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Der letzte Sturm

von Mohrfell
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Arianne Martell Arya Stark Daenerys "Dany" Targaryen Jon Schnee Margaery Tyrell Robb Stark
19.11.2022
27.11.2022
6
14.842
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24.11.2022 2.119
 
Die Flotte der Velaryons war nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren.
Die Schlacht am Schwarzwasser war verlustreich gewesen und hatte mehr als die Hälfte der Velaryonflotte zerstört. Weitere waren in den späteren Jahren Opfern von Stürmen und Piratenangriffen geworden. Und nun steuerten zehn Schiffe, die das silberne Seepferdchen auf dem Segeln trugen, auf Drachenstein zu.
„Hattest du schon einmal mit den Velaryons zu tun?“, fragte Daenerys, die mit Jon auf der Mauer von Drachenstein stand und die Ankunft der Flotte beobachtete.
„Kann man so sagen. Ich habe fünf ihrer Schiffe beschlagnahmt, als sie in Ostwacht vor Anker lagen. Sie haben geholfen, die Wildlinge zu retten.“, antwortete Jon. „Was, glaubst du, wollen die Velaryons von dir?“
Daenerys zog eine Augenbraue hoch und Jon erkannte, wie dumm die Frage war.
„Die Velaryons haben auf meine Einladung reagiert. Ebenso wie ein halbes Dutzend anderer Häuser von der Küste. Sie lieben den Hirschkönig nicht und alle haben sie dem Haus Targaryen in der Vergangenheit treu gedient. Unsere Macht wächst und sie wird weiter wachsen,“ sagte Daenerys, „und ich musste keinen von ihnen zwingen.“
Jon verschränkte die Arme, gab jedoch keine Antwort. Es wäre verschwendet gewesen. Stattdessen beobachtete er, wie Drogon und Rhaegal über der Flotte kreisten. „Hast du schon Nachricht von Aegon? Oder Gil Steinern?“
„Noch nicht. Aber sie sollten ihre Mission bald beendet haben. Die Goldene Kompanie könnte es sogar alleine schaffen, doch ein Drache ist überzeugender.“, antwortete Daenerys und drehte sich um. „Komm. Ich will, das du dabei bist, wenn ich die Velaryons empfange.“
Jon sah noch einmal zu den Schiffen. Das silberne Seepferdchen auf türkisem Grund blähte sich im Wind. Jon warf noch einen Blick zu Rhaegal, der über der Flotte kreiste und folgte Daenerys ins Innere der Burg.

Daenerys saß auf dem Thron aus geschmolzenem Stein. Ihre Miene war kühl und distanziert. In ihrem dunklen Ledergewand und mit den streng geflochtenen Haaren wirkte sie wie eine Statue.
Jon als ihr Erbe stand an ihrer rechten Seite. Er trug einen dunklen Waffenrock und einen schwarzen Umhang über der Schulter, der von silbernen Drachen gehalten wurde. Langklaue steckte an seinem Gürtel und der weiße Wolfskopf war gut sichtbar.
Ser Barristan stand knapp vor der Treppe, die zum Thron führte, in der weißen Rüstung der Königsgarde. Missandei diente als Herold für Daenerys. Tyrion stand in ihrer Nähe. Mehrere Unbefleckte und Dothraki standen als Wachen im Saal. Alle hatten den Blick auf die große Tür gerichtet, die sich langsam öffnete.
„Ihr befindet euch in der Gegenwart von Daenerys Sturmtochter aus dem Hause Targaryen. Die Erste ihres Namens. Königin der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen. Rechtmäßige Erbin des Eisernen Throns. Beschützerin des Reiches. Mutter der Drachen. Sprengerin der Ketten. Khaleesi des großen Grasmeeres. Die Unverbrannte. Sprengerin der Ketten und Mutter der Drachen.“, verkündete Missandei mit lauter Stimme.
Eine Frau wurde in den Thronsaal geführt. Neben ihr ging ein kleiner Junge. Zwei Wachen, mit dem Wappen der Velaryons auf der Brust, begleiteten sie.
„Lady Rhea Velaryon, aus dem Haus Donninger. Regentin für ihren Sohn, Monterys Velaryon. Lord von Driftmark und Herr der Gezeiten.“, verkündete ein Herold.
