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Leviathan

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Mix
Engel & Dämonen
29.11.2022
31.01.2023
11
55.897
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25.01.2023 5.082
 
Teil IV – Ketuvim





Kapitel 9: allein



Die Geräusche um sie herum sind alles andere als beruhigend. Da sind helle Pieptöne und ein gleichmäßiges Rauschen, das neben ihrem Ohr dröhnt und eine Migräne erzeugt, die sie das Gesicht verziehen lässt. Ayesha versucht die Augen zu öffnen, doch die Lider sind verklebt. Es dauert mehrere Sekunden, bis sie einen winzigen Streifen Helligkeit sehen kann, der verschwommen aussieht. Sie rollt die Augen in ihren Höhlen, um den Schleim auf der Pupille loszuwerden, aber sie kann immer noch nichts erkennen. Das Rauschen wird etwas schneller, weil sie schneller atmet. Panik macht sich in ihr breit, weil sie kaum Luft in ihre Lunge hineinbekommt. Oder? Sie weiß es nicht und will ihre Hände bewegen, doch die Arme sind schwer wie Blei.

Dumpfer Schmerz legt sich über ihren Körper und will sie zurück in die Dunkelheit zwingen, aber Ayesha kämpft sich zurück an die Oberfläche und dreht ihre Augen nach innen in Richtung ihrer Nase. Sie erkennt einen Schlauch, der aus ihrem Mund herausragt und in einem Gerät endet, das kompliziert aussieht. Und was sie noch mehr irritiert – sie kann nur eine Seite des Schlauchs sehen, nicht zwei verzerrte. Die Haut in ihrem Gesicht beginnt genau in dieser Sekunde zu brennen und zu zwicken, was sie noch etwas mehr in Unruhe versetzt. Sie kann eine ihrer Hände heben und an die Befestigungsschlaufen legen, die den Schlauch mit ihrem Kopf verbinden.

Einer der Pieptöne neben ihr wird ebenfalls schneller. So viel schneller, dass er sie in den Wahnsinn treibt, wenn er nicht bald leiser wird. Unwirsch reißt sie an den Befestigungen um ihren Kopf herum und zappelt ein wenig, da tauchen zwei Gesichter vor ihr auf und widmen sich erst den Gerätschaften um Ayesha herum, dann ihrer Hand, die sich erfolglos an den Riemen abmüht.

„Sie ist wach“, sagt eine Frau erstaunt und leuchtet mit einer kleinen Taschenlampe in Ayeshas Gesicht. „Ihre Pupille reagiert und sie atmet eigenständig. … Hören Sie mich?“

Ayesha sieht der Frau in die Augen und versucht zu nicken, aber die Frau legt eine Hand auf ihre Schulter und lächelt sie an. Vermutlich soll sie das beruhigen, aber Ayesha spürt nichts als blanke Panik. Der Schlauch in ihrem Hals fühlt sich an, als würde er ihre Luftröhre in jeder Sekunde in Einzelteile zerreißen. Jede Faser ihres Körpers tut weh und ihr Kopf ist sicher zur Größe des Hauptquartiers angeschwollen. Außerdem weiß sie nicht, wie sie hier gelandet ist.

„Sie müssen ruhig bleiben, ja? Wir holen den Intubationsschlauch gleich heraus, eine Sekunde noch“, verspricht die Pflegerin und verschwindet kurz aus Ayeshas Blickfeld, dann steht sie wieder neben ihr und gibt ihr ein kurzes Signal mit den Fingern. Die Befestigungen um Ayeshas Kopf werden gelöst, dann dreht sie etwas aus der Halterung heraus, die den Schlauch aufrecht auf ihrer Brust festhält, und schließlich wird der Schlauch mit einem schnellen und geschmeidigen Ruck aus Ayeshas Hals entfernt. Sie muss würgen und hustet mehrmals, bis sich der Reflex endlich legt.

Ihre Lippen sind trocken und schmerzen, genau wie ihr Mund, der sich anfühlt, als hätte ihr jemand Sand zu essen gegeben. Ihre Kehle brennt. Vielleicht, weil sie sich bei Charun die Seele aus dem Leib geschrien hat… Kraftlos lässt sie ihre Hand sinken und versucht flach zu atmen, damit sie sich nicht erbrechen muss. Die Pflegerinnen wuseln noch eine ganze Weile um sie herum und überprüfen die anderen Geräte, die Ayesha immer noch mit ihren Geräuschen auf die Nerven gehen.

„I-…“, röchelt Ayesha und ärgert sich über ihre brüchige Stimme und ihre wenige Kraft. Sie kann nicht einmal die Finger rühren oder die Hand zu einer Faust ballen, während sie die Schwester ansieht und darauf wartet, dass sie sich zu ihr dreht.

