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Schottland als Pauschalreise ... lohnt sich das?

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
15.01.2023
29.01.2023
11
13.070
2
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25.01.2023 1.315
 
Part 9

Frühstück gab es in gewohnt üppiger Form mit Pancake, Porridge, Obst, Bohnen, Eiern, Toast, Kaffee, Tee, Saft. Dazu wie üblich gebratene Tomaten, Haggis und Würstchen.
Übrigens konnte man im Frühstücksraum des Alexandra-Hotels Heißgetränke von zwei Kaffeeautomaten bekommen … entspanntes Frühstücken trotz Andrang garantiert. Denn außer uns war noch eine zweiter Reisegruppe im Hotel eingecheckt.
Dann hieß es erneut Kofferpacken. Vor uns lagen 157 Meilen (über 250 Kilometer) bis zur letzten Übernachtung auf der Insel. Unser geduldiger Busfahrer betrieb zum dritten Mal seinen Frühsport, um alle Koffer ordentlich zu verladen.
Natürlich musste es bei der Abfahrt wieder regnen und los ging die Fahrt ins Glen Coe.
Nach rund 12 Meilen veränderte sich die Landschaft, wurde bergiger und karstiger. Schroff aufragende Felsen hielten den Regen im Tal schön fest.
Was macht das Glen Coe so besonders außer eben die wahrlich grandiose Natur?
Es dient natürlich in der jüngeren Neuzeit als Filmkulisse für etliche Filme. Doch das ist eher nebensächlich.
Glen Coe wird historisch bedingt vor allem das „Tal der Tränen“ genannt.
Nein, nicht wegen dem fast konstant feuchtem Wetter, nein, hier fand im Jahre Winter 1692 ein grauenvolles Massaker am Clan der Mc Donalds nach einer ausgeklügelten politischen Intrige statt. Grausam, weil ohne Gnade gehandelt werden sollte und auch, weil man vorher noch die Gastfreundschaft des Clans ausnutzte! Es wurde damit an einem ungeschriebenen Gesetz nicht nur gerüttelt, sondern es wurde brutalst missachtet. Weitere Ausführungen spare ich mir dazu … Geschichtsinteressierte können dazu alles im Web nachlesen.
Wir machten jedenfalls genügend beeindruckende Bilder von dieser Landschaft voller Gegensätze. Denn die schroffen Felsen wurden immer wieder von Wasserfällen durchschnitten.
Da meine Freundin im Frühjahr zu Fuß durch das Tal wanderte, konnte ich jetzt im Ansatz auch nachvollziehen, wie sehr dieser Landstrich einen Menschen mental fordern kann. Wir sind ja nur sehr kurzzeitige Gäste, aber wenn man in dieser Landschaft sein Leben verbringt … wie formte und formt das dann den Menschen?
Die Sicht veränderte sich, das Glen Coe wurde sanfter, weitet sich zum Rannoch Moor.
Unsere Reiseleiterin erzählte, dass es heftige Diskussionen gab, bevor man vor etlichen Jahren hier ein Wintersportgebiet eröffnete. Egal, welche Bedenken es gab, das Wintersportgebiet wurde in diesem westlichen Übergangsbereich vom Glen zum Rannoch Moor gebaut. Man nahm damit bewusst in Kauf, eine sensible Landschaft, die bis dahin kaum berührt war, zu zerstören. Wir haben keine sichtbare Zerstörung entdeckt, aber der menschliche Eingriff in solche Naturgebiete schon allein durch den Bau der Straßen dürfte sich auch auf Fauna und Flora ausgewirkt haben und auswirken.
Rannoch Moor … eine Gegend, die scheinbar sich sanft zeigt, aber so nicht ist.
Den trügerischen Untergrund des Moores sollte man nicht unterschätzen, selbst auf einem kleinen Aussichtspunkt blieb der Boden irgendwie nachgiebig. Auf jeden Fall hat wohl der Bau der eingleisigen Eisenbahnstrecke von Glasgow nach Fort William/ Mallaig quer durch diese Gebiet die damaligen Ingenieure gefordert, weil ein Moor nun mal selten eine gleichmäßige Struktur hat. Dieser Streckenabschnitt im Moor ist auch nur mit maximal 30 Kilometern je Stunde zu befahren aus Sicherheitsgründen.

Ein kurzer Halt für einen Blick auf die Ruine von Kilchurn Castle, idyllisch am Loch Awe gelegen. Doch die Zeit drängte, mehr als ein Fotostop war nicht drin. Hier war der Zoom des Kameraobjektivs gefordert!
Interessant war aber das Warnschild an unserem Haltepunkt: Dogs must be kept on leads