Monterys Velaryon war ein Junge von sechs Jahren. Er war klein, hatte blasse, lila Augen und dünnes, silberblondes Haar. Seine Mutter war eine Frau, mit einem strengen Gesicht, dunkelblonden Haaren und harten, braunen Augen.
Lady Rhea machte einen vollkommenen Knicks und stieß dann ihren Sohn an. Monterys verbeugte sich ungeschickt.
„Willkommen auf Drachenstein, Lady Rhea. Lord Monterys.“, begrüßte Daenerys ihre Gäste mit einem freundlichen Lächeln. „Was kann Haus Targaryen für euch tun?“
Der junge Monterys sah zögernd zu seiner Mutter. In seinen grünen Seidengewändern wirkte er jünger als sechs Jahre und das Kettenhemd, das er unter ihnen trug, zog seine Schultern nach unten. Ungeschickt, beugte er das Knie, vor Daenerys. „Meine Königin.“, sagte er mit dünner Stimme. „Die Häuser Velaryon und Targaryen stammen beide aus dem alten Valyria. Unsere Familien sind durch Blut verbunden,“ seine Stimme wirkte hölzern und unsicher. Jon vermutete, dass seine Mutter ihn die Worte hatte auswendig lernen lassen.
Monterys schluckte nervös. „Ich schwöre, bei den Alten und den Neuen Göttern, mein Schwert gehört euch. Meine Treue und die meines Hauses gehört euch. Ich möchte euch dienen und für euch sterben.“
Daenerys warf Tyrion einen Blick zu und der kleinwüchsige Zwerg übernahm das Wort. „Lady Rhea. Euer Hoher Gemahl, Monford Velaryon, hielt Lord Stannis Baratheon die Treue, als er sich zum König erklärte. Und nach Stannis Sturz, habt ihr, im Namen eures Sohnes, einen Raben nach Königsmund geschickt, in welchem ihr Renly eure Treue anbotet. Was garantiert uns, dass ihr unserer Königin loyal bleibt?“
Rhea Velaryon sah empört auf Tyrion hinab. „Was erlaubt ihr euch, Gnom? Euer Haus, euer eigener Vater, hat beim Sturz des Drachen geholfen und euer Bruder tötete seinen König. Die Velaryions waren immer treu.“
„Das sind unsere Worte!“, rief Monterys aufgeregt. „Das Alte. Das Treue. Das Tapfere.“, Stolz sah Monterys zu seiner Mutter. Lady Rhea lächelte ihn an und legte ihm die Hände auf die Schultern. Eine beschützende Geste. „Sag der Königin, was du ihr noch anbieten kannst, mein Junge.
Unsicher sah Monterys sein Mutter an, dann kniete er erneut vor Daenerys nieder „Ich biete euch, als Beweis für meine Treue und Loyalität, meine Hand als Gatte und Prinzgemahl an. Um unsere Verbindung zu ehren und unser Blut erneut zu vereinen.“, sagte er stotternd
Jon bemerkte, dass Daenerys ein ungläubiges Lachen unterdrücken musste. Doch sie fing sich schnell wieder. „Ich danke euch, für eure Treue, Lord Velaryon. Ihr und eure Mutter werdet auf Drachenstein bleiben, als meine Gäste. Wer führt die Velaryon Flotte?“, geschickt umging sie das Eheangebot, was Jon nachvollziehen konnte.
„Ser Daemion Velaryon, euer Gnaden.“, antwortete Lady Rhea. „Er ist der Onkel meines verstorbenen Gemahls.“
„Danke, Lady Rhea. Ruft ihn nach Drachenstein.“, ordnete Daenerys an. „Ich lade euch für das heutige Abendessen an meiner Tafel ein.“, sagte sie förmlich und erhob sich von ihrem Thron. Die Audienz war beendet.
Lady Rhea schien noch etwas sagen zu wollen, besann sich jedoch eines Besseren. „Danke euer Gnaden. Komm, Monterys. Die Königin wird später mit uns sprechen.“
Monterys verneigte sich noch einmal und folgte seiner Mutter dann aus dem Thronsaal.
