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Der letzte Sturm

von Mohrfell
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Arianne Martell Arya Stark Daenerys "Dany" Targaryen Jon Schnee Margaery Tyrell Robb Stark
19.11.2022
27.01.2023
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27.11.2022 4.359
 
Greifenhorst lag vor ihnen wie eine reife Frucht. Und Gil Steinern war entschlossen, sie sich zu nehmen. Gemeinsam mit zweitausend Männern der goldenen Kompanie stand er in den nebeligen Wäldern, die die kleine Burg umgaben.
Aufmerksam beobachtete Gil Steinern, der Generalhauptmann der Goldenen Kompanie, die Festung. Greifenhorst war auf einer hohen Klippe aus rotem Fels erbaut worden und wurde von drei Seiten vom Meer umgeben. Nur eine schmale Landzunge, die Greifenkehle, bot einen sicheren Zugang. Doch das Torhaus war geschlossen und gut befestigt.
Wachposten hielten den Waldrand im Auge und hatten die Hände an ihren Waffen. Greifenhorst war zwar nicht uneinnehmbar, aber schwer zugänglich. Die Greifenkehle war lang und schmal. Schwierig. Doch nicht unmöglich.
Gil Steinern umklammerte den Griff seines Schwertes. Waisenmacher. Die uralte Klinge aus Valyrischem Stahl, die während des Drachentanzes in den Besitzt von Haus Gipfel gekommen war. Er hatte sie sich zurück geholt und war dafür aus den Sieben Königslanden verbannt worden. Und nun stand er wieder in Westeros, um diese Burg für seine Königin zu erobern.
Seine Männer standen hinter ihm, bereit für den Kampf.
Einhundert Ritter zu Pferd. Zweihundert Bogenschützen. Der Rest waren einfache Waffenknechte, die den goldene Schild der Kompanie trugen.
„Generalhauptmann.“, Rolly Entenfeld, ein rotbärtiger Ritter, stellte sich neben ihn. „Wenn wir noch länger warten, dann werden wir entdeckt.“
„Ich weiß, dass es riskant ist, Rolly. Doch wir warten auf das Signal.“, beharrte Gil. „Die Männer der Kompanie sind disziplinierte Soldaten. Sie werden warten.“
Zu seinem Glück wurde die Geduld der Männer nicht lange auf die Probe gestellt. Als die Sonne ihren Höhepunkt erreichte, verdunkelte ein Schatten ihr Licht. Der Drache war eingetroffen.
Gil Steinern zog Waisenmacher. Der Valyrische Stahl funkelte, begierig auf einen Kampf. Und Gil Steinern ging es genauso. Er gierte auf den Kampf.
Viserion stieß hinab und hüllte das Torhaus in goldene Flammen. Die Besatzung schrie auf, während sie lebendig verbrannten. Der Drache drehte eine Runde über der Greifenkehle und spie, erneut Feuer. Dieses mal zerstörten seine Flammen das Tor.
Gil hob sein Schwert. „Angriff!“, brüllte er.
Die Männer der Golden Kompanie griffen sein Brüllen auf und stürmten los.
Gil war der Erste, der durch das brennende Torhaus sprang. Der Lärm der Männer, die mit klirrenden Waffen hinter ihm her liefen, war wie Musik für ihn.
Sie hatten die Hälfte der Greifenkehle bereits hinter sich gebracht, als das erste Kriegshorn ertönte. Zu spät. Zu spät, dachte Gil Steinern triumphierend. Zwei Raben flogen los, doch die Bogenschützen schossen sie ab, ehe sie auch nur hundert Meter weit flogen. Gil drückte sich in den Schatten der Ringmauer. Ein Kessel Öl, platzte neben ihm auf den Boden, doch das Öl war kalt. Die Verteidiger hatten keine Zeit gehabt, es zu erhitzen. Dem Öl folgten ein Regen aus Steine, Pfeile und Speere. Doch nur wenige trafen ihre Ziele.
Aegon Schwarzfeuer wendete seinen Drachen in der Luft und ließ ihn Feuer auf die Verteidiger speien. Die Gegenwehr hörte abrupt auf. „Los! Die Enterhaken!“, befahl Gil Steinern.
Ein Dutzend Haken flogen die Mauer hinauf. Gil packte das Seil und zog an ihm. Der Haken saß fest. Mit einem wilden Grinsen kletterte Gil hinauf.
