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Zwischen London, der Liebe und einem Problem

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
24.11.2022
28.11.2022
6
11.040
1
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24.11.2022 1.140
 
Kapitel 1

Es ist bereits dunkel als ich das Büro verlasse. Kein Wunder, denn wir haben Dezember. Für London ist es ziemlich ungewöhnlich, dass noch kein Schnee liegt. Vielleicht haben wir noch Glück und es fängt noch vor Heiligabend an zu schneien.
So richtig freuen kann ich mich noch nichts auf das Weihnachtsfest. Das liegt vielleicht daran, dass ich vor zwei Jahren, an Weihnachten, verlassen wurde. Seitdem feiere ich nur ungern. Leider respektieren das meine Eltern eher weniger und deshalb muss ich auch jedes Jahr mitfeiern. Ich weiß, dass das für einige von euch kein Problem wäre, aber für mich schon. Seid meine Ex-Freundin mich verlassen hat, kann ich einfach keine Paare ansehen. Irgendwie bekomme ich immer sofort Magenschmerzen und mir wird schlecht. Und ich weiß wirklich nicht warum.

Eine kalte Windböe streift meinen Körper und ich ziehe meinen Mantel noch weiter zu. Automatisch gehe ich schneller zu meinem Auto. Am liebsten hätte ich näher an der Kanzlei geparkt aber leider gab es keinen Parkplatz mehr. Ihr werdet es mir nicht glaube aber im Dezember lassen sich noch viele Menschen scheiden. Momentan habe ich sehr viele Fälle. Das ist wieder ein Punkt, der mich des Öfteren an den Rand der Verzweiflung bringt. Vor fast zwei Jahren habe ich mein Studium beendet, danach habe ich sofort einen begehrten Job, in einer hoch angesehenen Kanzlei, erhalten. Kurz zuvor hat sich meine Freundin von mir getrennt und eigentlich sollte mir mein Job die nötige Energie wiederbringen, doch irgendwie erlebe ich gerade das komplette Gegenteil. Ich habe mich sogar dazu entschlossen ins Fitnessstudio zu gehen obwohl ich ein Sportgegner bin. Aus eigener Kraft wollte ich aus meinen tiefem Loch der Verzweiflung heraus aber es klappt nicht. Manchmal fühle ich mich auch schwach deswegen, vor allem, weil ich Angst habe, meinen Mandanten nicht mehr gerecht zu werden. Ich weiß nicht mehr, was mit mir los ist. Während meiner Jugend und Studienzeit bin ich bei Stress immer in den Hyde Park oder in das British Museum gegangen aber mittlerweile hilft auch das nicht mehr. Am liebsten würde ich mich im meinem Bett verkriechen und erst herauskommen, wenn ich meine inneren Dämonen besiegt habe.

Natürlich weiß ich auch, dass ich nicht einfach den Kopf in den Sand stecken kann aber manchmal ist es eben einfacher ein Pessimist zu sein.

Als ich meinen kleinen Toyota Aygo vor mir sehe, werde ich automatisch noch einen Schritt schneller. Ich möchte jetzt einfach nur nach Hause, meine Lasagne essen und mich dann in mein Bett verkriechen. Ich muss nur noch sieben Tage überstehen und dann hat die Kanzlei ganze zwei Wochen geschlossen. Dann kann ich endlich meine guten Vorsätze in die Tat umsetzen. Vielleicht sollte ich mir bis dahin erstmal überhaupt welche vornehmen.

Es ist ziemlich ruhig auf den Straßen. Ab und zu höre ich ein paar Stimmen, ein Auto oder ein streunendes Tier. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es ziemlich unheimlich. Und wenn ich noch mehr darüber nachdenke, bin ich auch ein ziemlicher Angsthase, wenn es darum geht, im dunklen nach draußen zu gehen. Das heißt jetzt für mich, dass ich ganz schnell einsteigen und die Türen verschließen muss.

„Anna!“, kommt es ganz plötzlich aus der Dunkelheit. Unwillkürlich zucke ich zusammen und lasse dabei meine Autoschlüssel fallen. „Anna warte!“, ruft wieder jemand. Da ich mich nicht angesprochen fühle, öffne ich schnell die Fahrertür und schlüpfe in mein Auto.
„Anna, aspetta un attimo!“ Wie vom Donner gerührt bleibe ich sitzen. Das kann doch nicht?….oder doch? Mein Verstand muss mir einen Streich spielen. Ich kann unmöglich die Person sein, die gerufen wird, oder?