„Sie sollten noch nicht sprechen“, mahnt die Frau und räumt einiges an Equipment zur Seite. Den Schlauch, die Befestigungsschlaufen und noch ein anderes Gerät, das Ayesha noch nie in ihrem Leben gesehen hat.

„Idris…“, raunt Ayesha dann stimmlos und hebt einen Finger, aber sie kann den Arm nicht rühren. Sie weiß, dass sie Idris’ Stimme gehört hat, bevor sie das Bewusstsein verlor. Sie ist sich absolut sicher, dass sie ihn gehört hat. Er war da, direkt neben ihr in dieser Ruine. Er und die anderen, sofern sie sich das nicht eingebildet hat.

„Ich schicke Ihnen bald jemanden, mit dem Sie sprechen können, aber zuerst müssen Sie zu Kräften kommen und sich ausruhen, in Ordnung?“, verspricht die Pflegerin. „Ein Arzt wird auch noch nach Ihnen sehen. Alles zu seiner Zeit.“

Ayesha will insistieren, dass man ihr alles sagt, was sie wissen will, aber sie kann sich nicht länger konzentrieren und schläft wieder ein, bis sie mehrere Stunden später erwacht. Das weiß sie nur, weil es draußen mittlerweile dunkel ist und jemand ein schummriges Licht eingeschaltet hat. Jemand sitzt neben ihr. Sie dreht den Kopf und spürt einen Schlauch, der mit zwei Öffnungen in ihrer Nase steckt und sie offenbar mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Ihre Kopfschmerzen sind nicht mehr ganz so schlimm, aber ihr Körper ist immer noch viel zu schwer und kann kaum bewegt werden.

Sie ist enttäuscht, als sie nicht Idris’ Gesicht neben ihrem Bett entdeckt, sondern eines, mit dem sie nicht gerechnet hat. Da sitzt Herr Marwan und liest in einer Zeitung, die er sinken lässt, als er ihre Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Wenn sie sich nicht irrt, dann sind seit ihrer letzten Begegnung einige Sorgenfalten in seinen Zügen hinzugekommen. Ayesha will die Stirn runzeln, aber sie kann es nicht, weil sofort ein widerlicher Schmerz über ihre Haut rast. Auch muss sie den Kopf ungewöhnlich weit drehen, um Herrn Marwan überhaupt am Fenster sehen zu können. Geschwächt hebt sie die Hand und führt sie zu ihrem Gesicht, nur um einen Verband zu ertasten, der über ihre rechte Gesichtshälfte verläuft.

„Sie sollten sich nicht zu viel bewegen, Ayesha“, sagt Herr Marwan mit belegter Stimme. „Ihr Zustand ist immer noch äußerst kritisch, auch wenn es an ein Wunder grenzt, dass Sie aufgewacht sind. Ich danke dem Herrn und allen seinen himmlischen Dienern, dass Sie leben.“

„Huh“, macht Ayesha und räuspert sich mehrmals. „Wo ist er?“

Die Frage hängt mehrere Sekunden im Raum zwischen ihnen und lässt Ayeshas Magen unangenehm zusammenschrumpfen. Herr Marwan faltet seine Zeitung zusammen und legt sie auf die Fensterbank hinter sich. Dann lehnt er sich ein Stück nach vorne, stützt seine Unterarme auf seinen Beinen ab und nimmt die Lesebrille von der Nase.

„Sagen Sie’s einfach…“, raunt Ayesha und schließt das linke Auge. Sie erinnert sich daran, wie Charun mit der Pranke nach ihr geschlagen und sie am Kopf erwischt hat. Sie will gar nicht genau wissen, wie sie unter dem Verband aussieht. Eigentlich will sie überhaupt gar nichts wissen, außer wo zum Teufel Idris ist.

„Er liegt ein Stockwerk tiefer auf der Intensivstation im Koma“, erwidert Herr Marwan zurückhaltend.

„Lassen Sie kein Detail aus“, fügt Ayesha schnell hinzu und beißt sich auf die Unterlippe, um nicht zu schluchzen. „Was hat er angestellt?“

„Beim Großeinsatz in der verlassenen Krankenhausruine, zu dem Sie nicht erschienen sind, um in der Nachhut zu kämpfen, kamen nur der Exorzist Idris und Sie zu Schaden“, beginnt Herr Marwan mit seiner offiziellen Rede-Stimme. Damit kann Ayesha gut leben, dann fühlt es sich nicht ganz so persönlich an. „Trotz Ihres Nicht-Erscheinens startete der Einsatz pünktlich um sieben Uhr in der Frühe, bis der Todesdämon Charun sich der Kommunikationswege bemächtigte und zu allen Anwesenden sprach. Es war relativ schnell klar, dass er Sie als Geisel hielt, weshalb Idris einen Alleingang in das oberste Stockwerk der Ruine startete, wo er Sie und den Todesdämon antraf. Angesichts Ihres… Zustandes verlor der Exorzist Idris die Fassung und bekämpfte den Todesdämon zunächst allein, bis die Vorhut zu ihm aufschließen konnte. Bevor das der Fall war, hielt er Charun davon ab, sich auf Sie zu stürzen, indem er… ihn mit bloßen Händen anfasste. Die Vergiftung nahm innerhalb kürzester Zeit verheerende Ausmaße an. Charun konnte ausgetrieben werden, kurz darauf verlor Idris das Bewusstsein. Die Ärzte und Dämonenexperten, die ihn sich angesehen haben, sagen, dass er womöglich nie wieder aufwacht. Das ist die ungeschönte Wahrheit, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, Ayesha. Idris tat dies, um Ihr Leben zu retten.“