Weiter ging unsere Fahrt zum Inveraray Castle, malerisch gelegen am Loch Fyne, Sitz des Campbell Clans. Mittagszeit … Besichtigung des Schlosses, gründliches Füße vertreten und erneut einen Landschaftspark begutachten.
Inverary Castle wirkt für unsere Augen vertraut. Irgendwie trutzig und zugleich heiter. Ein bisschen fühlte ich mich an französische Schlösser erinnert. Man sollte, wenn man dort ist, sich wirklich viel Zeit nehmen und sowohl das Schloss als auch die unmittelbar angrenzenden Ländereien besichtigen. Im Schloss selbst gibt es unter anderem eine wahrlich beeindruckende Halle voller kunstvoll angeordneter Breitschwerter, Hellebarden, Äxte und Musketen. Eroberte „scharfe“ Waffen oder sind es nur Zierwaffen? Ich weiß es nicht, leider.
Wenn jetzt jemand fragt, wo kann ich das Schloss im Vorfeld anschauen, dem empfehle ich in der Filmreihe Downton Abbey die 3. Staffel anzuschauen, speziell die Weihnachtsfolge. Selbst im Castle wird heute noch dezent Werbung dafür gemacht.
Der sich dem Schloss unmittelbar anschließende Park ist jedenfalls eine Augenweide. Nach einer genaueren Untersuchung des dortigen Rasens kann ich allen Hobbygärtnern hier in Deutschland nur die Empfehlung geben … vergesst es, ihr schafft es nicht bis sehr selten, hier einen englischen Rasen zu 100 Prozent zu etablieren. Dafür ist es in Deutschland einfach zu heiß, zu trocken und man müsste einen speziellen Rasenmulchmäher neben sehr viel Zeit dafür haben.
Originell fand ich, dass der Bauherr des Schlosses, seine Lordschaft der 3. Duke of Argyll, die alte Ortschaft Inveraray abreißen ließ, damit seine Aussicht auf das Loch Fyne ungetrübt war. Aber seine Lordschaft ließ im Vorfeld einen neuen Ort für die Bewohner etwas abseits errichten, der seine Aussicht eben nicht mehr störte. Seine Lordschaft hätte ja auch knallhart sagen können, weg da, seht zu, wo ihr künftig wohnt. Ne, sozialer Weise hat er etwas entfernt eine kleine Planstadt im georgianischen Stil errichten lassen. Inzwischen sorgt sich der Denkmalschutz weitgehend um den Erhalt, denn etliche der Gebäude sind unter Denkmalschutz gestellt.
Nach rund zwei Stunden Aufenthalt ging es für uns weiter.
Die Landschaft wurde etwas bewaldeter als bisher. Allerdings, auch wenn wir es nur aus der Ferne sahen, waren hier die Nadelholzbestände als Monokulturen ebenso schwer geschädigt, sahen vertrocknet aus wie in Deutschland! Man sah dadurch deutlich, dass selbst das angeblich ständig verregnetes Schottland mit dem Klimawandel kämpft.
Das Bemühen wieder einen gesunden, widerstandsfähigen Mischwald heranzuziehen, wurde in den vorhanden Kahlschlägen am Straßenrand sichtbar. Bäume benötigen aber eben dafür verdammt viel Zeit.

Der nächste längerer Stopp war Luss am Loch Lomond.
Ein hübsches kleines Örtchen, welches an den Wochenenden und im Sommer sicher regelrecht belagert ist, wenn man der Parkplatzgröße trauen darf. Loch Lomond selbst ist der größte See Schottlands. Gerade bei unserer Ankunft ging ein heftigerer Regenschauer vom Feinsten nieder. Er hielt uns aber nicht ab, zum See zu laufen und zur Seebrücke. Genau bei unserer Ankunft am See hellte es sich auf und ein doppelter Regenbogen spannte sich wie bestellt über den See.
Wieder kam der Ah und Oh Effekt.
Luss ist selbst ein Bilderbuchörtchen, ganz so, wie man sich ein schottisches Dörfchen vorstellt. Niedrige Cottages, welche alle von mehr oder weniger breiten Gärten eingefasst sind. Selbst wenn es nur ein schmaler Streifen war, ein paar Rosen, Montbretien, Pampasgräser, Farne oder Fuchsien fanden immer ihren Platz. Ein Idyll pur, welches zum Fotografieren herausforderte.

Weiter ging unsere Fahrt, das letzte Hotel wartete in Castlecary bei Glasgow auf uns.
Unsere Reiseleitung ersparte uns Glasgow mit seinem Innenstadtverkehr zur Rushhour, stattdessen fuhren wir ostwärts zunächst in Richtung Stirling. Die Straßen waren dabei zwischenzeitlich arg ländlich schmal, aber unser Busfahrer steuerte geschickt durch die von Hecken begrenzten Straßen.

Am Ende des Tages waren wir doch froh, dass wir endlich aussteigen durften. Ein letztes Mal die Koffer in Empfang nehmen. Einchecken im Hotel, welches mehr ein Motel war. Ein Großteil der Zimmer war in kleinen Reihenhäuschen untergebracht und entsprechend holprig gestaltete sich die Zimmersuche.
Zumindest hatten wir freie Sicht auf ein Eisenbahn-Viadukt von unserem Zimmer aus. Störte nicht, denn der nächste Tag war erneut ein Streiktag … und der Zugverkehr des Abends lief schon gemächlicher. Man erinnere sich, bereits der Vortag war ein Streiktag. Es bestand also kein Grund, den Zugverkehr wieder vollumfänglich aufzunehmen. Aber das alles war für uns nicht mehr so interessant und relevant.
Obwohl man vielleicht noch ein paar Eisenbahnbilder hätte machen können, wenn eben nicht der Streik dazwischen gekommen wäre. Der Viadukt hier in Castlecary hatte auch etwas für sich, denn er war elektrifiziert. Nach meiner Beobachtung waren häufiger Dieseltriebzüge unterwegs auf den anderen Strecken im Norden.
Abendessen, ein letztes schottisches Bier dazu.
Dann ab ins Bett.
Nein, eine gemeinsame Decke ist kein Garant für erholsamen Schlaf.
Bei aller Liebe, ne, meine eigne Decke ist mir heilig. *lach*
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