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Stadionbesuch mit Folgen

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
OC (Own Character) VFL Wolfsburg
18.12.2022
03.02.2023
12
27.771
12
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.01.2023 2.288
 
Moin liebe Leser*innen, wie ihr vielleicht schon entdeckt habt, habe ich angefangen meinen einzelnen Kapiteln Titel/Überschriften zu geben. Ich probiere mich diesbezüglich aus. Nehmt es mir daher bitte nicht krumm, wenn die Titel vielleicht etwas komisch/holprig klingen :)
Jetzt aber erstmal viel Spaß mit dem nächsten Kapitel (:

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Sonntag, AOK-Stadion, Spiel gegen Freiburg     

Auf dem Weg zu meinem Platz auf der Haupttribüne hatte ich immer wieder das Gefühl, dass manche Leute mich musterten. Aber dass sie mich vom Bild erkannten, war wirklich nicht möglich. Es war lediglich mein Hinterkopf mit Mütze erkennbar und Feli hatte keine Markierung gemacht. Und das Bild hatte auch nur ein Herz als Beschreibung bekommen. „Was ist los? Wirst du verfolgt?“, fragte Svenja grinsend. Wegen Trainingsrückstand stand sie für das Spiel nicht im Kader und verfolgte es mit mir von der Haupttribüne aus. „Nee, aber ich fühle mich irgendwie … beobachtet“, meinte ich nachdenklich. „Fragend sah die blonde Stürmerin mich an. „Feli hat doch gestern das Bild von uns hochgeladen.“ Auch wenn das für mich eigentlich schon alles sagte, schien Svenja nicht folgen zu können. „Keine Ahnung, ich habe einfach das Gefühl, dass die Leute mich erkannt haben und jetzt rätseln, ob ich es wirklich bin.“ „Und das wäre so schlimm?“ „Naja, der Gedanke in der Öffentlichkeit zu stehen, behagt mir nicht so ganz.“ Die Mädels aus der Mannschaft wussten seit unserer Rückkehr von der Ostsee Bescheid, was auch vollkommen okay für mich war. Aber die Öffentlichkeit war dann doch noch mal was anderes, auch wenn die Reaktionen unter dem Bild tendenziell positiv waren. Viele freuten sich für Feli bzw. uns. Aber es gab auch einige Kommentare, die lediglich aus einem oder mehreren weinenden emojis bestanden. Zu den weniger schönen Kommentaren zählten die, in denen gelästert wurde, dass ich nicht zu Feli passen würde und sie jemand besseren verdient hätte; wahrscheinlich den Kommentarschreiber bzw. die Kommentarschreiberin selbst. Keine Ahnung was jemand zu einem solchen Beitrag veranlassen konnte, besonders wenn man quasi keine Informationen hatte, um sich ein vernünftiges Bild zu machen. „Naja, aber war doch eigentlich absehbar, oder? Ich meine, sie steht nun mal in der Öffentlichkeit und auch wenn sie bzw. wir versuchen unser Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit herauszuhalten, dringt halt doch immer mal das Eine oder Andere nach draußen. Und dann doch lieber so, wo ihr selbst kontrollieren könnt was ihr preisgeben wollt.“ Ich nickte. „Ja, eigentlich hast du Recht. Ist nur was ganz Neues für mich“, grinste ich schief. „Man wächst da rein“, lächelte sie mich aufmunternd an. Der Pfiff der Schiedsrichterin lenkte unsere Aufmerksamkeit schließlich aufs Feld.

