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Rivalen und Freunde

von Requat
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
24.11.2022
24.11.2022
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24.11.2022 3.019
 
„Hm...“ Nachdenklich betrachtete Tetsuya Kuroko sein Handy. Gerade war das Team der Seirin Oberschule mit dem Training fertig geworden. Durch den Weggang von Taiga Kagami und den Ausfall von Teppei Kiyoshi hatte sich ihre Mannschaft und somit ihr Zusammenspiel verändert. Wie immer hatte Riko Aida sie hart rangenommen. Inzwischen hatte das neue Schuljahr begonnen und Tetsuya war zum Zweitklässer geworden. Zwar hatten sie einige Bewerbungen für das Basketballteam aus den Reihen der Erstklässer gehabt, aber als diese begriffen, dass Taiga nicht mehr da war, waren sie schnell wieder gegangen. Dementsprechend klein waren sie aktuell aufgestellt.
„Stimmt was nicht, Tetsuya?“, erkundigte sich Shinji Koganei, der sich ein Handtuch um die Schultern gehängt hatte. „Du schaust heute auffällig oft auf dein Handy.“
„Wartest du auf eine Nachricht von deiner Freundin?“ Grinsend stieß Satoshi Tsuchida Tetsuya leicht in die Seite.
„Oder von Taiga*?“, wollte Shun Izuki wissen. „Er meldet sich ja recht selten.“
„Stimmt.“ Junpei Hyūga schnaubte. „Untreue Seele.“
„Nein, Taiga schreibt mir eigentlich mindestens einmal die Woche“, antwortete Tetsuya und blickte auf. Wie immer war sein Gesichtsausdruck nicht wirklich deutbar. „Ich wollte nur sehen, ob Ryōta etwas in den Gruppenchat gepostet hat.“
„Kise?“ Kōichi Kawahara hielt darin inne, seine Schnürsenkel zu binden.
„Ja, er hat nach dem Winter Cup eine Gruppe mit allen aus der Wundergeneration erstellt und eigentlich postet er jeden Tag irgendwas.“ Bei diesen Worten hielt Tetsuya sein Handy so, dass die anderen es sehen konnten. Der letzte Post von Ryōta war ein Foto, das eine Katze mit einem ziemlich gelangweilten Gesichtsausdruck zeigte. Darunter stand ‚Schaut mal, sie sieht aus wie Murasakibara-cchi’.
„Haha, das stimmt“, lachte Shinji. Auch Rinnosuke Mitobe hielt sich den Bauch vor Lachen. Tetsuya zeigte seinen Teamkameraden noch andere Bilder. Manche zeigten Ryōta selbst, oft, wenn er einen Modeljob für das Magazin Zunon Boy hatte, die meisten waren aber irgendwelche Dinge, die er gesehen hatte.
„Hm...“ Kōki Furihata runzelte die Stirn. „Da sind ja nur Nachrichten von Kise.“
„Ja, wir anderen schreiben nichts“, gab Tetsuya zu. Nachdenklich betrachtete er ein Foto, auf dem Ryōta Basketball spielte. „Und seit drei Tagen schreibt auch Ryōta nichts mehr.“
„Vielleicht hat er zu viel zu tun“, meinte Junpei, der einen Pullover überzog. Es war immer noch recht kühl. „Auch bei der Kaijō gibt es einige Änderungen im Team.“
„Ja, vielleicht.“ Tetsuya hatte bereits ähnliche Gedanken gehabt. Immerhin hatte Ryōta neben der Schule und dem Basketball auch noch seine Arbeit als Model. Dennoch hatte er jeden Tag Zeit gefunden, ihnen etwas zu schreiben.
„Außerdem stehen Prüfungen an, vielleicht lernt er“, fügte Kōki an.
„Kaum.“ Tetsuyas Gesicht blieb regungslos, während er weitersprach: „Ryōtas Noten sind unterirdisch, aber er lernt nie, weil er es nicht gewöhnt ist. Ihm fliegt viel zu. Nur beim Basketball schaut er sehr genau hin.“
„Hmpf“, entkam es mehreren Spielern.
„Wenn du dir Gedanken machst, schau doch bei ihm vorbei“, lenkte Shun das Gespräch wieder auf das ursprüngliche Thema. Auf diese Idee war Tetsuya bisher nicht gekommen. Zwar vermisste er die alte Zeit, in der sie alle gemeinsam zusammen gespielt und Spaß gehabt hatten, aber inzwischen hatte sich einiges verändert. Dennoch nickte er.
„Oder du rufst ihn erst einfach mal an“, warf Junpei ein.
„Morgen ist ja trainingsfrei.“ Shinji streckte sich. Alle zwei Wochen gab es einen basketballfreien Tag, damit sich ihre Körper ausruhen konnten. Während die anderen berieten, was sie mit ihrer Freizeit anfangen wollten, griff Tetsuya nach seiner Tasche. ‚Ich werde einfach in der Kaijō nachfragen und falls das nicht klappt, rufe ich an.’

