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Fighting

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P16 / Gen
Carlos Sainz jr. Charles Leclerc Lando Norris Max Verstappen Mick Schumacher Pierre Gasly
16.11.2022
28.11.2022
6
9.377
3
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24.11.2022 1.425
 
Kapitel 4

Es wurde zwar schon öfter behauptet, dass Max und ich in einer Beziehung seien, aber nach unseren ständigen Dementierungen hat das irgendwann aufgehört. Und vor allem wie kommen die denn jetzt noch auf Lando? Mein Kopf ist voller Fragezeichen.

„Es wurden Bilder gemacht, auf denen du mit Lando vor dem Hotel am Auto zu sehen bist. Es sieht so aus, als hättet ihr euch kurz vorher geküsst. Denn ihr seht sehr vertraut aus und vor allem sind eure Köpfe nah aneinander“, erklärt Max mir. Schnaubend verschränke ich die Arme vor der Brust, das darf doch alles nicht wahr sein.

„Na komm, lass den Kopf nicht hängen, die werden das bestimmt bald vergessen“, versucht Max mich aufzumuntern. Ich schaue ihn mit meinem `nicht- dein- Ernst -Blick´ an, denn er weiß selber, dass das nicht stimmt. „Okay, hast recht, das wird vermutlich noch eine Weile in den Medien stehen, aber, wenn nur einer ein krummes Wort zu dir sagt, bekommt er es mit mir zu tun, versprochen“, murmelt Max und zieht mich an meiner Hand zu ihm um mich in den Arm zu nehmen. In dem Moment bricht vor der Tür Gebrüll aus und Lando kommt hereingeflitzt, anschließend schließt er die Tür blitzschnell vor einem RedBull-Mitarbeiter. Triumphierend sieht er uns an, bis sein Blick auf unsere verschränkten Hände fällt.

„Oh, störe ich? Sorry, I-ich“, stottert er.

Max grinst und lässt meine Hand los „Keine Panik Lando, wir machen nichts Unanständiges und zerfleischen werde ich dich auch nicht. Denn erstens weiß ich, dass die Presse nur scheiße labert und zweitens sind Hannah und ich nur beste Freunde.“

Erleichtert atmet Lando aus „Gut. Ich hatte schon Angst. Aber was die Klatschpresse sich wieder zusammengeiert ist echt übel und dass sie noch so beleidigend werden ist das letzte. Respekt Hannah, dass du noch so gefasst bist. Ich wäre längst durchgedreht. Ich meine die bezeichnen dich indirekt als Schlampe.“

„Lando“, mahnend sieht Max ihn an, wird aber rüde von mir unterbrochen.

„Wie bitte? Zeig mir den Artikel!“

„Ähh“, macht Lando „Ich dachte du hast ihn schon gelesen.“

„Nein“, seufze ich „Mein Handy ist vorhin abgestürzt.“

Verlangend strecke ich meine Hand nach seinem Handy aus. Doch Lando zögert.

„Vielleicht ist das keine so gute Idee, das zu lesen. Vor allem weil doch in zwei Stunden das letzte Training startet.“

„Ich bin sowieso schon abgelenkt und sonst grübele ich die ganze Zeit, was darin steht“, widerspreche ich Lando.

„Na gut“, murmelt Lando und reicht mir sein Handy mit dem geöffneten Artikel.

Max schaut mich besorgt an „Ich finde das immer noch nicht gut, bitte nimm dir den Artikel nicht so sehr zu Herzen, immerhin wissen wir, dass das nicht stimmt.“

Während ich lese, verengen sich meine Augen zu schlitzen. Die behaupten, dass ich mit jedem dahergelaufenen Formel 1 Piloten schlafe nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, weil ich als Fahrerin eine Versagerin sei. Fassungslos sehe ich zu Lando und Max „Wer hat das schon alles gelesen?“

„Keine Ahnung, aber glaub mir die anderen Fahrer geben da einen Scheiß drauf, die glauben das was sie von uns hören und sonst nichts“, beruhigt Max mich ein wenig.

„Und McLaren?“

„Mach dir keinen Kopf, ich stehe hinter dir“, meint Lando „Und Zak und Andi sind korrekt.“

„Lässt du mich kurz meine Eltern anrufen?“, erkundige ich mich bei Max.

Nickend reicht er mir mein Handy und ich beruhige erstmal meine Eltern. Ich kann sie gerade so noch davon zu überzeugen nicht herzufliegen, indem ich behaupte, dass Max auf mich aufpasst und ihn vergöttern sie. Es ist nichtmal gelogen, denn Max passt schließlich wirklich auf mich auf. Denn eins weiß ich ganz genau, wenn meine Eltern kommen würden, würden sie nicht ohne mich gehen und dann wäre das, dass einzige Rennen das ich jemals fahren werde.

Seufzend lege ich auf, dann nehme ich mein nutzloses Handy aus meiner Hosentasche und drücke ein paar Mal draufherum.

„Wenn du willst, bringe ich es zu unserer IT“, bietet Max an „Die kennen sich nicht nur mit Computern aus.“

„Danke.“

„Und wir zwei sollten jetzt wohl zu McLaren“, meint Lando.

Max bringt uns zum Hinterausgang von RedBull, damit wir nicht gleich entdeckt werden und so machen wir uns auf zu McLaren.

