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Another Love - Liebe auf Klassenfahrt [Juzo]

von Shainoon
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Julien Bam rezo
23.11.2022
29.11.2022
8
9.155
2
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23.11.2022 1.118
 
[Ich habe das Lied in einer Acoustic Version rausgesucht, hier der LINK
Wenn ihr es anmacht und anfangt zu lesen, sollte es sogar zeitlich passen :P]
_______



Die Schüler bringen ihre Sachen in ihre Zimmer, während ich noch immer wie angewurzelt am selben Platz stehe. Nein, bitte nicht. Ich will das nicht. Jetzt habe ich also nicht einmal nachts Ruhe vor dem ganzen Mobbing?
»Wann fahren wir zur Basteibrücke?«, frage ich Herrn Krämer, als dieser sich bereits auf den Weg zu den Zimmern machen will.
»Das war für Donnerstag geplant«, antwortet mir mein Lehrer. »Ich wusste gar nicht, dass du dich für Architektur interessierst.«
Heute Ist erst Montag. Also noch 3 Tage.
Ich setze ein falsches Lächeln auf. »Oh doch, schon ein wenig.«
Damit drehe ich mich um und gehe. Gut gelogen, Rezo.
Ich schnappe meine Tasche und gehe zum Zimmer.
Da höre ich sie schon.
»Ach du scheiße, jetzt musst du auch noch mit der Schwuchtel in einem Bett schlafen«, lacht Rewi laut.
»Man, du tust mir echt leid«, fügt Bao hinzu.

Ich spüre einen leichten Anflug von Wut, schlucke sie jedoch runter, als ich das Zimmer betrete.
Es gibt tatsächlich nur ein Doppelbett hier.
Ich lasse meine Tasche auf den Boden sinken, während alle Augen auf mich gerichtet sind.
»Kein Problem, ich schlaf hier unten«, sage ich so leise, dass ich nicht sicher bin, ob sie mich hören. Dann schnappe ich mir Kissen und Decke von dem Bett und lege sie auf der anderen Seite des Zimmers am Boden.
Rewi lacht.
»Ja da gehörst du auch hin, Köter haben im Bett nichts zu suchen«, lacht Joon und gibt sich ein High Five mit Bao.
Warum ist das Leben so zu mir?
Ju lacht zwar auch, sagt aber nichts weiter, als er seine Tasche aufs Bett wirft.
» Komm Digga, lass uns rüber gehen, da haben wir unsere Ruhe«, sagt Bao dann und die Vier verlassen das Zimmer.



Ju:
Wir haben den ersten Tag Freizeit, also beschließen die Jungs und ich, in die Disco zu gehen.
Der Abend verläuft echt gut und wir haben viel Spaß und auch einiges getrunken. Doch irgendwann bekomme ich Kopfschmerzen, also kämpfe ich mich durch die Tanzfläche zu Rewi.
»Ich geh schonmal zurück«, rufe ich ihm über die laute Musik hinweg zu. »Ich hab miese Kopfschmerzen«
»Weichling«, gibt Rewi grinsend zurück. Er meint das nicht so, wir sprechen immer so miteinander, daher lache ich nur und verlasse die Disco.
Schade eigentlich, ich habe noch kein Girl gefunden, das mir gefällt. Vielleicht morgen.
Bei der Jugendherberge angekommen fällt mein Blick das erste Mal seit Stunden wieder auf die Uhr. Wow, schon nach 22 Uhr. Zum Glück ist unser Lehrer aber relativ entspannt, was die Zeiten angeht. Normalerweise wäre längst Nachtruhe, aber er hat uns erlaubt in die Disco zu gehen, wenn wir zumindest hier drin leise sind, sobald wir zurückkommen.
Ich öffne leise das Zimmer, doch als ich das Licht einschalte, ist der Platz am Boden leer. Rezo ist gar nicht hier. Ist der etwa auch feiern gegangen? Nein, das kann ich mir bei dem nicht vorstellen. Ist mir auch egal, was mache ich mir überhaupt Gedanken um ihn?
Ich schüttle den Kopf und verlasse das Zimmer wieder. Wo war doch gleich der Essensraum? Mein Magen knurrt, da wir vor dem Abendessen bereits feiern gegangen sind. Bestimmt gibt es dort noch eine Kleinigkeit.
Langsam schlendere ich den Gang entlang, an den Gemeinschaftsräumen vorbei, als ich dort Geräusche höre. Spielt da jemand Gitarre?
Ich bleibe stehen und lausche den sanften Klängen der Gitarre aus dem Inneren des Raumes. Leise öffne ich die Tür und entdecke tatsächlich Rezo, der mit dem Rücken zu mir gewandt auf einen der Stühle sitzt und spielt.

