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The Cursed

von Tomlinson
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Angst / P18 / Gen
Darcy Lewis Doctor Strange / Stephen Vincent Strange Loki OC (Own Character)
24.11.2022
04.01.2023
8
20.833
3
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Dieses Kapitel
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28.11.2022 2.006
 
Als sie aus dem Auto ausstieg und mit einem leisen Seufzen ihre Sonnenbrille aufsetzte, wünschte Nora Wilson, sie hätte der Aufforderung SHIELDs keine Beachtung geschenkt. Stattdessen fand sie sich selbst in den weiten Wüstenflächen knappe hundert Meilen außerhalb von Reno in Nevada, gegenüber einer großen Anlage, die sich von der asphaltierten Straße bis zu den knorrigen Gewächsen der Ebenen zog.

Bevor SHIELD sie kontaktiert hatte, wusste Nora nicht, was hinter der gesichtslosen Organisation steckte. Zugegebenermaßen – wirklich sicher, was sie hier erwarten würde, war sie sich immer noch nicht. Doch als sie das behelfsmäßig errichtete Lager betrachtete, überkam sie eine Gänsehaut, die unter der heißen Vormittagssonne Nevadas ein unangenehmes Prickeln auf ihrer Haut hinterließ.

Sie war es gewohnt, alleine in ihrem Labor zu arbeiten. Nicht umgeben von hektischen Anzugträgern oder bewaffneten Agenten, die sie mit einem kritischen Blick betrachteten. Selbst die zwei Agenten, die sie vor wenigen Stunden bereits auf der Landebahn des kleinen Flugzeuges erwartet hatten, welches sie von New York nach Reno geflogen hatte, hatten zunächst ihren Personalausweis überprüft, ehe sie im großräumigen Laderaum des Autos Noras Fingerabdrücke eingescannt hatten.

Im Nachhinein dachte sie, das hätte ihr erstes Zeichen sein sollen, umzukehren und zurück in ihre Heimatstadt zu fliegen.

Die zwei Agenten führten sie nun über den kurzen Weg über den staubigen Wüstenboden bis zum Eingang der Anlage, deren Gerüst von einer blickdichten weißen Plane überzogen war. Eine angenehme Temperatur erwartete Nora, als sie den Gang hinter dem Eingang betrat und auf weitere Agenten und Männern traf, die alle ein kleines Ausweisschild an ihren Anzügen trugen.

In einer nervösen Geste umklammerte sie mit einem festen Griff den Riemen der Tasche, die sie über ihrer Schulter trug und ihre wichtigsten Ressourcen für ihre Arbeit enthielt – abgesehen von den zwei großen Koffern im Lagerraum des Autos, die weitere Geräte und verschiedene Technik beherbergten, die sie aus ihrem Forschungslabor in New York zusammengesucht hatte.

„Sie müssen Doktor Nora Wilson sein.“

Ein Mann in einem schwarzen Anzug war an sie herangetreten, ein schmales Lächeln auf seinen Lippen. Nora musterte ihn kurz, ehe sie ihre Hand ausstreckte und sein kurzes Lächeln freundlich erwiderte.

„Und Sie sind?“

„Phil Coulson“, erwiderte er und schüttelte kurz ihre Hand. Mit einem knappen Nicken entließ er die beiden Agenten, die Nora durch die Anlage geführt hatten und wandte sich schließlich wieder ihr zu. „Ich hoffe, die Reise war angenehm?“

Nora verbiss sich einen Kommentar und nickte ihm nur kurz zu, als ihr Blick forschend an Coulsons Ausweis hängen blieb. Level 6 – er schien ein hochrangiger Offizier SHIELDs zu sein, die meisten Ausweise um Nora herum beschrieben eine Autorität von Level 3.

