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Academy of Arkanis

Kurzbeschreibung
GeschichteSci-Fi / P12 / Het
Brendol Hux Enric Pryde General Hux OC (Own Character)
08.12.2022
04.02.2023
10
35.636
2
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25.01.2023 2.442
 
"Leonidas, wieso willst du nicht, dass jemand erfährt, dass du adoptiert bist?"

Die Mine des Braunhaarigen versteinerte und seine Hand, die den Becher hielt, verkrampfte sich. Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet. Er hatte nicht erwartet, sie gestellt zu bekommen, schon gar nicht von Quincy. Wenn er ehrlich war, hatte er nicht mal erwartet, sie irgendwann mal von irgendwem gestellt zu bekommen.
Dass Pryde nicht sein leiblicher Vater war, hatten nur wenige Leute gewusst und die meisten davon waren bereits seit langer Zeit tot. Das war auch einer der Gründe gewesen, warum er Quincy am ersten gemeinsamen Abend in der Mensa so heftig angegangen war, als ihm klar geworden war, dass der Weißhaarige vorhatte, sein Geheimnis zu lüften.
Leonidas hatte danach ganze Stunden damit zugebracht, darüber zu grübeln, woher Quincy wissen konnte, dass er adoptiert war. Wie hatte eine halbe Portion Leonidas’ dunkelstes und meist gehütetes Geheimnis innerhalb von ein paar Stunden lüften können? Oder hatte der Weißhaarige es schon gewusst, bevor er an die Akademie gekommen war? Das war unmöglich, schließlich waren sie sich vor der Akademie nie begegnet.
Leonidas sah zu Quincy rüber, der verunsichert in seinen Becher starrte. Es hatte den Kleineren seinen ganzen Mut gekostet, diese Frage zu stellen und nun wusste er nicht, ob es vielleicht ein Fehler gewesen war. Leonidas seufzte,unsicher, was er tun sollte. Natürlich, er könnte so reagieren, wie er es immer tat.
Er könnte Quincy anschnauzen, ihn einschüchtern und ihn dazu bringen, dieses Thema nie wieder anzusprechen. Aber irgendwie war ihm nicht danach. Leonidas war sich sicher, dass es am Alkohol lag und er es am nächsten Tag mit Sicherheit bereuen würde, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass er Quincy eine Antwort schuldete. Dass Quincy von allen Menschen, die er kannte, der einzige war, dem er die Wahrheit erzählen konnte. Vor allem, da einem Niemand wie Quincy sowieso keiner glauben würde, wenn er rum erzählen sollte, dass der stolze Leonidas Pryde gar kein geborener Pryde war.

"Bevor ich deine Frage beantworte, habe ich eine Gegenfrage an dich. Woher wusstest du, dass Pryde nicht mein leiblicher Vater ist?" Quincy begann wieder seine Hände zu kneten und seine Stimme war leise, als er sprach: "Ich wusste es nicht, ich habe es vermutet. Es war einfach...ein paar Anzeichen waren einfach ziemlich eindeutig." "Was für Anzeichen? Erklär es mir!", Leonidas Stimme klang kalt, aber nicht unfreundlich, weshalb Quincy seiner Aufforderung nachging und weiter erklärte.
"Als du dich damals bei der Eignungsprüfung für die Akademie vorgestellt hast, betontest du, dass Pryde dein Vater sei. Es war wichtig für dich, dass die anderen sofort wussten, dass Pryde für dich nicht nur irgendein Verwandter ist, sondern dein Vater. Zugegeben, das ist an dieser Akademie eigentlich nichts besonderes. Viele sind ja stolz, zu berichten, wer ihre Eltern sind. Aber trotzdem. Bei dir war es so, als müssten alle erfahren, dass du Prydes Sohn bist. Und dann hast du Hux von der Plattform geschubst. Das hast du nicht gemacht, weil du einfach gemein sein wolltest. Du hast es gemacht, weil Hux Recht und du Unrecht hattest, was die Elektroschocker anging. Damit konntest du nicht umgehen, mit dem Gedanken, dass jemand anderes besser ist als du. Dass jemand anderes vielleicht besser geeignet ist, die Prüfung zu bestehen und damit auch besser geeignet ist, Schüler an der Akademie zu sein. Denn besser in der Prüfung abzuschneiden, würde auch bedeuten, Prydes Erwartungen besser zu erfüllen."
Quincy hielt kurz inne und sah zu Leonidas, der den Blick gesenkt hatte. Im Gesicht des Braunhaarigen ließ sich nicht ablesen, wie gut oder schlecht er diese Analyse seines Verhaltens aufnahm und so fuhr Quincy einfach fort.

