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Zwischen Leben und Tod

von Enoraa
Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost / P12 / Gen
Harry Potter Severus Snape
24.11.2022
24.11.2022
1
3.454
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24.11.2022 3.454
 
(Wirklich) Kurzer Disclaimer vorweg:
Natürlich gehören die beiden Charaktere nicht mir, ich habe keine Rechte an ihnen und verdiene auch kein Geld damit.

Zwischen Leben und Tod


„Potter!“
Harry grunzte leise. Er war so müde und erschöpft, dass es ihm unmöglich erschien, den Blick zu heben und die Augen auf die vertraute Stimme zu richten.
Es war vorbei, Voldemort war besiegt, seine Aufgabe war erfüllt. Monate des Umherirrens, Suchens und Fliehens… Zu wenig Schlaf, zu wenig Nahrung oder auch nur die Möglichkeit, sich auszuruhen, forderten ihren Preis.
„Harry!“
Die Stimme war jetzt viel näher, dann geriet die schwarze Masse in sein verschwommenes Sichtfeld, der Körper ging vor ihm auf die Knie und Hände legten sich schwer auf seine Schultern. Langsam, kraftlos hob er den Blick.
„Professor“, flüsterte er rau. Der Mann wirkte blass, fast ätherisch durchscheinend und als Harry erschöpft an sich herabsah, stellte er fest, dass er genauso aussah. „Sind wir tot?“, fragte er müde.
„Nein“, antwortete Snape überraschend fest. „Noch nicht. Noch können wir zurück.“
Harry zog die Stirn in Falten – selbst das bereitete ihm Schmerzen. Zwei außerweltliche Erfahrungen für eine Nacht, war das nicht ein bisschen viel? Er sank leicht in sich zusammen, aber Snape verhinderte, dass er einfach entkräftet zu Boden fiel, sondern zog ihn viel mehr fest an sich und schob die Arme um ihn. Harrys Wange landete an seiner Schulter und er stieß die Luft tief aus.
„Ich kann nicht mehr“, flüsterte er. Natürlich, nach allem, was er jetzt durchhatte, aufzugeben, wäre furchtbar, aber woher sollte er denn die Kraft nehmen, weiterzumachen?
„Du kannst. Und du wirst“, versicherte Snape ihm jedoch. „Wenn du mir nicht helfen kannst, zu meinem Körper zurückzukommen… deiner ist ganz nahe.“
Vielleicht lag es an seiner unglaublichen Ermüdung, aber der Satz machte gerade überhaupt keinen Sinn für ihn. Vollkommen natürlich fühlte es sich dafür an, wie Snape ganz langsam und fest über seinen Rücken rieb.
Seit er in Dumbledores Büro gewesen war, hatte er noch nicht viel Zeit gehabt, um über das Gesehene, dass sich nicht um ihn und Voldemort drehte, nachzudenken, aber jetzt schien es die einzig logische Konsequenz zu sein. Jetzt konnte Snape ihm nur noch helfen, indem er so war… aus der Ferne ging es nicht mehr. Und es war auch nicht mehr nötig.
„Sind noch andere hier?“ Wo war ‚hier‘ eigentlich? Befand er sich noch immer auf dem Hof, unter dem Uhrenturm?
„Nein, nur wir beide… für den Rest kommt jede Hilfe zu spät… oder sie hatten mehr Glück.“
Harry schloss die Augen und schob die Arme um Snape. Er fühlte sich warm an, nicht halbtot.
„Warum brauchen Sie meine Hilfe? Finden Sie Ihren Körper nicht?“ Was für eine absurde Frage! Aber sowas in der Art hatte Snape ja gesagt, nicht? Und das hörte sich so an, als müssten sie… naja, ihre Körper finden, um zurückkehren zu können.
„Nein… ich weiß nicht, wo er ist…“
Sicherlich wäre es an dieser Stelle sinnvoll gewesen, warum er denn glaube, Harry hätte damit mehr Erfolg. Doch noch ehe er die Worte formulieren konnte, wurde ihm klar, dass er es wusste. Er wusste ganz genau, wohin sie gehen mussten, als könne er einem geistigen Pfad folgen.
„Ich kann nicht aufstehen“, flüsterte er.
„Das sollte das kleinste Problem sein.“
Ohne sich großartig zu lösen, erhob sich Snape und zog Harry mit sich auf die Beine. Schon nur diese Bewegung und obwohl von Snape initiiert, brachte Harry an den Rand eines vollkommenen Zusammenbruchs. Aber wenn er nutzlos auf dem Boden herumlag, konnte er ihm nicht helfen. Und so war es doch seit Monaten. Er hatte schon so lange keine Kraft mehr, aber er hatte dennoch immer wieder einen Fuß vor den anderen gesetzt. Dann musste das auch jetzt möglich sein, nicht? Er stieß die Luft tief aus, den Tränen plötzlich viel zu nah und bebte spürbar.
„Ist schon gut, Harry… Es ist vorbei, du hast es geschafft. Du warst großartig“, flüsterte Snape, als wüsste er ganz genau, dass Harry diese Worte jetzt hören musste. Einmal aufrichtige Anerkennung dafür, dass er etwas getan hatte, von dem er nicht einmal verstand, wie es möglich gewesen war. Dass er mehr gegeben hatte, als er jemals glaubte, geben zu können. „Wenn du nicht mehr weitergehen kannst… dann hast du dir auch das verdient.“
Harry schniefte leise.
„Wir werden Mum wiedersehen, oder?“
