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Jack und Louie - Zwei Hunde im Einsatz für den Nationalpark

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
14.11.2022
01.02.2023
25
48.246
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24.01.2023 2.152
 
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Die Wilderer bestanden aus vier Männern. Sie alle trugen Tarnanzüge und Stirnlampen, die wie helle Lichtpunkte in der Ferne gewirkt hätten. Irgendwie verwunderlich, dass man sie in der Dunkelheit nicht schon früher entdeckt hat.
Auf Louie machten die Männer gar nicht so einen bedrohlichen Eindruck. Irgendwie wirkten sie eher planlos, wie sie dort vorne herumstanden. Sich unschlüssig umsahen und Blicke untereinander austauschten. Einer hielt eine Karte und Kompass in den Händen, während ein Zweiter vor ihm stand und versuchte die Karte kopfüber zu lesen. Ein Dritter hatte ein Gerät in seiner Hand und hielt es am ausgestreckten Arm in die Höhe. Scheinbar war es irgendein GPS-Gadget.
Gerade als Louie den Mund aufmachte um seine Überlegungen, dass diese Leute gar nicht so bedrohlich wirkten, mit dem Rest zu teilen, drehte ihm der vierte Mann den Rücken zu. Beim Anblick des Gewehres, welches der Mann über seiner Schulter hängen hatte, blieb Louie schlagartig das Wort im Hals stecken.

In der Ferne hörte man erneut das Wolfsgeheul. Alle vier Männer hielten in ihrem Tun inne und blickten in dieselbe Richtung. Der Mann mit dem Gewehr rief seinen Kollegen etwas zu und sofort begannen sie in die Richtung zu laufen, aus welcher sie das Geräusch vermuteten.
„Weiter.“, bellte Unah leise und sogleich setzte sich das Rudel wieder in Bewegung.
Lautlos glitten die Körper der Wölfe durch das Unterholz. Zwischen ihnen tapste Louie etwas unbeholfen zwischen Jack und Mozart herum. In Jacks Bewegungen konnte man deutlich den Wolf erkennen. Mozart war jedoch durch und durch Hund und seine Bewegungen waren nicht so fließend wie die seiner wilden Verwandten. Vielleicht war seine Größe auch ein entscheidender Faktor was das anging. Von seiner Position aus bekam Louie die Wilderer nicht zu Gesicht. Was er jedoch immer wieder sah war das Aufleuchten ihrer Stirnlampen zwischen den Bäumen. Das, und das regelmäßige erklingen von Wolfsgeheul in der Ferne, war für Alle Motivation genug immer weiter zu gehen.

Bei diesem Plan ging es nicht nur darum die Wilderer mit der Anwesenheit der einen Wolfsgruppe zu locken. Es ging auch darum sie zu treiben. Denn wenn Jemand verfolgt wird, versucht er instinktiv sich davon wegzubewegen. Auch wenn ihm am Ende gar nicht wirklich bewusst ist, dass er verfolgt wird. Nun waren die Instinkte der Menschen im Vergleich zu Raubtieren, gelinde gesagt, ziemlich unterentwickelt. Wenn sie Jemanden die Schuld dafür geben wollten, dann die Evolution.
Aber Louie hoffte das es zumindest jetzt ausreichen würde, damit ihr Vorhaben ein Erfolg wurde. Das war allerdings nicht der einzige entscheidende Punkt. Louie blickte zum Himmel. Als ob er hoffte Alma oder jenen Raben zu entdecken, welcher losgeschickt worden war um die Schleiereule zu finden. Aber alles was er sah war der Sternenverhangene Nachthimmel zwischen den Baumkronen.

Schon eine ganze Weile war die Gruppe durch den dunklen Wald unterwegs. Es konnte einen sehr ziellos vorkommen wie das Rudel sich bewegte. Doch Unah schien genau zu wissen, was sie tat und kurz darauf gab sie den Wölfen ein stummes Signal und sogleich kam die gesamte Gruppe zum Stehen.
Louie reckte seinen Kopf um besser sehen zu können. Vor ihnen öffneten sich die Bäume und gaben den Blick auf eine Lichtung frei. Trotz der Dunkelheit erkannte Louie sie als eine der Lichtungen, auf welcher Jack mit ihm das Fährtenlesen und Witterung aufnehmen trainiert hatte. Fast hüfthoch wuchs das Gras hier und die Wilderer kamen nur schwer voran. Von der anderen Seite aus dem Wald hörte man das Geheul der Wölfe. Zwar bewegten sich die Wilderer direkt darauf zu, doch durch das Gras und die Größe der Lichtung würde es dauern bis überhaupt in dessen direkte Nähe kommen würden.