Als sie seinem Blick begegnete, schob sie ihre Sonnenbrille hoch in ihre Haare und warf ihm ein erneutes, unsicheres Lächeln zu. „Also … Warum bin ich hier?“

„Folgen Sie mir, Dr Wilson“, sagte Coulson, anstatt ihre Frage zu beantworten und begann sie tiefer in die abzweigenden Gänge der Anlage zu führen. „Wir haben etwas Besonderes für Sie.“

Nora hätte dies als ihr zweites Zeichen betrachten sollen, nach New York zurückzukehren.

Coulson führte sie zu einem etwas kleineren Raum, wo eine einzige junge Frau in einer schicken Anzughose und einer Bluse vor einem Computer saß und gedankenverloren auf einem Formular unterschrieb.

„Agentin Perez“, begrüßte Coulson sie und ein aufrichtiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als die Angesprochene hochschreckte und die beiden Neuankömmlinge musterte. Nora hielt sich im Hintergrund und beobachtete, wie die dunkelhaarige Agentin schließlich das Lächeln von Coulson erwiderte und kurz in einem gedämpften Tonfall mit ihm sprach.

Nora vermutete, dass es um ihre Ankunft ging. Sie tat so, als würde sie sich furchtbar für das Gerüst der großen Anlage und die weißen, festgezogene Plane interessieren. Vom Inneren dieser Gänge hätte sie niemals darauf schließen können, dass sie sich in den trockenen Wüsten Nevadas befand.

„Willkommen, Dr Wilson. Das ist für Sie“, ertönte die freundliche Stimme von Agentin Perez, die über ihren Schreibtisch gebeugt stand und Nora eine kleine Ausweiskarte hinhielt. Sie nahm sie etwas zögerlich entgegen und warf einen schnellen Blick darauf, ehe sie sie an ihrem Oberteil festklemmte. Level 1.

„Ich habe noch die Karte für …“, setzte Perez an und sah zur Überprüfung erneut auf den Computerbildschirm, „Darcy Lewis. Sie wissen nicht zufällig, wo sie ist, Agent Coulson?“

Noras Kopf schnellte interessiert hoch. „Darcy Lewis ist hier?“

„Sie kennen sich?“, hakte Coulson nach, während er Perez ein Zeichen gab, ihm die kleine Ausweiskarte auszuhändigen.

„Wir haben zusammen an der Culver University studiert. Ich habe in dem Sommer graduiert, als dieser … Unfall mit Dr Banner passiert ist.“

Ohne einen weiteren Kommentar nickte Coulson und verabschiedete sich mit einem leisen „Danke“ von Perez, ehe er Nora aus dem Raum und weiter durch die Gänge des Lagers führte. Zwischen ihnen hatte sich Schweigen ausgebreitet, das sie nur schwer ertrug – normalerweise war sie offen und redefreudig, doch die Atmosphäre dieser Anlage SHIELDs schüchterte sie ein.

„Also ihr habt ein Labyrinth gebaut?“, bemerkte Nora, als sie die Stille nicht länger ertragen konnte. Coulson warf ihr einen amüsierten Blick von der Seite zu, antwortete jedoch nichts. Es waren nur das regelmäßige Klappern der Metallgitter unter ihren Schritten zu hören, die als provisorischer Gehweg durch die Gänge auf den sandigen Boden gelegt worden waren.

Nora war nicht vorbereitet auf den Anblick, der sich ihr bot, als sie erneut um eine Ecke bogen und schließlich ihr Ziel erreicht hatten. Der Raum in der Mitte der Anlage war riesig – gefüllt mit bewaffneten Agenten, technischen Geräten und vielen Bildschirmen, die verschiedene Werte und Schaubilder zeigten. Doch das Merkwürdigste war der Krater im Zentrum des Raumes, der nicht mehr als zehn Meter Durchmesser haben konnte.

Sie zog verwirrt die Augenbrauen zusammen, als ein nachdenklicher Ausdruck auf ihr Gesicht trat. Sie hatte Einschlagkrater gesehen – gewaltige Öffnungen in die Tiefen der Erde, doch dies war ihr neu. Die Luft um den Krater war umgeben von einem elektrisierenden Knistern und vereinzelten, grünlichen Nebelschwaden, die auch eine Illusion des Lichts hätten sein können.

