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Für immer Du - In deinen Armen

von Savara
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
21.12.2022
01.02.2023
10
23.669
4
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25.01.2023 2.793
 
Das Wochenende verging schnell. Zu schnell, nach meiner Meinung. Und das, obwohl ich keine großen Pläne hatte und den größten Teil meiner Freizeit zu Hause verbrachte. Am Samstag war ich lediglich für ein paar Stunden bei Anett und Leo zum Kaffee. Mir kam es trotzdem vor, als wäre kaum ein Tag vergangen, als ich wieder durch die Türen der Firma trat.

Doch etwas war heute Morgen anders als die vergangenen Wochen. Wir gingen nicht in den Schulungsraum, sondern in einen großen Raum, in dem bereits einige Leute mit Headsets saßen und arbeiteten. Heute war unser erster Tag in der Produktion. Und spätestens am heutigen Tag hatte mich die allgemeine Nervosität meiner Kollegen ergriffen. Zwar waren einige der erfahreneren Kollegen für uns abgestellt, um uns bei Fragen und Problemen zu unterstützen, aber das minderte meine Anspannung nur minimal. Heute würde es ernst werden.

Auch wenn ich seit Jahren telefonierte, war der erste Anruf in einem neuen Projekt immer der Nervenaufreibendste. Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass sich bereits in einer Stunde eine leichte Routine eingestellt hätte und ich meine anfängliche Nervosität belächeln würde.

Wenn ich in die Gesichter meiner Kollegen schaute, die mit mir die Schulung durchlaufen hatten, sah ich ihnen an, dass es ihnen nicht besser erging. Selbst Sandra wirkte fahrig in ihren Bewegungen, als sie neben mir ihren Platz vorbereitete.

Punkt Neun Uhr. Alles war bereit. Ich musste nur noch auf den letzten Knopf drücken, um dem System zu signalisieren, dass ich ebenfalls bereit war. Ich fühlte mich zwar nicht danach, doch ich drückte tapfer auf den entsprechenden Button und wartete. Nichts geschah. Es blieb still auf meinen Ohren. Ich lies mich davon nicht beirren und wagte es noch nicht durchzuatmen. Dieser Zustand konnte sich jeden Moment ändern.

Um mich herum begannen die ersten Kollegen ihre Begrüßungstexte aufzusagen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie einen Kunden hatten. Genau diese Kollegen waren es, denen wenige Sekunden später die Panik ins Gesicht geschrieben stand. Das machte mir nicht viel Mut.

Nun klingelte mein Telefon. Einmal … Zweimal … dann war automatisch der Kunde bei mir.
„Guten Tag. Sie sprechen mit Jana Müller. Was kann ich für sie tun?", fragte ich sogleich. Diesen Satz konnte ich im Schlaf. Hatte ich ihn in den letzten Jahren, zwar mit unterschiedlichen Variationen, doch bereits mehrere tausendmal aufgesagt.

Der Kunde war zum Glück entspannt und wollte eine einfache Auskunft haben. Ich brauchte zwar einen Moment, um mich im System zurechtzufinden, konnte sie ihm letzten Endes geben, ohne nach Hilfe zu schreien. Keine drei Minuten später war das Gespräch vorbei und ich gestattete es mir, tief durchzuatmen. Geschafft. Das schlimmste hatte ich hinter mir.

Als ich auf meinen nächsten Gesprächspartner wartete, schaute ich mich zu den anderen um. Nicht alle schienen ihr erstes Gespräch so einfach gemeistert zu haben. Auf einigen Gesichtern konnte ich Verwirrung, Entsetzen oder Überforderung sehen.
Silke schien den Tränen nah zu sein. Wahrscheinlich hatte sie das Vergnügen, einen besonders netten Zeitgenossen abbekommen zu haben, der seine Meinung über das Unternehmen, die Produkte oder irgendwas, was im Ansatz damit in Verbindung stand, lautstark Luft machte.
Ich sah noch, wie einer der erfahreneren Kollegen das Gespräch für sie übernahm, nachdem sie anscheinen nicht mehr weiter wusste. Sie stand auf und ging, ohne ein Wort zu sagen, mit schnellen Schritten aus dem Raum. Dann hatte ich den nächsten Kunden auf den Ohren und musste mich auf diesen konzentrieren.