Wenn Tetsuya erst mal einen Entschluss gefasst hatte, ließ er sich davon auch nicht mehr abbringen. Dennoch hatte er ein wenig ein seltsames Gefühl, als er am nächsten Tag tatsächlich vor dem Tor der Kaijō Oberschule stand. Diese Schule konnte auf eine lange Basketballtradition zurückblicken. Niemand hielt Tetsuya auf, als er das Gelände betrat. Von Ryōta wusste Tetsuya, dass es mehrere Sporthallen gab, aber die des Basketballteams war die Größte im Zentrum des Campus. Deswegen war Tetsuya zuversichtlich diese zu finden. Etliche Schüler und Schülerinnen kamen ihm entgegen. Jene, die nicht in Clubs waren, gingen zur Nachhilfe oder nach Hause. Nun kam es ihm doch seltsam vor, direkt hier herzukommen. Er nahm sein Handy und wählte die Nummer von Ryōta an.
//Der gewünschte Teilnehmer ist aktuell nicht zu erreichen, bitte versuchen Sie es später noch einmal.//
„...“ Tetsuya ließ das Handy sinken.
„Ist es wieder nicht da?“, fragte ein schwarzhaariges Mädchen und einen kurzen Moment dachte Tetsuya, dass sie ihn ansprach. Allerdings galt die Frage einer anderen Schülerin. Diese schüttelte den Kopf. „Nein, so schnell wird sich das wohl auch nicht ändern.“
Fragend drehte Tetsuya den Kopf, aber die beiden Mädchen bemerkten ihn gar nicht. Einen kurzen Augenblick hatte er ein seltsames Gefühl, aber dann schüttelte er den Kopf und ging weiter. Schon vom Weiten hörte er die Geräusche des Basketballtrainings, das Dribbeln des Balls, das Quietschen der Schuhe, die Rufe der Mannschaftsmitglieder. Eigentlich hatte Tetsuya fast damit gerechnet sich durch einige Zuschauer drängen zu müssen. Zum Leidwesen seiner Mitspieler zog Ryōta viele weibliche Zuschauer an. Heute schien aber niemand da zu sein. Vorsichtig schaute Tetsuya in die Halle und entdeckte ein paar bekannte Gesichter. Neben dem Trainer Genta Takeuchi, sah Tetsuya Mitsuhiro Hayakawa, der von allen Spielern am lautesten war. Gerade war ihm ein Ball entgangen, der nun in Richtung Ausgang rollte. „TUT MIR LEID!“
„Schrei nicht so“, wurde Mitsuhiro von Shinya Nakamura getadelt.
„ENTSCHULDIGUNG!“ Mitsuhiro drehte sich um und rannte dem Ball nach. Dabei entdeckte er Tetsuya. „WAS MACHST DU DENN HIER?“
Obwohl Tetsuya sonst eher Probleme hatte sich bemerkbar zu machen, hatte er jetzt mit einem Schlag die komplette Aufmerksamkeit des Kaijōteams. Suchend blickte sich Tetsuya um. „Ist Ryōta gar nicht da?“
Zu seiner Überraschung antwortete ihm Mitsuhiro nicht, er machte ein betroffenes Gesicht und winkte Shinya hinzu. Es war jedoch Trainer Takeuchi, der ihn aufklärte.
„Verstehe, das wusste ich nicht...vielen Dank.“ Tetsuya verbeugte sich und verließ langsam die Halle. Ohne eine Regung auf seinem Gesicht zu zeigen, zog er sein Handy hervor und tippte eine Botschaft. Dann steckte er das Handy ein und rannte los.