Er war der erste auf der Mauer. Rolly Entenfeld, Ser Duncan Kraft und Jon Widersten folgten ihm.
Gil landete sicher auf der Mauer. Er zog Waisenmacher und sah sich nach seinen Gegnern um. Ein junger Waffenknecht rannte schreiend auf ihn zu und hieb mit einer Axt auf ihn ein. Gil wich aus, schwang Waisenmacher und schlug dem Mann den Kopf ab. Blut spritzte auf, als er zu Boden fiel. Gil starrte den Mann an. Das Blut floss aus dessen Hals und bedeckte den roten Stein. Gil fühlte die warmen Tropfen auf seinem Gesicht. Sein Herz begann wie wild zu schlagen. Sein Blick verengte sich. Er rannte los und seine Männer folgten ihm.
Die Verteidiger vom Greifenhorst waren in Panik und desorganisiert. Gil Steinern schlug zu, schnitt und hackte sich durch seine Gegner. Waisenmacher durchtrennte Kettenhemden und Körperteile ohne Mühe.
Gils Geist sang. Seine Muskeln brannten, doch es war ein angenehmes Brennen. Sein Körper bewegte sich in einem altbekannten Rhythmus. Er lebte für den Kampf. Nur wenn er auf dem Schlachtfeld Soldaten befehligte, fühlte er sich wirklich lebendig. Und wenn er bei seiner Frau und seinem Sohn war.
Viserion flog über sie hinweg und setzte das Dach des Hauptturms in Brand. Die Männer der Kompanie hatten mit ihrem Rammbock, das Tor zerstört und stürmten in den Innenhof. Einhundert Mann stellten sich ihnen entgegen. Gil setzte sich an die Spitze seiner Truppen. Einen Moment sahen sich die Verteidiger und die Angreifer an. Dann hob Ser Gil sein Schwert. „Angriff!“

Der Kampf dauerte nicht lange. Nach einer Stunde, ergaben sich die letzten Verteidiger. Gil Steinern beobachtete, wie die Burgbesatzung entwaffnet und gefangengenommen wurde. Es waren kaum mehr als dreißig überlebende Soldaten und zweihundert Bedienstete.
Auch den Herrn der Burg, Ser Ronnet Connington, hatte man gefangengenommen. Der Ritter vom Greifenhorst, gebärdete sich wie wild, als man ihn in Eisen legte. „Ich diene König Renly!“, brüllte der Mann. „Ihr könnt mich nicht zwingen! Haus Connington ist treu!“
„Ein grimmiger Feind, ein treuer Freund.“, murmelte Jon Widersten.
„Die Worte von Haus Connington. Ungewöhnlich passend.“, stimmte ihm Rolly Entenfeld zu.
Die beiden Kraft-Brüder, Duncan und Denys, kamen auf Gil zu. „Generalhauptmann. Wir haben die restlichen Conningtons in der Septe gefunden. Wo sollen wir sie hinbringen?“
„Bringt sie zu den Einwohner der Burg, auf den Hof. Wir lassen ihnen die Wahl.“, antwortete Gil Steinern.
„Die Wahl?“, fragte Duncan Kraft verwirrt.
„Entweder, sie schwören Königin Daenerys die Treue, oder sie werden eingekerkert.“, antwortete Ser Gil.
Nachdem man die Besatzung versammelt hatte, trat Gil vor. „Besatzung von Greifenhorst. Diese Burg ist nun im Besitz von Königin Daenerys Targaryen. Ihr habt nun die Wahl. Beugt das Knie und ihr könnt weiterhin eure Positionen behalten.“, verkündete er.
Einige beugten das Knie, die meisten jedoch nicht.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Jon Widersten. „Wir können sie nicht einfach umbringen?“
„Warte noch einen Moment.“, antwortet Gil Steinern.
Viserions Landung, ließ die Erde erbeben. Er baute sich vor den Gefangenen auf und als er brüllte, schien Greifenhorst in seinen Grundfesten zu erzittern.
Nun beugten auch der Rest vor Angst das Knie. Außer Ser Ronnet. Der Ritter vom Greifenhorst beugte sich nicht.
Gil lächelte. Das hatte er erwartet. Langsam zog er Waisenmacher. „Ser Ronnet. Im Namen von Königin Daenerys Targaryen verurteile ich euch zum Tode.“

Später versammelte er seine Männer in der Großen Halle von Greifenhorst.
