Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Bücherliebe [Arbeitstitel]

von Mondfuchs
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P16 / Het
15.11.2022
28.11.2022
21
39.893
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
24.11.2022 1.796
 
Ehe ich mich versah, war es schon soweit und der erste Tag an der Uni stand bevor. Eigentlich hatte ich gehofft, dass sich noch vor Studienstart eine Gelegenheit ergab, Michelle zu sagen, was ich empfand. Im Studiumsstress war das sicher noch schwerer.
Am ersten Tag fanden noch keine Kurse oder Vorlesungen statt. Wir wurden herumgeführt und mussten uns anschließend in der Aula versammeln. Alle Professoren stellten sich vor, was mir irgendwie endlos erschien. Wir bekamen auch einige Informationen genannt, die ich mir gar nicht wirklich merken konnte, da es in meinem Kopf nur noch Michelle gab. Zuletzt bekamen wir unsere Pläne, Bücher und Spind Nummern. Wir beschlossen, das es schneller gehen würde, wenn wir uns trennten und alleine unsere Spinde suchten. Ich brauchte ziemlich lange um meinen zu finden.
Als ich also meine Bücher verstaut hatte, ging ich zu unserem ausgemachten Treffpunkt. Von weitem konnte ich sehen, dass zwei Kerle bei Michelle standen, weshalb ich schneller ging. Dann sah ich einen der Kerle seine Hand auf ihre Schulter legen. Ich konnte gerade so hören wie Michelle ihm sagte, er solle seine Hände von ihr nehmen. Schnell hastete ich zu ihr, packte den Typen am Arm und zog seinen Arm unsanft weg.
"Hey, hast du nicht zugehört? Du sollst deine Griffel von ihr nehmen", sagte ich ziemlich genervt. Am liebsten hätte ich ihm eine verpasst. Was fiel ihm ein, sie einfach anzugrabschen?
"Was geht dich das an? Wir haben die Braut zuerst angegraben", meinte der Typ. Ich stellte mich beschützend vor Michelle.
"Was mich das angeht tut hier nichts zur Sache, sie will nichts von euch, also zieht Leine", gab ich bissig zurück. Er murmelte irgendwas vor sich hin und zog mit dem anderen Typen ab. Michelle stieß einen erleichtert klingenden Seufzer aus. Ich drehte mich zu ihr um und legte eine Hand an ihren Arm.
"Alles in Ordnung? Haben sie dir irgendwas angetan?", fragte ich besorgt. Als Antwort schüttelte sie mit dem Kopf. Dann fiel sie mir plötzlich in die Arme und vergrub ihr Gesicht an meiner Brust. Mein Herz begann zu pochen. Etwas zögerlich legte ich meine Hände an ihre Arme.
"Hey, was ist denn?", wollte ich besorgt wissen.
"Ich hatte echt Angst vor den beiden", sagte sie mit leicht weinerlich klingender Stimme. Nun drückte ich sie sanft an mich. Hätte ich sie doch nur nicht alleine gelassen.
"Schon gut, ich war doch rechtzeitig da", versuchte ich sie zu trösten. Sie schluchzte.
"Aber was wenn nicht, dann hätten sie…", sie brach ab. Ich drückte sie nun ganz fest an mich. Am liebsten hätte ich sie nie wieder losgelassen.
"Tut mir leid, ich hätte dich nicht alleine lassen sollen", entschuldigte ich mich bei ihr. Nie wieder würde ich sie alleine lassen. Ich fühlte mich schrecklich, dass ich nicht bei ihr war, um sie zu beschützen.
"Das ist nicht deine Schuld", murmelte sie, immer noch mit dem Gesicht an meiner Brust. Hoffentlich merkte sie mein starkes Herzklopfen nicht.
Ich lockerte die Umarmung wieder etwas.
"Es liegt nicht an dir, dafür zu sorgen, dass mir nichts passiert. Ich muss selber auf mich aufpassen", fügte sie noch hinzu.
