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Elf Jahre und ein Tag

von Ken
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
01.01.2023
09.04.2023
22
82.334
24
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Dieses Kapitel
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07.03.2023 2.729
 
Kapitel 13 – Neue Aussichten II (26.09.2014)


Die Klingel ertönte und riss Tristan damit zurück in die Gegenwart. Hastig schnappte er sich fünf DVDs – achtete dabei penibel darauf, dass sie nicht aus dem Fach mit den Science-Fiction-Filmen kamen. Sekunden später war er auf dem Weg zurück in den Flur. Von der Wohnungstür aus waren bereits Stimmen und Gelächter zu hören.

Das Lächeln, als er Brendan gegenüberstand, fiel Tristan leicht. Obwohl sie sich inzwischen seit gut vier Jahren nur noch unregelmäßig trafen, betrachtete Tristan Brendan als seinen Freund – wenn auch grundverschieden von der Art Freundschaft, die er mit David pflegte.

„Hey Tris, hast du etwa schon wieder an Muckis zugelegt?“, begrüßte Brendan ihn lachend.

Kopfschüttelnd reichte Tristan ihm die Hand. „Nope, du wirst nur allmählich senil auf deine alten Tage“, gab er im gleichen saloppen Tonfall zurück. „Wenn du dich häufiger sehen lassen würdest, könntest du dich auch dran erinnern, wie ich aussehe.“

Aus dem Augenwinkel sah Tristan, wie David zunächst zusammenzuckte, dann aber das Sixpack nahm, das Brendan mitgebracht hatte und damit schweigend in der Küche verschwand. Für eine Sekunde war Tristan versucht zu folgen und sich zu entschuldigen. Aber es wäre Brendan aufgefallen, hätte womöglich zu Fragen geführt. Zwei Dinge, die David wiederum nicht gefallen würden.

Also hob Tristan stattdessen den Stapel DVDs hoch, den er in der linken Hand hielt und deutete auf die Tür zu Davids Zimmer. „Worauf hast du heute Lust?“

Brendan seufzte betont theatralisch und zuckte mit den Schultern, während er vorausging. Wie selbstverständlich öffnete er die Tür zu Davids Zimmer und ließ sich prompt neben dessen Bett auf den Boden gleiten. Schon wieder war da ein kurzes Ziehen in Tristans Magen. Und erneut ignorierte er es.

„So lange es keine Schnulze ist, ist mir das egal.“

Zögerlich trat auch Tristan ein. An jedem anderen Tag wäre es das Normalste auf der Welt, dieses Zimmer zu betreten. Aber immer, wenn Brendan sie besuchte, fühlte es sich fremd an. Als würde Tristan sich zwischen David und seinen Gast drängeln. Etwas, das Tristan bei jedem anderen Besucher ganz sicher nicht machen würde. Erst recht nicht, wenn es um die Sorte ging, die für eine Nacht blieb und danach bitte niemals wiederkommen sollte.

Aber Brendan war keiner von diesen Typen. Er war in Davids Heim stets willkommen – und würde es vermutlich auch immer sein. Selbst wenn David seine hoffnungslose Liebe irgendwann aufgeben könnte.

„Was hast du denn im Angebot?“, fragte Brendan und deutete auf den Stapel, den Tristan weiterhin in der Hand hielt.

„Er hat versprochen, dass diesmal kein Star Wars dabei ist, also brauchst du danach gar nicht erst suchen“, sagte David, bevor Tristan antworten konnte. Lachend drängelte er sich an diesem vorbei und stellte einige Schüsseln mit Dips auf dem kleinen Couchtisch vor dem Bett ab. „Nur ein paar Kleinigkeiten, um den Abend gebührend genießen zu können.“

Damit verschwand David auch bereits erneut aus dem eigenen Zimmer. Garantiert lief er zurück in die Küche, um weiteren Nachschub zu holen.

„Hat er mal wieder übertrieben?“, fragte Brendan leise, mit einem zaghaften Lächeln.