Die erste Halbzeit war fast vorbei, die Wölfinnen waren drückend überlegen und führten mehr als verdient mit 3:0. Feli setzte gerade wieder zu einem Lauf über ihre linke Seite an. Weit in der Freiburger Hälfte bekam sie den Ball aus der Zentrale von Ewa zugespielt. Sie täuschte rechts an, um links an der Freiburger Verteidigerin vorbeizuziehen, wurde dann jedoch rüde von hinten von den Beinen geholt. Ich hörte ihren Schrei bis hoch zu meinem Platz und sprang auf. „Feli …“ Umringt von Ewa, Poppi und Obi lag sie am Boden und hielt sich den Knöchel, während die Physios auf den Platz rannten. Der Knöchel wurde untersucht und ich sah wie sie die Hände vors Gesicht schlug. Mit Hilfe der zwei Physios konnte Feli dann zumindest selbständig und ohne Trage das Spielfeld verlassen. Nur am Rande sah ich, dass sich Sara zur Einwechslung bereit machte. „Komm mit!“ Svenja zog mich am Arm von unseren Plätzen weg und führte mich geradewegs in die Katakomben.
Feli lag in der Umkleide auf einer Liege und ich konnte Tränen in ihren Augen erkennen. Mein Herz zog sich bei diesem Anblick zusammen. „Was ist mit ihr?“, hörte ich Svenja fragen. „Gebrochen scheint nichts zu sein. Ich vermute aber, dass die Bänder was abbekommen haben.“ Ich stellte mich neben die Liege und nahm ihre Hand. Vorsichtig strich ich ihr die Tränen von der Wange. „Hast du noch schlimme Schmerzen?“ „Es geht. Im ersten Moment war es schlimmer“, gab sie zurück. Ich küsste sie sanft auf die Lippen, um sie irgendwie zu beruhigen und weil ich nicht wusste was ich sagen sollte. „Es wird alles wieder gut“, verließ schließlich doch eine Floskel meinen Mund.
„Okay Feli, wir fahren erstmal ins Krankenhaus und lassen dich richtig untersuchen.“ „Kann ich bitte mitkommen?“ „Ich fahr dich“, bot Svenja an und ich lächelte dankbar. „Wir sehen uns gleich im Krankenhaus“, wandte ich mich wieder an Feli und küsste sie auf die Stirn.

„Du musst nicht hier mit mir warten, Svenja.“ „Glaubst du, ich lass dich jetzt hier allein sitzen? Jamie ist versorgt, ich warte auf euch beide.“ „Ich hoffe, es geht ihr gut …“, murmelte ich und sah auf meine Hände. Ich hasste es untätig rumsitzen zu müssen. Kurz darauf kam der Physio mit Feli, die an Krücken lief. „Das Außenband ist durch“, informierte er uns. Erschrocken blickte ich von ihm zu Feli und wieder zurück. „Muss sie operiert werden?“ „Nein, wir werden das Ganze konservativ behandeln. Aber sie wird vorerst ausfallen.“ Ich ging vor Feli in die Hocke, die sich in der Zwischenzeit mit hängendem Kopf hingesetzt hatte. „Hey, das wird wieder“, meinte ich sanft und strich ihr leicht übers Bein. Doch sie reagierte nicht darauf. „Ich fahr euch zwei nach hause“, drang plötzlich Svenjas Stimme an mein Ohr. „Danke.“ Ich wollte Feli beim Aufstehen helfen doch sie schlug meine Hilfe aus und humpelte Richtung Ausgang. Nachdenklich sah ich ihr nach ehe ich mich ebenfalls in Bewegung setzte. „Sie war schon immer quengelig, wenn sie verletzt war und nicht spielen konnte. Nimm es nicht persönlich“, riet Svenja mir. „Sei einfach für sie da. Mit Cinnamon kann ich euch gerne helfen. Ich hol sie dann einfach für die Gassirunden ab, wenn ich mit Jamie gehe.“ Trotz der Umstände fühlte es sich schön an mit welcher Selbstverständlichkeit Svenja Feli und mich als Paar betrachtete. „Das wäre nett, danke.“
Ich setzte mich neben Feli auf die Rückbank und wollte gerade nach ihrer Hand greifen als ich es mir doch anders überlegte. Wahrscheinlich hatte Svenja Recht und ich sollte sie nicht bedrängen. Die Fahrt verlief schweigend. Feli blickte die ganze Zeit aus dem Fenster und im Rückspiegel kreuzten sich hin und wieder Svenjas und meine Blicke.

Bei Feli angekommen, verschwand diese gleich im Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich. Etwas verloren stand ich im Flur. Cinnamon war bis morgen noch bei einer Freundin von Feli. Sie würde mir heute also keine Gesellschaft leisten. „Soll ich noch etwas bleiben?“, fragte Sveni als hätte sie meine Gedanken erraten. „Nicht nötig, danke“, lehnte ich jedoch ab. „Wie lange bist du eigentlich noch hier?“ „Ich muss morgen Abend eigentlich zurück, aber … ich habe schon überlegt, meine Chefin anzurufen, dass ich noch ein paar Tage Home Office brauche. Ich müsste dann nur trotzdem zurück und wieder her fahren, weil ich meinen Laptop nicht dabei habe.“ „Sag mir Bescheid, wenn du was weißt. Ich fahr dich.“ „Sveni, das musst du nicht.“ „Ich weiß, aber ich möchte“, erwiderte sie bestimmt. „Es geht vielleicht nicht schneller als mit dem Zug, aber die Gesellschaft ist besser“, grinste sie. Dagegen konnte auch ich nichts mehr einwenden. „Vielen, vielen Dank“, nahm ich sie in den Arm.

