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The Unsung Tale Of Navarion II - Retaliate

von Theurgy
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / MaleSlash
Elladan OC (Own Character) Thranduil
01.12.2022
30.01.2023
52
116.118
6
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25.01.2023 3.012
 
Kapitel 47 – Klarstellung


Thranduil hob seinen Kopf und legte ihn ein kleines Bisschen zur Seite, während er darauf wartete, was genau Imion zu ihm geführt hatte.
„Mein König, ich habe hier die Agenda mit den Themen, die ihr in Imladris mit Lord Elrond und Herrin Galadriel besprechen wolltet“, der Elb legte eine beängstigend dicke Mappe auf den Tisch.
Elladan, der nebenan saß, sah von seinem Buch auf und suchte Thranduils Blick, der König jedoch beachtete ihn nicht, seine Augen ruhten emotionslos auf Imion.
„Bist du dir sicher, dass ich so viel besprechen wollte?“
Für einen Moment sah Imion beinahe verletzt aus. „Natürlich. Ihr sagtet mir, dass ihr dieses Mal dafür sorgen werdet, dass die Zeit zwischen den Treffen auf mindestens fünfzig Jahre verlängert wird.“
Elladan gab ein Geräusch von sich, dass verdächtig nach einem unterdrückten Lachen klang.
„Klingt in der Tat ganz nach mir“, jetzt wanderte Thranduils Blick zu Elladan, der jedoch sehr angestrengt in seinem Buch las, während seine Lippen merkwürdig verzogen fest zusammengepresst waren.
„Wann werdet ihr aufbrechen?“
„In spätestens einer Woche. Es lässt sich doch nicht länger hinauszögern.“
„Dann werde ich entsprechende Vorbereitungen treffen. Soll ich extra viel Wein einpacken lassen? Das letzte Mal schien es etwas wenig zu sein.“
Aus dem Nebenzimmer war etwas zu hören, dass an einen Laut erinnerte, den jemand macht, wenn er ein Lachen unterdrückt, aber etwas hört, was alles nur noch schlimmer macht.
„Imion…“
„Mein König?“, der Berater machte ein unschuldiges Gesicht.
„Ich bin ernsthaft geneigt, euch alle geplanten Feste während meiner Abwesenheit zu verbieten.“
Schlagartig sah Imion aus wie ein ertappter Elbling. „Ich befürchte, ich weiß nicht, wovon ihr redet…“, brachte er nach dem ersten Schreck mit leicht kratziger Stimme hervor.
„Gnade euch Ilúvatar sollten meine Hallen nicht mehr stehen, wenn ich wiederkomme.“
„Sehr wohl“, mit einer Verneigung verließ Imion schließlich lächelnd das Arbeitszimmer.

Kaum hatte der Berater das Zimmer verlassen, erhob sich Elladan. Er blieb auf der Schwelle stehen und lehnte sich gegen den Türrahmen.
„Eine Woche also…“
„Höchstens, denn dann müssten wir schon schnell reiten. Dein Vater wäre alles andere als erfreut, wenn wir zu spät zu den Besprechungen eintreffen würden.“
„Ob Haldir und Legolas auch da sein werden?“
„Die beiden weilen noch irgendwo im Süden Ardas. Ich kann nur hoffen, dass sie sich Navarion und Ionel nicht allzu sehr als Vorbild nehmen und gleich dreihundert Jahre lang auf Reisen gehen. Galadriel wird also wohl oder übel in anderer Begleitung kommen.“
Elladan gab ein undeutliches Murmeln von sich.
Thranduil legte die Feder beiseite und sah den Halbelben unverwandt an. „Ich habe auch gehofft, sie würden vor unserer Abreise wiederkommen…“
Elladans Antwort kam so leise, dass sie kaum zu verstehen war. „Ich wäre schon froh, wenn sie es überhaupt täten…“, er drehte sich um und wollte zum Sofa zurückkehren, doch auf halbem Weg blieb er stehen, „Wenn wir bald abreisen, würde ich vorher gerne nochmal durch den Wald streifen. Nicht hier vor den Hallen, sondern weiter weg. Hast du etwas dagegen?“
„Nein, du kannst dich doch frei bewegen. Wie lange willst du wegbleiben?“
„Nur zwei Tage. Ich würde dich gerne fragen, ob du mich begleiten möchtest, aber du wirst bestimmt viel zu tun haben – jetzt, kurz bevor du für Wochen im Imladris sein wirst“, in Elladans Stimme lag unüberhörbar die Hoffnung, Thranduil hätte doch die Möglichkeit, mit ihm zu kommen und in der Tat schien der König eine Weile zu überlegen, ehe er schließlich lächelte.
„Wenn sie hier Wochen ohne mich auskommen können, sollten sie das auch für zwei Tage schaffen. Imion wird mich hassen, aber wenigstens kann ich dir die Schuld dafür geben…“

