar nicht erst auf den Gedanken kommen, wach zu bleiben, sondern schleunigst ins Bett verschwinden. Da gab es nichts mit „Später vielleicht.“
Kommentarlos teilte ich kurz darauf den Pfanneninhalt auf zwei Schüsseln auf und stellte eine davon vor Chan auf dem Tisch ab und setzte mich selbst mit der zweiten neben ihn. Resigniert seufzend griff er nach den mitgebrachten Stäbchen.
„Danke.“

Schweigend aßen wir, über den Fernseher flimmerte inzwischen leise eine Tierdoku, die Chan willkürlich ausgewählt hatte, damit wir nicht in völliger Stille versanken.
„Sag mal, wollte Jisung nicht eigentlich noch zocken?“
„Hm ja, aber er ist vorhin in seinem Zimmer verschwunden und hat nichts mehr in die Richtung verlauten lassen. Vielleicht hatte er keine Lust mehr und wollte zeitig schlafen gehen.“
Entgegen seiner Worte wirkte Chans Gesichtsausdruck, als er würde er sich selbst nicht glauben. Jisung und schlafen? Für gewöhnlich konnte der überall ein Nickerchen halten, nur waren in den letzten Tagen die Schatten unter seinen Augen dunkler geworden, sodass ich befürchtete, dass er es unseren Leader gleich tat und unter die Schlaflosen gegangen war. Wahrscheinlich aber eher unfreiwillig.
Mit einem Seufzen ließ ich die Stäbchen sinken und lehnte mich zurück. Chan hatte es sicher auch bemerkt. Ach was: alle.

Letzte Woche, während den abschließenden Dreharbeiten zu „Finding SKZ“, war alles normal gewesen. Von seltsamer Stimmung, keine Spur. Beim zwei Tage später stattfindenden Tanztraining war es mir dann das erste Mal aufgefallen. Jisung und Minho benahmen sich komisch. Ich hätte nicht spontan sagen können, was es war, aber irgendetwas lag in der Luft.
Mittlerweile wusste ich es. Es war die Art, wie sie miteinander umgingen. Oder nicht umgingen. War da sonst diese Wärme in ihren Blicken gewesen, wenn sie einander beobachteten, so waren da nun gar keine Blicke mehr. Sie sprachen generell etwas weniger, wobei es bei Jisung nicht so stark auffiel wie bei Minho. Der Jüngere alberte trotzdem wie gewohnt viel herum, doch nun bei genauerer Betrachtung wirkte es angestrengt und eher aufgesetzt. Und Minho… er trainierte noch verbissener.
Sie gingen sich eindeutig aus dem Weg. Und selbst mir tat es weh beim Zusehen, obwohl die beiden sich uns anderen gegenüber recht normal verhielten.