Die gemurmelte Antwort rutschte Tristan heraus, bevor er sich bremsen konnte: „Tut er doch immer, wenn du kommst.“

Einen Augenblick lang starrten sie sich an. Brendan lächelte, aber zum ersten Mal, seit Tristan den Mann kannte, war er sich sicher, dass es nicht echt war – dafür umso trauriger. Wusste der Kerl am Ende, dass David diesen ganzen Mist nur für ihn veranstaltete? Und warum?

„Jetzt zeig schon die DVDs“, meinte Brendan heiser, augenscheinlich bemüht sein wackelndes Lächeln aufrecht zu erhalten. „Hab euch oft genug versetzen müssen, um Dalia nicht zu verlieren. Da kann ich doch die paar verbliebenen Gelegenheiten nicht verpassen.“

Wortlos reichte Tristan ihm den Stapel und wartete darauf, dass Brendan sie durchsah. Der sagte zur Auswahl kein Wort, obwohl ihm das sichtlich schwerfiel. In der Eile, irgendwas zu greifen, was nicht bei den Science Fiction einsortiert war, hatte Tristan dummerweise so einige Romantikfilme erwischt. Auf die stand David nur an bestimmten Tagen.

An Abenden, wenn er wegen Brendan besonders deprimiert war. Dann hatten genau diese Filme durchaus ihren Zweck erfüllt. Einem Happy End konnte selbst Tristan etwas abgewinnen. Sogar, wenn man dafür erst einmal anderhalbstunden Schmalz ertragen musste.

Anscheinend konnte sich Brendan spontan für keinen der Filme genug begeistern, um etwas auszusuchen.

„Was ist das denn für eine Auswahl?“, kommentierte kurz darauf auch David, die inzwischen neben dem Couchtisch liegenden DVDs. „Ich dachte, das hier wird ein Männerabend.“

Grinsend griff Brendan endlich eine DVD und hielt sie nach oben: „Fight Club?“

David und Tristan stöhnten unisono und schüttelten den Kopf. „Gib die her“, meinte Letzterer und riss dem weiterhin grinsenden Brendan die DVD aus der Hand. „Das war das blödeste Geschenk, das ich je von dir bekommen habe.“

„Hey, der ist Kult! Du hattest ihn vorher nie gesehen. So etwas gehört schließlich zur Allgemeinbildung“, widersprach Brendan lachend, wandte sich schlussendlich aber doch wieder der übrigen Auswahl zu.

Schnaubend schüttelte Tristan den Kopf. Ganz sicher würde er nicht zugeben, dass er den Film mit seinem Mitbewohner mehr als einmal gesehen hatte. Dessen eindringlicher Blick flehte Tristan förmlich an, das bloß nicht zu erwähnen. Stattdessen griff David zu einer der Hüllen und hob sie hoch, um sie seinen Freunden zu zeigen.

„Wie wäre es mit dem?“

Tristan sah zunächst zu Brendan, der seinerseits zu ihm zurückblickte, bevor er antwortete: „Na da müssen wir aber mit Teil eins anfangen. Was meinst du, Tris?“

Achselzuckend nickte Tristan David zu. „Du weißt, wo sie stehen.“

Immerhin war es keine Romanze und etwas Action zusammen mit dem passenden Humor, würde den Abend womöglich wieder in die richtige Spur bringen. Wobei es noch immer fraglich war, was genau das für eine Spur sein sollte.

David grinste zufrieden und hüpfte förmlich aus dem Zimmer, um in Tristans nach den anderen beiden DVDs zu suchen. Aus dem Augenwinkel schielte dieser zu Brendan. Der hatte sich jedoch bereits den Taccos und den dazugehörigen Dips zugewandt und schien den Aussetzer ihres gemeinsamen Freundes wie immer zu ignorieren.

Kaum war David zurück und die DVD eingelegt, schnappte der sich eine der offenen Bierflaschen vom Tisch und drängelte sich an Tristan vorbei, um zwischen ihm und Brendan zu sitzen. Zufrieden lächelnd sank David mit an das Bett gelehntem Rücken in sich zusammen.

Also ignorierte Tristan das schon wieder einsetzende Ziehen in seinem Bauch und schnappte sich stattdessen eine weitere Bierflasche, die David vorsorglich für ihn mitgebracht hatte. Schweigend wandten sie sich alle drei dem Fernseher zu.