"Dann war da noch die Situation, als wir das Labyrinth gesehen haben. Während die meisten anderen beeindruckt oder leicht verängstigt waren, wirktest du so unglaublich furchtlos und ruhig, dass ich mich fragte, wovor du wohl Angst haben könntest, wenn nicht vor so etwas. Was das sein könnte, ist mir beim Abendessen in der Mensa klar geworden. Als du herausgefunden hast, dass Hux ein Bastard ist, hast du kein Geheimnis daraus gemacht, was du davon hältst. Du hast ihm quasi auf die Nase gebunden, dass du ihn hasst. Und ich habe mich gefragt, wieso du ihn so hasst. Zugegeben, ihr habt euch von Anfang an nicht gut verstanden und natürlich könntest du auch einfach eine Abneigung gegen Bastarde haben, weil das eben die allgemeine, gesellschaftliche Meinung ist. Aber dein Hass gegen Hux war so stark und roh, da musste mehr hinter sein. Und in dem Moment wurde mir klar, dass du Hux so sehr hasst, weil er für alles steht, wovor du Angst hast. Deine einzige Furcht besteht darin, von deinem Vormund verstoßen oder verleumdet zu werden. Deine größte Sorge ist es, deinen Adoptivvater, den Mann, der dich großgezogen hat und zu dem du aufsiehst, zu enttäuschen. Und diese ganzen Dinge, vor denen du dich fürchtest, siehst du in Hux. Deshalb hasst du ihn."

Quincy hielt inne und ein bedrückendes Schweigen breitete sich zwischen den beiden aus. "Dass du adoptiert bist, war der logische Schluss aus deinem Verhalten", flüsterte der Weißhaarige leise und wagte es nicht, den Blick zu heben. Unbeweglich und in Schweigen gehüllt, saßen die beiden eine ganze Weile da, als wüssten sie nicht, was sie sagen sollten. Quincy war tief in seinen Sorgen versunken und begann sich Horror-Szenarien auszumalen, in denen Leonidas ihn anbrüllen würde, was für ein Freak er doch wäre und dass er nie wieder etwas mit ihm zu tun haben wolle.
Doch dann begann Leonidas unvermittelt zu sprechen. Seine Stimme war emotionslos und sachlich, wie als hielte er einen Aufsatz in Kriegsgeschichte. "Meine Mutter starb, als ich vier Jahre alt war. Meine Erinnerungen an sie sind ziemlich verschwommen, aber ich weiß noch, dass sie mich immer nur ,Leon' nannte, statt mich beim ganzen Namen zu rufen. Sie war eine ziemlich liebevolle und ruhige Frau, die immer das Gute in allem sah. Man könnte auch sagen, dass sie vom Wesen her das genaue Gegenteil von mir war.
Nachdem sie einer Krankheit erlegen war, lebte ich für ein Jahr bei einem Kindermädchen. Mein Vater war ein Offizier im Imperium. Er war hochrangig genug, um keine Zeit für mich zu haben, aber nicht hochrangig genug, um einen großen Bekanntheitsgrad zu genießen. An ihn kann ich mich noch weniger erinnern, als an meine Mutter, weil er eben nie da war. Trotzdem sah ich zu ihm auf. Ich bewunderte ihn für das, was er tat. Für die Schlachten, von denen er mir erzählte, wenn er da war. Für den unermüdlichen Ehrgeiz, den er an den Tag legte und für den unerschütterlichen Glauben an das Imperium.
Er fiel in der Schlacht von Jakku, als ich fünf Jahre alt war. Danach hatte ich niemanden mehr. Andere Verwandte, als meine Mutter und meinen Vater, gab es nicht mehr."
"Was war mit deinem Kindermädchen? Hätte die sich nicht um dich kümmern können?", unterbrach Quincy ihn vorsichtig. Leonidas lachte trocken auf.
"Quincy, du bist zu gutgläubig. Das Kindermädchen sah es nicht ein, sich um ein Kind zu kümmern, dass niemanden mehr hatte, der sie bezahlen konnte. Vermutlich wäre ich in irgendeinem Kinderheim gelandet oder auf der Straße. Doch ich hatte Glück. Eines Tages stand General Pryde persönlich vor unserer Tür. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit ihm. Er stand vor mir, ein vom Krieg und Schlachten gezeichneter General, vor einem fünfjährigen Waisen.