„Ich weiß nicht… du bestimmt. Wenn es so funktioniert.“
Jetzt quetschten sich die Tränen doch unter seinen geschlossenen Lidern hervor und perlten über seine kühlen Wangen, verfingen sich auf der einen Seite in den wilden Stoppeln an seinem Kinn, während sie auf der anderen im Stoff von Snapes Gehrock versickerten. Wenn das hier nicht echt war, wie funktionierte das dann? Waren es eingebildete Tränen? Von denen sein Verstand ihm vorgab, wie sie sich verhalten würden, wäre das hier die Realität?
Er löste sich ganz vorsichtig, sich jedoch an Snapes Seiten festhaltend, damit er nicht sofort umkippte. Sein linkes Bein schmerzte unglaublich. Er wusste, dass er damit auf den Hof geknallt war, als er mit Voldemort aus dem Flug stürzte. Tat es deshalb weh? Weil sein Verstand wusste, dass es wehtun musste? Er hob den Blick und blinzelte mehrfach, um seine Sicht etwas zu klären. Snapes Hals sah verheilt aus…, weil er wusste, dass es so sein musste? Die Gedanken verwirrten ihn nur noch mehr, sodass er den Kopf leicht schüttelte, um sie loszuwerden und endlich einen Fuß etwas vorschob. Snape reagierte darauf, schob sich an seine Seite und stützte ihn, sodass sie im Schneckentempo losgingen. Viel erkennen konnte Harry dabei nicht, er trug keine Brille und soweit er es beurteilen konnte, lag ohnehin über allem ein dichter, weißer Nebel. In Kings Cross war er jedenfalls nicht erneut. Langsam, Schritt für Schritt für Schritt, kamen sie voran.
„Ich weiß nicht… ob ich zurückwill“, keuchte er, irgendwann. Wie lange das hier dauern mochte, konnte er beim besten Willen nicht einschätzen.
„Natürlich willst du zurück. Du bist endlich frei“, erinnerte Snape ihn.
„Ja… gerade deshalb. Ich… weiß nicht… wie das geht.“ Er ächzte auf, als sie an die erste Stufe gelangten und sein Fuß einfach hinabsackte, aber Snape hielt ihn gut genug fest, damit er nicht einfach die schmale Treppe hinuntersegelte.
„Du bist jung genug, um es herauszufinden. Notfalls jeden Tag aufs Neue. Du hast noch immer Freunde, die dir dabei helfen können.“
Harry hielt einen Moment inne, um mehrfach so tief wie möglich durchzuatmen – was zugegeben nicht wirklich tief war. Selbst Atmen war einfach nur anstrengend und tat weh.
„Und Sie?“, fragte er leise, ohne aufzusehen. Wenn ihm durch Snapes Erinnerungen etwas klar geworden war, dann, dass er entgegen all des Misstrauens, immer auf Harry aufgepasst hatte. Snape schwieg und vielleicht war das auch sein gutes Recht. Seine Pflicht war erfüllt.
Er strauchelte, als die Treppe endlich endete und sie feuchtes Holz betraten, das den Steg um das Bootshaus bildete. Gefühlt waren sie seit mindestens einem halben Tag unterwegs, doch nichts änderte sich an dem Nebel oder dem diffusen Licht. Mit jedem Schritt scheinbar langsamer, umrundeten sie das Gebäude, bis sie es endlich betreten konnten und Harry stieß die Luft aus.
„Wo sind wir?“, fragte Snape. Er hatte noch immer den Arm um Harrys Rücken gelegt.
„Im Bootshaus…“ Er schluckte unweigerlich. Snapes Körper lag noch genauso hier, wie vor einigen Stunden… Durch seinen, auf die Brust gesunkenen, Kopf, konnte Harry seine Wunden nicht erkennen, er konnte nur annehmen und hoffen, dass das Diptam seine Arbeit getan hatte.
„Ich sehe mich nicht“, murmelte Snape neben ihn. Harry sah fragend zu ihm auf und runzelte die Stirn. Warum konnte er Snapes Körper finden… und sehen, und Snape selbst nicht? Aber er hatte gesagt, Harrys Körper sei in der Nähe gewesen…
Er stieß die Luft tief aus.
„Weil noch etwas fehlt“, stellte er leise fest. Fragend sah Snape herüber, aber Harry wendete sich ihm nur zu und schlang die Arme wieder um ihn, dieses Mal, um ihn so fest zu drücken, wie er es gerade konnte, ohne vor Schmerzen zu krepieren. Sofort erwiderte Snape die Geste, als hätte er Angst, Harry könnte einfach umfallen.
„Ich verzeihe Ihnen“, flüsterte Harry. Plötzlich machte Snape für einen Moment selbst den Eindruck, gleich den Halt zu verlieren. „Sie haben so gut auf mich aufgepasst, wie es ging, sobald Sie es konnten… Ihre Schuld ist begleichen.“
Er hörte Snape schlucken, der sich für einige weitere Momente nicht bewegte.
„Kommst du nach?“, hauchte er schließlich. Harry nickte sachte.
„Ich gebe mir Mühe“, versprach er.
„Schaffst du es allein?“ Plötzlich schien er daran zu zweifeln, ob es so gut gewesen war, dass sie hierhergekommen waren und er selbst als erstes zurückkehren würde und zugegeben war sich Harry nicht sicher, ob er den Weg allein bestreiten könnte… Dennoch nickte er.
„Geben Sie mir nur etwas Zeit“, bat er, verkniffen lächelnd.
„So viel zu brauchst“, versprach er und drückte ihn noch einmal ganz fest.