„Uah...“ Gähnend angelte Daiki Aomine sein Handy aus seiner Tasche. Seit er wieder regelmäßig zum Training ging, fehlte ihm irgendwie sein Mittagsschlaf. Allerdings zeigte Satsuki Momoi auch keine Gnade, ebenso wenig wie Kōsuke Wakamatsu, der als neuer Kapitän das Team anführte. Daiki klappte sein Handy auf. „...bestimmt Kise...“
Er blickte auf die Nachricht, seine Augen weiteten sich. Dann drehte er sich um. „Satsuki, ich kann nicht am Training teilnehmen.“
„Was, aber Dai...“ Erst wollte Satsuki schimpfen, aber als sich in Daikis Gesicht blickte, erschrak sie. „Dai, ist etwas passiert?“
„Später, ich muss los.“ Daiki ergriff seine Tasche, verzichtete dabei darauf sich umzuziehen. Er zog nur seine Jacke über, ehe er davon rannte.

„Aber Shin-chan, was soll ich denn dem Trainer sagen?“, fragte Kazunari Takao fast ein wenig verzweifelt.
„Denk dir was aus.“ Shintarō Midorima steckte sein Handy weg und ließ ihn einfach stehen. Fassungslos blickte Kazunari ihm nach. Dabei entdeckte er die kleine Steineule, die Shintarō den ganzen Tag mit sich rumgeschleppt hatte. Sofort griff er danach. „Warte, Shin-chan, dein Glücksbringer.“
Allerdings war Shintarō bereits verschwunden. Irritiert starrte Kazunari die Eule an. „Was ist denn nur los?“

„Ich muss weg.“ Dies war die einzige Information, die Atsushi Murasakibara seinen Teamkollegen gab, ehe er in langen Schritten aus der Sporthalle lief. Eigentlich hasste er es zu schwitzen und zu viel zu rennen, aber jetzt hatte er sich sogar seine Haare zurückgebunden. Kurz sah er auf sein Handy, um sich die Adresse noch einmal anzuschauen, dann rannte er weiter.

„Stop“, befahl Seijūrō Akashi seinem Fahrer, der ihn gerade vom Training zur Reitstunde abgeholt hatte. „Wir ändern den Plan. Fahren Sie dorthin.“
„Aber junger Herr...“, setzte der Fahrer an, der vor Schreck fast eine Vollbremsung gemacht hatte.
„Habe ich mich undeutlich ausgedrückt?“, fragte Seijūrō scharf.
„Nein, natürlich nicht.“ Sofort setzte der Fahrer den Blinker und wendete die Limousine.