Als sich die Tür hinter ihnen schloss, lehnte sich Daenerys in ihren Thron zurück. „Sie bietet mir ihren sechsjährigen Sohn als Gemahl an?“, sagte sie und schien fassungslos. „Ich bin die Königin und keine Amme.“
„Immerhin habt ihr den Vorschlag nicht zurückgewiesen.“, sagte Tyrion. „Haus Velaryon ist ein altes und ehrwürdiges Haus. Eine Eheschließung zwischen euch und Lord Monterys wäre wünschenswert.“
Jon warf Tyrion einen skeptischen Blick zu.
„Auch wenn ich zugeben muss, das er tatsächlich sehr jung ist.“, gab Tyrion zu.
„Ich werde keinen kleinen Jungen heiraten.“, beharrte Daenerys.
„Aber du musst heiraten. Du hast es selbst gesagt“, stellte Jon fest. „Auch wenn du keine Kinder bekommen kannst, würde dir ein Gemahl die Anerkennung von vielen Lords einbringen.“
„Ein Gemahl wäre nur Wasser auf die Mühlen des Rades, das ich zerstören will.“, schnaubte Daenerys und verließ den Thronsaal. Jon und Tyrion folgten ihr in die Kammer der bemalten Tafel. Ser Barristan war wie ein Schatten für die Königin.
„Baratheon. Lennister. Stark. Tyrell. Sie sind alle nur Speichen in einem Rad. Manchmal ist einer oben, dann wieder ein anderer. Auf Velaryon folgt Baratheon, folgt Hohenturm, folgt Lennister,“ stieß Daenerys aus, „ich werde mich nicht vermählen. Nicht wenn ich damit anderen Häusern zu mehr Macht verhelfe. Meine Drachen sind meine Macht.“
„Und wenn es euch helfen würde?“ fragte Tyrion. „Was, wenn ich euch meine Hand anbiete. Ich bin der letzte Sohn von Tywin Lennister. Dem mächtigsten und gefürchtetsten Mann aus Westeros. Das würde Eindruck machen. Oder was, wenn Renly Baratheon, jetzt vor euch stehen und um eure Hand anhalten würde, damit ihr das Reich gemeinsam regieren könnt. Was würdet ihr dann machen?“
„Ihr seid bereits verheiratet. Und Renly ebenfalls.“, wich Daenerys aus.
„Ich sagte, was wäre wenn…“, erwiderte Tyrion.
Daenerys musterte ihre Hand, dann lächelte sie. „Ich weiß, warum ich euch zur Hand ernannt habe, Lord Tyrion. Ihr führt nicht einfach nur meinen Willen aus, ihr fordert mich heraus. Lasst mich meine Entscheidungen hinterfragen.“
Sie ging um die bemalte Tafel herum und blieb bei Sturmkap stehen. „Doch wenn der Plan aufgeht, dann wird Renly keine andere Wahl haben, als die Krone an mich abzugeben.“, sie drehte sich von Sturmkap nach Königsmund, das hinter Massies Haken verborgen war. „Die Schiffe der Velaryons sind in Königsmund bekannter und beliebter als die der Graufreuds. Sie werden uns eine große Hilfe sein. So können wir die Hauptstadt einkesseln. Mit den Unbefleckten und der Goldenen Kompanie im Süden...“
„Die Goldene Kompanie ist im Süden wertlos!“, entfuhr es Jon, ehe er sich zurückhalten konnte. „All diese Spielchen, sind sinnlos.“
Daenerys hob den Blick. Mit blitzenden Augen sah sie ihn an und Jon fragte sich, ob er zu weit gegangen war. Ich bin ein Targaryen, genau wie sie, dachte er. Wenn ich wollte, dann könnte ich den Thron für mich beanspruchen. Als letzter männlicher Targaryen habe ich das größere Anrecht. Und das weiß sie. „Lord Tyrion. Bitte lasst mich und die Königin alleine.“, befahl er der Hand.
Tyrion sah zu Daenerys. Sie nickte und er verließ die Kammer der bemalten Tafel. Ser Barristan blieb.
Daenerys stütze sich auf der bemalten Tafel ab. „Wenn du mir etwas zu sagen hast, dann sag es jetzt.“, forderte sie ihn auf.