Trotz des bald beginnenden Frühlings bildete die Atemluft, die Elladan ausstieß, kleine graue Wölkchen, die sich in der kühlen Luft verloren.
Langsam wanderte er zwischen den Bäumen umher, strich mit seinen Fingern über die Rinde, die sich mal glatt und mal rau unter seinen Händen anfühlte. Fahles Sonnenlicht fiel durch die dichten Baumkronen, in dünnen Strahlen traf es auf den Boden und schmolz dort die glitzernden Reste des Schnees. Erste zarte Blüten von Krokussen zeigten sich in dunklem Lila oder sattem Blau, Farne bildeten hellgrüne, neue Blätter, die noch eingerollt der Kühle ihrer Umgebung trotzten.
Thranduil stand einige Meter abseits. Sein Blick folgte mal den Pferden, die gemächlich den Boden nach Trieben absuchten, dann wieder Elladan, der vollkommen von der Natur eingenommen zu sein schien. Lächelnd verschränkte der König seine Arme vor der Brust als er sah, wie der Halbelb behände einen Baum erklomm und über die Äste balancierte.
„Bist du früher auch auf Bäume geklettert?“
„Welcher junge Elb ist das nicht? Obwohl viele von uns es bevorzugen, auf dem Boden zu bleiben. Wir klettern nicht so gerne wie die Galadhrim.“
„Dabei bietet sich dieser Wald dafür doch an“, er sprang von einem Ast zu dem eines anderen Baumes und Thranduil hoffte inständig, das Holz würde trocken und nicht feucht und rutschig sein. Elladan ließ sich schließlich nieder, seine Beine baumelten hoch über dem Boden.
„Bei uns klettern die Erwachsenen auch nicht mehr in den Bäumen rum. Aber wir haben auch nicht so dichten Wald wie es ihn hier gibt oder in Lothlórien.“
„Woher kannst du es dann so gut?“
„Oh, ich bin auf allem herumgeklettert, das sich anbot. Bäume, Dächer, Brücken… Mein Vater hat sich oft die Haare darüber gerauft. Er sagte immer, es gehöre sich nicht. Wie siehst du das?“
„Ich kann daran nichts Ungehöriges finden. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, junge Elben sollten so viel wie möglich ausprobieren und nicht alles davon muss sinnvoll oder anständig sein. Verantwortung kommt noch früh genug.“
„Ich dachte immer, dass Legolas streng erzogen worden wäre.“
„Wurde er auch, in bestimmter Hinsicht. Er wurde erzogen in dem Wissen, Thronfolger dieses Landes zu sein, aber ich habe ihn nie wie ein rohes Ei behandelt und ihm viele Freiheiten gelassen. Ja, ich war streng und heute weiß ich, dass manche meiner Ansichten altmodisch und überholt waren, aber damals hielt ich sie für richtig.“
Mit einem Satz landete Elladan vor Thranduil. „Ich glaube, du bist ein sehr guter Vater“, er drehte sich um und setzte den Weg durch das Zwielicht fort. Und Thranduil? Der war zu überrascht, um etwas zu erwidern.

„Auf meinem Weg hierher habe ich den Wald gemieden. Anstatt dessen bin ich im Bogen drumherum geritten“, lachend schüttelte Elladan über sich selbst den Kopf, während er seine Beine am Lagerfeuer ausstreckte.
„Wie kommt es, dass du noch einmal hierher wolltest?“
„Bevor wir so viel Zeit miteinander verbracht haben, bin ich ein paar Mal ausgeritten und irgendwann fand ich mich im tiefen Wald wieder. Mein Weg hatte mich mit jedem Ausflug tiefer in ihn hinein geführt. Zuerst hatte ich Angst, die Dunkelheit würde sich um mein Herz legen, würde die Sorge um Ionel unerträglich machen, doch was geschah, war das Gegenteil. Ich fühlte mich frei und unbeschwert. Die Natur und die Bäume nahmen eine Last von mir, sie ließen mich vergessen, was mich außerhalb des Waldes bedrückte.“
Thranduil ließ sich auf einem umgefallenen Baumstamm nieder. „Wer hätte gedacht, dass in dir ein Waldelb steckt?“
„Lass das nicht meinen Vater hören, er würde dich sofort aus Imladris weisen.“
„Ich werde es im Hinterkopf behalten… Wenn du möchtest, ruhe dich aus. Ich werde Wache halten. Nicht immer ist dieser Wald so ungefährlich und friedlich, wie er scheint.“
Elladan nickte und legte sich hin. Seine Augen verloren ihren Fokus, während er langsam in den Schlaf driftete.