Wann waren Männerabende eigentlich dermaßen langweilig geworden?

-`ღ´-


Es war nicht das erste Mal, dass Tristan die ‚Expendables‘ Reihe gesehen hatte, und es würde nicht das letzte Mal sein. Jedenfalls nicht so lange er mit Bruce Willis Fan David unter einem Dach wohnte. Da Brendan bisher nur den ersten Teil gesehen hatte, gab es reichlich Stoff, über den sie sich gemeinsam amüsieren konnten.

Allerdings wurden die Stimmen während des zweiten Films zunehmend leiser. Etwa in der Mitte von Teil drei fielen Tristan immer wieder die Augen zu. Als er am Nachmittag im Klub zum Boxtraining gewesen war, hatte er nicht mit über fünf Stunden DVD-Marathon gerechnet. Entsprechend erschöpft fühlte er sich inzwischen.

Ganz zu schweigen davon, dass Tristan dringend auf Toilette musste. Das würde bis zum Ende des Filmes nicht mehr reichen. Mit einem verhaltenen Seufzen stellte er die Bierflasche auf den Couchtisch und stemmte sich nach oben. Tristan war noch nicht einmal vollständig in der Senkrechten, als er bereits innehalten musste. Mit geschlossenen Augen drängte er den aufsteigenden Schwindel zurück.

Verdammt! Das war wohl ein Bier zu viel.

Und mindestens zwei, die vehement darauf bestanden, seinen Körper wieder zu verlassen. Mit etwas Glück auf die herkömmliche Weise und nicht auf die eher unangenehme. Schwankend setzte Tristan sich in Bewegung. Er schaffte es ohne weitere Vorkommnisse bis ins Bad. Dort nahm das Bier glücklicherweise den dafür vorgesehenen Weg und so stand er kurz danach am Waschbecken und hielt den Kopf unter den laufenden Wasserstrahl.

Der Schock ließ ihn stöhnen, aber nachdem die Kälte durch Kopfhaut und Nacken gedrungen war, fühlte Tristan sich besser. Wacher, fitter, nicht mehr ganz so sturzbesoffen wie vor fünf Minuten. Er schloss die Augen und ließ den Kopf hängen. Wurde er jetzt ernsthaft schon zu alt für Saufabende mit seinen Kumpels? Mit nicht einmal Mitte zwanzig?

Ruckartig richtete Tristan sich auf und betrachtete sein Spiegelbild. Er sah ungefähr so aus, wie er sich fühlte. Abgewrackt und ausgelaugt. Leer. Dabei sollte er doch glücklich, wenigstens zufrieden sein. Oder? Tristan hatte seine Freunde, ein Studium dass ihm Spaß machte und das er im Verlauf des nächsten halben Jahres beenden würde. Genau wie Brendan. Zumindest hatte der das in den vergangenen Stunden freudestrahlend berichtet. Und trotzdem fühlte Tristan sich mies. Grundlos.

„Absolut grundlos“, murmelte er und wandte sich ab.

Schlurfend, aber zumindest nicht weiter schwankend, machte Tristan sich zurück auf den Weg zu seinen beiden Freunden. Noch bevor er Davids Zimmer betreten konnte, stand dieser jedoch mit einem Mal vor ihm. Wie gebannt starrte Tristan auf das in den letzten sechs Jahren viel zu vertraut gewordene Gesicht.

Der Blick, der ihm begegnete, war bei Weitem nicht so glücklich, wie David allen gern vorspielte – oder wie der bisherige Verlauf des Abends würde vermuten lassen. Im Gegenteil. Die meisten Tage sahen diese Augen traurig aus. Weil David, egal wie oft er versuchte, sich selbst und allen um ihn herum einzureden, dass es anders war, nicht glücklich sein konnte.

Schon wollte Tristan fragen, ob Brendan schlief, aber das war nicht notwendig. David würde nicht hier stehen, wenn es anders wäre. Sobald da auch nur die kleinste Chance darauf war, eine Sekunde Lebenszeit grinsend neben Brendan sitzen zu können, würde David sie wahrnehmen. Immer.