Etwas außer Atem sah Tetsuya sich um. Der Weg war weiter gewesen, als er angenommen hatte. So recht wusste er nicht, wo er hingehen sollte. Hier waren viele Menschen, einige saßen im Wartebereich, andere liefen nervös auf und ab. Als Tetsuya eine Art Rezeption entdeckte, lief er darauf zu.
„Was soll das heißen, Sie wollen mir nichts sagen?“, schimpfte dort gerade jemand. Tetsuya erkannte die Person gleich.
„Daiki?“
Sofort drehte sich Daiki zu ihm um. „Tetsu, da bist du ja.“
„Bist du zu Fuß gekommen, Tetsuya?“, fragte eine vertraute Stimme.
„Shintarō.“ Tetsuya hatte sich wieder etwas erholt. „Ja. Ich bin gelaufen.“
„Hättest ein Taxi nehmen sollen, Kuro-chin.“ Der große Schatten von Atsushi fiel auf Tetsuya, der wie immer den Kopf heben musste, um diesen überhaupt ins Gesicht sehen zu können. „Atsushi, du auch.“
„Wir haben alle deine Nachricht gelesen.“ Seijūrō trat hinter einer Säule hervor. „Allerdings kommen wir hier nicht weiter. Da wir keine Angehörigen sind, geben sie uns nicht die gewünschten Informationen.“
„Scheinbar haben Fans und auch Reporter versucht so an ihn heran zu kommen“, sagte Shintarō, während er seine Brille ein wenig verschob.
„Sehe ich aus wie ein Fan von dem Kerl?“, grollte Daiki und ließ die Frau hinter der Rezeption einfach stehen. Nun standen sie alle in einem Kreis, Tetsuya legte den Kopf schief. „Ihr wart schneller als ich.“
„Woher hast du davon gewusst, Tetsuya?“, wollte Seijūrō wissen.
„Ryōtas Trainer hat mir davon erzählt“, antwortete Tetsuya. „Ich weiß aber auch nur, dass Ryōta vor vier Tagen einen Unfall hatte und seitdem hier im Krankenhaus liegt.“
„Ich hätte gedacht, er schreibt uns sofort, um Mitleid zu bekommen.“ Verärgert runzelte Daiki die Stirn.
„Nein, so ist Ryōta nicht“, widersprach Tetsuya sofort. „Er ist manchmal oberflächlich und kaltherzig, aber er...“
„Was ist los, Tetsu?“, fragte Daiki und folgte dem Blick von Tetsuya. Statt zu antworten, ging Tetsuya einfach auf eine braunhaarige Frau zu, die einen ziemlich auffallend rosafarben Anzug trug. „Kyoko.“
„Oh, Tetsuya, wie schön dich wiederzusehen“, sagte Kyoko und verbeugte sich höflich.
„Wer ist das?“, wollte Daiki wissen, der mit den anderen Tetsuya gefolgt war.
„Das ist Kyoko, sie ist die Managerin von Ryōta. Wir haben uns bei einem Shooting kennengelernt“, stellte Tetsuya Kyoko vor. Obwohl der Anblick von den Mitgliedern der Wundergeneration auf einmal sicher einschüchternd wirkte, lächelte Kyoko freundlich. „Ah, ihr seid Freunde von Ryōta?“
„Wir haben früher zusammen Basketball gespielt“, antwortete Shintarō, als keiner seiner Begleiter Anstalten machte, diese Vermutung zu bestätigen oder abzustreiten. „Wie geht es ihm?“
Nun nahm Kyokos Lächeln etwas ab. Ihre Haltung veränderte sich nur leicht, aber Tetsuya, der es gewohnt war, andere Menschen zu beobachten, bemerkte es sofort. Dies beunruhigte ihn auf eine seltsame Weise.
„Ryōta wird noch eine Weile hierbleiben müssen“, antwortete Kyoko, nachdem sie sich kurz umgesehen hatte. „Ich war gerade dabei, ihn von der Untersuchung abzuholen. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier warten.“
„Ja, gerne“, sagte Tetsuya sofort.