Gil starte auf den großen, vergoldeten Greifentron, von dem aus die Conningtons Hof hielten und ihre Ländereien regierten. Zumindest das, was davon übrig geblieben war. König Robert hatte ihnen fast neun Zehntel ihres Besitze genommen. Verblichene Wandteppiche schmückten die Wände. Licht fiel durch die großen Bogenfenster, die mit weißen und roten, karoförmigen Scheiben verschlossen waren. An den Wänden standen Gerüste für Waffen. Ein kriegerisches Haus.

Seine Feldwebel standen an einem großen Tisch und erwarteten ihn.
„Wie ist die Situation?“, fragte Gil.
„Wir haben Greifenhorst vollständig eingenommen, Generalhauptmann.“, berichtete Ser Duncan Kraft. „Außerdem haben wir Boten und Raben, von überall aus den Sturmlanden bekommen. Estermont ist gefallen. Tarth wurde eingenommen. Die Kompanie hat Tränenstadt und Regenheim erobert. Zweitausend Mann belagern Steinhelm. Wenn die Burg fällt, können wir Krähenhorst von zwei Seiten aus angreifen.“
„Wir haben auch Nachricht aus Dorne bekommen.“, sagte Haldon, der Halbmaester. „Prinz Oberyn hat sechstausend Mann den Knochenweg hinauf geführt. Er wird bald bei Sommerhall eintreffen. Und es heißt, dass die Sandschlagen Nachtlied belagern.“
„Dornische Speerträger und Männer der Goldenen Kompanie, die gemeinsam die Sturmlande für eine Targaryen Königin erobern. Die Götter spielen uns schon merkwürdige Streiche.“, sagte Tristan Strom belustigt.
„Es gibt nur einen Gott, Ser Tristan. Sowie es nur eine Königin gibt,“ gab Aegon zurück. Der letzte Schwarzfeuer hatte die große Halle betreten. In seinen roten Gewändern, und mit dem Schwert Schwarzfeuer an seiner Seite wirkte er wie der Geist aller Targaryen und Schwarzfeuer. „Es gibt nur eine Burg, die die Königin will. Sturmkap. Stammsitz, von Haus Baratheon. Sie einzunehmen wird dem Usurpator alles an Ruhm kosten, den seine Brüder ihm hinterlassen haben. Robert hat den Irren König geschlagen und Stannis hat Sturmkap ein Jahr lang gehalten.“
Aegon sah jedem der Feldwebel direkt in die Augen. Sein Blick war stechend und eindringlich. „Ich habe es in den Flammen gesehen. Die Goldene Kompanie und die Dornischen, werden Sturmkap einnehmen. Wir werden die uneinnehmbarste Burg des Reiches erobern und den Ruhm unserer Königin mehren.“
„JA!“, brüllten die Feldwebel.
Aegon sah zu Gil Steinern. „Generalhauptmann. Bereitet eure Männer darauf vor. Die Königin, verlässt sich auf euch.“
Gil neigte den Kopf. „Natürlich, Priester Aegon.“

Sie brauchten zehn Tage für die Vorbereitung. Am siebten Tag tauchten dreitausend Dornische Speerträger unter dem Kommando von Cletus Isenwald, dem ältesten Sohn von Anders Isenwald, vor Burg Greifenhorst auf. „Wir sind hier, um für dir Drachenkönigin zu kämpfen.“, verkündete der Ritter.
„Nun sind wir fast fünftausend Mann. Wir können bald marschieren.“, rief Ser Gil. „Die Sturmlande befinden sich inzwischen beinahe komplett in unserer Hand. Sechshundert Mann belagern noch immer Steinhelm. Fünftausend Mann marschieren von Regenheim aus zu uns. Sie werden uns in zwei Wochen erreichen. Unsere Elefanten und tausendsechshundert Mann, sind auf dem Weg von Erntehall und Bronzetor nach Sturmkap. Der Rest schlägst sich irgendwie durch den Regenwald und das Zornkap. Und Lady Ashas Eiserne Flotte hält die Sturmbucht und das Meer von Dorne.“
„Dann lasst uns beginnen.“, verkündete Aegon. „Der Sieg wird unser sein. Ich habe es in den Flammen gesehen.“
„Lasst eure Flammen bei euch, Priester.“, knurrte Gil. „Die meisten von uns Glauben an die Sieben.“
„Götzen, Generalhauptmann.“, erwiderte Aegon Schwarzfeuer kühl. „Stannis Baratheon mag ein Usurpator gewesen sein, aber er war ein wahrer Krieger des Herrn des Lichts. Er ließ die Statuen der Sieben und den Wehrholzbaum von Sturmkap verbrennen.“
„Und Stannis hat damit viele gegen sich aufgebracht.“, knurrte Ser Gil. „Die Berichte sind sogar nach Essos gelangt.“
„Glaubensfragen sind jetzt unwichtig.“, sagte Haldon. „Wir müssen uns auf den Marsch vorbereiten.“
Gil wand sich von dem Priester ab. „In Ordnung. In Fünf Tagen sind wir so weit. Haldon. Sende einen Raben nach Drachenstein, sagt der Königin: Wir haben Greifenhorst eingenommen und werde das gleiche, mit Sturmkap machen.“
Haldon nickte und verschwand in die Kammer des Maesters.
