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Ice Queen & Heartbreaker

von Angy-Me
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / Gen
18.11.2022
10.01.2023
20
28.769
7
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Dieses Kapitel
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18.11.2022 1.524
 
Colin

Zufrieden mit mir und der Welt stehe ich neben dem Truck und blicke auf das Chalet, das in den nächsten Wochen mein Zuhause sein wird. Eigentlich ist es ja zu groß für mich, aber diese Ferien waren als Männertrip geplant, der sich in den letzten Tagen allerdings in Wohlgefallen aufgelöst hat. Zuerst brach sich mein bester Kumpel Stephen bei einem Treppensturz das Bein und schließlich wird meinem Cousin Devon auch noch der Urlaub vom Krankenhaus gestrichen, da zwei Kollegen krank geworden sind und sie nicht ohne Unfallchirurgen dastehen können.

Nun heißt es also, das Beste daraus zu machen.

Ich schultere den Rucksack und schnappe mir den Rollkoffer vom Rücksitz, den ich dann zum Eingang trage. Der Schlüssel liegt, wie mit der Maklerin verabredet, unter der Fußmatte, wo sie ihn heute Morgen für mich deponiert hat. Die Anreise hat dank eines umgekippten Lasters auf dem Highway länger gedauert als geplant. Jetzt bin ich ja hier, der Urlaub kann nach all den Störungen endlich beginnen.

Nachdem ich den Schlüssel ins Schloss gesteckt und herumgedreht habe, stoße ich die Tür mit dem Knie auf und betrete das Haus. Angenehme Wärme empfängt mich und ich atme erleichtert auf. Trotz der Sitzheizung in meinem Wagen habe ich kalte Füße. Ich lasse das Gepäck im Flur stehen und gehe noch mal zurück nach draußen, um die paar Einkäufe zu holen, die ich unten im Tal noch rasch gekauft habe. Als ich mir ein Sixpack Bier unter den Arm klemme, lasse ich den Blick über die unmittelbare Nachbarschaft wandern. Das nächste Haus steht etwa fünfzehn Meter entfernt, ein wenig nach hinten versetzt. Die Nachbarn können also weder mir in die Fenster schauen, noch ich ihnen. Aber so wie es aussieht, ist das Chalet nebenan leer. Umso besser, dann muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen.

Schnell eile ich wieder ins Warme und bringe die Lebensmittel direkt in die große geräumige Küche, mit Panoramafenster. Ich schäle mich aus der Jacke und den Winterboots und tapse in das riesige Wohnzimmer, um erstmal ein Feuer in dem aus grauen Steinen gemauerten Kamin zu machen. Plötzlich vibriert das Telefon in meiner Hosentasche. Rasch ziehe ich es hervor und sehe, dass Stephen nach einem Facetime-Gespräch verlangt.

»Hey, was geht?«, frage ich zur Begrüßung, sobald sein Gesicht das gesamte Display ausfüllt.

»Nicht viel, wie du weißt.« Er dreht das Handy um, sodass ich sein eingegipstes Bein sehen kann, dass er auf einem Dekokissen geparkt hat. »Ich sterbe hier fast vor Langeweile. Wie sieht es bei dir aus? Bist du endlich angekommen?«

»Ja, vor ein paar Minuten«, lasse ich ihn wissen und zünde das Feuer an. »Willst du eine Führung durchs Haus?«

»O ja, zeig mir, was ich dank dieses beschissenen Waschbären verpasse«, brummt er angepisst.

Stephens Großvater hatte ihn um Hilfe gebeten, da er seltsame Geräusche auf dem Dachboden hörte. Ganz der brave Enkelsohn ist er natürlich hingefahren, um nachzusehen. Wie sich herausstellte, hatte sich ein Waschbär hinter einer alten Matratze häuslich eingerichtet. Als mein bester Freund den Plagegeist einfangen wollte, hat dieser ihn über den Dachboden gehetzt und ist schließlich durch die offene Bodenklappe ins Hausinnere entwischt. Stephen jagte das Biest durch die obere Etage, allerdings immer einen Schritt zu langsam. Das Ende vom Lied war dann der Treppensturz, bei dem er sich das Wadenbein gebrochen hat.

Gemütlich schlendere ich durch den Wohnbereich, halte dabei das Telefon andersherum, damit er alles sehen kann. Hohe Decken, eine riesige Sofalandschaft, auf der sicher locker zehn Personen platz haben, eine riesige Fensterfront, die auf den Garten hinausgeht, einen gigantischen Flatscreen über dem Kamin und überall flauschige Teppiche auf dem Boden verteilt. Der Blick aus dem bodenlangen Fenster ist wirklich atemberaubend. Man schaut direkt auf einen Berg hinter den Gästehäusern. Ich öffne den Zugang zum Balkon und trete hinaus. Durch die kräftigen Schneefälle der letzten Tage ist die Natur mit einer weißen Schicht Pulverschnee bedeckt. Allerdings sind wir noch weit von der eigentlichen Schneemenge entfernt, die hier jedes Jahr herunterkommt. Im Internet habe ich etwas von elf Metern gelesen. Unfassbar. Da kann man sich ja sein eigenes Iglu bauen.