***


Thranduil und Elladan entschieden sich, auf ihrer Reise den Weg durch den Wald zu nehmen. Sie ritten also von den Hallen aus direkt nach Süden und erst danach Richtung Westen und nicht umgekehrt, wie es der Fall gewesen wäre, hätte sie die Route am Anduin entlang gewählt. Zwar gab es im Düsterwald durchaus Gefahren, auf die sie hätten treffen können, doch diese waren auch nicht größer als die, die auf den Wegen am Anduin auf sie hätten lauern können. Waren es im Wald Spinnen oder, was selten vorkam, versprengte Späher und kleine Gruppen von Feinden, so konnten sie am Fluss auf Räuber treffen, die dort vorbeikommenden Reisenden und Händlern auflauerten.
Ihre Reise jedoch sollte vollkommen ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen.

Später als die beiden Elben, und als überhaupt ursprünglich geplant, brachen auch Navarion und Ionel auf. Sie hatten sich lange genug in der Herberge ausgeruht. Ionel fühlte sich erholt und gestärkt genug, um alles, was in Tyrmheim vorgefallen war, mit dem Mantel des Schweigens zu bedecken und in der hintersten Ecke seines Gehirns zu verbergen. Vergessen würde er es nie, aber er war sich sicher, dass das Geschehene in seinem Alltag keine Belastung wäre.
„Wie lange werden wir jetzt brauchen?“
„Höchstens zwei Wochen. In den letzten Tagen ist das Wetter stetig besser geworden, hoffen wir, dass es so bleibt“, Navarion ließ seinen Blick über den Himmel schweifen, als suche er Bestätigung für seine soeben getroffene Aussage. Tatsächlich zogen dort lediglich einige kleine, wattige Wolken über das helle Blau.
„Können wir uns dann darauf einigen, dass wir die nächsten fünfzig bis siebzig Jahre einfach mal keine weiten Reisen machen?“
Ein Lachen war zu hören. „Hast du etwa endlich die Nase voll von mir?“
„Mitnichten. Ich möchte nur mal lange Zeit immer wieder am selben Ort einschlafen und aufwachen.“
„Das sind wirklich verlockende Aussichten. Ich denke, das lässt sich einrichten. Langsam weiß ich auch wirklich nicht mehr, warum wir irgendwohin reisen sollten.“
„Ich erinnere dich daran, wenn du plötzlich wieder in Imladris aufschlagen solltest, weil du eine Entdeckung gemacht hast.“
„Würdest du dich dann nicht doch wieder mit mir auf den Weg machen?“
„Nein. Ich würde dich davonjagen – mit einer Mistgabel.“
„Deshalb mag ich dich so. Du bist einfach unglaublich liebenswürdig.“