So verging der Tag. Stunde um Stunde. Ich hatte gute Gespräche, aber auch weniger Gute. Die beste Waffe gegen letztere war die Warteschleife. Danach konnte ich diese Gespräche meist entspannt zu Ende bringen.
Die Warteschleife würde wahrscheinlich für die nächsten Tage noch mein treuer Begleiter sein. Wann immer ich nicht weiter wusste oder etwas nicht schnell genug fand, hatte ich damit die Möglichkeit, nachzufragen, oder ohne nebenbei ein Gespräch führen zu müssen, in Ruhe nach der Antwort zu suchen.

Auch ein – zwei schwierige Kunden hatte ich an diesem Tag dabei. Doch ich hatte vor langer Zeit gelernt, mir ihre Anschuldigungen und Vorwürfe nicht anzunehmen. Das war wichtig, um in diesen Job zu überleben.
Etwas, was Silke offensichtlich nicht zu tun vermochte. Sie war bisher nicht zurückgekommen. Wer weiß, ob wir sie nochmal zu Gesicht bekommen würden.

Die restlichen Kollegen schienen sich derweil mit der neuen Situation arrangiert zu haben. Zwischenzeitlich war sogar schon mal ein kleines Pläuschchen drinnen, während auf den nächsten Anrufer gewartet wurde.

Nach drei Stunden hatte ich bereits Mittagspause. Auch in diesem Unternehmen wurden die Pausen für die Mitarbeiter im Voraus festgelegt. Die Zeit bis dahin war schnell vergangen. Aber das war wahrscheinlich normal. Alles war noch neu und ungewohnt, wodurch man nicht bemerkte, wie die Zeit verflog.

Ich ging durch den Flur in Richtung Ausgang, um auf den Parkplatz zu gehen. Hinter mir hörte ich leise eine Tür ins Schloss fallen, doch ich achtete nicht darauf und ging weiter.
Erst nachdem ich bemerkte, dass ich verfolgt wurde, auf meinem Weg nach draußen, drehte ich mich um und entdeckte einige Schritte hinter mir Tom. Mein Herz machte einen Sprung, als ich bemerkte, dass er auf mich zukam. Es war erst letzten Freitag gewesen, wo wir das erste Mal ein längeres Gespräch miteinander geführt hatten.
Irgendwie wirkte er am heutigen Tag verzweifelt und überfordert.

„Hallo Jana. Wie läuft es bei dir?“, fragte er mich, und schenkte mir ein müdes Lächeln, nachdem er mich eingeholt hatte.
„Alles gut so weit. Ich hab gerade Pause. Kommst du mit raus?", fragte ich und setzte dazu an, weiterzugehen. Doch Tom blieb, wo er war und so drehte ich mich nochmal zu ihm um, um auf eine Antwort zu warten.

„Das passt gut. Kannst du mir vielleicht mit Silke weiterhelfen? Ich wüsste nicht, was ich ihr noch erzählen soll.“, meinte er und klang tatsächlich überfordert. Sofort schnellte meine Augenbraue in die Höhe. Warum fragte er da gerade mich?
„Silke ist bei dir?", fragte ich überrascht statt der eigentlichen Frage, die ich gerade in Gedanken formuliert hatte. Ich hatte nicht erwartet, dass sie sich noch in der Firma aufhielt.

„Ja, in meinem Büro …“ irgendwie wirkte er davon gar nicht begeistert. Ich versuchte meine Erheiterung zu verbergen. Hatte er sich selbst in diese Situation gebracht oder war Silke von allein bei ihm aufgetaucht? Wenn ja, warum gerade bei Tom?
Irgendwie gelang es ihm, mich in besagte Richtung zu dirigieren, ohne, dass ich es wirklich mitbekam.
„Frag mich nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Ich hab sie heulend auf dem Flur angetroffen und ihr angeboten, dass sie ins Büro mitkommen soll. Muss ja nicht jeder Wind davon bekommen. Aber sie redet nicht mit mir und will sich nicht beruhigen. Weißt du, was passiert ist?“
Damit hatte er die Frage, die ich mir in Gedanken gestellt hatte, soeben beantwortet. Doch bevor ich mir Gedanken darüber machen konnte, ob er diese Frage von meinem Gesicht abgelesen hatte oder einfach von sich aus genauer erklären wollte, was vorgefallen war, erinnerte ich mich daran, dass er mir eine Frage gestellt hatte.