Gerade als ich meine Tür zuschlagen will, spüre ich einen Widerstand. Verwundert schaue ich nach rechts und blicke in ein hektischen Gesicht.

Ich weiß nicht wie viele Minuten vergehen, in denen ich wie vom Donner gerührt, in meinem Auto sitze und die Person vor mir, anstarre.
„Mia cara, bitte mach’ deinen Mund, sonst kommen die Fliegen angeflogen.“ Automatisch schließe ich meinen Mund. So langsam realisiere ich auch, wer gerade vor mir steht.
„Ca…Carina?“, stammele ich vor mich hin. Oh mein Gott! Ich benehme mich schlimmer wie ein Schulmädchen.
„Sì, sono io. Hast du jemand Anderes erwartet.“, fragt sie mich.
„Eigentlich habe ich niemanden erwartet.“, gebe ich ihr als Antwort.
„Schlagfertig wie immer.“

Eine unangenehme Stille macht sich breit. Meine Gedanken rasen und ich beginne damit, sie genauer anzuschauen. Ihre Haare sind länger geworden und sie hat auch abgenommen. Nicht viel, denn sie hatte schon damals eine traumhafte Figur. Mit ihrer Körpergröße von einem Meter fünfundsiebzig, ihren langen braunen Haaren und diesen Karamellbraunen Augen sah sie schon früher wunderschön aus. Oh Lord! Ich kann doch jetzt nicht über ihr Aussehen nachdenken.
„Was machst du hier und wie hast du mich gefunden?“, frage ich sie direkt.
Sie scheint verwundert über meine Frage, denn für einige Sekunden schaut sie mich irritiert an.
„Du arbeitest in einer der besten Kanzleien in ganz England, du würdest London nie verlassen und dein Chef hat im Internet bekanntgegeben, dass du hier arbeitest. Und ich…also wir brauchen deine Hilfe.“
„Moment, wer bitte ist „Wir“?“, frage ich und ziehe meine Augenbraue hoch.
„Daniele und ich.“ Carina schaut mir direkt in die Augen. Ihre großen Augen schauen mich erwartungsvoll an.
„Carina, was machst du hier und wobei braucht ihr Hilfe?“ Ich weiß nicht wieso aber ich bin genervt. Nicht von Carina sondern von dem Fakt, dass sie so darauf behaart von mir Hilfe zu wollen. Ich wäre die Letzte, die nicht helfen würde, aber wir haben uns seit mehr als fünf Jahren nicht mehr gesehen. Gut, ab und zu haben wir miteinander geschrieben aber auch das ist schon mehr als zwei Jahre her.

„Anna, ich würde dir gerne alles erklären aber nicht hier und schon gar nicht in dieser Kälte. Können wir nicht an einen ruhigen Ort gehen, wo nur wir beide sind?“, fragt sie mich. Ihr letzter Satz überfordert mich leicht. Ich mit ihr alleine? Jetzt? Oh Lord!
„Es ist spät, Carina. Ich bin müde und ich habe Hunger. Können wir nicht morgen reden?“ Am liebsten würde ich das Gespräch sehr weit in die Zukunft schieben aber so wie ich Carina kenne, wird das kaum möglich sein.
„Nein Anna, es ist sehr wichtig und je schneller du davon weißt desto besser.“
Ich frage mich, was so wichtig sein kann. „Außerdem kann ich gerne für dich kochen und während wir essen, kann ich dir Alles erzählen.“
Jetzt ist sie vollkommen übergeschnappt. Aber es muss eine sehr dringliche Angelegenheit sein, da sie freiwillig für mich kochen möchte.
„Bitte Anna, ich brauche deine Hilfe.“ Als ich in ihre Augen schaue, sehe ich die Verzweiflung klar und deutlich. Auch, wenn wir uns so lange nicht mehr gesehen haben, kann ich ihr meine Hilfe nicht verwehren.
„In Ordnung, steig ein!“ Ein Lächeln zieht über ihr Gesicht und sie geht schnellen Schrittes auf die andere Seite des Autos.
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