Gil kreuzte die Arme vor der Brust. „Wir werden Sturmkap einnehmen. Das schwöre ich, bei den Sieben Göttern.“, er starrte Aegon wüten an. Doch der rote Priester neigte nur den Kopf und verließ die Besprechung.

Die Sturmlande waren von Wald bedeckt, was den Marsch verzögerte. Sie brauchten zwei Wochen, um vom Greifenhorst nach Sturmkap zu marschieren.
Die alte Festung der Sturmkönige lag an der Küste der Sturmbucht. Die Seeseite der Burg stand auf einer weißen Klippe, wo der Kalkstein anderthalb mal so hoch war wie die massive äußere Ringmauer. Die Steine waren so geschickt aufeinander gebaut worden, dass der Wind keinerlei Fläche hatte, um zu wüten.
„Die Mauer sind dreißig Meter hoch. Und an der dicksten Stelle, fünfundzwanzig Meter dick.“, berichtete Ser Cletus Isenwald. „Dorne hat es nie geschafft, diese Burg einzunehmen.“
„Wir werden es einnehmen. Das verspreche ich euch.“, antwortete Ser Gil. „Bereitet den Belagerungsring vor. Achtet darauf, das er nach beiden Seiten abgesichert ist. Wir wissen noch nicht, ob die Tyrells bereits alarmiert wurden.“
Die Baumeister machten sich an die Arbeit. Bäume wurden gefällt, Gräben ausgehoben. Am Abend war ein Erdhügel aufgeschüttet und eine behelfsmäßige Palisade errichtet worden.
Gil war stolz auf seine Männer. Sie hatten das Lager innerhalb eines Tages errichtet. Mit Haldon, Rolly und den beiden Krafts machte er einen Rundgang durch die Zeltreihen. „Alles in Ordnung.“ sagte er zufrieden.
„Ser Gil. Generalhauptmann.“, rief ein junger Knappe. „Der Priester. Aegon Schwarzfeuer. Er hat gesagt, das er euch sehen will.“
Ser Gil seufzte. Dieser Priester ging ihm ziemlich auf die Nerven. „Ich mache mich auf den Weg.“
Aegon hatte seinen Drachen im Norden des Lagers landen lassen. Das weiße Biest röstete einige Schafe, als Gil zu ihm trat.
„Ihr wollt mich sprechen, Priester?“, fragte Gil.
Aegon Schwarzfeuer stand an einem großen Feuer, das sein Drache entzündet hatte und sah in die Flammen. „Im Tempel in Volantis lehrt man uns, das der Tod durch Feuer, der reinste Tod ist. Habt ihr schon einmal einer Hinrichtung durch Feuer beigewohnt, Ser Gil?“
Der Generalhauptmann nickte widerwillig. Er mochte den Priester nicht. „Ich habe die Freien Städte oft besucht, Priester. Eure Brüder verbrennen oft Dinge. Und Lebewesen.“
„Das stimmt.“, antwortete Aegon. Er hielt seine Hand in die Flammen und zog sie zurück. Für einen Moment, um züngelten Feuer seine Finger. „Drachenfeuer, ist anders, als normale Flammen. Wusstet ihr das?“, Aegon sah Gil aus seinen violetten Augen an. Dann stellte er sich neben ihn. „Viserion. Dracarys.“
Der Drache hob den Kopf und ließ eine Flammenzunge auflodern. Die Lichtung wurde Taghell und die Hitze war so unglaublich, dass Ser Gil einen Schritt zurück machte und die Augen gegen die Helligkeit, zusammen kniff. Aegon hingegen, starrte, mit weit aufgerissenen Augen, in den Flammenstrahl. „Drachenfeuer, ist so lebendig wie die Drachen selbst, Ser. Die Visionen, die ich habe, seitdem ich ihn reite, sind unglaublich mächtig.“
„Was wollt ihr von mir?“, knurrte Ser Gil. Er hatte keine Lust, auf den Unsinn des Priesters.