Sie wagte einige weitere Schritte auf den Krater zu und warf einen neugierigen Blick über den Rand. Ihre Hand umklammerte das metallene Geländer, das SHIELD um die Senkung aufgebaut hatte. In der Mitte des Kraters war eine kleinere Vertiefung, die nichts als Dunkelheit offenbarte, doch dies musste der Einschlagsort des Objektes sein, welches den Krater verursacht hatte.

„Beeindruckend, oder?“

Coulson war neben sie getreten und hatte ihre forschenden Gesichtszüge beobachtet, während sie den Krater gemustert hatte. Nora drehte sich zu ihm um – sie wusste nicht, wo sie beginnen sollte. Coulson schien ihr ihre Fragen anzusehen und sagte: „Das ist der Grund, warum sie hier sind, Dr Wilson. Wir wissen nicht, womit wir es hier zu tun haben. Sie sollen es rausfinden.“

Es dauerte eine Weile, bis Nora sich an ihrem Platz eingefunden hatte. Nachdem einer der Agenten ihr die zwei Koffer aus dem Auto gebracht hatte, hatte sie ihre Arbeitsgeräte aufgebaut und mit dem ihr zugewiesenen Computer verbunden. Sie besah sich die bereits vorhanden Informationen über den Krater, bevor sie ihre eigenen Messungen vornahm.

Sie war konzentriert auf den kleinen Bildschirm des Detektors in ihren Händen – es war eine neue Technik, die SHIELD ihr zur Verfügung stellte, und für einen Moment dachte sie, dass es kaputt wäre. Eine solch hohe Menge an CMBR hatte Nora noch nie gemessen. Doch als sie zum wiederholten Male ihre eigenen Daten mit den Messungen anderer Geräte abglich, durchfuhr sie ein Schwall an Euphorie.

Das Objekt musste etwas Abnormes sein; von weit aus dem Weltraum auf die Erde gefallen. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht, als sie begriff, was dies bedeuten könnte –

„Nora Wilson! Wenn mich meine Augen nicht täuschen!“

Beim Ruf ihres Namens fuhr sie zusammen und drehte sich zum Ursprung des Ausrufes. Eine junge Frau stand am Fuße des Kraters, mit langen dunklen Haaren, einer roten Brille und einer identischen Ausweiskarte, wie Nora sie bekommen hatte.

„Darcy“, begrüßte sie ihre alte Freundin aus gemeinsamen Studienzeiten und erwiderte ihre kurze Umarmung. „Was machst du hier? Ich dachte, du hast dieses Praktikum bei –“

Darcy winkte ab. „Ja, aber zu SHIELD kann man schlecht Nein sagen. Das Wort kennen die hier nicht. Hey, was muss man tun, um hier eine Tasse Kaffee zu bekommen?“

Der Agent, der gerade an den beiden Frauen vorbeilief, warf Darcy einen kritischen Blick zu, blieb allerdings passiv und ging an ihnen vorbei, ohne zu antworten. Nora unterdrückte ein Lachen, als Darcy genervt mit den Schultern zuckte und seufzte.

„Ich bin seit zehn Stunden auf den Beinen und habe in diesem Labyrinth noch keine einzige Kaffeemaschine gesehen. Wer leitet diesen Saftladen?“

Nora gab ein zustimmendes Geräusch von sich – gegen eine Tasse Kaffee hätte sie nichts einzuwenden. Sie führte Darcy zu der Ecke des Raumes, wo ihr zugewiesener Arbeitsplatz war und legte das CMBR-Messgerät ab.

„Das sind unglaubliche Mengen an kosmischer Mikrowellenhintergrundstrahlung“, bemerkte sie an Darcy gewandt, die bereits interessiert die verschiedene Technik betrachtete, die auf Noras Tisch verteilt war. „Solche Strahlungsfrequenzen habe ich noch nie gesehen.“

„Ich hab seit einem Jahr nichts mehr von dir gehört“, sagte Darcy, während sie verwirrt einige Knöpfe auf einem der Geräte drückte. Nora nahm es ihr sanft aus der Hand und legte es zurück auf seinen Platz, bevor sie sich an die Dunkelhaarige wandte und ihr ein entschuldigendes Lächeln zuwarf.