„Ich hätte ihm davon abgeraten…“, schnauft sie und beißt die Zähne zusammen. Ihr Auge brennt, kurz darauf lösen sich einige Tränen und laufen über ihre Schläfe, bis sie in ihrem Haaransatz verschwinden und ihre Kopfhaut kitzeln. Sie schluchzt und hebt die linke Hand, um sie auf ihren Mund zu pressen, bis sie keine Luft mehr bekommt. Ihr ganzer Körper bebt, während Herr Marwan schweigend neben ihr sitzt und keinen Ton mehr von sich gibt. „Kann ich ihn sehen?“, würgt sie zwischen zwei Schluchzern hervor und lässt den Kopf in seine Richtung fallen.

„Sie sind zu schwach, um überhaupt zu sitzen, Ayesha“, stellt Herr Marwan nüchtern fest. „Bevor Sie nicht einmal feste Nahrung zu sich nehmen können, gehen Sie nirgendwo hin, verstanden?“

„Abgelehnt“, schnauzt sie und will sich aufsetzen, aber sie hat tatsächlich nicht die geringste Kraft. Als sie ihre Beine bewegt, bekommt sie ein weiteres merkwürdiges Gefühl, das Besitz von ihr ergreift. Sie hebt den Kopf und blickt an sich herunter, nur um einen Stumpf unter der Bettdecke zu sehen. Ihr linker Unterschenkel fehlt. Das hat sie sich also auch nicht eingebildet. So eine Scheiße. „Das darf doch nicht wahr sein…“

„Der eigentliche Grund für meinen Besuch ist ein Angebot, das ich Ihnen vom Konzil unterbreiten soll – Ihnen fehlen das rechte Auge und der linke Unterschenkel. Es gibt einige Möglichkeiten, um diese zu ersetzen. Zumindest beim Unterschenkel würde ich Ihnen zu einer hochentwickelten Prothese raten, mit der Ihre Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt sein sollte.“

„Ernsthaft?“, faucht Ayesha. „Sie sagen mir, dass Idris vielleicht nie wieder aus seinem Koma aufwacht, und wollen mir dann eine Prothese verkaufen? Für so geschmacklos habe ich Sie nicht gehalten, Marwan.“

„Ich bin nicht hier, um Ihnen das Leben schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist und noch sein wird, Ayesha“, erklärt Marwan ungerührt. „Es tut mir leid, was Ihnen widerfahren ist, das meine ich ernst. Aber Sie können nicht die Tatsache ignorieren, dass Sie weiterhin einsatzfähig sind, wenn Sie es wünschen. Oder möchten Sie Ihren Dienst beim Konzil quittieren?“

„Einen Scheiß werde ich“, schnappt sie verärgert und verzieht nun doch das schmerzende Gesicht. „Charun wurde ausgetrieben? Na, fein. Aber wie viele von diesen Arschlöchern sind noch da draußen? Viel zu viele! Und dabei haben wir keine Ahnung, wo sie überall ihre Ausgänge haben. Idris wird nicht umsonst Scheiße gebaut haben, das können Sie mir glauben. Ich reiße jeden von diesen Drecksdämonen eigenhändig in Stücke, wenn es sein muss.“

Nach ihrer wütenden Rede ist Ayesha völlig ausgelaugt. Ihr Atem geht schwer und ihr Hals brennt, weil sie immer noch die Nachwirkungen des Schlauchs spüren kann. Ein dünner Schweißfilm liegt auf ihrer Stirn und ihre Hände verkrampfen sich, sodass sie sie nun doch zu zwei Fäusten ballt, die nicht besonders bedrohlich wirken können. Ayeshas Gliedmaßen fühlen sich an, als wären sie aus demselben Wackelpudding, den es manchmal in der Kantine des Konzils als Nachtisch zum Mittagessen gibt. Sie muss daran denken, wie Idris das erste Mal einen mit der Geschmacksrichtung Waldmeister erwischt und danach angewidert das Gesicht verzogen hat. Wieder schnürt sich ihre Kehle zu.