Da Feuer erlosch und es wurde wieder dunkel. Aegons Augen schienen im Dämmerlicht zu leuchten, als er sich zu ihm umwand. „Meine Vision hat sich nicht geändert. Aber unser Weg.“, er trat dicht an ihn heran. Eine kräftige Hand umklammerte Gils Schulter. „Wenn ihr mit Ser Rolland Sturm verhandelt, fordert ihn zu einem Zweikampf heraus.“
Ser Gil schlug die Hand des Priesters beiseite. „Ich entscheide, wie wir vorgehen. Ob Schwarzfeuer oder nicht, eure Familie führt die Kompanie nicht mehr. Ich bin der Generalhauptmann. Nicht ihr.“
Aegon Schwarzfeuer sah ihn nur an. „Denkt an meine Worte, Ser Gil.“, er beugte sich vor und flüsterte ihm die nächsten Worte, direkt ins Ohr. „Der Herr des Lichts, sieht alles. Morgen früh werdet ihr eine Nachricht bekommen, die euer Leben verändert. Und wenn ihr mit dem Bastard von Nachtlied sprecht, dann denkt an meine Worte.“
Aegon zog sich zurück. „Die Nacht ist dunkel und voller Schrecken, Ser Gil.“
Stumm sah Gil zu, wie Aegon auf seinen Drachen stieg und in die Nacht davon flog. Viserions cremefarbene Schuppen, leuchteten silbern im Mondlicht.
Ser Gil stand auf der Lichtung und starrte in die glühenden Holzscheite. Schwarzfeuers Worte hatten düster geklungen. Doch Gil Steinern wollte nicht an die Worte des Priesters glauben. Er war ein Mann der Sieben. Er war sogar mit einer Septa verheiratet. Der Feuergott konnte ihn mal!

In dieser Nacht, schlief er schlecht. Seine Träume waren wirr und handelten von seinem Sohn Lorenz und seiner Frau, der ehemaligen Septa, Lemore. Er sah sie in einem Regen aus Blut verschwinden, der ihrer Haut entzündete und nur Asche übrig ließ.
Ohne sich ausgeruht zu fühlen, stand er am nächsten Tag auf. Mürrisch und mit dunklen Augenringen starrte er auf seine Rüstung. Stählerne Platten, die mit Lederbändern verbunden und mit Gold verziert waren. Der vergoldete Totenkopf der Goldenen Kompanie war auf seinem Schild abgebildet. Er hatte das Kommando über die Kompanie übernommen, nachdem er den letzten Generalhauptmann, Ser Harry Strickland, vergiftet hatte. Doch das Gift hatte nicht alle Feldwebel, die gegen Daenerys Targaryen in den Krieg ziehen wollten getötet. Die drei Gipfels, der Verbannte Lord Läis Gipfel und seine Brüder, Torman Gipfel und Peikwald Gipfel, hatten nichts von dem Gift genommen. Und er hatte sie töten müssen.
Gil Steinern starrte in seine Hände. Er hatte Läis Gipfel das Schwert Waisenmacher in den Bauch gerammt. „Du wolltest es. Hier hast du es.“, hatte er seinem Rivalen ins Gesicht gebrüllt. War es falsch gewesen? Hätte er einen anderen Weg gehen sollen?
„Generalhauptmann?“, ein Bote kam in sein Zelt. „Ein Ritter ist am Tor. Ein Ser Tommen Steinern. Er sagt, dass er mit euch sprechen will.“
Gil sah auf. „Ser Tommen Steinern?“, fragte er aufgeregt. „Bringt mich zu ihm.“
Am Nordtor des Lagers, wartete ein junger Mann, mit dunklen Haaren und sanften braunen Augen auf ihn. Er trug ein leichtes Kettenhemd, auf dem, mit goldenen Kettengliedern, das Wappen von Haus Steinern abgebildet war. Ein goldener Ring, der von vier Ketten gehalten wurde.
Als Gil den Mann sah, wurden seine Schritte langsamer. „Tomm. Bist du das wirklich?“, fragte er.