„Das dauert“, brummte Daiki und legte seufzend den Kopf in den Nacken. Sie hatten sich in eine Ecke des Wartebereichs zurückgezogen. Neben Daiki raschelte es, als sich Atsushi setzte. Er hatte den Snackautomaten geplündert und war nun dabei eine Packung mit Keksen zu öffnen.
„Krümel hier nicht rum, Murasakibara“, mahnte Shintarō.
„Geh mir nicht auf den Sack, Mido-chin“, antwortete Atsushi. In einer anderen Situation hätte sich Tetsuya vielleicht über so ein Gespräch gefreut, so war es fast wie früher. Aber jetzt saß er einfach nur etwas steif neben Seijūrō und wartete. Konzentriert beobachtete er den Flur. Kaum entdeckte er Kyoko, wollte Tetsuya aufstehen, aber er blieb sitzen und starrte Ryōta an. Dieser trug ein typisches Krankenhausnachthemd. Um seinen Kopf war ein Verband. Aber das, was Tetsuya erschreckte, war die Tatsache, dass Ryōta in einem Rollstuhl saß. Sein Blick fiel auf Ryōtas Bein. Auch dieses hatte einen Verband.
„...nicht zu den Zimmern“, sagte Ryōta gerade, als Kyoko den Rollstuhl zu ihnen schob.
„Ich weiß.“ Kyoko lächelte. „Schau, du hast Besuch.“
„Besuch? Kasamatsu?“ Neugierig und etwas verwundert drehte Ryōta den Kopf. Als er ihre Gruppe entdeckte, setzte er sein typisches Grinsen auf. „Na so was. Was macht ihr denn alle hier?“
„Kise!“ Knurrend sprang Daiki auf und wäre vielleicht auf den Verletzten losgegangen, aber Seijūrō streckte seinen Arm aus und hielt ihn so zurück. „Hallo Ryōta, wie geht es dir?“
„Gut wäre übertrieben.“ Ryōta kratzte sich an der Wange und lachte. „Aber zumindest besser. Könntet ihr bitte aufhören, mich so anzustarren, das ist echt gruselig...“
Erst jetzt bemerkte Tetsuya, dass nicht nur er Ryōta einfach anschaute. Selbst Atsushi, der sonst wenig Interesse an etwas zeigte, ließ Ryōta nicht aus den Augen. Jetzt wünschte er sich wohl, dass Kyoko da geblieben wäre, aber sie war etwas auf Abstand gegangen, um bei der Unterhaltung nicht zu stören.
„Warum hast du nichts gesagt?“, fragte Tetsuya ruhig. Nun sah Ryōta aufrichtig verwundert aus. „Wieso sollte ich?“
„Weil...“, setzte Tetsuya an, verstummte dann aber. Wie sollte er diesen Satz beenden? Auch die anderen schwiegen. Ryōta fuhr sich mit der Hand durch sein blondes Haar. „Also...nett von euch, dass ihr vorbeigeschaut habt. Ich muss jetzt aber auf mein Zimmer.“
„Ryōta.“ Tetsuyas Hand ballte sich zur Faust, aber es war Shintarō, der vortrat. „Wir hätten gerne gewusst, dass du im Krankenhaus bist.“
„Du bist so ein Trottel“, schnauzte Daiki Ryōta unvermittelt an. „Als Sportler musst du auf deinen Körper achten, Kise!“
„Du bist sowieso schon zu dürr“, trug Atsushi bei.
„Wie ist es passiert?“ Diese Frage stellte Seijūrō, wobei es eher wie ein Befehl als eine Nachfrage klang. Anfänglich hatte Ryōta noch den Kopf eingezogen, so wie er es immer tat, wenn zu viele Leute ihn, seiner Meinung nach unberechtigt, schimpften. Nun hob er jedoch seinen Kopf und Tetsuya zuckte zurück. Ryōtas Gesichtsausdruck hatte sich verändert, er erinnerte fast ein wenig an jenen, den er bekam, wenn er andere Spieler beobachtete, um sie zu kopieren.
„Das geht euch nichts an“, sagte Ryōta kühl, zeigte ihnen damit seine abweisende Seite. „Wir sind im besten Fall Rivalen, mehr aber auch nicht. Wenn überhaupt.“
„Kise, du bist so ein...“, brauste Daiki auf, aber Ryōta hob nur die Hand und winkte Kyoko, die sofort kam. „Ich bin müde.“
„Natürlich.“ Kyoko verbeugte sich vor ihnen. „Danke für euren Besuch.“
Dann schob sie den Rollstuhl davon. Ryōta drehte sich nicht einmal zu ihnen um.
„Mistkerl“, kommentierte Daiki, ehe er aus dem Krankenhaus stapfte, wobei er seine geballten Fäuste in den Taschen seiner Jacke verbarg. Die anderen folgten ihm.