"Das weiß ich doch, aber als dein bester Freund will ich dich vor solchen Typen beschützen", entgegnete ich. Am liebsten hätte ich ihr jetzt gesagt, dass ich sie liebe und es mir egal ist, ob sie beschützt werden möchte oder nicht, weil ich sie trotzdem beschützen wollte. Aber der Moment war ziemlich unpassend für irgendwelche Liebeserklärungen. Außerdem hielt ich sie nicht für die Art Frau, die es romantisch fanden, wenn sie von einem Mann ständig beschützt wurden. Sie war eher die starke Art von Frau und konnte gut auf sich selbst aufpassen.
"Aber…", begann sie, doch ich unterbrach sie direkt.
"Kein aber. Ich weiß, dass du nicht beschützt werden musst, aber dafür sind Freunde da", sagte ich. Michelle löste sich nun aus der Umarmung und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Und weißt du, du kannst mich im Gegenzug vor nervigen und aufdringlichen Frauen beschützen", fügte ich hinzu. Michelle kicherte.
"Was ist denn so komisch?", fragte ich leicht verwirrt.
"Naja, es ist nur, ich finde die Vorstellung irgendwie komisch, wenn jemand wie ich einen starken, großen und selbstbewussten Mann beschützen würde", antwortete sie. Dann lächelte sie mich an.
"Aber na gut, wir stehen uns gegenseitig zur Seite", fügte sie hinzu. Ich musste wegschauen, weil ihr Lächeln einfach zu wundervoll war. Die ganze Situation war irgendwie zu viel für meine Gefühle. Ich war unglaublich sauer auf diese Typen. Ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht da war, als Michelle mich brauchte und wollte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wäre ich später gekommen. Und dann war da noch die Tatsache, dass sie einfach unglaublich süß war, selbst in solchen Situation, wenn sie weinte und Angst hatte, war sie einfach nur süß und wundervoll und selbst ihr verweintes Gesicht war noch atemberaubend schön.
"Raku? Kommst du?", durchbrach Michelle meine Gedanken. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie schon ein paar Schritte gegangen war.
"Hm? Oh, entschuldige, ich war total in Gedanken versunken", entgegnete ich, noch immer nicht ganz mit den Gedanken bei der Sache. Ich holte sie ein und wir gingen gemeinsam nach Hause.
Als wir zu Hause ankamen, fand Michelle in der Küche eine Notiz von den anderen beiden. Sie waren wohl über Nacht weg, was mich einerseits zwar freute, aber andererseits hoffte ich, dass ich mich einigermaßen zusammen reißen konnte, Michelle nicht einfach zu küssen. Vielleicht war die Abwesenheit der beiden ja auch eine gute Gelegenheit, ihr meine Gefühle zu gestehen.
Wir saßen eine ganze Weile auf dem Sofa und unterhielten uns. Ich fragte Michelle zwischendurch immer mal wieder, ob sie sich von dem Schreck in der Uni auch wirklich erholt hatte, da sie irgendwie nachdenklich und nervös wirkte. Sie versicherte mir immer wieder, dass es ihr gut ging und sie das längst verdaut hatte. Irgendwie wollte ich sie trotzdem nicht überfordern indem ich ihr offen legte, was ich empfand. Vielleicht wäre das ja trotzdem zu viel des Guten gewesen. Ich beschloss also, bis zum nächsten Tag zu warten.
Als es später Abend war, gingen wir beide in unsere Zimmer. Ich schrieb mal wieder ein Gedicht über Michelle. Mittlerweile hatte ich davon schon zehn Stück. Es war einfach zu schwer, etwas anderes zu schreiben, wenn sie das einzige Thema in meinem Kopf war.