Feli

Kaum war die Tür hinter mir ins Schloss gefallen, lehnte ich die Krücken gegen den Nachtschrank, setzte mich aufs Bett und ließ mich frustriert stöhnend nach hinten fallen. Außenbandriss. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Damit fiel ich mindestens sechs bis acht Wochen aus. Nur bei gutem Heilungsverlauf konnte ich also noch zum Saisonende wieder spielen. Ich schlug die Hände vors Gesicht und spürte wie sich meine Augen mit Tränen füllten. Das war einfach nur unfair! Wie konnte ein Jahr, das quasi so perfekt begann, nur so beschissen weitergehen?! Mia kam mir in den Sinn. Ich war unfair zu ihr und hoffte, dass Sveni mit ihr gesprochen hatte. Ich wischte mir mit beiden Händen übers Gesicht und richtete mich seufzend auf bevor ich aufstand, nach den Krücken griff und ins Wohnzimmer ging. Es lief irgendeine Serie doch Mias Aufmerksamkeit lag gerade bei ihrem Handy. Schweígend setzte ich mich neben sie, spürte dann ihren Blick auf mir. „Sorry“, murmelte ich. „Ich weiß, ich bin unausstehlich, wenn ich verletzt ausfalle.“ „Svenja hat sowas schon gesagt.“ Unwillkürlich musste ich leicht grinsen. „Ja, ich hab sie auch ein paar Mal angeranzt in der Vergangenheit.“ „Wie geht’s dir denn?“ Ich richtete den Blick auf meine Hände in meinem Schoß. „Ich hab ziemlich dran zu knabbern, dass ich erstmal ausfalle. Gerade jetzt, wo es in Pokal und Champions League in die heiße Phase geht“, seufzte ich. Ihre Hand legte sich auf meinen Oberschenkel. „Ich werd versuchen, dass ich noch eine Woche bleiben kann, um dir zu helfen.“ „Das musst du nicht“, lächelte ich sie an. „Ich möchte aber“, gab sie zurück. „Svenja hat auch angeboten die Gassigänge mit Cinni zu übernehmen.“ Ich lehnte mich zu ihr herüber, legte eine Hand an ihre Wange und küsste sie zärtlich. „Danke“, murmelte ich gegen ihre Lippen.

In der darauffolgenden Woche war für mich erstmal absolute Schonung angesagt. Mia nahm mir fast alles ab, sodass mir tatsächlich fast schon langweilig wurde. Zum Glück konnte ich nach einer Woche die Schiene wieder ablegen und langsam mit Alltagsbelastung beginnen. Die Runden mit Cinni übernahm weiterhin größtenteils Svenja, da Mia wieder zurück nach Berlin musste.

„Es ist echt schön zu sehen wie gut dir Mia tut.“ Ich begleitete Svenja gerade auf einer kleinen Runde mit Cinni und Jamie. „Ich freu mich für euch beide.“ „Ja, ich bin auch echt glücklich mit ihr. Nur die Nähe fehlt mir.“ „Naja, du kannst aber auch nicht erwarten, dass sie jedes Wochenende herkommt bzw. alle 14 Tage“, wandte Sveni ein. „Ich weiß. Das meine ich auch gar nicht.“ Fragend sah sie mich an und ich kaute kurz nachdenklich auf meiner Unterlippe. Wir waren mittlerweile in meinem Treppenhaus angekommen und nachdem ich die Stufen hinter mich gebracht hatte, nahm ich den Gesprächsfaden wieder auf. „Sie blockt alle Annäherungen ab.“ „Du meinst, ihr habt noch nicht …“ Ich schüttelte den Kopf. „Wir kuscheln viel, küssen uns, aber … nach mehr scheint sie kein Verlangen zu haben. Mir kam sogar schon der Gedanke, dass es für sie vielleicht nur eine Freundschaft ist“, gab ich zu. „Das glaub ich nicht. Ich hab euch beide an der Ostsee erlebt und auf mich wirkte sie genauso verliebt wie du.“ Ich seufzte. „Ich würde nur zu gern. Seit wir zusammen sind merke ich, dass mir der Sex irgendwie fehlt.“ „Was ist denn ihre Begründung? Hat sie dir gesagt, dass sie nicht will?“ „Ich hab sie nicht gefragt, weil ich sie nicht bedrängen wollte.“ Kurz überlegte ich wie viel ich Sveni erzählen sollte. „Sie hat noch nicht allzu viel Erfahrung und ist schnell verunsichert. Ich wollte nicht, dass sie sich genötigt fühlt und womöglich verschließt.“ „Aber du musst mit ihr früher oder später reden.“ „Ich weiß“, stimmte ich ihr nickend zu. „Mach dir keinen Kopf, ihr bekommt das schon hin“, ermunterte sie mich.