Zuzusehen, wie Snape sich löste, neben seinen Körper trat und sich dann einfach auflöste war zugegeben beängstigend. Hier allein zu sein… war schlimm. Ohne den Halt des warmen Körpers neben sich, war der Drang aufzugeben, und einfach auf den Boden zu sinken, sehr groß. Am Ende… war er wieder allein. Er atmete mehrfach tief durch und wendete sich vorsichtig ab. Er hatte es versprochen, also musste er es auch tun. Langsam und vorsichtig, sich an der Wand des Bootshauses abstützend, schleifte er sich voran, viel mehr seitlich gehend, damit er den Kontakt zur stabilen Wand nicht verlor, denn ansonsten, da war er sich sicher, würde er einfach fallen. Sein linkes Bein pochte unaufhörlich, brannte und machte den Wunsch nach einer kurzen Pause unglaublich stark. Aber er war ja so schon unglaublich langsam unterwegs. Wenn er sich jetzt noch ausruhte… Wie viel Zeit blieb einem denn? Hier? Konnte er es überhaupt noch schaffen? Er musste es wenigstens versuchen.
Wenn er es am Ende nicht schaffte, dann konnte er nur darauf hoffen, dass seine Mutter, sein Vater, Sirius und Remus ihn in Empfang nahmen. Vielleicht würde er sogar Cedric wiedersehen? Aber das waren die Toten und wenn er in seinem Leben etwas gelernt hatte, dann das man für die Lebenden kämpfen musste.
Stur und doch am Ende der Kräfte, stieß er sich von der Wand ab und taumelte hinüber zur Treppe, die leider weder eine Wand noch ein Geländer als Halt bot. Entsprechend knallte er einfach auf die Stufen und stöhnte rau auf. Weiter. Er musste einfach nur weiter. Es musste nicht schön aussehen, es musste nicht schnell gehen, aber er musste weiter. Auf allen Vieren, wobei er versuchte, sein linkes Bein nicht so sehr zu belasten, robbte er regelrecht die verfluchte, gewundene Treppe hinauf. Snape wartete und er hatte keine Vorstellung davon, wie viel Zeit wirklich verging.
Und dann kam ihm ein Gedanke, der ihn hätte rennen lassen, hätte er es nur gekonnt – niemand wusste, dass Snape kein Verräter war. Wenn ihn jemand sah, würden sie ihn inhaftieren oder, noch schlimmer, einfach umbringen. Plötzlich war ihm sein Bein gar nicht mehr so wichtig und er gab sich Mühe, die Knie Stufe für Stufe höher zu ziehen. Wie viele verdammte Stufen waren das nur?!
Er keuchte vor Anstrengung und Schmerz, Schweißperlen tropften von seiner Nase und er war sich immer noch nicht sicher, ob irgendetwas von alle dem überhaupt real war. Vor allem, weil er jetzt irgendwie wieder das Gefühl hatte, sich auf Snape zu zubewegen, und der sollte eigentlich gar nicht mehr hier sein, nicht? Vielleicht war es nur seine Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte.
Endlich war er oben und rappelte sich auf, auf den Füßen am Ende doch noch etwas schneller unterwegs als auf den Knien, stützte sich an der Brüstung ab und überquerte den Durchgang zum Uhrenhof.
„Nein! Er lebt!“
Das war Snapes Stimme, die zu ihm herüberwehte, von ewig fern, wie es klang. Aber warum hörte er ihn überhaupt?
„Sie können ihn nicht mitnehmen! Er lebt! Lassen Sie mich!“
Es war eindeutig Snape und er steckte in Schwierigkeiten, auch wenn er keine Erwiderung hörte. Harry beeilte sich, was nur dafür sorgte, dass er am Ende stolperte und auf seinen Körper, zu dem er nun wirklich ganz unbedingt wollte, zu krabbelte wie ein kleines Kind.
„Das werde ich nicht tun, Harry kennt die Wahrheit.“
Oh ja, er kannte die Wahrheit. Er mochte halbblind sein und geschlagen, kaum mehr einen Muskel rühren können, aber er kannte die verdammte Wahrheit. Mit einem Aufschrei seiner letzten Kräfte, warf er sich seinem Körper entgegen, mit den sicheren Fingern eines Suchers seine eigene Hand umklammernd.