„Ruhen Sie sich aus…“, raunt Marwan leise und erhebt sich schwerfällig von seinem Stuhl. „Ich komme morgen wieder, um mit Ihnen über die Prothese zu sprechen, aber ich werde den Kardinälen sagen, dass wir weiterhin auf Sie zählen können, sobald Sie wieder einsatzfähig sind. Übernehmen Sie sich nicht und bitte tun Sie das, was die Ärzte Ihnen auftragen. Werden Sie gesund und übertreiben Sie es nicht, verstanden?“

„Ich werde Ihnen nichts versprechen“, hält Ayesha schwach dagegen.

„Das ist ein Befehl, Ayesha“, fügt Marwan ernst hinzu, da schüttelt sie lahm den Kopf.

„Ist mir scheißegal“, sagt sie ebenso ernst und sieht ihm ins Gesicht. Marwan wirft sich seinen Mantel über die Schulter und setzt einen altmodischen Hut auf seinen Kopf, dann nickt er ihr zum Abschied und verschwindet Richtung Zimmertür, hinter der er jemanden entdeckt, den er ein wenig gestelzt begrüßt und eigentlich wegschicken will. Ayesha hat keine Nerven für noch mehr Besuch und verzieht noch einmal das Gesicht, als der Erzengel Michael am Fußende ihres Bettes auftaucht und sie auffällig von oben bis unten mustert.

„Ich freue mich, dass du aufgewacht bist“, stellt Michael nüchtern fest.

„Fantastisch“, spuckt Ayesha sarkastisch aus und schließt das Auge, während sie ihre Handfläche auf der unversehrten Seite ihrer Stirn ablegt und sich konzentriert, um nicht durchzudrehen.

„Was hat Herr Marwan dir erzählt?“, will Michael wissen und stellt sich direkt neben sie.

„Alles, was ich wissen muss“, erklärt sie knapp. „Warst du bei ihm?“

„Ja, direkt nach eurer Einlieferung“, sagt Michael. „Ich konnte nichts für ihn tun; die Wirkung des Giftes war schon zu weit fortgeschritten.“

„Hm“, macht Ayesha und beißt sich erneut auf die Unterlippe, um nicht vor ihrem Besucher die Fassung zu verlieren, aber es nützt alles nichts. Üppige Tränen rinnen aus ihrem geschlossenen Auge hervor und irritieren ihre gereizte Haut. Ein Schluchzer schüttelt ihren schmerzenden Körper und verschlimmert ihre Kopfschmerzen. Michael steht neben ihr und harrt aus. Für ihn muss es lächerlich aussehen, oder? Ein Schwächling wie sie, der wegen seines Meisters heult, der sich für ihn ins Verderben stürzt. Ayesha glaubt, dass Michael kein einziges ihrer Gefühle nachvollziehen kann, bis sie seine kalte Hand auf ihrem Arm spüren kann.

„Es tut mir leid, dass es so weit kommen konnte“, sagt er mit neutraler Stimmlage. „Ich wünschte, ich hätte etwas für ihn tun können, aber das konnte ich nicht. Niemand rechnete damit, dass er einen Dämon bereitwillig anfassen würde. Oder jedenfalls dachte niemand, dass es ein Szenario gäbe, in dem er es tun würde…“

„Womit hat er das verdient?“, fragt sie stimmlos und erwartet eigentlich keine Antwort von Michael, der weiterhin neben ihr steht, aber die Hand von ihrem Arm nimmt.

„Er hat es nicht verdient, Ayesha“, hält Michael dagegen und beugt sich ein Stück über sie. „Du hast es auch nicht. Niemand hat das. Dämonen sind unberechenbare Wesen, die sich auf das Leid der Menschen spezialisiert haben. Sie verführen euch und lassen euch sündigen oder einen Fehler machen, damit sie euch leichter vernichten können. Sie sind feige, weil sie die Menschen immer erst schwächen oder in den Wahnsinn treiben. Mit einem gesunden Menschen können sie es nicht aufnehmen – deshalb konnte Idris zusammen mit den anderen Charun austreiben. Er ist ein großes Risiko eingegangen und setzte sein Leben aufs Spiel, um deines zu retten. Das hat Charun nicht kommen sehen. Deshalb hat er verloren.“

„Wieso wacht er nicht auf?“, will Ayesha schluchzend wissen.

„Der Dämon wurde zwar ausgetrieben, aber er verschwindet deshalb nicht“, erklärt Michael. „Er lebt in der Hölle weiter und kann dort zu Kräften kommen, bis er sich wieder durch einen der Ausgänge an die Oberfläche zwängt. Solange er dort unten in der Hölle ist und neue Kraft sammelt, solange wird das Gift in Idris’ Körper nicht an Potenz verlieren. Das heißt, es ist unmöglich, ihn zu retten.“

Ayesha sagt nichts. Die Beruhigungs- und Schmerzmittel in ihrem Körper lassen ihre Gedanken immer langsamer werden, sodass sie das Gefühl hat, dass das Zimmer um sie herum allmählich an Farben verliert. Der Boden kippt zur Seite, als sie den Kopf zur Seite fallen lässt, und alles dreht sich. Michael sagt nichts mehr, sondern berührt kurz ihre Haut, dann macht er ein irritiertes Gesicht, aber letztendlich lässt er sie allein und verschwindet durch die Tür. Ihre Gedanken rasen, bevor sie einschläft. Charun ist in der Hölle, wo er die meiste Macht besitzt. Menschen konnten in der Hölle bereits überleben, das wissen sie, weil sie einen dieser Menschen hier im Krankenhaus beobachten und gesundpflegen.