»Du weißt, dass du für Devon und mich einen Schneemann mitbauen musst, oder?«

»Klar, aber nicht mehr heute. Ich gehe mich gleich erstmal in der Sauna aufwärmen und danach schiebe ich mir eine Pizza in den Ofen, denn ich sterbe vor Hunger.«

Stephen hält erst eine Tasse mit dampfendem Glühwein ins Bild und anschließend einen riesigen Chocolate-Chip Cookie. »Der Vorteil, wenn man von der Mama gepflegt wird, ist, dass die Snacks und Getränke ständig aufgefüllt werden.«

»Oh, das erinnert mich daran, dass ich ja noch die Dose mit den Keksen im Koffer habe. Der Abend ist gerettet.« Grinsend reibe ich mir über den Bauch und freue mich schon jetzt auf die selbstgemachten Plätzchen von Mrs. Mitchell. Meine eigene Mutter ist eher eine Niete am Herd. Wäre Dad nicht gewesen, dann wäre ich wohl hauptsächlich mit Fertiggerichten groß geworden.

Weiter geht es in die Küche und dem angrenzenden Essbereich.

Eigentlich ist dieses Chalet für acht Personen ausgelegt, daher auch der lange hölzerne Esstisch und all die Stühle. Ich kann also jeden Tag auf einem anderen Platz sitzen, wenn ich will.

»Wie stehen die Chancen, dass Devon noch nachkommen kann?«, erkundigt sich Stephen, als ich gerade die Treppe nach oben ins Obergeschoss erklimme.

»Kann er gern tun, aber bisher hat er noch nichts in diese Richtung gesagt. Ich glaube auch eher nicht daran, dass die beiden Kollegen so schnell zurückkommen.« Echt schade, denn ich hatte mich so darauf gefreut, die Pisten mit den Jungs unsicher zu machen. Skifahren, Snowboarden, Rodeln ... was man eben so alles im Winterurlaub macht.

Im oberen Geschoss befinden sich vier Schlafzimmer, jeweils mit einem King Size Bett und angrenzendem Badezimmer. Des Weiteren gibt es eine kleine Bibliothek mit einem gemütlichen Lesesessel direkt neben dem Fenster.

»Na dann richte dich mal ein«, sagt Stephen, als ich gerade überlege, welches der Zimmer meins werden soll. »Melde dich mal, wenn du Zeit hast und dir nicht zu viel Schnee aus den Ohren kommt.«

»Mach ich und du ruhe dich aus. Du weißt, was Devon gesagt hat. Halte den Fuß still und versuche, nicht den Harten zu markieren.« Ich sehe ihn ernst an und hebe mahnend den Finger.

»Du bist schlimmer als meine Grandma«, murrt er und nickt mir zum Abschied zu.

In mich hinein grinsend lege ich das Telefon auf dem Bett ab und drehe mich einmal um die eigene Achse. Ja, dieses Zimmer ist perfekt für mich. Es hat einen Zugang zu dem Balkon, einen kleinen Schreibtisch und ein Sofa gegenüber dem Doppelbett. Der Einbauschrank hinter der Tür bietet genug Platz für meine Klamotten.

Rasch hole ich den Koffer sowie den Rucksack und trage beides nach oben. In Windeseile krame ich den Kulturbeutel hervor und stelle ihn auf der Ablage im Badezimmer ab. Mit einem Duschtuch bewaffnet begebe ich mich dann in den Keller, wo ein Indoor-Pool und die Sauna untergebracht sind. Während das Dampfbad erst auf Temperatur kommen muss, inspiziere ich den Poolbereich. Eine Wand besteht komplett aus Stein und davor stehen einige Liegen zum Relaxen. An den Holzwänden hängen Bilder von Blumen und in den Ecken wurden große Vasen mit Schilf aufgestellt. Das Wasser ist glasklar und lädt geradezu ein, hineinzuspringen.

Später, sage ich mir. Alles zu seiner Zeit.

Erst mal wärme ich mich in dem Heißluftbad auf.

Ich ziehe mir den Pullover über den Kopf und werfe ihn auf eine der Liegestühle. Es folgen die Jeans, die Socken und die Shorts. Nackt wie Gott mich schuf, drehe ich mich um und bekomme fast einen Herzinfarkt. Vor dem Fenster steht etwas Braunes.

Was ist das?

Blinzelnd starre ich geradeaus und bin wie erstarrt.

Auch mein Gegenüber scheint nicht zu wissen, was er oder sie tun soll.

Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den Nächsten und nähere mich der Glasscheibe.

Das riesige Ungetüm auf der anderen Seite legt den Kopf schief. Die Ohren zucken und ich erkenne den Ansatz eines Geweihs.

»Ist das ein Elch?«, frage ich in die Stille hinein und bleibe schließlich wieder stehen. »Ich fasse es nicht.« Wie vom Blitz getroffen schießen meine Hände nach oben und legen sich über mein bestes Stück. »Starrst du mir etwa gerade auf den Schwanz?«

Das Tier schüttelt sich kurz und dreht sich dann ab, um wieder dorthin zu verschwinden, wo auch immer es hergekommen ist.

Von wilden Waldbewohnern, die die Gäste besuchen und bespannen kommen, habe ich weder etwas gelesen noch von der Maklerin gehört. Suchte der Elch etwa Futter? Was fressen Elche eigentlich?

Wenn ich nachher Pizza esse, sollte ich mich wohl auch mal informieren, wie man mit herumstreunenden Elchen verfährt, immerhin könnte das Tier nochmal hier aufkreuzen und da wäre es besser vorbereitet zu sein.

Schmunzelnd betrete ich die Sauna, schließe die Tür hinter mir und mache es mir auf der Holzbank bequem. Mit geschlossenen Augen lehne ich den Kopf nach hinten und atme tief durch.

Was für ein verrückter Tag!

Mal sehen, was morgen so alles passiert ...


*****

Da bei uns heute der erste Schnee fiel, war ich irgendwie in der Stimmung für eine weihnachtliche Geschichte. ♡
Ich hoffe das erste Kapitel konnte Euer Interesse wecken und ihr seid gespannt, wie es weitergeht. ;)
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