Jon ging um die Tafel herum, bis er an der Mauer stand. Dieses symbolische Bild, brauchte er, um seinen Worten mehr Bedeutung zu verleihen. „Die Goldene Kompanie, hat zwanzigtausend Mann. Zehn Elefanten und zweitausend Ritter zu Pferd. Sie sind deine besten Männern. Doch anstatt nach Norden zu ziehen, um gegen unsere wahren Feind zu kämpfen, lässt du deine Männer in sinnlosen Gefechten sterben,“ sagte Jon und wurde laut. „Der Tot, ist der Feind, Daenerys. Der erste und der letzte. Du kannst den gesamten Süden erobern, aber wenn die Toten Königsmund erreichen, dann sind wir ihnen nicht mehr gewachsen. Dann würde es auch nichts bringen, wenn wir tausende von Drachen hätten, selbst wenn sie groß wie Balerion, der schwarze Schrecken, wären. Und wir haben nur drei. Wir sollten uns nicht um den Süden kümmern. Du hast Dorne, die Eiserne Flotte unter Asha, die Goldene Kompanie und die Unbefleckten. Führe sie nach Norden. Führe sie gegen den Nachtkönig. Wenn wir ihn nicht besiegen, dann ist alles verloren. Wenn er siegt, dann ist es egal, wessen Skelett auf dem eisernen Thron sitzt.“
Daenerys hatte seinen Worten aufmerksam zugehört. Nun wirkte sie tatsächlich nachdenklich. „Lady Melissandre hat die Lange Nacht erwähnt, die heranzieht. Wenn ich meine Truppen nach Norden führe...“
Das leise Trappeln von Seidenpantoffeln unterbrach ihre Überlegung. Varys kam in die Kammer. Er verbeugte sich vor Jon und reichte Daenerys einen versiegelten Brief, „Ein Bote kam an, euer Gnaden. Er brachte euch das hier.“
Daenerys nahm den Brief und brach das Siegel.
Jon konnte kein Symbol erkennen, doch er sah, dass das Wachsiegel golden war.
Daenerys laß den Brief aufmerksam durch. „Ist diese Botschaft vertrauenswürdig?“, fragte sie Varys.
„Ja, euer Gnaden. Meine kleinen Vögel haben mir berichtet, das er erst vor kurzem verfasst wurde.“, beteuerte Varys.
„Was steht in dem Brief?“, fragte Jon. „Lord Kevan Lennister ist verstorben. Er erlag einer Erkältung. Sein Sohn Lancel Lennister ist nun Lord von Casterlystein. Er hat mir seine Unterstützung angeboten, unter der Bedingung, dass dem Haus Lennister keine Schuld für den Sturz meines Vaters gemacht werden.“, verkündete Daenerys. Siegessicher wand sich an Varys. „Schickt nach Tyrion. Er sollte um den Verlust seines Onkels wissen. Und er soll eine Antwort verfassen. Ich nehme Lord Lancels Angebot an und werde seinem Haus keinerlei Vorwürfe machen.“
„Natürlich, euer Gnaden.“, Varys eilte aus der Kammer.
Jon schloss verzweifelt die Augen. Er hatte diese Schlacht verloren. Erneut.
„Was hast du jetzt vor?“, fragte er und versuchte, den Vorwurf aus seiner Stimme zu verbannen.
Daenerys lächelte ihn triumphierend an. „Der Westen hat sich für mich erklärt. Dorne hat sich für mich erklärt. Sturmkap wird bald kein Problem mehr sein. Die Flusslande sind zu zerstört und der Norden...“, sie unterbrach sich, als sie Jons wütenden Blick sah. „Renly ist beinahe völlig isoliert. Nur noch eines der Königslande kann ihm zu Hilfe kommen.“
Jon musste nicht fragen, welches sie meinte. „Das Grüne Tal von Arryn.“
Daenerys nickte. „Es wird Zeit, das wir Hohenehr einen Besuch abstatten. Auf dem Rücken von Drachen.“, sie wand sich zum Gehen. „Du kannst mich begleiten, wenn du willst.“
Jon sah ihr nach und blickte dann aus dem Fenster. Schiffe sammelten sich vor Drachenstein. Eisenmänner. Velaryons. Ehemalige Sklavenschiffe. Männer trainierten im Hof. All diese Menschen waren dem Tode geweiht, wenn sie nicht bald nach Norden gehen würden.
Er schüttelte frustriert den Kopf und griff nach Langklaue. Ein dumpfes Gefühl sagte ihm, dass er das Schwert bald brauchen würde.
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