Morgen wird sie diese Prothese annehmen und sie sich ans Bein operieren lassen, damit sie so schnell wie möglich hier rauskommt. Sie wird Charun in Stücke reißen, wenn sie ihm das nächste Mal begegnet. Ayesha muss nur noch herausfinden, wie sie an ihn herankommt. Es mag zwar nicht mehr viel von ihr übrig sein, aber dieses Bisschen wird sie mobilisieren und dazu nutzen, um diesem Monster den Garaus zu machen.



***



Die Anmeldeprozedur dauert schon wieder eine Ewigkeit. Enyaba ist ungeduldig und kurz davor, ihr Benehmen abzulegen. Die Verwaltungsperson am Tresen kann nichts für die Regeln, aber es kommt Enyaba ziemlich unverschämt vor, dass man sie schon häufiger ein Formular ausfüllen ließ, nur um ihr danach zu sagen, dass sie doch nicht zu Idris vorgelassen wird, der immer noch auf der Intensivstation liegt. Seit dem Großeinsatz sind schon sechs Monate vergangen. Vor drei Monaten ist Ayesha aufgewacht, obwohl die Chancen auch für sie sehr schlecht standen. Im Grunde genommen grenzt es an ein Wunder, dass sie das Bewusstsein zurückerlangt hat, aber das sollen sie ihr nicht direkt ins Gesicht sagen, damit sie nicht die Hoffnung verliert, dass Idris vielleicht doch eines Tages aufwacht.

Jedenfalls möchte Enyaba weiterhin daran glauben, dass die Hoffnung für Idris nicht verloren ist. Sie klammert sich an diesem Gedanken fest und erhält ein Signal von einer der Pflegerinnen, dass sie ihr folgen soll. Erleichtert beeilt sie sich, damit sie sich nicht umentscheiden kann, und trabt ihr über einen stillen Flur nach. Die Betten sind hinter Vorhängen verborgen, damit man immer schnell an die Patienten herankommt. Enyaba läuft mit der Pflegerin etwa zwanzig Meter weiter, bis sie vor einem dunkelblauen Vorhang steht, hinter dem sich Idris’ künstlich beatmeter Körper befindet.

Als Enyaba den Vorhang zur Seite schiebt und sich auf einem Stuhl niederlässt, der nur wenige Sekunden vorher für sie aufgeklappt wurde, betrachtet sie sein schlafendes Gesicht. Die Schwellungen sind ein wenig zurückgegangen, entsprechend sieht er endlich wieder aus wie er selbst. Sein schwarzes Haar ist stumpf und durcheinander, aber sie scheinen ihn ordentlich zu pflegen und zu waschen, wie sie feststellt. Sie lässt ihren Blick einmal mit Argusaugen über ihn schweifen, um sich im Zweifelsfall vorne beschweren zu gehen. Niemand wird es wagen, diesen Mann zu vernachlässigen. Nicht unter ihrer Aufsicht.

Am Fußende des Bettes wird Enyabas Name auf einer Besucherliste eingetragen. Die Liste ist sehr kurz, aber sie kann sehen, dass Ayeshas Name häufiger draufsteht. Sie ist ebenfalls noch im Krankenhaus, bis man sie endlich entlassen kann. Enyaba hat bisher nur kurz mit ihr gesprochen, weil Ayesha jeden von sich abblockt. Seit sie die Beinprothese hat, ist sie kaum noch im Bett zu halten, sondern immer in den Räumen für die Physiotherapie zu finden, um wieder auf die Beine zu kommen. Enyaba schiebt den Gedanken an Idris’ Rekrutin zur Seite und sieht wieder in sein Gesicht.