„Ab in die Höhle des Löwens“, brumme ich.

Zu meinem Glück sind Zak und Andreas wirklich verständnisvoll und versprechen mir, dem Klatschmagazin die Hölle heiß zu machen, damit der Artikel gelöscht wird.

Etwas hoffnungsvoller gehe ich aus dem Gespräch heraus, diese wird aber gleich zerstört, als ich meine Box betrete und ich einige abschätzende Blicke zugeworfen bekomme. Froh meinen Renningenieur zu sehen, trete ich auf ihn zu und höre seinen Instruktionen zu. Aufmuntert drückt er meine Schulter, als ich gehe um mich in meine Rennsachen reinzuquetschen.

Während dem Fahren versuche ich mich zu fokussieren, doch ich habe das Gefühl einen Tunnelblick zu haben und ständig zu spät zu bremsen. Einmal rutscht mir deshalb des Heck weg und ich drehe mich mit meinem Auto. Mein Herz rast, aber glücklicherweise ist niemand in meiner Nähe und ich komme auf der Strecke zum Stehen. Schweratmend fahre ich weiter in die Box um neue Reifen zu bekommen. Die letzten Minuten fahre ich nur noch sehr vorsichtig. Als die Zeit um ist, bin ich mehr als erleichtert aus dem Auto raus zu kommen.

Enttäuscht von mir selbst gehe ich mit geschlossenem Visier in meinen Driverroom. Ich habe mich ablenken lassen und den Medien genau das gegeben was sie wollten. Ich habe versagt. Ich bin absolut lausig gefahren, wie soll das nur was bei der Quali werden? Ich habe hier wirklich nichts zu suchen, die Formel 1 ist einfach nichts für mich, das ist eine Nummer zu groß. Ich pfeffere meine Handschuhe in die Ecke, dann lasse ich mich einfach auf den Boden sinken. Gegen die aufkommenden Tränen kann ich nichts machen. Ich öffne das Visier um mir die Tränen wegzuwischen.

Als es klopft stehe ich erschöpft aus, ich weiß nicht wie lange ich hier saß, aber meine Beine fühlen sich an, als seien sie eingerostet vom langen Sitzen. Ich öffne die Türe und erblicke Lilli.

„Hey“, murmelt sie „Darf ich reinkommen?“

Ich nicke nur, da ich mir nicht sicher bin, ob ich meiner Stimme vertrauen kann.

Eine Weile schweigen wir, dann bricht Lilli die Stille „Wie geht’s dir? Kann ich die irgendwie helfen?“

„Kannst du Formel 1 fahren?“, frage ich rhetorisch.

„Nein?“, verwirrt und fragend sieht sie mich an.

„Dann nicht“, seufze ich. „Dann werde ich wohl selber fahren müssen und erneut versagen.“

„Sag sowas nicht“, meint Lilli „Ich habe deine Rennen angeschaut nachdem ich erfahren habe, dass ich deine Mediabeauftragte werde und du fährst wahnsinnig gut.“ Begeistert sieht sie mich an und mir gelingt ein kleines Lächeln.

„Das ist lieb, dass du das sagst.“

„So und jetzt ab raus aus deinem verschwitzten Anzug. Versuche dich die nächste Stunde abzulenken und dann wird das Qualifying. Du musst in die Top Ten kommen ich habe mit Michel gewettet und der ist so arrogant, wenn er Recht hat. Ich will sein Gesicht sehen, wenn er gegen mich verliert“, grinst Lilli mich verschwörerisch an.

„Ich gebe mein bestes“, verspreche ich. Und fühle mich tatsächlich besser als noch vor einigen Minuten. Dankend umarme ich Lilli, was sie naserümpfend zulässt. Neckisch strecke ich ihr die Zunge raus und verschwinde dann im Bad um zu duschen. Ist zwar angesichts dessen, dass ich in zwei Stunden erneut so verschwitzt sein werde bisschen unnötig, aber ich weiß, dass ich mich danach besser fühlen werde.

Frisch geduscht, verlasse ich über den Hinterausgang das McLaren-Gebäude und spaziere hinter dem Boxenbereich herum, der schön verlassen ist, da sich alle davor befinden, ganz hinten entdecke ich eine Person zusammengesunken dasitzen. Zögerlich trete ich auf sie zu, denn sie sieht genauso verzweifelt aus, wie ich mich vor wenigen Minuten auch noch gefühlt habe. Beim Näherkommen entdecke ich Mick Schuhmacher.

„Darf ich mich setzen?“, frage ich.

Er deutet nur mit einer Handbewegung neben sich und lächelt schwach „Was für ein beschissener Tag.“

„Kann man wohl so sagen“, stimme ich zu. „Willst du drüber reden? Was bei mir los ist, weißt du wahrscheinlich schon. Wenn du willst, können wir auch einfach einträchtig schweigen, denn manchmal wird reden auch überbewertet.“

So leisten wir uns einfach schweigend Gesellschaft, irgendwann fängt der Deutsche neben mir an zu erzählen was ihn bedrückt. Wie sehr ihn die Hater mitnehmen, die immer lauter werden und behaupten er wäre nur wegen seinem Namen in der Formel 1 und wie kaputt ihn das macht. Manchmal können einen die Menschen echt kaputt machen, genau wie der Hass, den man abbekommt, wenn man bekannt ist.
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