Im nächsten Moment wurde er von einem derart schmerzhaften Hustenkrampf geschüttelt, dass er sich sicher war, jetzt doch zu sterben.
„Harry!“
„Harry?“
„Harry!“
Dutzendfach erklang sein Name, aber nur eine der Stimmen zählte in diesem Moment.
„Harry…“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte er zu dem Mann hinauf, der mit gezogenem Zauberstab über ihm hockte.
„Gehen Sie von ihm weg, Snape!“
In seinem Kopf purzelten verschiedene Gesichter übereinander, zu denen die Stimme passen könnte, aber im Grunde war es auch egal. Er gab sich alle Mühe, die Hand zu heben, die Snape sofort, ohne zu zögern, ergriff, und drückte so fest zu, wie er konnte. Im gleichen Moment ließ Snape den Zauberstab sinken, was Harry für sehr dumm hielt, wo ihm doch offensichtlich einige Leute ans Leder wollten.
„Nicht… schuldig“, brachte er irgendwie hervor, was Snape beinahe so etwas wie ein Schmunzeln abverlangte.
„Was soll das heißen, nicht schuldig?“, fragte Kingsley mit seiner einfach immer ruhigen, tragenden Stimme und gleich darauf tauchte auch sein Gesicht über Harry auf. Leider auch sein Zauberstab, den er auf Snape gerichtet hatte.
Harry versuchte tief durchzuatmen, um zu antworten, leider brachte ihn das direkt zum nächsten Hustenanfall und ließ den Geschmack von Blut in seinen Mund aufsteigen.
„Er muss ins Krankenhaus! Über alles Weitere kann auch später noch diskutiert werden“, legte McGonagalls erschöpfte aber dennoch strenge Stimme fest. Krankenhaus, ja. Das wäre vielleicht keine dumme Idee.
„Na schön, Snape wir bringen Sie nach Askaban, bis-“
„Nein“, keuchte Harry atemlos. Er umklammerte Snapes Hand so fest es nur ging mit seinen Fingern, auch wenn er wirklich nicht wusste, woher er die Kraft überhaupt noch nahm. Wenn er Snape nicht losließ, konnten sie ihn nicht wegbringen, richtig?
„Mister Potter“, setzte Kingsley versöhnlich an.
„Nein“, widersprach Harry jedoch sofort und warf den Kopf hin und her. Kingsley seufzte.
„Schön, würden Sie mir Ihren Zauberstab überreichen?“, bat er nun Snape, der, ohne zu zögern, den Stab hergab, was Harry umgehend Bauchschmerzen bereitete.
„Schon gut, mach dir keine Sorgen“, wendete er sich furchtbar rau, aber ruhig an Harry und hob bewusst einen Mundwinkel. „Jetzt sind andere dran mit aufpassen.“
Damit hatte Snape ganz bestimmt Recht. Er hatte getan, was er konnte. Vielleicht sogar mehr und musste wohl kein schlechtes Gewissen haben, wenn er die Augen für ein paar Minuten zumachte. Nicht, dass er eine andere Wahl hätte – seine Sorge reichte nicht mehr, um die Erschöpfung zu verdrängen…