Die folgenden Wochen bestanden für mich aus Reha, Reha und noch mal Reha. Die Mädels machten einen guten Job, sodass weiter die Chance bestand diese Saison drei Titel zu holen. Und ich hatte weiter als festes Ziel im Kopf diese Saison noch ein paar Spiele zu bestreiten, auch wenn es nur durch Einwechslungen war.

ein paar Wochen später
     
Endlich war es soweit! Es war der letzte Spieltag in der Liga, wir führten 2:0 gegen Hoffenheim und damit war uns der erste Titel sicher. „Auswechslung in der 73. Spielminute. Vom Platz geht unsere Nummer drei, Sara …“ „AGREZ!“ „Neu dabei mit der Nummer 13, Feeelicitas …“ „RAUCH!“ Stürmischer Beifall brandete unter den fast dreitausend Zuschauern auf als ich den Rasen betrat. Vergessen waren die vielen langen Wochen in der Reha. Mein Ziel war erreicht: Mit den Mädels den erneuten Gewinn der Meisterschaft feiern und mit den Endspielen in Pokal und Champions League vor der Brust konnten wir wirklich das Triple holen. Ich lief auf meine Position und blickte kurz zur Haupttribüne, wo Mia saß. Sie war mir eine große Stütze in den letzten Wochen, gerade am Anfang meiner Verletzung. Trotz der räumlichen Trennung hatte uns meine Ausfallzeit noch enger zusammengebracht, wenn auch nicht unbedingt körperlich. Aber dafür war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Jetzt hieß es die letzten Minuten konzentriert herunterzuspielen,

*Abpfiff* „JAAAAA!“, schrie ich meine Freude heraus und kurz darauf flog mir auch schon Do jubelnd in die Arme. Kathy und Obi folgten. Das ganze Stadion tobte und jubelte uns zu. Ich erkannte noch Sveni und Poppi, die unsere Jubeltraube vergrößerten. Die ganze Anspannung fiel von uns ab. Die ganze Arbeit hatte sich gelohnt und wir konnten den ersten Titel unser Eigen nennen. „Hey! Hey! Hey! Hey! Hey!“, riefen wir im Kreis hüpfend.
Es folgte das übliche Prozedere mit Sekt- und Bierduschen. Auch Tommy erwischte es als er noch mitten im Interview war. Ich jagte Pia mit einer Sektflasche nach, die ich vorher natürlich auch kräftig geschüttelt hatte. Das Stadion hatte sich kaum geleert. Stattdessen standen die Fans noch näher an der Tribünenbegrenzung. Ich erblickte Mia weiter oben, wo sie nicht ganz so umringt von Menschen war. Liebevoll lächelte sie mir zu und formte kurz unauffällig ein Herz mit ihren Händen. Wie gern ich sie jetzt in den Arm genommen und geküsst hätte.
Langsam beruhigten wir uns ein wenig und stellten uns auf, um die Schale entgegen zu nehmen. Sveni folgte am Ende der Schlange, da sie heute Kapitänin war. Hüpfend warteten wir darauf, dass sie die Schale bekam. „Hoooooooooooo … HEY!“, reckte sie das Metall schließlich unter dem Jubel der begeisterten Zuschauer in die Luft. Anschließend gingen wir zur Tribüne, um uns feiern zu lassen. Das würde heute ein langer Nachmittag werden.
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