„Glaubst du, sie bekommen das wieder hin?“, fragte ich völlig ohne Zusammenhang in unser Schweigen hinein. Chan wusste garantiert, was ich meinte.
„Ich denke doch. Wer, wenn nicht die beiden.“ Seine Mundwinkel zuckten dezent. „Sie können doch nicht ohne den anderen.“
Das stimmte. Sie brauchten sich. Wobei Minho wahrscheinlich noch weniger ohne Jisung leben konnte, als umgekehrt. Wie oft war ihm die Eifersucht an der Nasenspitze anzusehen gewesen, wenn der Jüngere ihn nicht beachtet hatte und jemand anderem die Aufmerksamkeit schenkte. Da hatte jener sich besser im Griff. Dennoch waren da die unzähligen Blicke und kleine Berührungen, die jedes Mal zeigten, wie nah sie sich standen.
Um so ungewöhnlicher die letzten Tage.
„Denkst du auch, es liegt am Dreh? An der Sache mit dem Kuss?“
„Gut möglich. Wobei es mich überrascht, dass es Lino so aus dem Konzept bringt. Er scheint –“
Das Geräusch einer Tür ließ mich innehalten. Irritiert blickten wir in die entsprechende Richtung, aus der sich wenige Sekunden später eine dunkle Gestalt aus dem Halbdunkel des Flurs schälte.
Jisung.
Als er uns entdeckte, erstarrte er mitten in der Bewegung.
„Oh.“ Es dauerte einige Herzschläge, bis er sich fing und mit schlurfenden Schritten auf das Sofa zuging.
„Ich dachte, hier wäre keiner mehr.“
„Sorry.“ Chans Blick wanderte besorgt über Jisung, der sich mit einem tiefen Seufzen neben mich fallen ließ, die Beine an den Körper zog und die Arme darumlegte. „Möchtest du auch noch etwas essen?“
„Nein, danke. Hab keinen Hunger.“ Er schloss die Augen und stützte die Stirn auf den Knien ab.
„Ich kann nicht schlafen.“
Es war eher ein undeutliches Gemurmel, wir verstanden ihn trotzdem.
Chan warf mir einen vielsagenden Blick, ehe er sich erhob und sich auf Jisungs andere Seite setzte. Sanft über dessen Rücken streichelnd rutschte er etwas näher.
„Hannie, wenn du -“
„Wir haben uns gestritten“, wurde er unterbrochen. „Gleich nachdem wir mit dem Dreh im Wasserpark fertig waren. Jetzt redet er nicht mehr mit mir oder nur das Nötigste.“
„Oh.“
Wie wir bereits geahnt hatten, dennoch überraschte mich Jisungs klare Aussage. Lag es am Schlafmangel, dass er direkt mit der Tür ins Haus fiel? Natürlich hatten es auch in der Vergangenheit ab und zu Streit zwischen ihnen gegeben, was nichts Ungewöhnliches war, wenn man ständig zusammenhockte. Unstimmigkeiten kamen zwischen uns allen vor, meist klärte es sich aber innerhalb eines Tages und oftmals erfuhren die anderen nichts davon.
Jisung drehte den Kopf leicht zur Seite, seine müden Augen musterten mich, schienen nach etwas Bestimmten zu suchen.
„Meinst du… meint ihr, es war ihm zu viel?“
„Was denn?“
„Der Kuss“, seufzte er. „Hab ich übertrieben?“
Chan schmunzelte leicht hinter Jisungs Rücken, während er weiter unbeirrt über selbigen strich und ich nach der passenden Antwort suchte.
„Naja, übertrieben ist relativ. Vielleicht kam es etwas überraschend für ihn. Bisher habt ihr ja eher diesbezüglich herumgealbert, jedenfalls wenn andere dabei waren.“
„Sonst auch. Ach Mann.“
Stöhnend vergrub er sein Gesicht in seinen Armen.
„Ich wollte es halt tun, schon seit einer Weile.“ Wurden seine Wangen dunkler oder täuschte das Licht? „Es hat sich richtig angefühlt… aber wohl nicht für Lino.“
Was sagte man darauf? Wer wusste schon, was wirklich in Minhos Kopf vor sich ging? Fragend sah ich über Jisung hinweg zu Chan, der überlegend die Lippen schürzte: „Ich hoffe – ich denke, für ihn fühlt es sich auch richtig an, wenn er genauer darüber nachdenkt. Er ist manchmal etwas verkopfter als du.“
„Genau“, stimmte ich mit ein. „Der bekommt sich schon wieder ein. Minsung bringt nichts so einfach auseinander.“
Kurz herrschte Stille, dann begann Jisungs Rücken zu beben. Er lachte gedämpft. Ich fing Chans Grinsen auf und hob verwirrt die Augenbrauen. Was amüsierte die Beiden?
„Binnie, du kannst nicht anders, oder?“
Mein Blick huschte zu Jisung, der sich immer noch in seinen Armen versteckte.
„Was meinst du?“
„Na, uns zu shippen, wie man das so schön nennt.“
Nun musste ich ebenfalls lachen.
„Nein. Ganz ehrlich, ihr passt zu gut zusammen. Deshalb hoffe ich, dass es irgendwann mal nicht mehr bloßes Shippen ist.“
Jisung blinzelte mir zu. Ein Lächeln zierte seine Lippen.
„Ich hoffe es auch.“

*


Ich hatte ein Déjà-vu.
Also fast, aber definitiv kam mir die Szene vor mir sehr bekannt vor.

Es waren mittlerweile einige Tage seit dem Gespräch mit Chan und Jisung vergangen. Im Moment probten wir viel getrennt oder in kleinen Gruppen, so konnte ich nicht sagen, ob sich seither zwischen ihnen etwas geändert hatte. Außerdem standen die nächsten Aufnahmen vor der Tür und erhöhten das Stresslevel noch einmal, weshalb ich auch keine Zeit hatte, unsere beiden Problemkinder im Auge zu behalten. Aber immerhin waren sie erwachsen und da sollte sie so ein simpler Kuss in den Nacken nicht auf ewig aus der Bahn werfen. Wobei es ja vielmehr Minho war, der damit nicht klarzukommen schien. Er war ja auch sonst derjenige gewesen, der auf bestimmte Anspielung empfindlicher reagiert hatte. Vermutlich hatte ihn dieser Kuss nur einiges vor Augen geführt, das er bisher erfolgreich verdrängt oder ignoriert hatte. Blieb die Hoffnung, dass Jisung hartnäckig blieb.