Mittlerweile hatte er es geschafft und wir standen vor der Tür zu seinem Büro. Zumindest vermutete ich das aufgrund seiner Erzählung. Betreten hatte ich diesen Raum zuvor noch nie. Das Vorstellungsgespräch damals, hatte offenbar in einem dafür vorgesehenen Raum, direkt im Eingangsbereich der Firma stattgefunden. Oder Tom hatte an diesem Tag einfach das Büro von Heiko in Beschlag genommen, da dort eh die jeweiligen Unterlagen für ein Vorstellungsgespräch zu finden waren.

„Ihr erstes Gespräch war wahrscheinlich eine Eskalation.“, meinte ich achselzuckend auf seine Frage. Direkt mitbekommen, was geschehen war, hatte ich nicht. Schließlich hatte ich zu dem Zeitpunkt mit mir selbst zu kämpfen.

„Kannst du vielleicht versuchen, mit ihr zu reden?", bat er.
Verdammt. Wie könnte ich nicht, wenn er so wundervoll niedlich dabei wirkte?
„Warum ausgerechnet ich?“, nahm ich meinen vorherigen Gedankengang auf, anstatt direkt zuzusagen. Ich sollte mich nicht so leicht von ihm um den Finger wickeln lassen. Und sowieso, was sollte ich schon bei Silke ausrichten?

„Du kennst sie besser als ich.“, gab er direkt von sich. „Bitte.“, fügte er hinzu, und anhand seines Gesichtsausdrucks erwartete ich beinahe, dass er sich mir gleich vor meine Füße warf und bettelte.
Bei der Vorstellung musste ich grinsen. Leider verstand er meine Reaktion offensichtlich als Zusage, denn er öffnete die Tür und mir blieb nichts anders übrig, als einzutreten, wenn wir diese kleine Diskussion nicht direkt vor Silke fortführen wollten. Er folgte mir nicht, sondern wartete draußen, nachdem er die Tür hinter mir geschlossen hatte.

Das gab mir die unerwartete Chance, den Raum einer genaueren Musterung zu unterziehen. Zu meiner Enttäuschung handelte es sich um ein schlichtes Büro. Ein Schreibtisch, dahinter ein Stuhl und davor 2 weitere. Keine persönlichen Gegenstände oder dergleichen. Zumindest nichts, was ich auf den ersten Blick entdecken konnte. Silke saß auf einem der beiden Stühle vor seinem Schreibtisch. Ich setzte mich ihr gegenüber auf den anderen freien Platz. Den Stuhl hinter dem Tisch würde ich nicht anrühren, der war nicht für mich bestimmt.
„Hey Liebes. Was ist los mit dir?“, sprach ich sie freundliche an und beugte mich etwas auf meinem Stuhl nach vorn in ihre Richtung.
„Ich kann das nicht.“, schniefte sie.
„Was genau kannst du nicht?", fragte ich nach.
„Telefonieren. Ich bin nicht einmal zu Wort gekommen. Der hat einfach direkt angefangen, loszuschreien. Wie macht ihr das?", fragte sie und schaute mich mit ihren verquollenen Augen an.
„Klar kannst du telefonieren. Erzähl mir nicht, dass du das noch nie mit deinem Handy gemacht hast.", erwiderte ich und schaffte es, dass sie ein leichtes Lächeln herausbrachte. Doch ich fuhr sofort fort.

„Glaub mir, du hattest echt Pech, dass du ausgerechnet so einen abbekommen hast. Aber das kommt vor. Du darfst dir sowas nicht zu Herzen nehmen. Du bist nicht Schuld. Der Kunde ist über irgendwas sauer. Seine Wut richtet sich nicht gegen dich persönlich."
Silkes Blick schweifte ab. Ich war mir nicht sicher, ob ich gerade ihre Aufmerksamkeit verlor oder ob sie über meine Worte nachdachte. Daher versuchte ich noch einen kleinen Scherz, um sie dazu zu bringen, dass sie wenigstens meinem Monolog weiter zuhörte.
„Wer weiß, was er für einen schlechten Start in den Tag hatte. Vielleicht gab es kalten Kaffee oder schlechten Sex …" begann ich und wurde durch eine Bewegung in meinem Sichtfeld unterbrochen.

