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Die Sage von der Schönen Yolkantha und den Sieben Zwürgen

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Fantasy / P12 / Div
27.11.2022
27.11.2022
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27.11.2022 642
 
Es lebte einmal vor vielen hundert Jahren in Fhernhachingen ein Mägdelein namens Yolkantha, das war für seine Schönheit, aber auch für seine Bosheit bekannt. Mit seinen wunderbaren platinblonden Haaren, die beim Kämmen eine verführerische Musik erzeugten, konnte es sich vor heiratswilligen Freiern kaum retten. Aber es blieb stolz und abweisend und niemand war in der Lage, sein eisiges Herz zu erwärmen.
 
Da geschah es, dass in einer klammen Herbstnacht ein zerlumpter Bettler an seine Haustür klopfte und um etwas zu essen bat. Und so sehr jammerte und klagte er, dass Yolkantha ihm, um ihn endlich los zu werden, einen Kanten steinharten Brotes gab.
 
Da warf der Wanderer seinen Umhang ab und es verbreitete sich ein schrecklicher Gestank nach Pech und Schwefel. Denn es handelte sich um niemand anderen als den Dämon Luzibär, der die Welt bereiste, um wirklich böse Wesen zu finden und sie auf seine Art zu belohnen. Weil nun aber Yolkantha in einer schwachen Sekunde Großherzigkeit gezeigt hatte, wenn auch nur in geringem Maße, tobte er vor Wut.
 
„Sei verflucht, verflucht, siebenmal verflucht!“ schrie er. „Mögen die Sieben Zwürge dir ewige Qualen bereiten!“ Damit verschwand er in einer schwarzen Qualmwolke.

Yolkantha zeigte sich nicht sehr beeindruckt. Verfluchende Spinner gab es in ihrer Gegend etliche und sie hatte schon schlimmere Sprüche gehört, wenn sie einen Heiratskandidaten fortschickte. Darum drehte sie sich um, warf die Tür hinter sich zu und schickte sich an, die Szene zu vergessen.

Aber zu ihrem großen Erstaunen fiel die Tür nicht ins Schloss. Stattdessen kamen sieben kleine, warzige, übelriechende Männlein mit dicken Knollennasen hereinmarschiert und ließen sich frech in ihrer Wohnstube nieder.

„Raus mit euch! Raus!“ schrie Yolkantha. „Niemand hier hat euch eingeladen!“
„Doch. Du selbst.“
„Du bist ja jetzt eine…“
„…Gut-Fhernhachin.“
„Also bring was…“
„…zu fressen und zu saufen her...“
„...sonst zünden wir Dir die Bude…“
„…über dem Kopf an.“

„Wer seid ihr?“ stammelte Yolkantha und wurde käsebleich.
„Wir sind die Sieben Zwürge“
„Eigentlich sind es nur sechs, denn ich bin der Kaiser von Zamonien“
„Nein, ich“
“Also wirklich, Kumpels, heute bin ich dran“
„Du Lügenbold! Ich bins!…“
„Quatsch, du bist doch nur ein Bademeister!“
Yolkantha seufzte. Das würde eine lange Nacht werden. Und da sie einsah, dass sie ihre ungebetenen Besucher nicht so einfach loswerden würde, schloss sie sich in ihrem Schlafzimmer ein, legte sich ins Bett und hoffte, das Ganze möge sich am nächsten Morgen als Traum erweisen.
Stattdessen erwachte sie in einem Alptraum.

Die Sieben Zwürge hatten die Zeit für eine gewaltige Umdekoration und Neugestaltung des gesamten Interieurs genutzt. Pastelltöne wohin man sah; Pink, Magenta, Violett und Schweinchenrosa waren noch die „normalsten“ Farben, die das Auge beleidigten. Und überall klebten Vährdeposter. VÄHRDEPOSTER! Ausgerechnet VÄHRDEPOSTER. Yolkantha hasste Vährdeposter.

Nachdem sie sich von ihrem totalen Nervenzusammenbruch wieder etwas erholt hatte, trat das Mägdelein vor die Zwürge hin und sagte:
„Gut, ihr habt gewonnen. Was muss ich tun, damit ihr wieder weggeht?“
„Gar nichts kannst du tun Schwester.“
„Ja. Du bist siebenfach verflucht.“
„Ergib dich einfach in dein Schicksal.“
„Wir nehmen dich mit und du wirst bei uns wohnen.“
„Du wirst unsere Mammy sein.“
„Du bist wie wir. Wie ein fauler Holzapfel.“
„Eklig, schleimig, knallhart und doch mit einer weichen Stelle.“

Da ging Yolkantha mit den Zwürgen mit, bis sie die Grenze von Unbiskant erreichten. An einem Felsen, der wie ein Hinterteil mit zwei Backen aussah, hielten sie an und die Zwürge brüllten unisono: „Flasche, öffne dich!“
Da teilte sich der Felsen in der Mitte und sie stiegen in ein Loch mit einer laaaaangen Treppe, bis sie weit unter der Erdoberfläche waren.
Dort lebt Yolkantha bis heute bei den Sieben Zwürgen und ist ihre Mammy. Zunächst hatte sie sich ja mit dem Denkenden Treibsand angefreundet und von ihm einige Tricks gelernt, aber dann hat sich das schlagartig geändert.
Und das ist eine andere Sage und soll ein andermal erzählt werden.

Prost.
 
 
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