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The Phantom of the Castle

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
17.11.2022
01.12.2022
9
14.028
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24.11.2022 2.002
 
Der nächste Morgen brach an, doch davon merkte ich nicht viel. Hier unten in Eriks Reich war es immer dunkel und ich erwachte nur, weil mir mein Magen das fehlende Frühstück übel nahm. Im ersten Moment wusste ich nicht, wo ich war, als ich mich verschlafen in dem Bett aufsetzte, doch dann fiel es mir wieder ein und ein leichtes Lächeln legte sich auf meine Lippen. Dann fiel mein Blick auf die Uhr, die an der Wand hing. Sie zeigte kurz nach halb neun. Erik würde sicher schon wach sein und ich war unendlich froh darüber, heute einen freien Tag zu haben. Mit diesem freudigen Gedanken stieg ich aus dem Bett, richtete Decke und Kissen und ging zu dem Schrank mit den Kleidern. Sicher würde es ihm nichts ausmachen, wenn ich mir eines davon nahm und so entschied ich mich für ein dunkelgrünes, welches sanft bis zum Boden fiel und wärmte.
Nachdem ich das Zimmer verlassen hatte, konnte ich bereits den Geruch von Essen wahrnehmen und zog überrascht die Augenbrauen nach oben, während ich meiner Nase in das Kaminzimmer folgte und sich mir ein erstaunlicher Anblick bot. Erik stand dort, ein herrliches Frühstück auf dem Tisch vor sich ausgebreitet und entzündete gerade ein paar Kerzen, die den über Nacht ausgekühlten Raum in ein warmes Licht warfen. Dann vernahm ich eine leise Melodie und mir wurde mit einem Mal klar, dass er summte! Er schien entspannt zu sein, ja sogar glücklich und dieses Wissen machte mich fast noch glücklicher. Doch trotzdem war der Anblick amüsant. Erik trug, wie eigentlich immer, einen edlen Anzug und seine Ausstrahlung war so mächtig wie eh und je. Zudem wusste ich, dass er nicht frühstückte. Er aß allgemein viel zu wenig und doch hatte er sich diese Mühe für mich getan.
Wahrscheinlich hätte ich noch ewig hier stehen bleiben können, um dieses seltsame Schauspiel zu beobachten, doch er wäre nicht er, wenn er mich nicht doch irgendwann bemerkt hätte. Mit einem Schlag verstummte sein Summen und er drehte sich zu mir um. Wirkte er im ersten Moment noch leicht erschrocken, so trat im nächsten doch ein sanftes Lächeln auf seine Lippen. „Eleanne! Guten Morgen, ich hoffe du hast gut geschlafen. Ich habe dich doch nicht geweckt, oder?“ Besorgt trat er auf mich zu und blickte auf mich herab. Doch ich schüttelte nur beruhigend den Kopf. „Guten Morgen, Erik. Du hast mich nicht aufgeweckt, mein Magen ist schuld daran.“, erklärte ich ihm schmunzelnd und er nickte erleichtert. „Komm, setz dich. Ich hoffe, es ist etwas dabei, was dir mundet.“, bat er mich sanft und ich folgte dieser Aufforderung nur zu gerne. Gerade wollte ich den Stuhl ergreifen, um mich darauf zu setzen, da zog er ihn schon zurück, um mir dies abzunehmen und mir zu helfen. Dann nahm er mir gegenüber Platz, schenkte sich dampfenden Kaffee in eine Tasse und betrachtete mich ehrfürchtig. „Das Kleid steht dir fabelhaft.“ Geschmeichelt von dem Kompliment, wurden meine Wangen zart rot und ich lächelte vorsichtig. „Danke, Erik.“ Ich nahm mir etwas von der großen Auswahl an Leckereien und begann zu essen. Der Mann mir gegenüber griff jedoch nur zögerlich nach einer Kleinigkeit und aß sehr wenig, was mir ein leises Seufzen entweichen ließ. „Bitte iss etwas mehr, du bist so dünn.“, wisperte ich besorgt und überrascht sah mich das Phantom an. „Ich esse nie viel, meistens vergesse ich es.“, gab er zu und zuckte leicht mit den Schultern. „Aber dein Körper braucht doch die Energie, ich will nicht, dass du irgendwann deshalb krank wirst und mir zusammenbrichst.“ Meine Besorgnis war aufrichtig und das schien er zu merken, denn nach einem erneuten Zögern, legte er sich etwas mehr auf den Teller. „Also gut, für dich.“ Leicht schmunzelte er und wir frühstückten gemeinsam weiter. „Hast du denn gut geschlafen?“, wollte ich schließlich wissen und sah mein Gegenüber neugierig an, doch er zuckte nur leicht mit den Schultern. „Wie immer. Genau wie beim Essen merkt mein Körper es selten, dass er Schlaf benötigt.“ Diese Antwort machte mich nicht sonderlich glücklich, doch ich ließ es bleiben und wechselte das Thema. „Du scheinst dich des Öfteren an der Garderobe des Fürsten zu bedienen, nicht wahr?“ Kurz wollte der Mann protestieren, bemerkte dann jedoch mein amüsiertes Grinsen. „Nun, er hat ja genug und es scheint ihm nicht zu fehlen.