Oh Gott. Der Besitzer des Büros hatte ein mieses Timing. Gerade als ich diesen Satz begann, steckte Tom seinen Kopf kurz zur Tür herein.
Silke hatte sich zu mir gewandt und saß daher mit dem Rücken zur Tür, wodurch sie ihn nicht mitbekam. Durch die Bewegung in meinem Sichtfeld hatte ich meine Aufmerksamkeit dorthin gerichtet und schaute genau in dem Moment in seine Augen. Sofort spürte ich, wie mir das Blut in den Kopf schoss. Wie viel von meinem Text hatte er mitbekommen? Hoffentlich alles und nicht nur diesen bestimmten Teil. Schnell verschwand er und die Tür war wieder geschlossen, ich hatte keine Gelegenheit sein Gesichtsausdruck zu deuten. Zudem hatte ich den Faden verloren. Was wollte ich doch gleich sagen?

„Ich verstehe, was du meinst, aber ich glaub nicht, dass ich das hinbekomme.", antworte Silke mir endlich und erinnerte mich damit daran, was ich ihr zuvor gesagt hatte. Zum Glück schien sie meine Reaktion nicht mitbekommen zu haben. Sofort war ich wieder beim Thema.

„Das hab ich mir damals auch gedacht. Aber man lernt das mit der Zeit.“, winkte ich ab. „Willst du wirklich einfach aufgeben, nachdem du so weit gekommen bist?“
Nun schaute sie mich an. Ich betete, dass sich meine Hautfarbe bereits wieder normalisiert hatte. Immerhin konnte ich erkennen, dass Silke über meine Worte nachzudenken schien. Irgendwas in ihr wollte diese Herausforderung annehmen. Doch noch hatte ich sie nicht gänzlich überzeugt.

„Ich hab da eine Idee. Warte mal kurz. Ich muss erstmal fragen, ob das geht.“, meinte ich zu ihr, als ich zu dem Schluss kam, dass ich sie mit Worten allein nicht dazu bewegen würde, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Ich erhob mich von meinem Stuhl und ging zur Tür, darauf hoffend, dass Tom noch immer draußen stand. Obwohl, irgendein anderer Teamleiter, Ralf oder sonst jemand von der Obrigkeit, den ich hätte fragen können, wäre mir in diesem Moment lieber gewesen.
Da ich nicht wusste, wie viel Tom mitbekommen hatte, war ich darüber verlegen, ihm kurze Zeit später erneut unter die Augen zu treten. Natürlich erfüllte sich meine stumme Bitte nicht und einzig der Besitzer des Büros stand mit verschränkten Armen vor seiner Tür und wartete offenbar nur darauf, dass wir es endlich verließen.

Schnell schlug ich die Augen nieder und heftete meinen Blick auf den Kuli, den er in seiner Brusttasche verstaut hatte.
„Ich hab da eine Frage.“, meinte ich zu ihm. Er wirkte neugierig. Doch seine Gegenfrage klang ernst.
„Was kann ich für dich tun?“
„Macht ihr Tandem?", fragte ich sofort.

Ich wusste, dass er verstand, was ich meinte. In unserer alten Firma wurde damit trainiert. Es bedeutete, dass zwei Personen abwechseln telefonierten. Sozusagen machte einer ein Gespräch vor und der andere konnte es dann nach machen. Zudem bot es die Möglichkeit einer eins zu eins Betreuung. Dadurch das der Gesprächspartner alles mitbekam, konnte er sofort mit Rat und Tat zur Seite stehen.

