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Ice Queen & Heartbreaker

von Angy-Me
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / Gen
18.11.2022
10.01.2023
20
28.769
7
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38 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
22.11.2022 1.036
 
Colin


Schwungvoll springe ich aus dem Wagen, schlage die Tür zu und gehe auf den Parkplatzbereich des Baumarktes zu, der für den Weihnachtsbaumverkauf abgeteilt wurde. Außer dem Verkäufer erkenne ich nur eine Handvoll Kunden, die sich die einzelnen Bäume anschauen, ehe sie ihre Entscheidung treffen. Ich schließe mich ihnen an und schlendere von einem Bäumchen zum nächsten, betaste die Zweige und checke die Größe ab. Bei uns zu Hause gab es immer eine zwei Meter hohe Fichte und das Chalet bietet genug Platz für einen stattlichen Weihnachtsbaum. Warum also nicht ausnutzen? Dekomaterial ist vorhanden, wie mir Mrs. Boomer vorab mitgeteilt hat.

Ein kleiner Junge zerrt an dem Mantel seiner Mutter und beharrt drauf, dass sie den Baum direkt vor seiner Nase kaufen, doch diesem Wunsch widerspricht der Vater. Ihm ist besagte Tanne zu schmal und schmächtig. Dem kann ich leider nur zustimmen.

Plötzlich fällt mir eine hellblaue Strickmütze mit großer Bommel on top auf, unter der lange blonde Haare den Rücken hinab fallen. Habe ich diese Kopfbedeckung nicht bereits vorhin gesehen? Und auch der dunkelblaue Wintermantel kommt mir verdächtig bekannt vor. Ist das nicht die Blondine aus dem Nachbarhaus?

Ich schiebe die Hände in die Jackentaschen und gehe die wenigen Schritte zu ihr hinüber.

»Hallo Frau Nachbarin, wo haben Sie denn ihren neuen Freund gelassen?«

Überrascht dreht sie sich zu mir um und ich nehme sie erstmal richtig in Augenschein. Ihre Iriden sind dunkelbraun und erinnern mich an köstliche Schokolade. Die vollen Lippen hat sie in einem zarten Rosaton geschminkt und sie laden geradezu zum Küssen ein. Das lange blonde Haar schimmert im Sonnenlicht und verleitet dazu, die Finger hindurch gleiten zu lassen. Ich balle die Hände in den Taschen zu Fäusten und beiße die Zähne zusammen, denn die Elchflüsterin ist wirklich ein echter Hingucker. Leider lässt der Mantel keinen Rückschluss auf ihren Körper zu und so kann ich nur vermuten, dass sie nicht nur mit einem wunderschönen Gesicht gesegnet wurde, sondern auch mit himmlischen Kurven.

»Hallo«, kommt es ein wenig verhalten von ihr. »Er ist da, wo er nicht befürchten muss, dass Sie ihn mit Schneebällen bewerfen.« Sie klingt vorwurfsvoll und ich zucke innerlich zusammen.

»Hey, hey ... immer langsam«, sage ich und halte die Hände hoch. »Ich habe ihn nie beworfen und das vorhin war auch nur als Abschreckung gedacht. Den Schneeball hätte ich nicht auf ihn direkt geworfen, sondern neben ihn. Niemals würde ich einem Tier Schaden zufügen.«

Ja, die Aktion war unüberlegt gewesen. Ich war einfach sauer, weil der Elch schon wieder in der Nähe rumlungerte und mir auch noch im Weg stand. Manchmal reagiere ich zu impulsiv, das liegt mir irgendwie in den Genen, meine Mutter ist genauso.

Blondie scheint wenig überzeugt und rümpft die Nase. »Wenn Sie das sagen. Na dann hoffe ich mal, dass er nicht noch mal bei ihnen ins Fenster schaut, denn am Ende jagen sie ihn noch mit einem Gewehr vom Hof.« Wortlos dreht sie sich wieder um und zieht einen Baum hervor, um ihn sich genauer anzusehen.