Der junge Ritter sah ihn an und Lächelte. „Onkel Gil. Es ist schön, dich wieder zu sehen.“
Gil Steinern, der ernste und harte Krieger, lächelte und umarmte seinen Neffen. „Ich freue mich, dich wieder zu sehen.“, sagte er leise. Dann trat er einen Schritt zurück. „Du bist groß geworden. Wie alt bist du jetzt? Siebzehn?
Der junge Ritter lächelte. „Neunzehn. Und ich bin inzwischen zum Ritter geschlagen worden.“
Ser Gil schlug ihm auf die Schulter. Komm, Ser Tommen. Das muss gefeiert werden.“
„Musst du nicht noch eine Belagerung beenden?“, fragte sein Neffe.
Gil Steinern sah zu Sturmkap hoch. „Diese Burg steht seit tausenden Jahren. Sie wird noch etwas länger stehen.“, er grinste und führte ihn zu seinem Zelt.
„Also. Dann erzähl. Wie geht es deiner Mutter?“, fragte Ser Gil, nachdem er seinem Neffen Wein eingeschenkt hatte.
Ser Tommen zögerte. „Lord Lorymas, mein Großvater, ist gestorben. Ich bin jetzt der Lord vom Ring.“
„Meinem Vater ist Tot?“, fragte er Gil bestürzt. Er hatte sich mit seinem Vater zerstritten, doch er hatte immer davon geträumt, ihn wieder zu sehen. „Als ich den Ring das letzte Mal gesehen habe, da war meine Schwester gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger. Wer war dein Vater nochmal? Ser Theomat?“
„Ser Theomund Reisig. Er starb am Schwarzwasser. Als er für Joffrey kämpfte.“, sagte Tommen dumpf.
Ser Gil sah die Trauer seines Neffen. Und jetzt tat ihm leid, dass er den Namen seines Vaters nicht kannte. „Wie geht es Eleonora? Wie geht es deiner Mutter? Und warum nennst du dich Steinern? Dein Namen ist doch Reisig.“
Ser Tommen sah ihn traurig an. „Meine Mutter hat Vaters Tot nicht verkraftet. Sie sitzt seit Jahren nur noch im Ring. Sie sagt nichts und isst kaum etwas. Ich war auf ihre Hilfe angewiesen als Lord vom Ring. Doch Mutter, saß einfach nur da. Also musste ich der Lord sein. Ich habe dich immer bewundert. Weißt du das? Als mein Vater starb und die Tyrells sich dann Robb Stark an den Hals geworfen haben, um den Männerstecher Renly zum König zu machen, da habe ich mich von den Tyrells abgewandt. Darum habe ich deinen Namen angenommen. Und den Namen meiner Mutter. Ich wollte sein wie du. Und einer gerechten Sache dienen.“
Als er die Worte seines Neffen hörte und die Bewunderung in seinen Augen sah, ballte er die Hände so fest zusammen, dass seine Knöchel weiß wurden. „Ich habe die Familie Gipfel geschlachtet, weil ich unser Familienschwert zurück wollte. Ich habe meine Vorgesetzten bei der Goldenen Kompanie umgebracht, weil ich in meine Heimat zurück wollte.“, er baute sich vor seinem Neffen auf und starrte auf ihn hinab. „Du willst nicht wie ich sein, Tommen Reisig. Ich bin ein Monster.“ Langsam beugte er sich zu ihm hinab und stützte sich auf dessen Armlehnen ab. „Du wirst zum Ring zurückkehren. Du wirst dir eine Frau nehmen und einen Sohn bekommen, der nach dir Lord vom Ring wird.“ Gils Stimme zitterte vor unterdrücktem Selbsthass. „Geh jetzt.“, befahl er Tommen.
„Aber Onkel...“, versuchte Tommen Reisig zu widersprechen.
„Ich sagte: GEH!“, brüllte Gil Steinern.
Tommen wurde bleich, stand aber auf. „Du wirst immer auf dem Ring willkommen sein, Onkel. Die Burg ist deine Heimat.“, dann verließ er das Zelt.
Gil Steiner zitterte vor Wut. Dann brüllte er laut auf, zog Waisenmacher, und hieb auf den Waffenständer ein. Der Valyrische Stahl durchtrennte die Rüstung und das Kettenhemd. Klirrend viel alles zu Boden. Gil starrte auf die Teile. Dann stürmte er aus dem Zelt. Aegons Worte hallten in seinem Kopf wieder. Morgen früh, werdet ihr eine Nachricht bekommen, die euer Leben verändert.
