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Bücherliebe

von Mondfuchs
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / Het
15.11.2022
16.12.2022
29
62.806
3
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25.11.2022 1.454
 
Am nächsten Tag redete Rakuto nicht besonders viel mit mir. Beim Frühstück saß er nicht mal mit am Tisch, sondern stand hinter mir an der Küchenzeile. Auch, als wir zusammen zur Uni gingen, war er relativ still und sagte nur etwas, wenn ich ihn ansprach. Zwischen den Kursen und Vorlesungen hatten wir nicht wirklich viel Zeit zu reden, so dass es schwer war, ihn zu fragen, warum er so schweigsam war. Ich konnte mir den Grund dafür natürlich denken, aber ich hoffte, dass ich mich vielleicht irrte.
Auf dem nach Hause Weg ergriff ich die Chance.
"Hey, Raku, warum bist du heute eigentlich so still?", fragte ich ihn und warf ihm einen kurzen Blick zu.
"Ach, ich konnte nicht wirklich gut schlafen, daher bin ich ziemlich müde und fühle mich wie gerädert", antwortete er.
"Oh, aber das war doch hoffentlich nicht meine Schuld?", erkundigte ich mich.
"Nein, natürlich nicht, das war…", er unterbrach kurz, "wegen was anderem, etwas, das mich beschäftigt."
"Willst du vielleicht mit mir darüber reden?", bot ich ihm an. Ich mochte es irgendwie gar nicht, dass es ihm nicht gut ging.
"Nein, schon gut, ist nicht so wichtig", sagte er hastig. Nun war ich ziemlich neugierig, aber ich wollte ihn auf keinen Fall nerven oder ihn zu etwas drängen.
"Okay, aber wenn du es dir anders überlegst, du kannst jederzeit mit mir reden, egal wann, sogar mitten in der Nacht", ließ ich ihn wissen. Er murmelte darauf nur ein unsicher klingendes "Okay". Den Rest des Weges schwiegen wir beide wieder. Ich hätte wirklich zu gern gewusst, was Rakuto so beschäftigte, dass er deswegen nicht schlafen konnte. Es klang für mich gar nicht so unwichtig. Ich hoffte einfach, dass er vielleicht später noch mit mir reden würde.
Zuhause angekommen ließ Rakuto mich wissen, dass er sich ein bisschen hinlegen wollte und verschwand in seinem Zimmer. Ich setzte mich auf die Terrasse. Irgendwie war ich ein wenig traurig darüber, dass Rakuto nicht mit mir reden wollte und gleichzeitig fragte ich mich, wieso mich das so traurig machte. Ich fühlte mich plötzlich ein wenig einsam und wünschte mir insgeheim, dass er es sich anders überlegen würde und sich zu mir auf die Terrasse setzen würde. Als plötzlich die Terrassentür aufging, sah ich hoffnungsvoll hin, doch es war Torin, den ich dort erblickte. Ungewollt stieß ich traurig einen Seufzer aus. Warum nur war ich jetzt so enttäuscht?
"Hey, alles okay bei dir?", fragte Torin besorgt, während er sich neben mich setzte. Ich überlegte kurz, bevor ich ihm erzählte, was am Abend zuvor war und von meiner Vermutung, dass es das war, was Rakuto beschäftigte, auch wenn er was anderes sagte.
"Halt warte mal, Rakuto hat dich nackt gesehen!?", stieß Torin laut aus, woraufhin ich ihm deutlich zu verstehen gab, etwas leiser zu sein.
"Ja, leider. Ich blöde Kuh hatte nicht abgeschlossen. Mir macht es ja nicht wirklich was aus, aber ihm wahrscheinlich schon", erwiderte ich mit gesenktem Blick.
"Der Glückliche", hörte ich Torin kaum hörbar murmeln.
"Ich verstehe nicht, warum ihr Männer daraus immer so eine große Sache macht. Ich hatte gehofft, Raku ist da anders", meinte ich enttäuscht.
"Äh, naja, ich meine, du bist wunderschön und sexy, du hast eine absolute Traumfigur. Das lässt selbst jemanden wie Rakuto nicht kalt, glaub mir. Aber ich wette, bei anderen Frauen wäre es ihm wohl egal", meinte Torin. Ich sah ihn verwundert an.
"Warum sollte ihm das bei anderen egal sein? Es gibt doch noch viel hübschere Frauen als mich", fragte ich. Torin warf mir einen Blick zu, den ich nicht deuten konnte.
"Ich bin mir nicht sicher, ob er das auch so sieht", antwortete Torin. Jetzt war ich verwirrt. Ich verstand nicht so ganz, was er meinte.
"Äh, irgendwie verstehe ich grad nicht so ganz, was du meinst", ließ ich Torin wissen. Er stand auf und drehte sich von mir weg.
"Du wirst schon noch auf den Trichter kommen", sagte er und ging einfach nach drinnen, während ich verwirrt zurück blieb.
