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LuckyV - Oneshots

Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P18 / Mix
01.12.2022
27.01.2023
15
16.631
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
24.01.2023 1.085
 
Geschrieben: 24. Januar 2023
Hauptcharakter: Yosuke Kuraiame  
Content Notes: Polizei, Geiselnahme

Die FF spielt in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2023 nach dem Stream, den ihr hier finden könnt.

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Melonenwassereisblock


Es war still in der Wohnung. Nur Kates tiefe Atemzüge waren zu hören und ab und an die Geräusche eines Fahrzeugs, das draußen vorbei fuhr. Selbst die Stadt schien fast zu schlafen. Kein Wunder, schließlich war es bereits spät in der Nacht. Ewig lange würde es nicht mehr dauern, bis die ersten Sonnenstrahlen sich wieder über den Horizont erheben würden.
Doch Yosuke kam nicht zur Ruhe.
Nun, das stimmte nicht ganz. Äußerlich war er vollkommen ruhig, wagte es nicht sich zu bewegen und atmete auch nur flach. Aber während er sich darauf konzentrierte, die Schlafende neben sich nicht zu wecken, wirbelten Gedanken durch seinen Kopf.
Unter anderem konnte er förmlich immer noch Kates Stimme hören, wie sie während des Films gelacht und mitgesungen hatte. Offensichtlich war der Disney-Film über die Eiskönigin für Kinder gemacht worden, doch das hatte Kate nicht davon abgehalten, darin einzutauchen und Spaß zu haben. Und Yo hatte es genossen, sie so gelöst zu sehen. Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie sehr ihr Lachen ihm gefehlt hatte.
Gegen Ende des Films hatte Kate sich auf der Couch zusammengerollt, war immer stiller geworden und schließlich irgendwann während des Abspanns eingeschlafen. Mittlerweile war schon längst der letzte Name eines Mitwirkenden über den Bildschirm gerollt, doch Yosuke saß immer noch auf seinem Teil des Sofas und betrachtete das entspannte Gesicht der schlafenden Frau.
Was war das bloß für ein Abend gewesen? Eigentlich hatte er nur kurz in den Dienst gehen wollen, doch dann war er mit dem Chief auf Streife gefahren und wie so oft war es zur Eskalation gekommen. Bis zu dem Punkt, an dem er als Geisel in der Umkleidekabine eines Bincos gesessen hatte.
Und dann später hatte völlig überraschend sie angerufen. Sie hatte ihn außer Dienst gelockt und gemeinsam hatten sie draußen in der Natur am Wasser meditiert. Außerdem hatten sie viel miteinander gesprochen und obwohl sie sich in den letzten Wochen kaum gesehen hatten, hatte er sich sofort wieder bei ihr wohlgefühlt.
Doch am Ende, als sie in Kates Wohnung gelandet waren, hatte sie ihn vollkommen aus der Bahn geworfen…
Wieder konnte Yosuke spüren, dass sich sein Gesicht rötete. Schon allein bei der Erinnerung daran, dass sie ihm einen Neujahrskuss auf die Wange gegeben hatte, als er im Koma gelegen hatte. Und dass sie es heute Abend wiederholt hatte. Zweimal.
Nicht zum ersten Mal fragte er sich, was Kate bloß mit ihm anstellte. Wie brachte sie ihn dazu, in ihrer Gegenwart so verlegen zu werden? Er hatte sie ja nicht einmal mehr ansehen können. Stattdessen hatte er sich nach beiden Küssen umgedreht und die Deckenlampen angestarrt.
Er war doch eigentlich ein Eisblock. Wie konnte sie da solch eine Wärme in ihm hervorbringen?
Langsam ließ Yo die Luft aus seinen Lungen weichen.