„Bringt mir ein Pferd!“, brüllte er.
Als er sich in den Sattel schwang, sah er Aegon Schwarzfeuer. Der Priester sah ihn traurig an. Gil starrte wütend zurück und gab seinem Pferd dann die Sporen. Die Männer sprangen erschrocken zur Seite, als er durch das Lager ritt.
Sturmkap ragte Hoch vor ihm auf. Uralt. Mächtig. Uneinnehmbar.
„SER ROLLAND STURM!“, brüllte Ser Gil. „Kommt raus und stellte euch!“
Auf den Zinnen von Sturmkap erschien ein Mann. „Ich bin Ser Rolland Sturm. Der Kastellan von Sturmkap. Wer seid ihr?“, rief der Mann hinab.
„Ich bin Ser Gil Steinern. Generalhauptmann der Goldenen Kompanie.“, rief Ser Gil. Er sah hinter sich und entdeckte, das die Feldwebel der Kompanie sich versammelt hatten. Aegon Schwarzfeuer stand an deren Spitze. In seine Händen hielt er die Fahnenstange der Kompanie. Ein dutzend vergoldeter Totenköpfe, hingen an Ketten an ihr hinunter. Ser Gil hatte das Gefühl, das die Köpfe der vorherigen Generalhauptmänner ihn auslachten.
Ser Gil knurrte vor Zorn. Dann sah er erneut zum Kastellan hinauf. „Ich stehe mit zwölftausend Mann vor euren Toren. Das Meer vor euren Mauern ist von den Eisenmännern besetzt. Und wir haben einen Drachen!“
Hinter ihnen brüllte Viserion laut auf.
„Übergebt uns Sturmkap, oder wir machen aus dieser Festung ein zweites Harrenhall!“.
„Niemals!“, antwortete der Bastard von Nachtlied.
Gil zog an den Zügeln seines Pferdes. Er ließ es vor dem Tor auf und ab reiten. Noch immer stand Aegon Schwarzfeuer bei den anderen. Ser Gil schloss die Augen. Der Priester hatte recht. Lemore. Verzeih mir, dachte er. „Ser Rolland! Ihr seid ein erbärmlicher Feigling! Es heißt, ihr verehrt den Krieger. Zeigt uns, das ihr ein Wahrer Ritter seid. Ich fordere euch zu einem Zweikampf heraus! Der Sieger wird Sturmkap erhalten!“
„Niemals! Ich diene dem Eisernen Thron. Mein König hat mir den Befehl über seine Burg gegeben. Ich werde sie niemals aufgeben!“, rief Ser Rolland.
Ser Gil sah zu Aegon. „Zeigt ihm eure Macht!“
Aegon nickte und verschwand.
Viserion erhob sich brüllend in die Luft. Seine gewaltigen, cremefarbenen Schwingen verdunkelten den Himmel.
Ser Gil sah mit Freuden, wie der Drache hinab stieß und Flammen auf den Hauptturm spie.
Alles was brennen konnte, wurde in Brand gesetzt. Männer schrien und das Banner der Baratheons, der schwarze gekrönte Hirsch, auf gelbem Grund, verglühte.
Ser Gil ließ sein Pferd aufsteigen und zog sein Schwert. „Ich gebe euch eine letzte Chance. Ergebt euch und wir lassen eure Männer am Leben!“, rief er.
Ser Rolland schwieg zuerst. „An welche Götter glaubt ihr?“
„Ich diene den Sieben.“, antwortete Ser Gil.
„Schwört ihr bei allen Göttern, dass ihr meine Männer verschont?“, fragte Ser Rolland.
„Das schwöre ich. Bei den Sieben Gesichtern von Gott.“, antwortete Ser Gil feierlich.
Ser Rolland verschwand von den Zinnen.
Langsam öffnete sich das große Tor von Sturmkap und Ser Rolland kam heraus. Er trug eine silbernen Schuppenpanzer und einen schwarzen Waffenrock, auf dem ein Schwarm von goldener Nachtigallen gewebt war.