Allerdings, so wie es gerade aussah, schien ich mir gar keine Gedanken mehr darum machen zu müssen.
Eigentlich hatte ich mich leise, auf besockten Füßen, am Wohnraum vorbeischleichen wollen, der nach den Geräuschen zu urteilen, von einem Teil meiner Mitbewohner besetzt war – den frisch erworbenen, wohlduftenden Pizzakarton dabei hinter mir versteckt, in der irrwitzigen Annahme, er könnte meine Anwesenheit auf diese Weise verheimlichen. Heute wollte ich in Ruhe essen, ohne Kommentare und geklautem Essen.
Nur aus dem Vorbeischleichen wurde nichts. Nicht bei der Szene, die sich mir bot. Und das lag nicht an dem Horrorfilm, der gerade über den Fernseher flimmerte und den Raum in ein düsteres Licht tauchte.
Nein, es waren die beiden Gestalten, die, mit dem Rücken zu mir, eng aneinander gekuschelt auf dem großen Sofa saßen. Minho und Jisung.
Ohne mein bewusstes Zutun wanderten meine Mundwinkel nach oben, doch ich hütete mich, auf mich aufmerksam zu machen, wollte ich doch diesen Moment nicht zerstören.
Jisungs Kopf lehnte an Minhos Schulter, während dessen Hand leicht über seinen Nacken und den Haaransatz kraulte. Würde nicht gerade eine Frau eindrucksvoll das Zeitliche im Film segnen und damit die angenehme Atmosphäre im Raum stören, hätte man Jisung sicher genießerisch seufzen hören.
Verdammt, zu gerne wollte ich ihre Gesichter sehen, aber ich würde lieber meine Pizza wegschmeißen, als die beiden zu unterbrechen. Und das wäre ein ziemlich großes Opfer.

So blieb ich still im Durchgang zum Flur stehen, betrachtete wohlwollend die Szene vor mir und kam nicht um hin, mich einfach nur zu freuen.
Minho sagte etwas, das ich nicht verstand, woraufhin sich Jisung von ihm löste. Dieser drehte sich leicht nach hinten, um nach einer der Flaschen zu greifen, die sie anscheinend im Vorfeld hinter dem Sofa gebunkert hatten.
Dabei fiel sein Blick auf mich, der immer noch bewegungslos und wahrscheinlich ziemlich dämlich mit seinem Pizzakarton in der Hand da stand. Dass mich der Duft noch nicht verraten hatte…
Jisung stockte, blinzelte, dann, als hätte er mich endlich erkannt, breitete sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus, das ich ohne zu zögern erwiderte. Manchmal verstanden wir uns ohne Worte, denn er zwinkerte frech mir zu, ehe er sich zurück zu Minho drehte, ihm die Flasche reichte und ihn in derselben Bewegung zu sich heranzog.
Er warf mir noch einmal einen kurzen Blick aus dem Augenwinkel zu. Er sah glücklich aus und die Freude darüber machte mich ganz kribbelig. Besonders als seine Lippen sanft Minhos Schläfe berührten und für einen Moment dort verweilten. Beinahe hätte ich ein sehr unmännliches Quietschen von mir gegeben, biss mir aber rechtzeitig auf die Zunge.
Ich hatte genug gesehen.
Vorsichtig trat ich den Rückzug an, darauf bedacht kein Geräusch zu verursachen, denn vermutlich würde Minho nicht ganz so gelassen reagieren wie Jisung, wenn er mich bemerkte. Kurz bevor ich aus der Sichtweite verschwand, hielt ich erneut inne. Minho wegen. Er hatte sein Gesicht Jisung zugewendet und lächelte. Obwohl ich es aus der Entfernung nicht erkennen konnte, war ich mir sicher, dass sein Blick diesen einzigartig warmen Ausdruck ausstrahlte, den er nur in der Gegenwart des anderen bekam.
Hach… Selbst wenn die Beiden sich jetzt wirklich gefunden hatten, würde ich ihnen wohl trotzdem weiterhin einen Großteil meiner Aufmerksamkeit schenken – einfach, weil es so schön war, zu sehen, wie sie miteinander umgingen.

Leise schloss ich die Zimmertür hinter mir und biss mir auf die Unterlippe, um den triumphierenden Laut, der unbedingt herauswollte, in mir einzuschließen. Schnell stellte ich den Pizzakarton auf den schmalen Schreibtisch neben dem Bett ab, ehe ich mit fahrigen Fingern das Handy aus der Jacke zog und die Messaging App und gleich darauf den Gruppenchat öffnete.
„Minsung haben es endlich geschafft.“
Verziert natürlich mit ausreichend Herzchen- und Kuss-Emojis.
Grinsend beobachtete ich, wie einer nach dem anderen online ging, die Nachricht las und anfing zu tippen. Doch ehe die ersten Reaktionen sichtbar wurden, traf eine, viel lauterer und verbaler Natur, durch meine geschlossene Zimmertür hindurch, mein Gehör und brachte mich endgültig zum Lachen.
„CHANGBIN!! DU -“


Ende


Nachwort
Ich hoffe, es hat gefallen ^^ ja, es ist eine kurzweilige Geschichte, aber so war sie von Anfang an ausgelegt. Ich wollte es nicht so ewig in die Länge ziehen, deshalb gibt es diese Zeit- und Szenensprünge ^^
Über Feedback aller Art und Empfehlungen würde ich mich wie immer freuen.

Liebe Grüße
Luna

PS: Wenn mir meine Musen treu bleiben, gibt es evtl. zu dieser Geschichte noch ein kurzes Spin-off.
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