Kate hatte ihm gesagt, dass er lernen sollte, Hilfe anzunehmen und Menschen an sich heran zu lassen. Selbst in diesem Disney-Film war es um solch ein Thema gegangen. Natürlich war es vereinfachter dargestellt worden, doch dieses Bild der zurückgezogenen Eiskönigin… Wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, verstand er, warum Kate gewisse Parallelen sah.
Aber in der Realität war das natürlich nicht so leicht zu lösen wie in einem Kinderfilm.
Dennoch… Vielleicht… Was, wenn sie Recht hatte?
Zögerlich betrachtete er wieder die blonde Frau neben sich. Dabei bemerkte er, dass die dünne Decke, die auf dem Sofa gelegen hatte, gerade einmal ihre Füße bedeckte. Zu wenig für diese kühle Jahreszeit. Warum war ihm das nicht schon vorher aufgefallen?
Mit einem Kopfschütteln erhob er sich langsam und vorsichtig, schlich zu ihr und griff nach der Decke. So sanft, wie es ihm nur möglich war, zog er sie über ihren Körper. Schließlich legte er den Stoff über ihre Schultern, zupfte ihn so zurecht, dass er ihren gesamten Körper bedeckte, und hielt den Atem an.
Kate gab ein leises Geräusch von sich, das wie eine Mischung aus einem Brummen und einem Schnurren klang. Dabei zuckte ihre Hand, die unter der Decke hervorragte, doch mehr geschah nicht. Sie wachte nicht auf.
Erleichtert atmete Yosuke durch. Doch nun stand er selbst unschlüssig vor der Couch und wusste nicht so recht wohin mit sich. Natürlich war das Ecksofa groß genug, dass er sich am anderen Ende hinlegen und ebenfalls schlafen konnte. Aber er wollte nicht. Stattdessen wollte er…
Ohne so recht zu wissen warum, sank er an Ort und Stelle langsam zu Boden, bis er schließlich vor der Couch und der schlafenden Kate kniete. Seine Hüfte fühlte sich bei dieser Bewegung steif und ungelenkig an, doch es war kein direkter Schmerz, weswegen er beschloss, es zu ignorieren.
Sein Blick lag nun auf ihrer freien Hand und er erinnerte sich daran, wie sie vorhin noch erzählt hatte, dass sie ihn im Koma berührt hatte. Genau an der Stelle. Das bedeutete, dass sie solch einen Körperkontakt als okay empfand, oder…?
Dieser Gedankengang irritierte ihn. Er war doch sonst nicht der kontaktfreudige Mensch. Doch in ihrer Nähe war das irgendwie anders. Sollte er das zulassen?
Nun, sie hatte ihn darum gebeten, es zu versuchen. Selbst diese Eiskönigin aus dem Film hatte es geschafft. Aber…
Wie in Zeitlupe hob sich sein Arm. Er war selbst überrascht von der Bewegung. Es war, als hätte sein Körper die Kontrolle übernommen.
Und so schien er jetzt von außen dabei zuzusehen, wie er vorsichtig nach Kates Hand griff und sie sacht umfasste. Er konnte an den tiefen Atemzügen hören, dass sie nicht aufwachte, doch trotzdem verschränkte sie die Finger mit den seinen. Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lippen und Yos Herz begann ungewöhnlich schnell zu schlagen. So wie vorhin, als sie ihn geküsst hatte.
Er schloss die Augen, konzentrierte sich auf seinen Atem und darauf, wie sich die Berührung anfühlte.
All diese Wochen, die sie sich nicht gesehen hatten, waren auf einmal vergessen. Es zählte nur das Hier und Jetzt. Gerade war sie bei ihm und sie hatte darum gebeten, dass sie sich öfter sehen würden. Sie hatte sogar gesagt, dass er sich eine Tasche packen sollte, damit er in ihrer Wohnung ein paar Sachen hatte. Weil er ja schließlich den Schlüssel zu ihrer Tür hatte.
Kates Hand fühlte sich warm in der seinen an. Und Yosuke meinte zu spüren, wie etwas von dieser Wärme auf ihn übergriff, seinen Arm hinauf wanderte und von dort weiter durch seinen Körper. Bis hinein in sein Herz.
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