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Ice Queen & Heartbreaker

von Angy-Me
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / Gen
18.11.2022
10.01.2023
20
28.769
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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26.11.2022 1.547
 
Colin


Die Gardine an einem der Wohnzimmerfenster hat sich gerade bewegt. Ha, von wegen sie ist nicht interessiert am Kennenlernen. Warum sollte sie mich sonst heimlich beobachten? Die Eisprinzessin scheint eine harte Nuss zu sein, doch ich bin gewillt sie zu knacken. Ich habe Zeit und bin ausdauernd.

Zuversichtlich schaffe ich den Baum ins Haus und bringe ihn gleich ins Wohnzimmer. Nachdem ich die Dekoration und den Baumständer aus der Abstellkammer geholt habe, rufe ich Stephen an, um ein wenig Gesellschaft zu haben, während ich die Tanne dekoriere.

»Und du hast ihr nicht geholfen?«, will mein verletzter Kumpel wissen, sobald ich ihm von dem Aufeinandertreffen mit der süßen Nachbarin erzählt habe. »Das ist schon echt arschig, Colin. Denkst du echt, dass sie jetzt noch scharf darauf ist, dich besser kennenzulernen? Ich an ihrer Stelle würde dich mit dem Arsch nicht mehr angucken.«

Toll! Da macht er mir ja wirklich Mut. Und so jemand ist mein bester Freund.

»Sie hat mir doch schon beim Baumkauf die kalte Schulter gezeigt. Schlimmer kann es gar nicht mehr werden«, vermute ich und entwirre die Lichterkette.

Stephen gibt ein Grunzen von sich und nippt an seiner heißen Schokolade. »Hast du eine Ahnung. Frauen können extrem nachtragend sein. Ich dachte, du hättest in den vergangenen Jahren etwas von deinen Verflossenen gelernt.«

»Oh, bitte. Erinnere mich nicht daran. Sie sind nicht umsonst meine Exen«, sage ich und verziehe das Gesicht wie bei einer Wurzelbehandlung.

Ich brauche weder ein Model noch ein Schauspielsternchen an meiner Seite, um mich als ganzer Mann zu fühlen, nur ist das als Prominenter nicht so einfach, eine Frau von nebenan kennenzulernen ohne großes Aufsehen zu erregen. Daher trifft man die Damen eher auf Partys oder irgendwelchen sportlichen Events. Viele von ihnen kann man getrost als Goldgräberinnen bezeichnen, denn sie wollen sich von einem gutbetuchten Mann pampern lassen, während sie den lieben langen Tag nichts weiter zu tun haben, als sich um ihr Aussehen zu kümmern. Friseurtermine hier, Maniküre und Pediküre da. Und alles natürlich nur für ihren Liebsten. Wer es glaubt! Genau dieser Typ Frau turnt mich eher ab als an.

»Wie sieht denn die Eiskönigin von nebenan aus? Passt sie in dein Beuteschema?«

»Habe ich denn ein Schema? Mir war nicht bekannt, dass ich auf einen bestimmten Typ Frau fixiert bin.«

Wenn ich an die Frauen aus meiner Vergangenheit denke, dann würde ich sie als bunten Mix bezeichnen. Blond, brünett, rothaarig, schwarzhaarig oder auch aubergine gefärbt. Hilla war eine Mischung aus skandinavischer Kühle und spanischem Feuer, Charlotte eine beherrschte Französin und meine letzte Lebensabschnittsgefährtin Nike kam aus Griechenland.

»Fixiert würde ich es jetzt nicht nennen«, lenkt Stephen ein und reibt sich das stoppelige Kinn, »aber du hast schon einen Hang zu sehr püppchenhaften Frauen. Denk mal an Emy. Sie war klein und zierlich und ich wollte ihr immer etwas zu essen geben, weil ich dachte, sie fällt gleich in Ohnmacht.«

Ja, die Halb-Japanerin war wirklich dünn. Und wenn ich an unsere gemeinsame, wenngleich auch kurze Zeit, zurückdenke, dann hat sie nie sonderlich viel gegessen. Meistens Rohkost. Und sie hat ausschließlich stilles Wasser und Kräutertees getrunken. Da ist es kein Wunder, dass ihr Körper nichts zuzusetzen hat.