Wie lang die paar Minuten wirklich geworden waren, konnte er am Ende nur raten. Alles, was er beim Aufwachen wusste, war, dass ihm warm war und das allein unterschied sich so krass von den letzten Monaten, dass er gar nicht weiter aufwachen wollte. Er kuschelte sich gegen den warmen Körper und nahm sich ein paar Momente, um zu rekapitulieren.
Voldemort war tot. Das hatte er nicht nur geträumt, richtig? Er hatte sich in kleinen Staubpartikel aufgelöst und war davon geweht. Igitt, am Ende war er wirklich unsterblich, weil sie alle einen Teil von ihm eingeatmet hatten. Der Gedanke war abstoßend und er ließ ihn wieder fallen.
Danach? Snape. Blöderweise war das, woran er sich erinnerte, dermaßen absurd, dass er sich nicht sicher war, ob es wirklich passiert war. Also musste er sich doch mit seiner Umwelt auseinandersetzen, denn wenn er mal ehrlich war, machte es im Moment überhaupt gar keinen Sinn, dass irgendjemand ihn festhielt… und da er sich an diesen irgendjemanden klammerte…
Er atmete tief durch, was ihm nur noch wenig Schmerzen bereitete, öffnete die Augen und zog sich leicht zurück. Tatsächlich. Snape. Verblüfft blinzelte er zu ihm hoch.
Der Tränkemeister war wach und schien sich reichlich über Harrys Blick zu amüsieren.
„Was ist passiert?“ Oh Merlin, seine eigene Stimme klang ganz rau, er knarzte die Worte eher hervor.
„Erinnerst du dich nicht?“ Sein Blick huschte zur Seite und Harrys nahm an, dass sie nicht allein im Raum waren. Vermutlich mussten die Auroren ihn bewachen, nicht? Das würde wohl nur Sinn machen. Snape ließ einen Becher erscheinen und half ihm, ein wenig Wasser zu trinken, wofür er wirklich dankbar war, auch wenn er sich dazu etwas zurücklehnen musste und das trieb einen unangenehmen Schmerz durch seinen Rücken.
Als der Becher wieder verschwand musste er erst einmal durchatmen.
„Doch, ich meine… danach.“ Wenn nichts Kurioses, Merkwürdiges passiert wäre, könnte er es auch vor den Auroren sagen, nicht? Er tat es nicht, also…
„Sie haben uns hergebracht… die Heiler wollten, dass du mich loslässt, damit sie dich operieren können, aber du hast mich so sehr festgehalten, dass sie einem von uns den Arm hätten brechen müssen… vernehmlich dir. Davon haben sie dann abgesehen. Entsprechend war es etwas umständlich, dich zu versorgen und ich bin einfach vom Operationssaal bis hierher neben dir hergelaufen“, erklärte er ruhig und ohne Eile. Harry wurde unweigerlich rot und räusperte sich.
„Die Auroren meinten, nachdem wir ja nun beide versorgt wären, sei es besser, dass du hier deine Ruhe hast und sie mich…. verlegen. Seitdem machst du das Klammeräffchen“, fügte er belustigt an. Snape belustigt zu sehen, half ein bisschen über die heiße Scham hinweg, die sich seinen Hals hinauf brannte.
„Ich war gar nicht wach“, murmelte er.
„Nicht, dass dich das jemals an etwas gehindert hätte.“
Na gut, so betrachtet…
„Wir halten es auch immer noch für angebracht, Mister Snape zu verlegen, Mister Potter“, meldete sich irgendeine ihm unbekannte Stimme aus dem Hintergrund. Und schnappt, umklammerte er Snape wieder wie ein Niffler den Goldschatz. Ups.
„Ah… schlechte Karten, Proudfood“, gab Snape zurück, noch immer amüsiert klingend. Der Auror schnaufte vernehmlich.
Blöderweise trieb das Klammern einen richtig unangenehmen Schmerz durch seinen Rücken und er keuchte leise.
„Leg dich so hin, dass du keine Schmerzen hast, Harry…“ Ah, seinen Befehlston hatte Snape also doch nicht so ganz verloren. Aber das war nicht schlimm, er konnte das, wie immer, einfach ignorieren.
„Haben die Sie auch behandelt?“, fragte er stattdessen.
„Ja, wobei dank deines Diptam-Überfalls nicht viel zu tun blieb. Die Ruhe hat gut geholfen“, versicherte er.
„Wie lange habe ich geschlafen?“
„Ungefähr zwei Tage.“
Harry stieß die Luft aus. Nach alle dem? Also er hätte eher mit zwei Wochen gerechnet!
„Wie… geht es den anderen?“, fragte er endlich.
„Miss Granger und Mister Weasley geht es gut genug, als dass sie schon zwei Mal versucht haben, hier einzubrechen. Vom Rest weiß ich nicht viel.“
Harry nickte sachte. Das waren zumindest beruhigende Nachrichten und den Rest musste er wohl einfach abwarten. Er schloss die Augen einen Moment und sammelte sich.
„Dann… wird es wohl Zeit, endlich alles aufzuklären, nicht? Damit Sie endlich in Ruhe gelassen werden.“
Jetzt schwieg Snape für eine Weile.
„Das kommt ganz darauf an, ob… du mich dann auch in Ruhe lässt“, murmelte er nach einigen Augenblicken.
Harry zog den Kopf wieder etwas zurück und sah zu ihm hoch. Der Tränkemeister sah ganz ernst aus jetzt.
„Nein“, legte Harry kurzentschlossen fest. „Wie kommen Sie denn auf die blöde Idee? Es macht viel zu viel Spaß, Ihnen auf den Zeiger zu gehen“, versprach er und dass Snape erneut schmunzelte… bestätigte diese Entscheidung wohl.