“Mein Name ist General Pryde. Ich war ein Bekannter deines Vaters. Du weißt das nicht, aber ich habe ihm mal das Versprechen geben müssen, dich aufzunehmen, sollte er jemals fallen.”
“Er hielt mir seine Hand hin und als ich sie nahm, war sein Händedruck kräftig und seine Hand kalt.”
“Wenn du es willst, dann kannst du jetzt mit mir kommen. Ich werde dein Vormund sein, dich erziehen, trainieren und zu meinem Erben machen. Aber ich warne dich, ich bin anspruchsvoll. Solltest du dich entschließen, mit mir zu kommen, dann werde ich von dir erwarten, dass du in allem, was du tust, dein Bestes gibst, dass du auf meinen Rat hörst und meine Erwartungen erfüllst. Wenn du den Namen Pryde annimmst, dann wirst du ihm auch gerecht werden müssen. Aber, wenn du den Namen Pryde annimmst, werde ich dich auch an die Spitze der neuen Ordnung bringen. Also, willst du mit mir kommen?”
“Ich glaube, es ist normal, dass sich so ein Moment in das Gedächtnis eines Fünfjährigen brennt. Schließlich veränderte er mein Leben. Ich ging mit ihm mit, nahm seinen Namen und sein Erbe an. Pryde war anders als mein leiblicher Vater. Der General schaffte es nämlich irgendwie, eine Genehmigung zu bekommen um mich auf seine Missionen mitzunehmen. Natürlich war ich bei den Eroberungen und Schlachten nie dabei, aber ich war immer auf Prydes Schiff. Ich war dabei, wenn er mit seinen Truppen loszog und ich war dabei, wenn sie zurückkehrten, entweder als Sieger oder als Verlierer. Ich sah Jahre lang aus nächster Nähe, wie Pryde seine Flotten und Soldaten kommandierte und lenkte. Ich erlebte mit, wie er sich mit seinen Beratern traf und über Kampftaktiken diskutierte. Als ich zehn Jahre alt wurde, begann Pryde mit meiner Ausbildung. Er besorgte mit Trainer, die mir die Grundlagen im Nahkampf und im Umgang mit Waffen beibrachten. Ebenfalls finanzierte er mir Privatlehrer, die mich in theoretischen Fächern unterrichteten."
"Davon war an der Akademie aber nicht viel zu sehen...", dieser Kommentar war Quincy rausgerutscht und er verzog erschrocken das Gesicht, während Leonidas ihn verärgert ansah. "Ich war es halt gewohnt alleine unterrichtet zu werden und nicht in einer Klasse", fauchte der Größere, bevor er seinen Becher auffüllte und nach einem großen Schluck weiter erzählte: "Pryde nahm mich häufig auch mit zu privaten Treffen, wodurch ich auch die Kinder anderer Generäle oder wichtiger Leute kennenlernte. Als ich jedenfalls alt genug war, entschied Pryde, mich an die Akademie von Arkanis zu schicken."