Genauso wenig fragte Tristan, ob David heute Nacht bei ihm schlafen wollte. Sie kannten beide die Antwort. Nein, wollte er nicht. Was Tristans bester Freund wollte, war in dieses Zimmer dort hinten zu gehen und sich neben Brendan ins Bett legen. Nicht in der Hoffnung, dass das, worauf er seit so vielen Jahren wartete, tatsächlich passierte. Nein, so verblendet war David nicht. Nicht mehr. Er würde Brendan vermutlich nicht einmal berühren. Einfach nur dort liegen, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Wird es nur niemals sein.

Tristan quälte sich ein Lächeln ab, sagte jedoch nichts. Stattdessen drehte er sich um und lief zu seinem eigenen Zimmer zurück. Er ließ die Tür offen, nachdem er eingetreten war. T-Shirt und Jeans landeten zusammen mit den Strümpfen und der Unterhose in einem Wäschesack. Nackt lief Tristan zu seinem Bett hinüber, blieb jedoch davor stehen. Hinter sich hörte er ein leises Klacken, als die Tür geschlossen wurde.

Es war dunkel im Zimmer, aber das gehörte dazu. David machte nie das Licht an und Tristan hatte es nie gestört. Er zuckte tatsächlich zusammen, als sich mit einem Mal eine warme, nackte Brust gegen seinen Rücken presste.

Die Finger, die über Tristans Bauch hinabgeführt wurden, waren deutlich kühler – um nicht zu sagen kalt. Aber nicht unangenehm. Womöglich war es ja Tristans eigene Haut, die zu erhitzt war – in Erwartung dessen, was noch kommen würde.

Dass es passieren würde, stand außer Frage. Andernfalls wäre David nicht hier. Es gab stets nur einen einzigen Grund, warum er hierher kam: Tristan sagte nicht ‚Nein‘. Niemals. Jedenfalls nicht zu David. Sie wussten beide, dass sein ‚Nicht-Nein‘, eine schweigende Zustimmung war. Denn ‚Ja‘, sagte Tristan schließlich ebenfalls nie. Wobei das vorausgesetzt hätte, dass David fragen würde. Was er ebenso wenig tat. Nicht mehr.

Sie waren sich doch ohnehin einig. Und das war es letztendlich, was zählte. Jedenfalls war Tristan davon überzeugt. Diese Nächte, in denen David zu ihm kam, waren ein Teil ihrer Freundschaft, ein Teil ihres Lebens. Es gehörte dazu wie gemeinsam verbrachte DVD-Abende, zocken vor der Playstation und die Nächte, in denen Tristan David in irgendwelche Klubs begleitete. Immer dann, wenn David sicherstellen wollte, dass er sich an diesem Abend ausnahmsweise nicht von irgendeinem Idioten abschleppen ließ.

Ein Geben und Nehmen, bei dem Tristan sich zu oft nicht sicher war, wie viel er dabei ‚gab‘ – und wie viel er ‚nehmen‘ wollte.

Deshalb musste er sich auch heute wieder auf die Unterlippe beißen um ein Stöhnen unterdrücken, als die kühlen Finger abwärts geführt wurden. Am Bauchnabel vorbei, inzwischen mit mehr Druck, glitten sie weiter über Tristans erhitzte Haut, bis sie ihr Ziel erreichten.

„Sag ‚Nein‘“, flüsterte David in seinem Nacken.

Da sie fast gleich groß waren, spürte Tristan den warmen Atem kitzelnd neben dem Ohr. Bevor er antworten konnte, presste David die Lippen gegen seine Schulter. Zunächst nur eine leichte Berührung, gefolgt von einer Zunge, die vom Halsansatz bis hinter das Ohr geführt wurde. Ein Kribbeln wanderte Tristans Wirbelsäule hinab, während er das gleichzeitig aufkommende Zittern unterdrückte.

„Als ob“, presste er schließlich heiser heraus.

Für einen Moment schloss Tristan die Augen, um das Verlangen in den Griff zu bekommen. Dieses hormonell gesteuerte Etwas, das er nicht wollte, weil es immer mit irgendwelchen albernen Gefühlen einherging. Dinge, die niemand brauchte, die nur verletzten, dazu führten, dass man alleine in der verfluchten Wohnung hockte – und es einem nicht mehr egal war.