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Nur etwas kurzes für Zwischendurch, was ich eigentlich auch nur poste, weil ich immer nicht weiß, wie ich euch gesammelt erreichen soll und ausnahmsweise darauf vertraue, dass wenigstens ein paar von euch eine Benachrichtung bekommen, wenn ich etwas Neues hochlade.

Wie auch auf meinem Profil gestern schon öffentlich gemacht, kann ich euch für die nächsten Wochen keinen Upload bei meinen Hauptgeschichten garantieren, da es mir die Dinge, die gerade in meinem Leben passieren, beinah unmöglich machen, etwas Sinnvolles aufs Papier zu bringen.

Für beide Zwei-Leben-Geschichten liegen genug Kapitel bis ins neue Jahr vor, für alles andere habe ich quasi nichts mehr im Vorlauf. Es kann natürlich passieren, dass mir zwischendurch etwas aus den Fingern fällt, aber das will ich auf keinen Fall versprechen. Es tut mir gerade für meine regelmäßigen Leser unglaublich leid, weil ich weiß, dass ihr wartet... aber ich kann es leider nicht ändern. Ich verspreche aber, weiterhin auf alle Reviews und Nachrichten zu antworten!

Ich bedanke mich daher für euren Support bis hierher und verspreche, dass ihr irgendwann wieder von mir hören werdet, vielleicht ja früher als gedacht, aber... ich verspreche es eben nicht.

Danke für euer Verständnis und stattdessen viel "Spaß" mit diesem doch etwas düsteren One-Shot, der mir irgendwann mal spät in der Nacht aus den Finger gekullert kam.

Hoffentlich bis bald!
Eure Eno
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