Nachdem ich fertig war mit schreiben, war ich ziemlich müde. Bevor ich ins Bett ging, musste ich aber zuvor noch ins Bad. Komplett in Gedanken versunken schlenderte ich also über den Flur zum Bad. Als ich die Tür öffnete, musste ich leider erschrocken feststellen, dass Michelle gerade dort war und das auch noch splitternackt. Wahrscheinlich war ich so rot angelaufen wie eine Tomate. Ich brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, was los war. Dann drehte ich mich schnell um und hastete in mein Zimmer. Wie in Trance setzte ich mich auf mein Bett. 'Okay, atmen, ich muss tief durchatmen', sagte ich mir in Gedanken. Warum mussten solche Sachen immer mir passieren? Wie sollte ich Michelle nun je wieder unter die Augen treten? Das war schließlich ein Bild, dass ich garantiert nicht so leicht aus dem Kopf bekam. Selbst ihr Körper war einfach nur perfekt. Ihre Haut sah weich und glatt aus, ihre Rundungen waren makellos, als hätte man sie aus einem Magazin mit perfekt bearbeiteten Bildern geschnitten. Dieser Anblick war einfach zu viel für mich. Normalerweise interessierten mich nackte Frauen nicht die Bohne, aber ich hatte ja immerhin noch nie eine Frau wie Michelle so gesehen. Am Ende war ich scheinbar auch nur ein Mann.
Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken.
"Raku? Bist du da? Ich will mit dir reden", rief Michelle durch die Tür und klopfte erneut. Na toll, was jetzt? Ich konnte ihr nach diesem Vorfall doch nicht so leicht gegenüber treten. Nachdem ich einmal tief Luft geholt hatte, öffnete ich die Tür, vermied es aber, Michelle direkt anzusehen.
"Hey, äh, wegen eben, das braucht dir nicht unangenehm sein. Ich finde es nicht schlimm, ehrlich nicht", sagte Michelle. Immer wenn ich dachte, sie konnte unmöglich noch perfekter sein, legte sie noch einen drauf. Jede andere Frau wäre sauer gewesen und hätte gemeckert. Aber mit einem solchen Körper brauchte ihr ja auch nichts peinlich zu sein.
"Das sagst du so leicht", entgegnete ich.
"Ach komm, als hättest du noch nie eine nackte Frau gesehen", meinte Michelle nun mit leicht neckisch klingender Stimme.
"Naja, sicher keine so gut aussehende", murmelte ich so unhörbar wie möglich. Sie stieß einen Seufzer aus und wusste wohl einen Moment nicht, was sie sagen sollte.
"Komm schon, ich will nicht, dass es deswegen zwischen uns komisch ist, für mich ist das wirklich nicht der Rede wert", redete sie endlich weiter. Ich dachte einen Moment nach. Natürlich wollte ich ebenfalls nicht, dass diese Sache irgendwas zwischen uns änderte, doch es würde wohl schwer werden, sie direkt anzusehen. Versuchen konnte ich es ja zumindest. Aber ob ich jetzt noch den Mut hatte, ihr zu sagen, was ich empfand?
"Naja, wenn du das sagst, aber den Anblick vergesse ich sicher nicht so schnell", sagte ich. Michelle lachte leicht.
"War das echt so schlimm?", fragte sie.
"Ich würde eher das Gegenteil sagen", murmelte ich.
"So, du fandest es also toll, ja?", neckte sie mich. Toll war ja noch gar kein Ausdruck, aber das konnte ich natürlich nicht sagen.
"Jetzt mach dich nicht lustig, ich bin auch nur ein Mann", verteidigte ich mich. Wie schaffte sie es nur, so locker zu bleiben? Ich riskierte einen kurzen Blick in ihr Gesicht und sie schenkte mir ein Lächeln, woraufhin ich direkt wieder wegsah.
"Schon gut, ich wollte nur die Stimmung etwas auflockern", meinte sie. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte.
"Also, ich werde dann mal ins Bett gehen. Gute Nacht, Raku", durchbrach Michelle das Schweigen nach ein paar Minuten. Ich gab ein "Gute Nacht" zurück und schloss die Tür. Dann setzte ich mich erstmal wieder hin und atmete nochmal tief durch. Anschließend machte ich mich bettfertig und legte mich hin. Schlafen konnte ich nicht wirklich. Ich warf mich nur hin und her. Das Bild von zuvor wollte mir einfach nicht aus dem Kopf gehen. Sie war einfach so wunderschön und perfekt. Ob ich mich vor ihr je wieder einigermaßen normal verhalten oder sieh ansehen konnte? Und wie sollte ich ihr jetzt noch meine Gefühle gestehen?
Irgendwann schlummert ich dann doch noch ein wenig ein.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast