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Schmutzige Straßen

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
23.11.2022
25.11.2022
6
5.674
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24.11.2022 790
 
Ich blinzelte nach oben. Blickte am aufgerissenen Schlund dieser Bestie in den wolkenlosen Himmel. Noch bevor mich endgültig die Panik erfassen konnte zog jemand die geifernde Bestie aus meinem Blickfeld.
“Alles in Ordnung”, hörte ich jemanden fragen. “Ich weiß nicht”, antwortete ich. Jemand ries mich in die Höhe. Entgegen meiner Vermutung schaffte ich es doch mich auf beiden Beinen zu halten.

“Diese Weiber sind ganz schön fies”, stellte der Kerl fest der mich scheinbar gerettet hatte.
Ein Kerl mit Bomberjacke und kahl rasiertem Schädel. Er lachte nur heißer. Mit der von mir abgewandten Hand hielt er eine Leine an dessen Ende ein hechelnder Pitbull saß. Der Hund wirkte ganz friedlich.
Eine junge Frau mit kurzen blonden Haaren wirkte da schon aufgeregter. Sie keifte den weglaufenden Mädchen rassistische Flüche hinterher. Auch sie hielt einen Pitbull an der Leine der jedoch deutlich aggressiver reagierte indem er sich verzweifelt versuchte loszureißen.
Der glatzköpfige Typ schaute seiner Freundin nur amüsiert zu. Ich hingegen betrachtete den Hund vor meinen Füßen. Er gähnte. Der Typ grinste als er mich dabei beobachtete wie ich mich scheinbar über seinen Köter wunderte.

“Der gute alte Flecki”, sagte er nur. In Wirklichkeit interessierte ich mich eigentlich für nichts weniger als den Hund. Mich interessierte viel eher wer er war und was seine Tussi für eine Macke hatte. Ich war irgendwie dankbar, daß mich die drei durchgeknallten Weiber nicht totgeschlagen hatten aber irgendwie störte es mich, dass ausgerechnet ein Nazi-Pärchen mich gerettet hatte. Alles schön und gut, danke an euch, beim nächsten Mal pass ich besser auf, hab meine Lektion gelernt. All das hätte ich jetzt sagen können um möglichst schnell von hier wegzukommen. Aber aus meinem Mund kam nichts. Ich stand noch unter den Eindrücken von eben.
Als die drei Mädchen irgendwo in den enger werdenden Gassen verschwunden waren, kam die blonde Frau mit ihrem aggressiven Pitbull-Mischling zurück. Sie musste das Vieh ganz schön bändigen denn es war im Blutrausch und wollte an mir hochspringen. Der Glatzkopf lachte wieder nur als ich todesängstlich versuchte den Hund abzuwehren.

“Ich hasse dieses Gesocks”, sagte die junge Frau während sie schwer damit beschäftigt war den Hund wieder unter Kontrolle zu bringen. Ich machte ein paar Schritte zurück.

“Ich gehe dann mal”, sagte ich und lief einfach los.
Ich konnte mir ihre dummen Gesichter lebhaft vorstellen als ich mich einfach so umdrehte und wegging. Ich drehte mich auch nicht um und ich hörte auch nicht das sie noch irgendetwas zu mir sagten oder mir noch irgendetwas nachriefen. Der Hund aber bellte noch eine Weile wie verrückt.

Als ich um die nächste Ecke war hielt ich für einen Augenblick inne. Jetzt spürte ich die Schmerzen an jeder Stelle meines Körpers. Ich versuchte mich zu recken, aber es wurde dadurch nur noch viel schlimmer. Dann, völlig unerwartet, kotzte ich vor meine eigene Füße. Ich schleppte mich zu einem Spielplatz, setzte mich auf eine Bank. Hier begutachtete ich meine blauen und roten Blutergüsse. Noch mehr schmerzte nur die Demütigung. Es kam jetzt alles wellenartig auf mich zu. Der Spielplatz war leer. In dem angrenzenden Käfig spielten ein paar Jugendliche Fussball. Sie waren aber zu weit weg um mich wahr zu nehmen.
Ich drehte mir einen Joint und begann zu rauchen. Ich inhalierte tief und die Schmerzen verblassten langsam. Die Kids kickten den Ball über den Zaun. Er sprang ein paar mal auf und rollte zu meinen Füßen. Ich rührte mich nicht. Einer der Jugendlichen kam rübergelaufen. Nachdem er den Ball aufghoben hatte blieb er vor mir stehen. Ich schaute den Jungen an in seinem blassblauen Hoody.

“Was ist?” fragte ich.

“Kann ich mal ziehen?” fragte er mich. Ich schüttelte mit dem Kopf.

“Hast du Geld?”
Der Junge schüttelte mit dem Kopf.

“Wenn ja, kann ich dir nen Fuffy verkaufen. Wenn nicht, dann verschwinde.”

Dann krämpelte ich meine Hose hoch und massierte meine Wunden.

“Sieht krass aus”, sagte der Junge.

“Was interessierts dich, hau ab.”
Er klemmte sich den Ball unter den Arm.

“Ich kenne dich”, sagte er zu mir.

“Aso?” murmelte ich desinteressiert.

“Du wohnst da drüben.”

“Na wenn schon”, sagte ich.

“Der ganze Block gehört zu Bezirk 8. Mein Bruder kümmert sich um die da was verkaufen wollen.”

“Ich habe keine Ahnung was du von mir willst” sagte ich genervt.

“Wenn du was auf der Straße verkaufen willst musst du mit meinem Bruder reden. Das ist alles.”
Dann drehte sich der Junge um und ging zurück zu den wartenden Kids.
Ich dachte nicht groß über das nach was ich gerade gehört hatte. Ich blieb noch eine Weile sitzen.
Irgendwann zog der Himmel zu, es begann zu regnen. Die Jugendlichen stoben auseinander, der Käfig war auf einmal leer und still. Ich stand auf und humpelte langsam durch den immer heftiger werdenden Regen nach Hause.
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