„Ich hab den Forschungsplatz in New York bekommen.“ Nora wusste, dass ihre Freundin wusste, von was sie sprach – sie hatte sie damals dazu überredet, sich zu bewerben und in eine neue Stadt zu ziehen. „Und warum hat SHIELD dich kontaktiert?“

Darcy zuckte mit den Schultern und zwinkerte ihr zu. „Ich nehme an, sie brauchen eine Astrophysiologin, die nicht nur schlau ist, sondern auch gut aussieht.“

„Witzig“, erwiderte Nora trocken. „Abgesehen davon, dass ich nicht Astrophysiologin bin, sondern Kosmologin, verstehe ich immer noch nicht, wie du als Politikwissenschaftlerin ein Praktikum bei Jane Foster bekommen hast?“

Darcy murmelte etwas, was sich stark nach „einzige Bewerberin“ anhörte und Nora unterdrückte ein Schmunzeln. „Außerdem konnte ich nicht der Bezahlung widerstehen, die wir hierfür bekommen. Im Voraus.“

Nora gab einen zustimmenden Laut von sich, doch es wunderte sie nicht, dass SHIELD die Schweigsamkeit und den Einsatz der Forscher so hoch entlohnte – keiner von ihnen wusste wirklich, womit sie es hier zu tun hatten.

„Ok, dann leg mal los“, sagte Darcy und ließ sich auf dem zweiten Stuhl nieder, der neben Nora stand, welche sie kurz musterte und schließlich auf den Krater deutete.

„Wir wissen nicht, was den Einschlag verursacht hat. Es gibt keine Aufzeichnungen, dass etwas in den letzten 72 Stunden unsere Atmosphäre durchdrungen hat. Selbst wenn, die verhältnismäßig kleine Größe des Kraters ergibt keinen Sinn, wenn es ein Objekt aus dem All war. Aber – wie ich vorhin schon sagte – der CMBR-Wert ist kolossal, zusätzlich zu der hohen Isotropie der Strahlung und den Dichteschwankungen der Anisotropie. Und siehst du dieses Energiefeld um den Krater herum?“

Nora zeigte auf die vereinzelten grünlichen Nebelschwaden, die immer wieder in der Luft um den Krater herum auftauchten. Sie nahm eines der Geräte von dem Tisch und schaltete dessen Bildschirm ein, ehe sie es Darcy hinhielt. Es zeigte eine Abbildung des Energiefeldes, welches sich wie eine Kuppel über den Krater gelegt hatte.

„Der Energie-Impuls-Tenor und die daraus folgende Massen- und Energieverteilung ergibt keinen Sinn, ich habe gedacht, das Gerät spinnt. Aber was ist, wenn –?“

Sie stoppte, als Darcy mit einem Ruck aufstand und ihr einen nachdenklichen Blick zuwarf. „Du hast Recht, diese Werte machen keinen Sinn. Das alles deutet auf eine Singularität hin, aber sieh es dir an … Es sieht nicht so aus, als würde hier die Krümmung der Raumzeit divergieren, oder?“

Nora schüttelte den Kopf und nahm das Gerät entgegen, das die Astrophysikerin ihr hinhielt. „Aber irgendetwas hat es mit diesem Energiefeld auf sich. Ich weiß nicht, was da unten im Krater liegt, Darcy, aber es ist etwas Besonderes. Mit diesen Messungen öffnen sich neue Perspektiven für die Kosmologie. Vor wenigen Jahren hätten wir nicht einmal von solchen Werten zu träumen gewagt.“

Darcy sah die Euphorie, die in den Augen ihrer Freundin aufleuchtete und griff nach ihrem Arm. „Komm schon, lass uns den Kaffee suchen gehen, bevor wir diese neuen Perspektiven erkunden.“
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