***


Liwien hatte das Gefühl, in ihrem Magen hätte sich ein unangenehmer Knoten gebildet. Nervös knetete sie ihre Hände, während sie neben Thranduil über die Pfade von Imladris spazierte. Sie hatte, im Gegensatz zum König, keine Augen für die mit aller Macht erwachende Natur. Ihre Gedanken kreisten um das, was sie mit ihrem einstigen Herrn besprechen wollte und nicht zum ersten Mal seit dem Mittagessen mit Navarion kam sie sich schäbig und wie eine Verräterin vor.
Thranduil hatte gelächelt und sofort zugestimmt als sie um ein Gespräch gebeten hatte. Nun wandte er seinen Blick von einem Feld voller Frühlingsblumen ab und sah sie an. Neugierig, unvoreingenommen und unverhohlener Sympathie. Sie kam sich noch elender vor. Als sie Navarion Vorwürfe gemacht hatte, tat sie das aus Schmerz über den Verlust ihrer Freundin und sie hatte sich fest vorgenommen, Thranduil genauso zu konfrontieren, doch nun, da er vor er stand und sie sah, wie glücklich er zu sein schien, brachte sie kaum ein Wort hervor.
„Es ist bedauerlich, dass wir seit so vielen Jahren nichts von dir gehört haben. Wir sahen uns nur, wenn ein Besuch mich nach Imladris brachte…“
Sie sank etwas weiter in sich zusammen.
„Worüber wolltest du mit mir sprechen?“
Liwien atmete tief ein und während des Ausatmens flüsterte sie „Ich war unfair zu Navarion…“.
„Inwiefern?“
„Als er mit Ionel hier war, war ich während eines Essens sehr ungerecht zu ihm“, sie stockte. Thranduil zog eine Augenbraue hoch und sah sie abwartend an. In seinem Gesicht stand keinerlei Emotion, „Ich fragte ihn, ob er jetzt Feryas Platz einnehmen wolle und dass er ein schweres Erbe antreten würde und gegenüber Elrohir habe ich gesagt, dass ich euch beide nicht verstehen kann, weil es so schnell ging und ich dachte, du würdest Ferya einfach ersetzen wollen.“
Hatte sie zuerst befürchtet, sie würde kein Wort hervorbringen, sprudelte es nun aus ihr heraus. Für eine Sekunde zogen sich Thranduils Augen zusammen. Er setzte seinen Weg fort und sie folgte ihm verunsichert.
„Niemand wird sie ersetzen können – weder Navarion noch sonst irgendeine Elbe auf Arda. Jeder, der das probieren würde, würde scheitern. Ich kann deine Ansichten nachvollziehen, sie war schließlich deine engste Freundin und Vertraute und ich verstehe deine Angst, dass irgendwer nun ihren Platz einnehmen soll, aber das wird und kann nicht passieren. Sie war die Mutter meines Zweitgeborenen und die Valar wissen, wie sehr ich sie geliebt habe.“
Liwien schossen Tränen in die Augen. Mühsam kämpfte sie diese zurück. Sie wollte nicht weinen und traurig sein, sondern wütend. „Aber warum warst du dann nicht für sie da? Du hast sie allein gelassen in ihrem Schmerz!“
„Weil ich ihr einen großen Teil Schuld an Faramiels Tod gegeben habe“, wieder war Thranduil stehengeblieben und hatte sich umgedreht. Er sah den Schmerz in ihren Augen, die Pein, die seine Worte verursachten und doch war es besser, wenn sie die Wahrheit erfuhr, „Es tut mir leid, dir das so unumwunden zu sagen, denn ich sehe, wie weh es dir tut. Ferya wusste, wie sehr ich dagegen war, dass Faramiel Ares selbst zuritt. Er war so ungestüm wie der junge Hengst es war. Eine Mischung, die selten Gutes bringt. Aber, und auch das muss ich so sagen, sie hat sich über meine Bedenken hinweggesetzt. Sie hat sie nicht ernstgenommen, bis das Unglück geschah und alles zu spät war.“
Liwien sah ihn ungläubig an. „Das wusste ich nicht.“
„Sie und ich, wir tragen beide Schuld an seinem Tod. Es war unsere Nachgiebigkeit, die ihn letztendlich das Leben kostete. Sie war zu nachsichtig ihm gegenüber und ich ihnen beiden. Wäre nur einer von uns konsequenter gewesen, er könnte noch leben. Sie brauchte meine Nähe, ich lehnte jede Nähe ab. Sie wollte ihre Trauer mit mir teilen, während ich mit meiner allein bleiben wollte.“
„Du hast sie am Ende nicht mehr geliebt, oder?“
„Doch. Aber ich konnte nicht verzeihen, weder ihr noch mir und diese Schuld, die ich bei uns beiden sah, überdeckte alles Andere. Was nach Faramiels Tod geschah, hat aber nichts damit zu tun, dass ich sie nicht geliebt habe. Das habe ich, nicht nur als Königin oder Mutter meines Sohnes, sondern als meine Frau.“
„Erzählst du mir, wie du und Navarion zusammengefunden habt? Vielleicht wird es so leichter für mich, euch beide zu akzeptieren.“