„Ich bin’s wieder“, sagt sie zur Begrüßung. „Wenn ich nerve, musst du’s einfach nur sagen…“

Sie kann nicht über ihren eigenen Scherz lachen und spürt, wie ihre Augen brennen. Am liebsten würde sie ihn schütteln, damit er endlich die Augen aufschlägt, aber Idris wird ihr den Gefallen nicht tun. Nicht einmal die Erzengel können ihm helfen, und die hat Enyaba schon häufiger herkommen sehen. Immer dann, wenn man sie nicht zu ihm gelassen hat. Vermutlich sind ihre Manöver geheim oder für Menschen einfach nicht zu begreifen. Alles möglich. Danach sind sie immer eilig verschwunden, um sich den Seebeben zu widmen, die immer schlimmer werden, aber noch keine unmittelbare Bedrohung ausgespuckt haben. Sie alle warten immer noch auf den Leviathan, der sich nicht blicken lässt. Hoffentlich haben sie es bald hinter sich. Sie sollte mit ihren Wünschen vorsichtiger sein…

„Ayesha hat ihre Prothese bekommen und scheint sie gut zu vertragen“, beginnt sie von Neuem und räuspert sich einmal. „Aber sie hält uns alle auf Abstand, fürchte ich. Sie ist dir nicht böse. Der Großeinsatz ist Schnee von gestern. Wenn du also wieder zu uns zurückkommst, dann wird sie da sein. Du hast nichts falsch gemacht… Eigentlich hast du doch sogar das gemacht, was ich dir mal geraten habe, oder? Du hattest ein ungutes Gefühl und wolltest sie beschützen, auch wenn das bedeutet, dass du dich bei ihr unbeliebt machen musst. Vermutlich bist du ein besserer Mentor als du selbst dachtest, hm?“

Enyabas Augen füllen sich mit Tränen, die sie mit aller Macht zurückhält. Er ist zwar nicht wach, aber sie will nicht vor ihm die Fassung verlieren. Wenn sie jetzt Schwäche zulässt und er sie womöglich hören kann, dann denkt er vielleicht, dass er auch keine Hoffnung haben darf. Er muss das Gefühl haben, dass alles in Ordnung ist. Dass sie alles im Griff hat, bis er zurückkommt. Ihr fällt nichts mehr ein, das sie ihm erzählen könnte, also bleibt sie einfach den Rest der üblichen dreißig Minuten schweigend neben ihm sitzen und hält seine kalte Hand. Als die Pflegerin kommt, um sie nach draußen zu schicken, zuckt Enyaba einmal zusammen und erhebt sich dann leise von ihrem Stuhl.

Die Intensivstation lässt sie so schnell wie möglich hinter sich, weil die Stimmung dann doch zu bedrückend ist. Die Totenstille, die auf dem Flur herrscht, trägt einiges zu dieser Stimmung bei. Ihr Fußweg führt sie zum Fahrstuhl, den sie in ihre Etage ruft. Enyaba denkt nach, bis sie zu einer Entscheidung kommt. Sie macht sich auf den Weg in die Etage mit den Räumen, in denen die Geräte für die Physiotherapie und die Mobilisierung körperlich eingeschränkter Patienten stehen. Die kleine Sporthalle ist beinahe leer um diese Uhrzeit. Die meisten Patienten sind draußen und genießen das schöne Wetter mit ihrem Besuch, der scharenweise täglich um dieselbe Zeit herkommt. Nur zwei Personen befinden sich auf Geräten und machen ihre Übungen. Ein älterer Mann, der Rückenübungen durchführt, und Ayesha, die auf einem Laufband steht und die Geschwindigkeit gerade erhöht.

Enyaba runzelt die Stirn und geht direkt auf Ayesha zu, die bereits vollständig mit Schweiß bedeckt ist. Sie trägt immer noch einen Verband um ihren Kopf, auf ihrer leeren rechten Augenhöhle liegt eine dünne Kompresse. Die Haut um das Auge ist mittlerweile vernarbt und blassrosa. Die Geschwindigkeit des Laufbands ist derweil definitiv nicht mehr als ‚Gehen‘ einzustufen, sondern schon bei leichtem Joggen. Etwas, das sie eigentlich noch gar nicht darf, wenn sich Enyaba recht entsinnt. Sie verzieht das Gesicht und stellt sich vor das Laufband, wobei Ayesha sie einfach ignoriert.

„Du bist zu schnell“, mahnt sie dann und erhält einen kurzen Blick, der das Blut in ihren Adern gefrieren lässt. „Hörst du mich?“

„Ja, meine Ohren hat er mir tatsächlich gelassen“, erwidert Ayesha eiskalt und springt mit beiden Füßen auf den Rand des Laufbands, während das Band weiter in der Mitte rauscht. Wenigstens hat sie jetzt ihre Aufmerksamkeit.

„Ich war gerade bei ihm“, erzählt Enyaba zurückhaltend. „Unverändert.“

„Ach was“, schnappt Ayesha und hüpft zurück aufs Laufband, um die Geschwindigkeit noch einmal zu erhöhen.