Ein paar Minuten blieb ich noch sitzen, dann ging ich schnell duschen und versicherte mich diesmal, dass ich abgeschlossen hatte. Anschließend ging ich in mein Zimmer und warf mich aufs Bett. Viele Gedanken kreisten mir im Kopf. Ich fühlte mich immer noch traurig, weil Rakuto nicht mit mir reden wollte. Ob er jetzt wohl schlief? Ich wäre so gern zu ihm gegangen, doch aus irgendeinem Grund traute ich mich nicht, an seine Tür klopfen zu gehen. Was war denn nur los mit mir? Während ich weiter versuchte meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, wurde ich irgendwann müde und schlief einfach ein.
Am nächsten Morgen saß ich grad beim Frühstück, Marisa und Torin waren schon zur Arbeit, als Rakuto aus seinem Zimmer kam. Als ich ihn erblickte, fing mein Herz an zu rasen und ich fragte mich, wieso eigentlich. Er murmelte ein verschlafenes "guten Morgen" und setzte sich zu mir an den Tisch, was mich sehr freute.
"Hey, guten Morgen. Geht's dir heute besser?", fragte ich ihn und versuchte Blickkontakt herzustellen.
"Naja, ich hab zumindest mehr geschlafen diese Nacht", antwortete er. Ich erwiderte ein freundliches "freut mich" und bemühte mich um ein Lächeln. Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich unsicher und nervös und ich hatte ein komisches Gefühl in der Magengegend, weshalb ich es nicht schaffte, mein Frühstück aufzuessen. Ich schob meinen Teller beiseite und versuchte mich irgendwie wieder zu sammeln, doch es klappte nicht so recht.
"Ich äh, bin mal kurz… im Bad", stammelte ich nervös und hastete ins Badezimmer. Dort angekommen atmete ich erstmal durch, dann spritzte ich mir kaltes Wasser ins Gesicht. Warum nur machte mich Rakuto plötzlich so nervös und unsicher? Unwillkürlich dachte ich zurück daran wie ich ihm vor 2 Tagen in die Arme gefallen bin und wie er mich tröstend umarmte. Ich erinnerte mich auch an das kribbeln im ganzen Körper, während er das tat. Dieses Kribbeln hatte ich schon öfter in seiner Gegenwart gehabt, immer wenn wir uns sehr nahe waren. Ich tat es zuvor immer als harmlos und normal ab, aber nun musste ich wohl oder übel den Tatsachen ins Auge sehen. Ich hatte mich doch tatsächlich in Rakuto verliebt.
Ich klatschte mir nochmal eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht.
"Jetzt reiß dich mal zusammen Michelle. Er darf auf keinen Fall irgendwas merken", schallte ich mich in Gedanken. Ich wollte nicht, dass zwischen uns alles immer seltsam war. Der Vorfall vor 2 Tagen war schon schlimm genug. Nun da ich meine Gefühle zugegeben hatte, machte es mir plötzlich doch etwas aus, dass er mich gesehen hatte. Was sollte ich denn jetzt bloß tun? Am besten verhielt ich mich so unauffällig wie möglich.
Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken.
"Michelle? Alles in Ordnung?", hörte ich Rakutos besorgt klingende Stimme. Ich sammelte mich kurz, ehe ich zur Tür ging und sie öffnete.
"Geht's dir nicht gut?", hakte Rakuto nochmal nach, während er mich besorgt ansah. Wieder begann mein Herz zu rasen.
"Doch doch, mir war gerade nur etwas übel, aber es geht schon wieder", antwortete ich schnell. Immerhin war das ja nicht gelogen, ich ließ nur den Grund für meine Übelkeit bewusst aus.
"Bist du sicher?", hakte Rakuto erneut nach.
"Ja, alles gut, komm, wir müssen los", lenkte ich schnell ab, holte meine Tasche und ging mir meine Schuhe anziehen. Rakuto tat es mir gleich.
Dieses Mal war ich diejenige, die den ganzen Tag über schweigsam war und Rakuto erkundigte sich noch ein paar Mal, ob wirklich alles in Ordnung ist, was ich unglaublich süß fand. Ich wusste, dass es ab jetzt sehr schwer werden würde, mich ihm gegenüber normal zu verhalten, aber ich musste es zumindest versuchen. Auf keinen Fall wollte ich unsere Freundschaft aufs Spiel setzen.

Ein paar Tage vergingen, ohne das irgendwas besonderes passierte. Rakuto und ich fanden kaum Zeit zu reden, da wir beide mit der Uni beschäftigt waren und wenn dann lernten wir nur zusammen. Es war sehr schwer, meine Gefühle zu verstecken, da ich in Rakutos Nähe immer so nervös und unsicher war, seit ich sie mir eingestanden hatte. Scheinbar gelang es mir aber ganz gut, da er nichts zu bemerken schien oder zumindest nichts erwähnte. Er war allerdings allgemein relativ schweigsam geworden und auf meine Nachfragen antwortete er stets damit, dass er müde sei und nicht schlafen konnte. Mit mir reden wollte er darüber nach wie vor nicht und bestand darauf, dass es nicht so wichtig sei.
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