“ Als er das sagte, blickte er an sich herab und strich sich dabei eine Falte aus dem Frack. Leise lachte ich auf und schüttelte nur den Kopf. „Die armen Dienstmädchen, die dafür immer von seiner Exzellenz blöd angeredet werden. Das ist natürlich ein Weltuntergang für sie, vom ach so tollen Fürsten Abneigung zu spüren. Wie gut, dass ich nun weiß, wer dahinter steckt.“ Erik hob eine Augenbraue und ein leises Lachen kam über seine Lippen. „Du wirst mich doch nicht verraten, oder?“, fragte er grinsend und ich grinste leicht zurück. „Vielleicht?“ Die Stimmung in dem Raum war so, wie ich sie noch nie erlebt hatte: Gelöst und heiter. Jeder von uns genoss die Anwesenheit des anderen und es tat gut, über solch Belanglosigkeiten zu lachen. Eriks Lachen war schön. Diesen Klang würde ich niemals mehr vergessen. Er hatte zwar eine tiefe, samtene Stimme, doch sein ehrliches Lachen war hell und ansteckend und so dauerte das Frühstück viel länger, als so eine Mahlzeit für gewöhnlich dauern würde.
„Wo kann ich das Geschirr hin räumen?“, fragte ich Erik schließlich, als die Zeit nun doch schon weit fortgeschritten war und er wank es ab. „Das muss ich wieder hochbringen. Ich habe hier keine Küche und bediene mich hier ebenfalls an der des Schlosses.“, erklärte er mir und räumte die leeren Teller und Schüsseln auf ein kleines Tablett. Ganz automatisch wollte ich ihm dabei helfen, doch er wies mich verwirrt ab. „Du musst das nicht machen, ich mach das schon.“ Und mit diesen Worten ging er zur Tür. „Ich bin gleich wieder zurück.“
Erik war eine ganze Weile weg, doch das kümmerte mich nicht weiter. Ich wusste, dass es eine Weile dauerte, um in sein Versteck zu gelangen und er musste den Weg auch noch hin- und zurückgehen. So sah ich mich nun also etwas neugierig durch das Bücherregal hier im Kaminzimmer und endete schließlich mit einem Buch auf der Chaiselongue.
Tief in das Buch versunken, bemerkte ich seine Rückkehr erst, als er neben mir auftauchte. „Vermisst dich niemand, wenn du die ganze Zeit hier unten bei mir bist?“, wollte er wissen und musterte mich dabei abschätzend, doch ich schüttelte den Kopf. „Nein, wer denn auch?“
„Deine Kollegen? Dieser John... Er sucht ständig deine Nähe.“ Missfallen klang in dem Tonfall mit, mit dem er sprach und das überraschte mich. „Ich habe heute meinen freien Tag, sie werden mich nicht vermissen und was John angeht, mach dir deshalb bitte keine Gedanken. Er ist einfach ein sehr ehrgeiziger Musiker und will wohl nur höflich sein.“ Ein freudloses Lachen entkam dem Phantom und er schüttelte den Kopf. „Ehrgeizig, oh das beschreibt es gut. Halte dich von ihm fern! Zu deinem eigenen Schutz!“
„Was? Darf ich denn keine Freunde unter meinen Kollegen haben? Er wird mir schon nichts tun!“
„Eleanne, ich meine es ernst! Natürlich darfst du Freunde gaben, doch halte dich von Männern fern!“ Empört stand ich von der Chaiselongue auf und legte das Buch zur Seite. Die friedliche Stimmung des Morgens war hinüber. „Alle Musiker hier am Hofe sind aber nun mal Männer und sie interessieren mich nicht auf diese Weise, wie du es vielleicht meinst. Also sollte das deine Sorge sein, so kann ich dir versichern, dass sie unbegründet ist, auch wenn es dich nichts anzugehen hätte, sollte es doch anders sein.“ Wut blitzte wieder in den eigentlich so schönen grünen Augen auf und die Stimme, die mir antwortete, donnerte laut in dem kleinen Raum. „Oh doch! Du gehörst zu mir! Kein anderer wird je deine Liebe zur Musik so gut verstehen wie ich! Kein anderer wird je deine Seele besser verstehen, als ich!“ Eifersucht kam zur Wut hinzu, doch anstatt mich zu verschrecken, stellte ich mich standhaft vor ihn hin. „Wie bereits gesagt: Diese Männer interessieren mich nicht. Bitte versteh mich doch nicht immer falsch.“ Mit diesen Worten legte ich sanft eine Hand auf seine Schulter und suchte seinen Blick, welcher sich langsam wieder aufklarte. Tief atmete er durch und nickte leicht. „Ist gut, verzeih meine aufbrausende Art. Es ist nur... Ich habe Angst, dich zu verlieren.“ Diese Worte brachten mein Herz dazu, doppelt so schnell zu schlagen, wie noch vor wenigen Sekunden. „Das wirst du nicht, ich verspreche es dir. Und nun, wollen wir etwas unternehmen?“ Zustimmend nickte er und ließ mich wählen, was wir machen könnten. „Ich denke kaum, dass du hinaus zum Spazieren gehen willst. Hm... Was hältst du von Schach?“
„Sehr gerne, meist spiele ich es nur gegen mich selbst. Es könnte spannend werden, mal einen neuen Gegner zu haben.“, stimmte er leise lachend zu und holte ein Schachspiel aus einer Kommode hervor, welches er dann auf den kleinen Tisch neben der Chaiselongue stellte. Dann setzten wir uns gegenüber und begannen mit der Schlacht...