»Hmm ... du hast nicht ganz Unrecht«, gebe ich zu, »allerdings ist mir das damals nicht so aufgefallen.«

»Natürlich nicht. Du warst viel zu fasziniert von ihren großen Augen und den kleinen runden Brüsten, die sie immer perfekt in Szene gesetzt hat.« Stephen grinst und wackelt mit den Augenbrauen. »Heiß war sie zweifellos, allerdings auch nicht besonders helle. Gut das du recht schnell wieder zu Verstand gekommen bist.«

»Gab es überhaupt eine Frau, mit der ich bisher zusammen war, die dir zugesagt hat?« Grübelnd runzele ich die Stirn und vollende mein Werk mit der Baumspitze. Dann trete ich ein paar Schritte zurück und betrachte den Weihnachtsbaum. Ich kann es gar nicht erwarten, bis es dunkel wird und ich die Lichter anschalten kann.

»Willst du eine ehrliche Meinung?«

»Immer.«

»Nicht wirklich. Grace war in Ordnung, aber sie hat auch ständig an deinem Job genörgelt, was ich nie verstanden habe, immerhin wusste sie von vornherein, mit wem sie sich eingelassen hat.«

So viel zum Thema Jugendliebe. Grace und ich hatten uns auf dem College kennen und lieben gelernt. Sie war damals begeistert, dass ich im Baseballteam war, und kam zu jedem unserer Spiele, um mich anzufeuern. Als ich jedoch auch nach dem College weiter Baseball spielen wollte, fing ihre Nörgelei an. Sie hatte sich einen anderen Mann für ihre Zukunft vorgestellt. Da musste ich dann passen und habe die Beziehung beendet. Für mich stand außer Frage, dass ich Baseball-Profi werden will. Entweder die Frau akzeptiert das oder eben nicht. Ja, das klingt egoistisch, aber jeder Mensch hat nun mal andere Vorstellungen für sein Leben. Für Hochzeit, Haus und Kinder habe ich später immer noch genug Zeit.

»Lass die Vergangenheit ruhen und sage mir lieber, wie deine Nachbarin aussieht«, drängelt Stephen und ich gebe ein genervtes Schnauben von mir.

»Viel habe ich von ihr nicht gesehen, immerhin hatte sie dicke Winterkleidung an, also Mütze, Schal, Mantel und Stiefel«, informiere ich ihn, doch er wedelt lässig mit einer Hand, damit ich fortfahre. »Sie hat lange blonde Haare, dunkelbraune Auge, eine kleine Nase und volle Lippen. Hübsch anzusehen. Hinzukommt ihr freches Mundwerk. Ich wette, Devon hätte seine Freude daran, sich mit ihr einen Schlagabtausch zu liefern.«

Mein Cousin ist nicht nur Arzt, sondern manchmal auch ein regelrechter Klugscheißer. Es macht ihm Spaß, Leute, die ihm unsympathisch sind, in die Pfanne zu hauen. Mit der Schneeprinzessin neben an hätte er da sicher kein leichtes Spiel.

»Mach mal ein Foto von ihr, ich will sehen, ob sie zu dir passen würde, immerhin klingt sie echt interessant.«

»Klar, ich werde jetzt rüber gehen, klopfen und sie fragen, ob sie mal kurz für ein Foto posieren würde, dass ich dann an meinen Freund schicken kann, da er unbedingt wissen will, wie sie aussieht.« Demonstrativ klatsche ich mir die flache Hand an die Stirn. »Komm her und sieh sie dir selbst an.«

»Zu schade, dass du so weit weg bist, denn ich würde dir jetzt liebend gern meinen Gips um die Ohren hauen.«

Oh, er klingt echt angepisst, trotzdem kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen.