„Schone dich bitte“, sagt Enyaba nun ein wenig resigniert. „Es nützt nichts, wenn du dich auspowerst und niemals hier rauskommst, weil du es übertreibst.“

„Ich bin eure guten Ratschläge echt leid, Enyaba.“

„Ach ja?“

„Ja…“, erwidert Ayesha schnaufend und erhöht die Geschwindigkeit noch ein bisschen. „Wenn es dir nichts ausmacht, laufe ich jetzt weiter.“

Enyaba kneift die Augen zusammen und lässt sie dann in Ruhe. Es nützt nichts, wenn sie sich hier und jetzt den Mund fusselig redet. Ayesha ist stur, genau wie Idris oder Enyaba selbst. Als Juzo gestorben ist, hat sie auch niemanden an sich herangelassen. Da hat sie es auch übertrieben, bis sie Shinra zugeteilt bekommen hat. Ayesha muss etwas finden, das ihr neue Hoffnung gibt, aber bis sie das gefunden hat, muss sie wohl oder übel allein klarkommen. Enyaba kann nicht mehr tun, außer ihr ihre Hilfe anzubieten. Eines Tages nimmt sie sie vielleicht an.

Noch etwas mieser gelaunt läuft Enyaba durch die geschäftigen Korridore zurück nach draußen vor die Tür, wo ihr die Sonne ins Gesicht scheint und ihren Körper wärmt. Es wäre fast so etwas wie angenehm, wenn sie nicht vor wenigen Minuten auf einer kalten und unpersönlichen Intensivstation hätte ausharren müssen, statt Idris im Innenhof des Hauptquartiers beim Rauchen zu belästigen. Am Anfang kam sie sich jedenfalls so vor, als würde sie ihn belästigen, aber eigentlich mag er Gesellschaft. Zwar nicht von jedem, aber er hat schon ein paar Menschen in seinem Umfeld, die er gerne um sich hat. Zuletzt hat er sogar seine eigene Rekrutin gerne bei sich gehabt, auch wenn ihm die praktische Arbeit mit ihr lange verwehrt geblieben ist, bis er sie aus der Vorhut rausgenommen hat.

Enyaba hat es damals nicht verstanden, doch heute versteht sie es besser, als ihr lieb ist. Sie hat nicht lange genug nachgehakt, damit er ihr von seinem schlechten Bauchgefühl erzählt. So muss es gewesen sein, aus einem anderen Grund hätte Idris sie niemals in die letzte Reihe geschickt. Er sorgt sich um sie. Sie ist ihm wichtig. Nicht nur, weil sie seine Rekrutin ist, sondern weil Ayesha einfach ist, wie sie ist. Manchmal ein bisschen aufbrausend, aber immer ehrlich und vor allem ein Mensch, mit dem man sich gut unterhalten kann, wenn sie es zulässt. Idris hat sich mit Sicherheit immer zurückgehalten, weil er auch eine Unterhaltung zwischen sich und ihr als ‚unethisch‘ eingestuft hätte… Enyaba möchte am liebsten verurteilend den Kopf über seine Sturheit schütteln, doch damit kann er ohnehin momentan nichts anfangen.

Er ist nicht einmal ansprechbar.

Seit sechs langen Monaten.

Angespannt setzt sie sich in Bewegung und verlässt das Krankenhausgelände, um in die Innenstadt zu laufen, wo sie sich mit Beni und Atef in einem kleinen Laden trifft. Atef ist normalerweise eher selten bei privaten Zusammenkünften unter Kollegen dabei, aber auch er geht ein bisschen mehr aus sich heraus, seit Idris so plötzlich außer Gefecht gesetzt wurde, ohne dass er eine Chance gehabt hätte. Dieser Zwischenfall hat vielen von ihnen zu denken gegeben. Nach dem Großeinsatz haben viele Exorzisten den Dienst quittiert und sich andere Jobs gesucht. Es ist den meisten einfach zu heikel geworden, was Enyaba mehr als verstehen kann. Für eine Sekunde hat sie auch darüber nachgedacht, den Gedanken aber wieder verworfen, damit sie Idris und Ayesha im Auge behalten kann. Als Zivilistin hätte sie nicht mehr zu ihnen ins Krankenhaus gedurft.

Enyaba betritt den Laden gedankenverloren und läuft beinahe am Tisch vorbei, an dem Beni und Atef bereits mit Getränken sitzen und auf sie warten. Es ist Beni, der sie zu sich winkt und sie zurück ins Hier und Jetzt holt. Abgelenkt lässt sie sich neben ihm nieder und ruft dem Kellner hinter der Bar zu, dass sie ein Wasser trinken will. Schweigend sehen Beni und Atef zu ihr, die sich erst einen Moment sammeln muss, bis sie ihnen in die Gesichter sehen und so tun kann, als wäre alles in Ordnung.

„Unverändert“, sagt sie knapp, da nicken die beiden immer noch schweigend. Der Kellner kommt mit dem Wasser und stellt es vor Enyaba auf den Tisch. Sie alle schütteln die Köpfe, als er fragt, ob sie etwas zu Essen bestellen wollen. Er geht, sie schweigen weiterhin. So lange, bis Beni sich zurückhaltend räuspert und Enyaba von der Seite ansieht.