An der Stelle hielt Leonidas inne und blickte das erste Mal, seit er angefangen hatte, von seinem Leben zu berichten, Quincy direkt an. "Um auf die Antwort deiner Frage zu kommen. Ich will nicht, dass irgendjemand erfährt, dass ich nicht der leibliche Sohn von Pryde bin, weil ich mir wünsche, ich wäre es wirklich. Ich weiß, dass das dumm ist, schließlich kann ich nicht ändern, das ich eben “nur” Prydes Adoptivsohn bin. Aber der General hat mehr für mich getan, als ich ihm jemals zurückzahlen könnte. Er hat mir ein Leben und einen Namen geschenkt, als ich nichts mehr hatte. Und vermutlich wird ein Leben nicht reichen, um diese Schuld zu begleichen, aber wenn ich schon nicht das zurückzahlen kann, was er mir gab, dann werde ich alles daran setzen, seine Erwartungen zu erfüllen und ihn stolz zu machen. Er soll seine Entscheidung nicht bereuen müssen."
Über Leonidas grüne Augen hatte sich ein Schatten gelegt und Quincy bildete sich ein, etwas in ihnen lodern zu sehen. Ein Feuer des Ehrgeizes und der bedingungslosen Loyalität, welches dem Weißhaarigen einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Beunruhigt rutschte er auf dem Bett hin und her, bevor der Kleinere vorsichtig und möglichst einfühlsam fragte: "Aber ist es das, was du wirklich willst?"
Leonidas verstand die Frage nicht. Natürlich war es das, was er wollte. Prydes Erwartungen gerecht zu werden, war streng genommen sogar das einzige, was er wollte. "Was meinst du? Natürlich will ich Pryde stolz machen." Quincy nahm nervös noch einen Schluck. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Nach allem, was er gehört hatte, verstand er den Größeren und dessen Handlungen so viel besser. Und eigentlich tat Leonidas ihm leid. Es hörte sich fast so an, als wäre er in einem Teufelskreis der Schuld gefangen.
Pryde hatte ihm das Gefühl gegeben, seine Erwartungen erfüllen zu müssen, um zu beweisen, dass er das, was er ihm gegeben hatte, auch verdiente. Aber eigentlich war Leonidas nur ein Junge, der seine Eltern verloren hatte. Der viel zu früh vor eine lebensverändernde Entscheidung gestellt worden war. Ein Junge, der mit fünf Jahren in das Militärgeschehen der neuen Ordnung geworfen worden war und Krieg aus nächster Nähe miterlebt hatte. Leonidas tat Quincy leid, aber das konnte er nicht sagen.
"Hör mal, Leo. Meinst du nicht, du solltest öfters mal das machen, was du willst und nicht das, was Pryde von dir erwartet? Ich meine, du bist Prydes Adoptivsohn und nicht sein Sklave, der alles tun muss, was von ihm verlangt wird. Ich verstehe, dass du das Gefühl hast, dem General etwas zurückzahlen zu müssen. Aber Leo, Pryde hat dich adoptiert, weil er das Versprechen an deinen Vater einlösen wollte. Einem Waisen ein neues zu Hause zu geben sollte eine Wohltat sein, die von Herzen kommt, und für so etwas sollte keine Gegenleistung erwartet werden, verstehst du? Vielleicht könntest du ja manchmal aufhören, zu denken, dass du in Prydes Schuld stehst und statt seinen Erwartungen mal deine eigenen Erwartungen erfüllen."

Leonidas fühlte, wie durch die Hitze des Getränkes in seinem Magen Wut aufstieg. Er spürte, dass an Quincys Worten etwas dran war. Er wusste, dass Quincy vielleicht sogar Recht hatte. Aber der Gedanke machte ihn wütend, weil er gegen alles sprach, an was er seit Jahren glaubte. Es sprach gegen das Gesetz, nach dem er lebte, nämlich, Prydes Erbe gerecht zu werden, die unumstößlich oberste Priorität war. Und nun erklärte ihm Quincy, eine halbe Portion und ein Niemand, dass es in Ordnung war, eigene Ziele zu haben und das zu tun, was Leonidas selbst wollte.
Der Braunhaarige funkelte Quincy an und fauchte verärgert. "Ach halt doch den Mund! Du hast doch keine Ahnung!" Fast hätte er “Du kennst mich nicht!” gesagt, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass diese Aussage nicht mehr stimmte. Stattdessen sprang er vom Bett und baute sich vor Quincy auf. "Du redest so, als würdest du irgendetwas davon verstehen, aber was weißt du denn schon?"
Leonidas hatte erwartet, dass Quincy ängstlich zusammenzucken und sich entschuldigen würde. Stattdessen vermied der Weißhaarige den Blickkontakt mit ihm und in seine gesenkten, blauen Augen trat ein so trauriges Schimmern, dass sogar Leonidas verstand, dass er etwas falsches gesagt hatte. Quincy schluckte, bevor er leise flüsterte.

"Leonidas, ich habe gelogen. Also vorhin." Verwirrt und immer noch leicht verärgert, zog Leonidas eine Augenbraue nach oben, um deutlich zu machen, dass er eine Erklärung erwartete. Quincy sprach genauso leise weiter und Leonidas konnte seine Worte geradeso hören. "Ich...ich habe nicht nur an deinem Verhalten erkannt, dass du adoptiert wurdest. Ich habe es auch...sagen wir...ich habe es...gespürt. Weil ich auch mal adoptiert wurde."
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