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Kalte Füße

Kurzbeschreibung
OneshotRomance / P12 / Het
Chewbacca Han Solo Leia Organa
24.11.2022
24.11.2022
1
1.959
3
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Dieses Kapitel
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24.11.2022 1.959
 
Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame.alexandra und ist hauptsächlich auf fanfiction.net unterwegs.

Autorin: madame.alexandra

Originaltitel: Cold Feet


Kalte Füße


Lustlos stützte Leia den Kopf in die Hand und zupfte an den abgetragenen Socken, die vor ihr lagen. Verdrießlich schob sie ihre Finger durch ein Loch an den Zehen, starrte auf ihre wackelnden Fingerspitzen und versuchte, sich nicht auf irgendeinen rührseligen Vergleich mit den Löchern in ihr einzulassen.

Die Löcher ergaben Sinn. Die Socken waren ohnehin aus einem alten Vorrat gewesen, und seit sie Hoth verlassen hatten, hatte sie sie kaum ausgezogen. Im Weltraum war es kalt, ihre Füße waren immer kalt – aber die Löcher waren größer geworden, und jetzt waren die Socken zu locker, und die Risse größer und größer, und lästig, und sie musste sie reparieren.

Han hatte ihr Nähzeug gegeben, und sie war zu verlegen und zu stolz, um zu erwähnen, dass sie keine Ahnung hatte, wie man nähte – was ihrer Meinung nach hätte offensichtlich sein sollen. Er nannte sie gerne verwöhnt und verhätschelt und alles Mögliche, wenn er wütend war, sicher war es ihm in den Sinn gekommen, dass sie in ihrem Leben noch nie eine Socke gestopft hatte.

Die Tatsache, dass sie den Mut aufgebracht hatte, nach einem Paar Socken oder Flicken zu fragen, war monumental genug, da sie sich seit dem Vorfall im Schaltraum vor ihm versteckt hatte, und wusste, dass er ihr das bitter übel nahm – er hatte zweimal versucht, sie darauf anzusprechen, und sie hatte ihn zum Schweigen gebracht.

Als sie sich am dringendsten verstecken musste, waren ihnen natürlich die Projekte ausgegangen, die sie am Falken durchführen konnten, und es gab nichts anderes mehr, das sie ohne neue Teile oder Werkzeuge reparieren konnten, daher dauerten die Stille und die Spannung einfach an.

Die Socke ausschüttelnd, wandte Leia leicht den Kopf, um das Nähzeug zu betrachten. Sie tippte mit dem Kopf an ihre Handfläche – in den letzten Tagen hatte sie dumpfe Kopfschmerzen bekommen; Stress und Schlafmangel, all diese nicht greifbaren Dinge drückten schwer gegen ihren Schädel.

Sie nahm eine Nadel und etwas Garn in die Hand und beäugte sie misstrauisch. Es konnte nicht so schwer sein, oder? Und sie vermisste es, warme Füße zu haben – die Böden des Falken waren einfach so kalt und die ganze Zeit ihre Stiefel zu tragen, war unhaltbar.

Also war es am besten –

„Chewie?“, murmelte sie und hob den Kopf von ihrer Hand. Sie schaute ihn über den Dejarik-Tisch hinweg an – er war vor einigen Augenblicken hereingekommen, ein riesige Tasse Tee in der Hand, sein Datapad unter den Arm geklemmt, und saß jetzt ihr gegenüber im Hauptraum und las.

Er sah freundlich zu ihr auf.

„Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich mir dein Datapad ausleihe, um etwas nachzuschlagen?“, fragte sie.

Selbst darin war sie von seiner und Hans Gnade abhängig – sie hatte nichts bei sich gehabt, als sie geflohen waren; gar nichts.

Chewie nickte, legte es jedoch beiseite und stand auf.

[Gewiss, Prinzessin – meins ist allerdings in Runen und zu groß für deine Hände], meinte er. [Du bekommst das von Han.]

„Oh, ich – na ja, warte, nein“, setzte sie an – aber Chewie war bereits verschwunden, und Leia schloss die Augen und presste die Lippen aufeinander.

Sie wollte Han nicht stören, und sie wusste nicht, wovor sie sich gerade mehr fürchtete; dass er hereinkam und sich über sie lustig machte, oder dass er hereinkam und mit ihr flirtete.

Sie hätte sich jedoch keine Sorgen machen müssen; Chewie war einen Augenblick später wieder zurück, ohne Han, und reichte ihr sein schmales Datapad.

[Es hat in der Kombüse geladen], erklärte er, [ich habe es vorhin gesehen.]

„Danke“, erwiderte Leia leise, als sie es entgegennahm. „Han…hat nichts dagegen?“

Chewbacca zuckte die Achseln.