»I'm a creep, I'm a weirdo, What the hell am I doin' here, I don't belong here«, singt er leise, den Refrain vom bekannten Song Creep von Radiohead. Doch statt direkt loszulachen, höre ich ihm weiter zu. Seine Musik zieht mich direkt in den Bann.
Und Rezo hat eine wahnsinnig gute Stimme, das hätte ich gar nicht von ihm erwartet.
»I don't care if it hurts, I wanna have control, and I want a perfect body, and I want a perfect soul, I want you to notice, When I'm not around«, singt er mit einer unglaublich angenehmen leicht rauen Stimme weiter und ich bekomme eine Gänsehaut am ganzen Körper. Ich halte unwillkürlich den Atem an, um jeden Ton in mich aufzusaugen und abzuspeichern. Es ist überwältigend!
Total geflasht schließe ich die Tür ein wenig zu laut, denn er zuckt zusammen und hört direkt auf zu spielen. Schade.



Rezo:
Die Musik erfüllt mich und rettet mir augenblicklich den Tag.
Warum ich gerade dieses Lied spiele, weiß ich gar nicht. Wahrscheinlich, weil es meine aktuelle Situation so gut beschreibt? Ich bin so in die Musik versunken, dass ich gar nicht mitbekommen habe, dass ich nicht alleine bin.
Als ich das Klicken der Tür höre zucke ich zusammen und drehe mich um.
Oh nein. Julien.
Ich erstarre förmlich und erwarte, dass er mich auslacht oder irgendwas spöttisches von sich gibt. Doch sein Gesicht ist eher von ... Faszination ... geprägt? Nein, bestimmt nicht.
Er räuspert sich und tritt einen Schritt näher, was mich direkt ein wenig zusammenzucken lässt.
»Tschuldige«, sagt er mit rauer Stimme. »Ich wollte dich nicht unterbrechen.«
»Ähm... kein Problem«, gebe ich mit etwas zittriger Stimme zurück und stelle die Gitarre an mein Bein gelehnt ab.
»Du... bist echt gut«, sagt Ju dann zu meiner Überraschung. Er scheint mir die Skepsis anzusehen. »Nein wirklich, du spielst echt gut und hast... eine mega Singstimme.«
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ist das ein Prank? Warten irgendwo seine Kumpels, um mich gleich fertig zu machen?
Mein Blick wandert suchend den Raum ab, was er zu bemerken scheint.
»Ich bin allein« beantwortet er meine ungestellte Frage und kommt noch näher. Seine Haare sind ganz zerzaust, er hat bestimmt einen harten Abend hinter sich. Aber es steht ihm...
Den Gedanken verdränge ich direkt, so sollte ich absolut nicht von ihm denken.

»Würdest du weiterspielen?«, fragt mich Ju dann erstaunlicher Weise. Meint er das ernst?
»Ich. äh«, stottere ich. Ich bekomme schwitzige Hände, fühle mich etwas unwohl.
Er sieht mich an, als würde er mich analysieren wollen, dann winkt er ab.
»Vielleicht sollten wir schlafen gehen aber ich möchte dich irgendwann nochmal singen hören«, sagt er dann lässig. Ich schlucke. Hat er mir meine Beklommenheit angesehen? Bestimmt.
Stumm nicke ich und lege die Gitarre zurück an seinen Platz. Ich habe sie bereits bei der Begehung der Herberge entdeckt. Bis dato wusste ich nicht, dass sie hier ein Klavier und eine Gitarre besitzen, es rettet mir die wohl die Klassenfahrt.
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