»Stimmt, das ist allerdings schade. Ich wette es würde witzig aussehen, wenn du hier durch den Schnee hopst.« Ja, noch ein wenig weiter in der Wunde bohren.

Mit dem Telefon in der Hand gehe ich in die Küche, um mir etwas zu essen zu machen. Als ich einen Blick nach draußen in den Garten riskiere, staune ich nicht schlecht, denn Frau Nachbarin schippt gerade eine Fläche auf der Terrasse frei. Was hat sie vor? Neugierig bleibe ich stehen und verfolge, wie sie wieder ins Haus geht und schließlich mit einer Handvoll Tannenzweigen herauskommt, die sie auf die vom Schnee befreite Stelle wirft. Welches Ziel verfolgt sie jetzt damit? Dann kommt mir ein Gedanke.

»Will sie etwa das Riesenvieh anfüttern?«

»Wovon sprichst du, Mann?«

Stephen hatte ich ja total vergessen. Ich drehe das Telefon in meiner Hand herum, sodass er Blondie ebenfalls sehen kann.

»Ist sie das? Zoom mal näher heran, ich kann sie nicht richtig erkennen.«

Brummend komme ich seiner Aufforderung nach und er gibt einen unüberhörbaren Pfiff von sich.

»Halleluja! Von dem, was ich erkennen kann, ist deine Eisprinzessin ziemlich hot.«

Allerdings. Sie trägt dunkle Jeans und einen roten Sweater. Die langen Haare hat sie zu einem wirren Dutt auf dem Kopf zusammengebunden, was ihr wirklich gut steht. Als sie sich bückt, präsentiert sie uns ihr wohlgeformtes Hinterteil und ich grabe die Zähne in die Unterlippe. Miss Du-bist-mir-scheißegal kann sich durchaus sehen lassen und ich verspüre augenblicklich den Drang, noch mehr von ihr zu Gesicht zu bekommen. Nur wie stelle ich das am besten an, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen.

»Du wohnst Tür an Tür mit der Sünde, das ist dir klar, oder?«

»Sieht ganz so aus«, bestätige und ich will mich gerade vom Fenster abwenden, als sie sich umdreht und sich unsere Blicke treffen. Für einen kurzen Moment ist sie überrascht, anschließend strafft sie die Schultern, setzt eine trotzige Miene auf und stapft zurück ins Hausinnere. »Eine verdammt nervige Sünde.«

Stephen lacht und ich verdrehe die Augen. »Lass einfach deinen Charme spielen, dann wird sie früher oder später einknicken, immerhin bist du in der Damenwelt nicht umsonst als Charmanter Bad Boy bekannt.«

Woher diese Kombination kommt, ist mir immer noch nicht klar. Entweder ist man charmant oder ein Bad Boy. Beides zusammen geht nicht.

»Wenn du das sagst.« Ich wende mich vom Fenster ab und mache mich daran, etwas Essbares zuzubereiten. Währenddessen lausche ich meinem Freund, der mir gerade erzählt, wie sein Nachsorgetermin im Krankenhaus war. Es fällt mir schwer, seinen Worten zu folgen, da sich das Bild der heißen Nachbarin in meine Hirnrinde gebrannt hat und ich krampfhaft überlege, wie ich an sie herankommen soll. Sie hat eben einmal mehr gezeigt, dass ich ihr so was von egal bin.

Du willst nicht ernsthaft was von ihr, oder? Mein innerer Monk klingt leicht panisch und ich sehe ihn wie Rumpelstilzchen auf und ab hüpfen. Sie mag dich nicht, das ist verschwendete Energie. Die kannst du lieber darauf verwenden, neue Leute auf der Piste kennenzulernen.

Kein schlechter Gedanke. Das eine schließt aber das andere nicht aus, oder?
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