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Die B-Seite, Einblicke in [ein Leben mit] BID

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
16.01.2023
31.01.2023
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7.115
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25.01.2023 267
 
Ich kann gut nachvollziehen, dass es einer nicht von BID betroffenen Person kaum verständlich gemacht werden kann, zwei gesunde Arme und Beine gegen eine Mehrfachamputation zu tauschen. Da mag auch dem Wohlwollendsten so leicht nichts Positives einfallen.

Deshalb suchen Menschen, die nur kurz etwas über BID hören, offenbar nach anderen Motiven, warum jemand ein Leben mit körperlicher Beeinträchtigung bevorzugen könnte. Motive, die eines gemeinsam haben: sie reichen von wenig schmeichelhaft bis zu zutiefst beleidigend: Nicht arbeiten wollen, dafür vom Sozialstaat leben; Mitleid und Sympathie heischen; Aufmerksamkeit um jeden Preis erreichen; Vergünstigungen erschwindeln; oder einfach Verrückte, die man wegsperren sollte. Gerade in Sozialen Netzwerken lassen sich solche Vorwürfe leicht und anonym erheben. Mich macht das immer sehr betroffen, wenn ich so etwas lese, weil ich spüre, dass zur Ausweglosigkeit auch noch Stigmatisierung durch weite Teile der Bevölkerung kommt.

Man liest auch vom Unverständnis von Behindertenvertretern, die BID-Betroffenen Respektlosigkeit attestieren, das Verleugnen oder Verharmlosen des Leidens, die Undankbarkeit, gesund zu sein, das völlige Verkennen der mit einer körperlichen Beeinträchtigung verbundenen Probleme, das streitig machen von Sozialleistungen oder aus einer Behinderung ein „Fetisch“ zu machen. Dies erfolgt oft im Zusammenhang mit dem Simulieren einer Behinderung in der Öffentlichkeit. Dass BID-Betroffene auch gute Vertreter von Anliegen von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sein würden, liest man hingegen nie.

Wir haben nicht nur ein Leiden, an dem wir keine Schuld tragen und dass nicht therapiert werden kann, sondern auch keine Öffentlichkeit, die uns unterstützt. Durch Aufklärung kann man vielleicht helfen, verständlich zu machen, was wirklich hinter der Krankheit steckt.
Gutes Image heißt Arbeit – in Falle von BID sehr viel Arbeit.
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