Weil unverfänglicher Sex mit Fremden nun einmal Davids Ding war, nicht Tristans. Und es im Grund einfacher war, nur sporadisch Sex zu haben, mit jemandem, den er aus dem Boxklub oder von irgendwelchen Unipartys kannte, als sich jedes Wochenende auf einen neuen Mann in irgendeiner Bar einzulassen.

Ruckartig drehte Tristan sich herum und umfasste Davids Kopf. Die Versuchung war da, war sie immer – genau wieder dieser Drang in seinem Inneren. Fünf Jahre folgten sie inzwischen diesem Tanz und bisher hatte er David noch nicht einmal wirklich geküsst. Denn das war die einzige Regel, der Tristan in ihrem Spiel einhalten musste.

Im Alltag waren sie Freunde. Im Bett war alles erlaubt. Bis auf das. Niemals. So wie David keinen der anderen Männer küsste, die er mit nach Hause brachte. Zumindest behauptete er das – und Tristan wollte es glauben. Schließlich war die Tatsache, dass David immer wieder zu ihm kam, das Einzige, was Tristan von den One-Night-Deppen unterschied.

David senkte den Blick, bis er irgendwo auf Höhe von Tristans Brustbein landete. Die Finger, die eben noch kühl und dennoch angenehm seinen Schritt entlanggeführt worden waren, zogen inzwischen eine Spur über Tristans Bauch zurück nach oben. David lehnte sich vor, ließ die Stirn gegen Tristans Schulter fallen. Automatisch hob er die eigene Hand und legte sie auf die schwarzen Locken.

Es war nicht schwer zu erraten, was das hier ausgelöst hatte. Tristan war dabei gewesen. Er hatte gehört, wie Brendan mit zunehmend bleierner Zunge davon erzählte, dass er im nächsten Jahr seinen Abschluss machen würde. Das kommende Wintersemester würde ihm die letzten Punkte bescheren und im Sommer schließlich die Abschlussarbeit. Danach wollte er zurückkehren. Hierher, nach München, in seine Heimat.

„Er wird mit ihr zusammenziehen, oder?“, flüsterte David gebrochen. „Sie wird immer an erster Stelle stehen.“

Tristan antwortete nicht, hob stattdessen die andere Hand und zog seinen leicht zitternden Freund an sich. Es dauerte einen Moment, bis David der Umarmung nachgab. Aber dann ließ dieser sich fallen – im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade noch rechtzeitig verstärkte Tristan seinen Griff, sodass der Körper in seinen Armen nicht zu Boden ging.

Erneut war Davids Stimme nicht mehr als ein Flüstern: „Das muss endlich aufhören.“

Noch immer schwieg Tristan, hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Sie wussten schließlich beide, dass David seit Jahren einer Wunschvorstellung hinterherrannte, die niemals wahr werden konnte.

Brendan liebte Dalia. Aus seinen Augen war das Glück förmlich herausgesprungen, als er ihnen vorhin erzählt hatte, dass er ihr vorschlagen wollte, hier in München eine gemeinsame Wohnung zu suchen. Es war nur noch eine Frage der Zeit. Irgendwann würden sie heiraten. Kinder  bekommen. Brendan hatte immer welche gewollt.

„Lass mich diesen Abend vergessen“, flehte David flüsternd. „Bitte, Tris.“

Tristan schloss die Augen und kämpfte gegen die Worte an, die ihm zu entkommen drohten. Die Frage, wie lange David sich noch quälen wollte, bevor er einsah, dass er jemanden brauchte, der ihm so viel mehr geben konnte.

Mehr als eine Freundschaft, zu Brendan. Mehr als das bisschen an Trost, was David sich bei Tristan holte. Genau deshalb hielt er sich von diesem ganzen Gefühlskram fern. Es machte nichts als Ärger, Schmerz und Probleme.

Noch immer schweigend drückte er David einen Kuss gegen die Schläfe und drängte ihn in Richtung des Bettes. Das hier war alles, was Tristan heute für seinen Freund tun konnte. Also würde es reichen müssen.

Für sie beide.
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