Immer und immer wieder gewann Erik und irgendwann ließ ich mich frustriert auf dem Stuhl nach hinten sinken. „Du bist einfach zu gut!“, seufzte ich auf und der Mann grinste mich an. „Tja, das Jahre lange Training hat sich wohl doch gelohnt.“, gab er darauf hin zurück und betrachtete mich. „Darf ich fragen, wie lange du nun schon hier lebst?“, setzte ich vorsichtig an und tatsächlich nickte er. „Seit ungefähr... 20 Jahren.“ Mit großen Augen starrte ich ihn an. Das konnte er doch nicht ernst meinen! „20 Jahre... Und all die Zeit in völliger Einsamkeit?“ Unsicher nickte der Mann. „Ich kenne es nicht anders. Mein Leben war schon immer einsam, das ist wohl ein Teil meines verdammten Daseins.“ Als er das gesagt hatte, legte ich meine Hand auf die seine, die neben dem Schachbrett auf dem Tisch ruhte und strich mit dem Daumen leicht über seinen knochigen Handrücken. „War. Das war ein Teil deines Daseins. Doch nun bin ich da.“ Zärtlich drehte er seine Hand und umfasste die meine. Und dann, ganz langsam, verschränkten wir unsere Finger ineinander.
„Willst du noch eine Chance, um zu gewinnen?“ Schmunzelnd nickte ich und blickte auf unsere ineinander verschränkten Hände. Von seiner Berührung breitete sich ein angenehmes Kribbeln in meinem Inneren aus und ich wollte sie nicht lösen, weshalb ich seine Hand etwas fester hielt. Doch Erik schien die Berührung ebenfalls noch nicht lösen zu wollen und so spielten wir beide nochmals eine Partie Schach, diesmal einhändig.
„Du hast mich absichtlich gewinnen lassen! Dieser Sieg fühlt sich nicht echt an!“, lachte ich auf, als ich seinen König in die Enge getrieben hatte, doch der Mann sah mich nur unschuldig an. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Du hast gegen den Schachmeister gewonnen und deshalb hast du dir einen Preis verdient.“ Er erhob sich, wodurch sich die Berührung unserer Hände löste und trat zu einem anderen kleinen Tisch, der sich in der Ecke des Raumes befand. Darauf befand sich ein kleiner Tresor, welchen er nun öffnete und etwas funkelndes daraus hervor holte. Es war ein mit Diamanten besetztes Armband. Langsam kam er damit zu mir zurück und griff nach meiner Hand, um es mir umzulegen, doch ich entzog ihm diese und starrte auf das Schmuckstück. „Erik, das ist zu viel, das kann ich nicht annehmen!“, murmelte ich, doch er ignorierte meine Worte und griff erneut nach meiner Hand. Dann legte er es mir um. „Es ist wie für dich gemacht.“ Zärtlich hauchte er einen Kuss auf meinen Handrücken und ließ sie dann langsam wieder los. „Aber das ist zu viel... Und außerdem würde es im Schloss doch auffallen, wenn ich so etwas Kostbares tragen würde.“, „Dann sag einfach, es kommt von deiner Familie.“ Ehrfürchtig blickte er von dem Armband wieder zu meinem Gesicht und wir sahen uns einen Augenblick einfach nur an. „Danke.“, wisperte ich schließlich und unterbrach die Stille, die entstanden war. „Es ist wirklich wunderschön.“ Zärtlich legte er eine Hand an meine Wange. „Genauso wie du...“, sprach er leise und ich schmiegte mich unwillkürlich mehr an seine Hand.
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