„Die Verletzung ist an der Seite, an der er immer mal Probleme mit seinem Fuß hat“, sagte  Shintarō. Sie saßen in einem Fast Foodladen an einem der vielen Tische.
„Perfect Copy strengt seinen Körper sehr an“, stimmte Seijūrō zu, der seinen Sitzplatz mit einer Serviette ausgestattet hatte. „Mit einer schweren Wunde wird er das nicht mehr machen können.“
„Heißt wohl, kein Basketball mehr“, meldete sich Atsushi zu Wort, ehe er in seine Apfeltasche biss.
„Tsk.“ Daiki hatte eine Cola vor sich stehen, diese aber noch nicht angerührt. Gerade stützte er seinen Kopf mit der Hand ab und starrte aus dem Fenster.
„Nein, das akzeptiere ich nicht.“ Mit beiden Händen hielt Tetsuya seinen Milchshake umklammert. „Ryōta liebt Basketball.“
„Tetsu...“, begann Daiki, aber da war Tetsuya schon aufgestanden. „Ryōta hat gesagt, er würde gerne mein Freund sein, aber ich habe ihn abgeblockt, weil ich ihm sagte, er ist mein Rivale. So denke ich immer noch, aber als er heute zu mir sagte, ich sei nur ein Rivale...da hat mich das verletzt.“
Und erst in dem Moment hatte Tetsuya bemerkt, wie er sich Ryōta gegenüber benommen hatte. Ryōta brauchte jetzt keinen Rivalen. „Er hat sich die letzten Monate wirklich bemüht mit mir in Kontakt zu bleiben. Ich bringe das in Ordnung.“
„Und wie?“, fragte Shintarō.
„Das weiß ich noch nicht“, gestand Tetsuya. „Ich werde darüber nachdenken.“
Nach diesen Worten trank Tetsuya seinen Shake aus, ergriff seine Tasche und verabschiedete sich.
„Und? Werdet ihr euch anschließen?“ Shintarō sah Tetsuya nach, blickte dann aber die anderen aufmerksam an.
„Das geht mir auf den Sack“, murrte Atsushi und knüllte die Schachtel der Apfeltasche zusammen, nur um dann einen Muffin zu essen.
„Verzichte.“ Daiki erhob sich und ging ohne weiteren Kommentar.
„Wir können Ryōta seine Reaktion nicht verübeln“, sagte Seijūrō. „Es ist unsere Schuld, dass er so abweisend war, nachdem wir ihn immer nur ignoriert haben.“
„Verstehe.“ Shintarō erhob sich. „Ich gehe jetzt auch.“

„Wau?“ Nummer Zwei sprang auf Tetsuyas Bett und stieß ihn sanft mit der Nase an. Er spürte genau, dass etwas mit dem Menschen nicht stimmte. Sofort hob Tetsuya die Hand und streichelte Nummer Zwei. Dann griff er nach seinem Handy und schrieb eine Nachricht an Taiga. Während hier in Japan schon Abend war, durfte bei Taiga aktuell erst der Morgen angefangen haben. //Ryōta hatte einen Unfall und ist im Krankenhaus.//
Anschließend nahm sich Tetsuya einen Ball und warf ihn ein wenig für Nummer Zwei. Dies machte er immer, wenn er Nummer Zwei betreute. Nur zehn Minuten später kündigte sein Handy eine eingehende Nachricht an. Sie kam von Taiga. //Shit, wie geht es ihm?//
//Eine Verletzung am Bein und am Kopf.// Tetsuya zögerte und fügte dann noch hinzu. //Vielleicht kann er nicht mehr spielen.//
Dieses Mal kam die Antwort schneller. //Kise ist stark, er schafft das sicher. Wichtig ist nur, dass er sich auch schont.//
„Sagt ja der Richtige“, murmelte Tetsuya, der sich noch sehr gut daran erinnerte, wie ungeduldig Taiga immer war, wenn er nicht spielen durfte. Nachdenklich warf Tetsuya den Ball, tippte dabei allerdings. //Ich möchte ihm helfen, weiß aber nicht wie. Hast du eine Idee?//
//Krankenhaus ist langweilig, besuch ihn.// Auch diese Antwort kam sehr schnell. //Immerhin seid ihr Freunde.//
„Freunde...“ Dieses Wort sprach Tetsuya mehrfach aus. //Ich habe ihn immer als Rivalen gesehen.//
//Na und? Wir zwei sind auch Freunde, aber auch Teamkameraden und Rivalen, das eine schließt das andere doch nicht aus.//
Überrascht starrte Tetsuya die Botschaft an, richtete sich dabei sogar leicht auf. //Manchmal sagst du doch ganz vernünftige Dinge.//
//Was meinst du denn mit manchmal?!//
//Danke, Taiga.//
//Grüß Kise von mir.//
//Mache ich. Viel Erfolg heute bei deinem Training.// Anschließend wechselte Tetsuya die Chatgruppe und schrieb kurz eine Nachricht, ehe er sich wieder Nummer Zwei widmete, der mit der Pfote den Ball durch das Zimmer rollte.
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*Die Autokorrektur macht aus Taiga immer Tiger...XD
 
 
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