„Und Ayesha?“

„Ayesha…“, wiederholt Enyaba und lässt sich mit dem Rücken gegen die Stuhllehne fallen, dann streicht sie sich eine der lockigen Strähnen aus der Stirn. „Sie verträgt die Prothese sehr gut, obwohl es erst sechs Wochen her ist, dass sie implantiert wurde. Ich habe sie vorhin auf dem Laufband gefunden, aber sie übertreibt es meiner Meinung nach. Zu ihrem Auge habe ich sie nicht gefragt.“

„Hm“, macht Atef und lehnt sich nun auch zurück.

„Was sagen die Erzengel eigentlich?“, hakt Beni nach und versinkt ein wenig in seinem Stuhl. „Die Kardinäle sagen gar nichts und ich habe sowieso kein Recht danach zu fragen.“

„Meinst du, sie sagen mir was?“, hält Enyaba kopfschüttelnd dagegen und verschränkt dann die Arme vor der Brust. „Ich durfte ihn manchmal nicht besuchen, weil die Erzengel Vorrang hatten. Keine Ahnung, welchen Hokuspokus sie da mit ihm abziehen, aber es scheint so unbegreiflich oder geheim zu sein, dass kein Mensch in der Nähe sein darf. Idris ist jedenfalls bisher nicht aufgewacht, offenbar sind sie also alles andere als erfolgreich. Mich würde interessieren, warum dagegen Ayesha wach ist. Charun hat sie berührt, mindestens im Gesicht, am Torso und am Bein. Warum ist sie also nicht vergiftet?“

Enyaba merkt, dass sie laut nachdenkt und entschuldigt sich kurz. Weder Atef noch Beni können ihr eine Antwort auf ihre Frage geben; nicht einmal Ayesha weiß, warum sie wach ist, und Enyaba wird es nicht wagen, sie zu fragen. Es gibt keinen Verdacht gegen sie und sie können froh sein, dass das Konzil eine fähige Exorzistin behalten hat, während viele andere gegangen sind. Wenn es früher oder später hart auf hart kommt, dann werden sie für Ayeshas Kampfkraft dankbar sein. Da ist sie sich sicher.

„Gibt es was Neues von den Seebeben?“, will Enyaba dann von Atef wissen, der Idris’ Posten übernommen hat und zusammen mit den Kardinälen und den Erzengeln an der Rettung der Menschheit arbeitet, auch wenn sich niemand von ihnen große Erfolgschancen ausmalt. Enyaba fragt sich, wie Idris es geschafft hat, so auszusehen wie immer. Weder gestresst noch überfordert. Oder aber er war beides, und sie alle haben es gekonnt ignoriert, weil sie sich lieber auf ihn verlassen wollten. Sie alle haben ihm die Verantwortung für das Überleben der Menschen aufgebürdet, aber niemals nach dem Preis gefragt, den er dafür zahlen muss, dass man ihm diese Last auf die Schultern legt. Auf die menschlichen Schultern, wie ihnen vor einem halben Jahr noch einmal schmerzlich bewiesen wurde.

Idris ist weder übermenschlich noch unverwundbar.

Auch Enyaba muss zugeben, dass sie sich viel zu sehr auf ihn verlassen hat. Sie alle haben nicht daran geglaubt, dass sie sich jemals ohne ihn durchschlagen müssten, aber nun sitzen sie hier und fragen sich, wie es weitergehen soll.

„Sie werden stärker, aber immer noch im selben Tempo“, erwidert Atef dann nach kurzer Bedenkzeit. „Es gibt keine auffälligen Dämonenwanderungen, auch wurden keine übermäßig vielen neuen Nester registriert. Vielmehr harren die Nester, die da sind, einfach aus und scheinen zu warten. Als wäre der Bienenstock in der Nachtruhe.“

„Wenn der Leviathan wirklich kommt, was machen wir dann?“, fragt Beni verzweifelt.

„Die Erzengel stocken ihre Streitkräfte auf der Erde bereits auf“, erklärt Atef. „Sie werden den Kampf gegen ihn aufnehmen. Wir mischen uns am besten gar nicht ein, weil wir sowieso nur stören würden. Es gibt zwar ein paar Flugzeugträger und Zerstörer, die auf offener See in der Nähe des Epizentrums patrouillieren, aber viel ausrichten werden wir gegen den Leviathan nicht.“

„Es heißt also weiterhin ‚abwarten‘“, schnauft Enyaba resigniert und stützt ihre Ellbogen auf dem Tisch ab.

„Ja, leider“, erwidert Atef.

„Wem gehe ich jetzt auf die Nerven, wenn er nicht mehr da ist?“, raunt Enyaba mit brüchiger Stimme und legt ihren Kopf in ihrer Handfläche ab.

Sie hat das Gefühl, dass nichts mehr so werden kann, wie es früher einmal war.
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