In dem Moment entschied sich Thranduil, von der Wahrheit abzurücken. Er konnte sie ihr nicht offenbaren, ohne Navarions Herkunft und das, was er getan hatte, zu verraten.
„Wir sind schon lange, bevor dieses Unglück geschah, Freunde geworden. Dass er und Ionel nach Eryn Lasgalen kamen, so kurz nach Feryas und Faramiels Tod, war nicht mehr als ein Zufall. Er half mir, mit dem Schmerz über ihren Verlust klarzukommen…“
Sie konnte ein Schnauben nicht unterdrücken.
„Nein, nicht so, wie du nun vielleicht denken magst. Wir sind nicht miteinander ins Bett gefallen und haben uns dabei ineinander verliebt. Im Gegenteil, wir kämpften gegen unsere Gefühle an, wollten sie nicht wahrhaben und leugneten sie. Unsere Unsicherheit endete im Streit, in dessen Verlauf ich ihn aus den Hallen warf.“
„Wie habt ihr dann doch zueinandergefunden?“
„Ich bin zu ihm gereist. Zu diesem Zeitpunkt musste ich mich entscheiden – lasse ich die Chance verstreichen und verbringe ein Leben ohne ihn oder reise ich ihm hinterher und versuche zu retten, was noch zu retten ist.“
„Wie konntest du dich nach so kurzer Zeit wieder verlieben? Hast du sie denn komplett vergessen?“
„Nein! Und das werde ich auch niemals! Weder sie noch Faramiel kann ich je vergessen und ich will es auch gar nicht. Sie gehören zu meinem Leben“, er nahm ihren Spaziergang wieder auf, „Welche Zeit hätte ich denn abwarten sollen? Wie lange hätten Navarion und ich uns weigern und leugnen sollen, was für Andere so klar zu sehen war? Hätte ich ihn gehen lassen, wäre ich unglücklich geworden. Sei ehrlich zu dir selbst – hättest du dein Glück ziehen lassen, weil in den Augen anderer noch nicht genug Zeit der Trauer vergangen war? Hättest du dein Herz verleugnet, weil du, nach gesellschaftlichen Maßstäben, noch nicht lange genug alleine warst? Ich verdanke ihm viel Liwien, mehr, als Außenstehende ermessen können und auch wenn du es so sehen magst, er hat sich mir weder aufgedrängt, noch hat er sich sonst irgendetwas erschlichen.“
Schuldbewusstsein drang in sie, nagte unnachgiebig an dem Knoten, der immer noch in ihrem Magen lag. Sie wollte ihn fragen, wieso er noch lebte, nachdem er doch seine Seele an die ihre gebunden hatte, doch sie schluckte ihre Worte hinunter.
War es wirklich wichtig? Navarion und Thranduils Liebe war anscheinend groß genug, um die Seele des Königs vor dem Dunkel zu retten. Wollte sie denn wirklich wissen, wie genau das möglich gewesen war? War sie denn tatsächlich der Meinung, er hätte sterben müssen? Wofür? Als Strafe für seine am Ende versiegende Liebe zu Ferya oder als Vergeltung dafür, dass der Tod ihres Sohnes sie in den Abgrund gerissen hatte, während er verschont geblieben war? Hätte Liwien wirklich seinen Tod gewollt? Bedeutete er ihr wirklich inzwischen so wenig, dass sie selbst nach all den verstrichenen Jahren nicht in der Lage sein sollte, Navarion an seiner Seite zu akzeptieren? Was, wenn Elrohir recht hatte und die Liebe der beiden Wunsch der Valar war?
Sie sah ihn an, seine Augen wirkten kalt, ohne dass dabei etwas Böses oder Wut in ihnen zu lesen war. Was auch immer genau in ihm vorging, er verbarg es vor ihr. Aus Rücksicht oder Selbstschutz, sie wusste es nicht.
Seufzend schüttelte sie den Kopf. „Kannst du mir verzeihen?“
„Ich? Du solltest Navarion um Verzeihung bitten. Du hast über ihn geurteilt, ohne dass du dir je seine Seite angehört oder von den Umständen gewusst hast. Ich weiß, wie nahe Ferya und du euch standen und kann und werde dir deine Zweifel und dein Unverständnis nicht übelnehmen. Er jedoch hat es nicht verdient.“
„Glaubst du, er wird überhaupt mit mir reden wollen?“
„Das muss er selbst entscheiden. Ich kann nicht für ihn sprechen.“
Liwien sah zu Boden, dann wieder auf. Immer noch konnte sie nichts in seinen Augen erkennen und sie befürchtete, dass ihr dies nun für immer verwehrt bleiben würde. „Danke, dass du mir von euch erzählt hast. Ich weiß nun, dass ich vorschnell geurteilt habe.“
Thranduil nickte lediglich leicht. Es war klar, dass ihr gemeinsamer Spaziergang hiermit beendet war. Er ging ein paar Meter weiter, ehe er stoppte und sie noch einmal umsah. „Imion vermisst dich. Du solltest dich mal wieder in Eryn Lasgalen sehen lassen“, kaum waren die Worte gesprochen, ging er weiter und Liwien sah ihm hinterher, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war.
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