Ser Steinern stieg von seinem Pferd ab. „Ser Rolland Sturm. Seid ihr bereit?“
Der Bastard von Nachtlied, hob sein Visier. „Wollt ihr eure Rüstung nicht anlegen Ser? Oder zumindest einen Schild?“
Ser Gil schüttelte den Kopf. „Dies ist ein Göttlicher Zweikampf. Ich brauche meine Rüstung nicht.“, mit einer fließenden Bewegung, zog er Waisenmacher. Der Valyrische Stahl war dunkel und rauchig. „Zieht euer Schwert, Ser Rolland.“
Der Ritter zog sein Schwert, eine lange, schmale Klinge. Dann hob er seinen Schild.
Und Ser Gil griff an.
Sein Schwert schwang hin und her. Waisenmacher schien die Luft selber zu durchschneiden. Der Generalhauptmann kämpfte wie ein Berserker. Er schlug wild auf den anderen Ritter ein. Doch Ser Rolland versteckte sich hinter seinem großen Schild und wich vor Gils wilden Schlägen zurück. Ser Gil knurrte und hieb erneut auf den Mann ein. Dieses mal traf er den Schild des Ritters. Waisenmacher zerschlug den Schild und trennte dem Ritter zwei Finger ab.
Ser Rolland brüllte, vor Schmerz und Wut. Blut spritzte auf, als er den Schild wegwarf. „Dafür bringe ich dich um!“, schrie er.
„Dann komm. Komm und bring mich um.“, knurrte Gil leise.
Ser Rolland griff an. Gil beschränkte sich nun auf die Abwehr. Er wehrte die Hiebe des Bastards ab. Bald schon war die Klinge des Ritters voller Kerben. Die Rüstung von Ser Rolland war aus Stahl und schwer. Er begann schwerer zu atmen.
Gil schwitze, doch sein Atem ging ruhig und tief. Er erkannte seine Chance. Die Schläge von Ser Rolland wurden langsamer.
Gil nutze seine Chance. Er verpasste Rolland einen Schnitt am Bein. Stöhnend knickte Ser Rolland ein. Ser Gil wirbelte herum und traf den Man am Rücken. Weder der Stahlpanzer, noch das Kettenhemd und der Lederwams schützten den Ritter.
Ser Rolland ging endgültig zu Boden. Sein Rückgrad war durchtrennt.
Ser Gil war wusste, er hatte gewonnen, doch er musste weiter machen. Er hob Waisenmacher mit beiden Händen und schlug zu. Blut spritze auf. Ser Rolland stöhnte vor Schmerz. Und Gil Steinern schlug wieder zu.
Und wieder.
Und wieder.
Und wieder.

„Ser Gil! Es reicht!“, brüllte eine jemand. Doch Gil konnte nicht aufhören. Er musste weitermachen! Dieser Mann war sein Feind und musste vernichtet werden.
Als er erneut zuschlagen wollte, traf seine Klinge auf Widerstand. Gil hob den Kopf, doch er sah nichts. Die gesamte Welt war nur noch ein roter Schleier aus Blut.
Er zog sein Schwert zurück und schlug zu. Seine Klinge traf auf Fleisch und er hörte jemanden vor Schmerzen aufschreien. Er schlug erneut zu, doch dieses Mal wurde sein Hieb blockiert.
Langsam klärte sich sein Blick. Die Welt wurde wieder klarer.
Ser Rolland war nur noch ein Klumpen aus Blut und Knochen. Ser Gil hatte den Ritter nicht nur getötet, er hatte ihn zerstört.
„Ser Gil. Es reicht.“, sagte eine sanfte Stimme.
Gil Steinern sah auf. Aegon Schwarzfeuer hatte seinen Angriff mit Schwarzfeuer pariert. Blut tropfte von seinem Kinn. Auf seiner linken Wange war ein langer Schnitt, dort, wo Gil ihn geschnitten hatte..
Ser Gil senkte sein Schwert. Blut tropfte von Waisenmachers Klinge. Schwer atmend, sah er zum Priester. „Die Burg gehört der Königin.“, keuchte er. Mit schweren Schritten ging er auf die Menschen zu.
Cletus Isenwald, Trebor Jordayn, andere Dornische Lords und die Männer der Goldenen Kompanie, sahen ihn bestürzt an. Ser Gil Steinern ignorierte sie. Er entdeckte seinen Neffen. Lord Tommen Reisig, der sich so gerne Steinern nannte, sah ihn an und war weiß wie ein Leichentuch.
Ser Gil sah ihn an. Seine Gewänder waren voller Blut. „Und genau deswegen will ich nicht, das du so bist wie ich. Ich bin ein Monster.“
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