„Eigentlich nicht. Aber ich kann gerne mal nachfragen, ob sie es hinten mal probieren wollen.“, entgegnete er.
„Das wäre gut. Ich glaub nicht, dass wir sie sonst heute nochmal auf die Line bekommen.“
Tom nickte. „Willst du mit ihr telefonieren?", fragte er und nun machte ich doch den Fehler, ihn direkt anzuschauen.
„Nein. Am besten wäre es, wenn sie jemanden bekommt, der von all dem mehr Plan hat.", meinte ich und schaute schnell weg. Doch ich sah ihn nicken.
„Ich frag nach und komm dann zu euch.", meinte er und betonte den letzten Teil mit einer merkwürdigen Stimmlage, als wäre es mehr eine Drohung als ein Versprechen. Was mich in meiner Vermutung bestätigte, dass er sehr gut verstanden hatte, was ich Silke vorhin erzählt hatte. Doch da er offensichtlich nichts weiter dazu sagen wollte, würde ich damit leben müssen, im Unklaren zu bleiben, was genau er gehört hatte.

Wahrscheinlich war es das Beste, wenn ich es nicht wusste. Ein Punkt mehr, über den ich nicht weiter darüber nachzugrübeln sollte und beschloss, dass ich es vorerst ignorieren musste. Stattdessen ging ich in sein Büro zurück in erklärte Silke schonmal von meiner Idee.
Sie stimmte zu, es auf diese Art und Weise zu probieren.

Es dauerte einen Moment, bis Tom zurückkam. Ohne anzuklopfen, kam er herein. Aber warum sollte er das tun? Es war ja immer noch sein Büro.

„Hat dir Jana schon erklärt, was sie vorgeschlagen hat?", fragte er Silke direkt und schenkte mir nur einen flüchtigen Blick.
„Mmh.“, brummte Silke leise. Gerade schien sie davon noch überzeugter, als ich ihr davon erzählt hatte. Ich befürchtete schon, dass sie doch kneifen würde. Doch nachdem Tom zugestimmt hatte, dass sie es für Silke machen würden, ging sie bereitwillig zurück an ihren Platz.

Irgendwie verpasste ich den Anschluss und saß, nachdem sie gegangen war, noch immer auf dem Stuhl in Toms Büro. Nur noch er war anwesend und setzte sich gerade auf den Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches. Er lächelte mir kurz zufrieden zu. Als ich bemerkte, dass wir allein in dem Raum waren, sprang ich förmlich von dem Stuhl auf und hatte es auf einmal eilig hier herauszukommen.
„Ich ähm. Ich mach dann mal den Rest meiner Pause. Das heißt, wenn davon noch was übrig ist.", stotterte ich und verließ fluchtartig den Raum ohne auf eine Erwiderung von ihm zu warten.

Endlich schaffte ich es bis auf den Parkplatz und kam dazu eine zu rauchen. Viel Zeit hatte ich nicht mehr. Ich hatte zwanzig Minuten mit Silke verbracht. Ich seufzte. Damit hatte sich mein Mittagessen wohl erledigt.

Obwohl ich ihn gerade in seinem Büro sitzen gelassen hatte, trat Tom einen Moment nach mir auf den Parkplatz und kam direkt auf mich zu. Ich betete, dass ich seine Anwesenheit verkraften würde. Im Moment fühlte ich mich nicht danach. Lieber hätte erneut ich die Flucht angetreten, doch wo sollte ich noch hin?
„Hey. Danke Jana. Gut gemacht.", meinte er, als er bei mir stand.
„Danke.“, nuschelte ich und betrachtete ausgiebig meine Schuhspitzen. Sein Lob schmeichelte mir. Doch sein ganzes Verhalten an diesem Tag brachte meine Gefühle für ihr in Aufruhr. Wie hatte ich dieses freundschaftliche Verhältnis letzten Freitag aufbauen können und warum schien all das auf einmal so fern?
Wenn er etwas davon mitbekam, ließ er es sich nicht anmerken. Wir schwiegen. Als ich aufgeraucht hatte, war meine Pause fast vorbei.
„Ich muss wieder rein. Bis später.", verabschiedete ich mich.
"Ich hoffe, ich hab dir nicht deine Mittagspause versaut.", sagte er zu mir.
"Schon okay.", winkte ich schnell ab und verschwand mit einem flüchtigen Lächeln in seine Richtung schnell nach drinnen.
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