[Ich glaube nicht, dass es sehr privat ist], bemerkte er. [Du benutzt nur die Suchfunktion?]

Sie nickte, und der Wookiee zuckte erneut mit den Achseln. Er nickte ihr zu, um ihr zu zeigen, dass sie es nehmen sollte, ließ sein Ende los, als er es ihr in die Hand drückte, und ging, um seine Lektüre fortzusetzen.

„Ähm“, begann Leia, während sie sich zurücklehnte und das Datapad vorsichtig vor sich hielt. „Wo ist Han?“

[Im Cockpit], antwortete Chewie sofort. [Er sieht sich die Sterne an, wenn ihm langweilig ist.]

Leia runzelte die Stirn. Sie lächelte ein wenig und konzentrierte sich dann zögernd auf das Datapad. Der Bildschirm schimmerte harmlos, aber dennoch hatte sie Angst, es zu benutzen. Es war nicht so, dass sie es zuvor nicht schon benutzt hätte, aber Han war immer in der Nähe gewesen, hatte ihr Anweisungen gegeben, sie gebeten, etwas zu finden, etwas zu notieren…sie seufzte und tippte auf den Bildschirm. Er leuchtete auf und sie navigierte eine leere Seite im Net an, ziemlich sicher, dass sie damit umgehen konnte, eine Suche durchzuführen und sich nichts anderes anzusehen.

Sie klickte die Suchleiste an, wartete, bis das Eingabefeld auftauchte, und warf dann einen missmutigen Blick auf die Socken und das Nähzeug, bevor sie ihre Suche eintippte.

wie –

Bevor sie den Rest eingeben konnte – stopft man eine Socke – begann die Suchleiste, Vorschläge anzuzeigen, die sie aus Gewohnheit überflog, wobei sie für den Bruchteil einer Sekunde innehielt. Sie wollte schon weitertippen, als ihr die Vorschläge ins Auge fielen; sie zuckte zusammen und ließ die Hand sinken.

wie hält man Albträume fern

Ihr Herz zog sich zusammen – sie wusste, dass Han manchmal genauso wenig schlafen konnte wie sie, aber er erwähnte es nie, und er gab im Schlaf nie ein Geräusch von sich – aber das war es nicht wirklich, was sie aufhielt, denn das war vage, das hätte er aus persönlichen Gründen suchen können – es waren die nächsten Vorschläge, gefolgt von seinem Suchverlauf –

wie hält man Albträume fern, wie hilft man jemandem beim Einschlafen, wie geht man mit Traumata um, wie gibt man jemandem ein sicheres Gefühl, wie gehen Opfer sexueller Übergriffe damit um, was soll man sagen, wenn man eine Frau gekränkt hat, alderaanisches Aussprachewörterbuch, Alderaan Buchdownload, corellianische Supernova Schlagball-Ergebnisse –

Die Liste hatte ihr Ende erreicht, und Leia biss sich mit den Zähnen auf die Unterlippe, um ein leises, ersticktes Lachen angesichts der letzten Suchanfrage zu unterdrücken. Inmitten all dieser Ernsthaftigkeit hatte Han sich daran erinnert, dass er nachschauen wollte, was eine Sportmannschaft erreicht hatte –

alderaanisches Aussprachewörterbuch

Was wollte er sagen?

Alderaan Buchdownload – für sie, oder für ihn? Was wollte er lesen, was wollte er wissen? Die erste Suchanfrage hätte sie ignorieren können, die mit den Albträumen, aber der Rest…befasste sich mit ihr; Suchanfragen, um einen Weg zu finden, mit ihr zu sprechen, sie zu verstehen – eine davon jagte ihr einen Schauer über den Rücken; dachte Han, sie würde das, was im Schaltraum passiert war, als sexuellen Übergriff interpretieren? Oder…vermutete er etwas anderes; verstand er womöglich, was niemand sonst glauben wollte, was ihr in imperialen Händen zugestoßen war?

wie gibt man jemandem ein sicheres Gefühl

Leias Augen brannten, und sie drehte das Datapad um und legte es ziemlich laut beiseite. Sie starrte auf den Tisch, ein Sturm von Schuldgefühlen überrollte sie. Sie war Han gegenüber so häufig abweisend, so feindselig, so misstrauisch, und er…er versuchte immer, zu ihr durchzudringen. Er versuchte, für sie da zu sein – und vielleicht war das der Grund, warum seine Art, das zu tun, immer so chaotisch und aus den Fugen geraten schien, weil er gemischte Signale und nichts Greifbares von ihr bekam und stattdessen ins Leere schrie und das Net um Führung bat.

Das Net! Wollte sie einen gesichtslosen Server im Net damit betrauen, ihn zu ihr zu führen, oder wollte sie sich in den Griff bekommen und es selbst tun?

Das Herz schlug ihr bis zum Hals; ihr war nach Weinen zumute. Es schien…unangemessen, dass jemand sich so sehr um sie sorgte, es auf diese Weise herauszufinden, aber sie wollte es. Sie sehnte sich danach – und sie wollte den Mut aufbringen, sich nicht mehr davor zu verstecken.

Sie holte tief Luft und lehnte sich abrupt vor, wobei sie lose Haarsträhnen nach hinten strich. Sie rutschte so anmutig, wie sie konnte, aus der Sitzecke.

„Chewie? Du hast gesagt, dass Han – im Cockpit ist?“

Chewbacca nickte leicht, er blickte kaum von seinem Roman auf. Leia zögerte nur kurz und machte dann auf dem Absatz kehrt – bahnte sich ihren Weg durch den Flur, mit bloßen Füßen. Sie fand ihn tatsächlich im Cockpit, aber er schaute sich nicht die Sterne an; er war eingeschlafen, unbequem im Sitz des Captains ausgestreckt, das Haar verstrubbelt und verknotet, wo es am Leder rieb.

Sie verschränkte fest die Arme, betrachtete ihn einen Augenblick lang und ließ ihn schlafen. Wäre er wütend, wäre es ihm peinlich, zu wissen, dass sie seinen Suchverlauf gesehen hatte? Sie hatte nicht vor, es ihm zu sagen; nicht mit Worten – nicht für eine lange Zeit. Wenn überhaupt jemals. Sie würde jedoch vielleicht lockerer werden, sanfter – er sah so müde aus, und im Schlaf so unschuldig, und das Wissen, dass es immer noch jemanden in der Galaxis gab, der sich so sehr um sie sorgte, erfüllte sie mit Freude.

Sie beugte sich vor.

„Han?“, sagte sie leise und stützte sich mit einer Hand auf der Armlehne ab.

Er sackte ein wenig in sich zusammen und zuckte kurz. Er brummte leise.

„Han“, wiederholte sie, dieses Mal ein bisschen lauter.

Er öffnete die Augen und schreckte zurück.

„Was? Ja. Hm. Ich schlafe nicht“, meinte er schnell und setzte sich steif auf. „Was ist los?“, wollte er wissen.

Er runzelte leicht die Stirn und fing an zu gähnen, und als er sich weiter aufrichtete, umfasste Leia seine Handgelenke. Sein Puls unter ihrer Handfläche wurde hektisch, und sie öffnete die Lippen – ihr fiel nichts ein, was sie sagen konnte, und als sie hereingekommen war, hatte sie überhaupt keinen Plan gehabt. Aber er schaute hinab auf ihre Hand, schloss den Mund und runzelte erneut die Stirn, dann blickte er so neugierig und so vorsichtig zu ihr auf, dass sie es einfach tat.

Sie legte ihre andere Hand an seine Wange, beugte sich vor und küsste ihn. Fest drückte sie sein Handgelenk, ihre Handfläche schmiegte sich an sein Gesicht; sie küsste ihn heftiger, als sie es beabsichtigt hatte, und sein Kopf fiel schwer nach hinten gegen den Sitz. Vor Schreck trat er mit dem Fuß aus, dann streckte er die Hand aus und umfasste ihre Taille, bevor er seine Hände zurückzog, als hätte er sich verbrannt. Sie küsste ihn, bis sie nicht mehr atmen konnte, dann öffnete sie die Lippen, keuchte auf, und küsste ihn erneut, sanfter dieses Mal. Sie hoffte, dass sie ihn beruhigte; sie hoffte, dass sie…ihm etwas mitteilte. Han berührte leicht ihre Rippen, er hatte Angst, dass sie das Weite suchen würde.

Sie löste sich etwas von ihm.

„Was zur Hölle?“, murmelte er benommen. Er neigte das Kinn nach oben, beugte sich leicht vor, und streifte ihre Lippen wieder mit seinen, um den Augenblick zu prüfen – war er echt, ein Traum? Sie war solide, sie war da, also schluckte er schwer.

Leia vergrub die Finger in seinem Haar.

„Himmel“, wisperte Han. „Geht es dir gut?“

Eine vielschichtige Frage, die sie unmöglich beantworten konnte. In ihren Augen brannten Tränen, und er zog sie zögerlich zu sich heran.

„Hey“, sagte er leise.

Sie vertraute ihrer Stimme nicht, also nickte sie nur, berührte seine Stirn einen Moment lang mit ihrer, und dann – küsste sie ihn erneut. Der Laut, den er von sich gab, war exquisit, und als er sie dieses Mal an sich zog, als er sie vorsichtig auf seinen Schoß setzte, ließ sie es zu, dass er ihre kalten Füße vom Boden hob, und sie rannte nicht davon.
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