»Verurteilen Sie die Leute immer so vorschnell oder bin ich eine Ausnahme?« Wenn sie denkt, dass ich mich so leicht abwimmeln lasse, dann ist sie falsch gewickelt. Ein Colin Roberts geht nie einem Streit – oder in diesem Fall einer Meinungsverschiedenheit – aus dem Weg.

»Eigentlich nicht, aber Sie können es mir auch nicht vorwerfen, dass ich gewisse Vorbehalte habe, immerhin haben Sie vorhin einen armen Elch mit einem Schneeball bedroht.«

Ich schnaube und schüttelte ungläubig den Kopf. »Armer Elch? Was macht Sie so sicher, dass er nicht ein hinterhältiger Vertreter seiner Art ist und nur den richtigen Moment abwartet, um einen von uns zu attackieren?«

Ein leises Lachen kommt über ihre Lippen und sie bedenkt mich mit einem Blick, bei dem meine Eier zu schrumpeln beginnen. »Wenn er das wirklich wollen würde, dann hätte er es sicher schon längst getan, immerhin hat er Sie doch heute Morgen verfolgt, das sagten Sie ja selbst.«

»Was nicht ist, kann ja noch werden.«

»Lassen Sie mich raten.« Die bildschöne Schlaumeierin, tippt sich mit einem manikürten und rot lackierten Fingernagel ans Kinn. »Sie gehen jetzt nur noch mit einem Elektroschocker aus dem Haus, richtig?«

»Pfff ...«, schnaube ich und lege den Kopf schief. »Denken Sie echt, dass ich nicht allein mit dem Elch fertig werde?«

»Woher soll ich das wissen, ich kenne Sie doch gar nicht«, erwidert sie zuckersüß und ich bekomme schlagartig Karies.

Einerseits ist sie süß und verlockend, andererseits biestig. Warum finde ich das nur so anziehend? Normalerweise gebe ich mich nicht mit zickigen Frauen ab, da mir das viel zu anstrengend ist. Bei ihr verspüre ich jedoch das Verlangen sie weiter zu piesacken und einen Blick hinter ihre harte Schale zu werfen.

»Wie lange sind Sie hier?«

»Mindestens drei Wochen. Warum interessiert Sie das?« Sie runzelt die Stirn und macht sich anschließend mit dem Baum auf den Weg zu dem Verkäufer, um zu zahlen.

»Dann haben wir ja noch mehr als genug Zeit, um uns kennenzulernen. Vielleicht lade ich Sie ja mal auf eine Tasse Glühwein nach nebenan ein.«

»Tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber erwarten Sie nicht zu viel.«

Oh, diese Herausforderung nehme ich an.

Es wäre doch gelacht, wenn ich die Eisprinzessin nicht zum Schmelzen bringe.

Sie zieht ein paar Dollarscheine hervor und müht sich im Anschluss mit dem Baum ab, um ihn zu ihrem Wagen zu schaffen. Soll ich ihr helfen? Unschlüssig schaue ich ihr nach und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich sehe, wie sie das sperrige Ding von einer Hand in die andere wechselt, immer in der Hoffnung, dass es so besser funktioniert.

Nö, lass sie ruhig, meldet sich mein innerer Monk zu Wort. Sie hat dich vorverurteilt, warum solltest du ihr dann deine Hilfe anbieten?! Wenn sie so eine toughe Frau ist, wie sie gerade vorgegeben hat zu sein, kommt sie auch gut allein zurecht.

Dem kann ich mich nur anschließen. Außerdem sieht es wirklich witzig aus, wie sie schließlich versucht, den Baum aufs Dach zu hieven. Mehr als ein Mal rutscht er ihr aus den Händen und landet auf dem Boden, was Miss Etepetete zum Fluchen bringt.

Innerlich reibe ich mir die Hände und freue mich schon jetzt darauf, sie aus der Reserve zu locken. Das wird ein Spaß!
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