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N'Aimless - Das Geheimnis des Splitters

von Jessi Li
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Elben & Elfen
23.11.2022
28.11.2022
4
4.159
 
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24.11.2022 821
 
Und hier kommt auch schon das zweite Kapitel, ich werd jetzt einfach jeden Tag eins hochladen^^

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Zweiter Splitter

Sich in seiner Katzenform an Soldat Row zu heften war eine mega Idee gewesen, fand Spike Codac. Der einzige Elf auf ganz N‘Aimless zu sein, der sich in eine flauschige Katze verwandeln konnte, hatte den Vorteil, dass man die am besten ausgebildeten Soldaten ohne Sorgen beschatten konnte. Aber auch wenn der Fluch für solche Situationen ein echtes Ass im Ärmel – oder sollte er Pfote sagen? – war, eine Hexe der Wilden Wüste würde er nicht noch einmal provozieren. Die Verwandlung von Elf zu Tier und wieder zurück war jedes Mal aufs Neue eine schmerzvolle Prozedur.
Sobald Row mit diesem Schnösel von General gesprochen hatte, machte sich Spike still und leise vom Acker. Er lief in Richtung Dorf und versteckte sich hinter einer Hausecke. Dann verwandelte er sich.
Während der Verwandlung ging ihm einiges durch den Kopf. So hatte er sich zum Beispiel nur für eine kurze Zeit an Row geheftet, doch der Soldat würde ihm die nächsten Tage trotzdem abgehen. Ein breites Grinsen schlich sich auf Spikes sommersprossiges Gesicht. Es machte Spaß, den Bastard in seinem Alltag zu beobachten. Dass er den Dosenfisch nicht gegessen hatte, hatte den Soldaten völlig aus der Bahn geworfen. Dabei waren Bastarde bekannt für ihre Gefühlslosigkeit, die sie anderen Nationen entgegenbrachten. Nur Row, der war irgendwie anders. Spike konnte allerdings nicht sagen, woran es lag.
Nach seiner Verwandlung lehnte er sich – nur in Jeans und Schuhen – lässig an die Hauswand. Obwohl er die letzten Jahre auf dem heißesten Kontinent von N’Aimless verbracht hatte, Hion, machte ihm die spätherbstliche Kälte in Kashara nichts aus. Außerdem liebte er es, seinen durchtrainierten Körper – und seine schicken Tattoos – zur Schau zu stellen. Auch wenn gerade niemand da war. Egal.
„Dann geb‘ ich mal besser Adria Bescheid“, murmelte Spike und zog ein Handy hervor. Es dauerte nicht lange, da war er mit der gläsernen Königin verbunden.
„Hey Adria!“, rief Spike überschwänglich in den Hörer, bevor ihm der Gedanke kam, dass er vielleicht doch eine Spur leiser reden sollte, wollte er nicht entdeckt werden. „Ich habe den Leutnant gefunden, liegt tot in irgendeinem Kaff. Spike Codac hat wieder einmal einen Auftrag erfolgreich abgeschlossen!“
„Dafür, dass du einen toten Leutnant gefunden hast, klingst du viel zu fröhlich, Spike. Wie ist er gestorben? Und was ist mit der Karte?“
Spike runzelte gespielt die Stirn und schlug einen ernsteren Ton an.
„Aber Adria, wer sagt denn, dass ich fröhlich bin? Ich bin zutiefst erschüttert über diesen Fund. Der Kerl hat sich erschossen – wie es die alten Riten der Bastarde vorschreiben, wenn man seine Aufgabe nicht erfüllt. Ganz ehrlich Adria, wieso sollte ich über einen vergreisten Kommandanten trauern, der sich umbringt, nur weil ihm eine dumme Karte gestohlen wurde?“
„Spike!“ Angesprochener zog bei dem scharfen Tonfall die Schultern hoch. „Das ist nicht lustig. Diese Karte ist äußerst wichtig, ebenso wie jedes einzelne Leben dieses Planeten.“ Ein tiefer Atemzug klang durch die Leitung. „Ich weiß, du kannst Bastarde nicht ausstehen. Aber du könntest wenigstens so tun, als ginge dir der Tod eines Leutnants nahe. Er hat bestimmt eine Familie, die Zuhause auf ihn wartet. Was wenn Nye so etwas passieren würde? Würdest du den Tod deiner Schwester spaßig finden, nur weil ihr eine dumme Karte gestohlen wurde?“
„Nye würde nicht an solche Riten glauben, das ist was anderes.“ Dennoch lief ihm ein Schauer über den Rücken beim Gedanken an Nye, die mit einem Loch in der Brust dalag. Natürlich würde er das nicht spaßig finden. Aber das mit dem Bastard war wirklich etwas anderes, nur wegen einer trauernden Familie würde er nicht seinen Groll gegen diese widerliche Nation verlieren.
„Spike? Bist du noch da?“
Er schluckte seine Wut hinunter.
„Ich sollte mich auf den Weg zu dir machen, Generalis hat ein Team geschickt. Ich hau lieber ab, bevor mich einer von denen findet. Außerdem: Row bekommt einen neuen Kollegen, ich will nicht zu spät kommen, wenn sie auf Lom aufkreuzen.“ Eine kurze Stille vom anderen Ende zeigte, dass Adria der Themenwechsel aufgefallen war.
„So wie ich dich kenne, wirst du per Seeweg reisen?“
„Ich setze keinen Fuß auf ein Raumschiff der Bastarde.“
„Du verbringst lieber zwei Wochen auf See, als ein paar Stunden in einer Heywood zu sitzen, nur weil du eine Elfenrasse nicht magst?“
„Heywood 387 … 873 … 738? Na, wie auch immer die heißen, ich trau den Dingern nicht. Und noch weniger trau ich diesem hochnäsigen Volk. Nur weil sie in einem riesigen Raumschiff im Weltall leben – das sie ironischerweise Bastard getauft haben – heißt das nicht, dass sie auf uns herabblicken müssen. Wieso konnten wir nicht bei den guten alten Flugzeugen der Menschen bleiben?“ Spikes Stimme nahm einen geradezu jammernden Tonfall an.
„Weil sie schlecht für den Planeten waren, deshalb. Eine Heywood 877 ist viel effizienter und um Längen schneller. Aber wie du willst, dann sehen wir uns in zwei Wochen.“

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Ich freu mich über eure Gedanken^^
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