„Die Wilderer sind auf der Lichtung. Und was jetzt?“, Louie hätte beinahe einen erschrockenen Satz gemacht, als er hinter sich Mondauge hörte. Obwohl sie ja eigentlich zu 50 % blind war, konnte sie sich lautlos bewegen. „Jetzt warten wir auf die Raben.“, wisperte Jack. Überraschenderweise verzichtete Mondauge auf eine abfällige Bemerkung. Einen scharfen Blick warf sie Jack dann aber trotzdem noch zu, bevor sie sich umdrehte und davontrottete.
Kaum dass sie sich entfernt hatte, schoss aus einen der umstehenden Bäume eine schwarze Gestalt und flog mehrere Kreise über der Lichtung. Die Wilderer beobachteten den Raben, verwundert darüber das Tier um diese Zeit noch aktiv zu sehen. „Das ist das Signal. Also los.“, erneut gab Unah einen Befehl. Aber jetzt setzte sich das gesamte Rudel wieder in Bewegung.
Lautlos begannen sie sich geschützt zwischen den Bäumen zu verteilen. Während sie wussten, dass der andere Teil des Rudels genau das Gleiche tat. Dadurch hatten sie ihr Heulen vorübergehend einstellen müssen, was die Wilderer dazu veranlasst hatte verwirrt inne zu halten.

Kurz darauf wurde die Nachtluft um sie herum von lautem Wolfsgeheul unterbrochen. Von allen Seiten schien es zu kommen. Wie aufgeschreckte Hühner zuckten die Wilderer zusammen und begannen sich hektisch umzusehen. Sie konnten die Wölfe hören aber nicht sehen. Selbst der einzige von ihnen bewaffnete Mann wirkte auf einmal ziemlich unsicher. Obwohl sich sein Gewehr in Griffnähe befand. „Sehr gut und jetzt kreisen wir sie ein.“, mutig, wie die Alphawölfin die Unah war, trat sie als erstes aus dem Schatten der Bäume.
Doch bevor sie einen weiteren Schritt machen oder das restliche Rudel ihr folgen konnten, nahm Jack, der direkt hinter Unah stand, eine Bewegung zwischen dem Gestrüpp wahr. Einige Meter von ihnen entfernt huschten drei Gestalten aus dem Unterholz ins Gras. Jack riss seine Augen auf: „Unah! Dort drüben!“

Die Warnung sollte jedoch einen Moment zu spät kommen.
Denn in der nächsten Sekunde drang lautes Geschrei von einem der Wilderer, als er von hinten von einem Wolf angesprungen wurde. Einem Wolf mit vernarbtem Gesicht.

„Das ist Narbengesicht!“, rief Sturmwind und sie und mehrere Wölfe liefen drauf los, ohne auf Anweisungen ihrer Anführerin zu warten. Es dauerte nicht lange, bis auch Jack loslief: „Herrgott! Dieser Idiot!“ „Jack! Warte!“, Louie wollte ebenfalls hinterher, doch bevor er weit kam war Jack bereits losgestürmt und trotz der auffälligen Rangerhundweste welche er trug, im hohen Gras bald nicht mehr zu sehen.

So schnell er konnte lief Jack voran, obwohl er im hohen Gras nicht so schnell war wie er es gerne gehabt hätte. Seine Sicht war ebenfalls eingeschränkt, aber sollte zumindest das kein großes Problem sein, da er lediglich dem lauten Geschrei und Knurren folgen musste. Als Jack den Schauplatz erreicht hatte, war ein zweiter Wilderer seinem Kollegen zur Hilfe gekommen und konnte Narbengesicht von dessen Rücken stoßen. Narbengesicht landete hart auf dem Boden. Ein Winseln war zu hören, als er ungünstig auf seinem Hinterbein landete. Der Wilderer, welchen er eben angegriffen hatte, richtete sich mühsam wieder auf und warf Narbengesicht dabei einen hasserfüllten Blick zu: „Na warte, du Mistvieh.“
Er griff nach etwas in seiner Hosentasche und ihm nächsten Moment blitzte eine Klinge im Mondlicht auf. Damit in der Hand stürzte sich der Wilderer Richtung Narbengesicht. Dieser konnte mit seiner Pfote nicht mehr schnell genug ausweichen. Doch bevor es hätte eskalieren können, sprang Jack heran und verbiss sich in den Arm des Mannes, welcher schreiend sein Messer fallen ließ. In Windeseile schnappte Jack es sich zwischen seine Zähne und mit einer ausfallenden Kopfbewegung warf er es weg von ihnen ins hohe Gras. Mit schmerzverzerrter Miene starrte der Wilderer den vermeintlichen Wolf an, welcher es gewagt hatte ihn anzugreifen. Nur um beim Anblick des Geschirrs feststellen zu müssen, dass es sich dabei um keinen Wolf handelte: „Ist das ein Rangerhund?“

Doch Jack ließ ihm keine Chance weiter zu überlegen. Stattdessen gab er Narbengesicht einen Schubs, als Signal loszulaufen und kurz darauf waren sie zwischen den Halmen verschwunden. Während die Wilderer versuchten die beiden Störenfriede zu entdecken, kam plötzlich Bewegung ins Gras.
Überall um die Wilderer herum huschten Gestalten durch die langen Halme und brachte diese zum schwanken. Ein wenig wie eine stürmische See. Inmitten standen die Wilderer, die nicht wussten in welche Richtung sie schauen sollten. Von überall drang Geheul und Knurren an ihre Ohren. Nach Narbengesichts Auftauchen, war das Rudel aus seiner Deckung getreten und hatte begonnen die Wilderer einzukreisen. Das hohe Gras bot ihnen dabei die perfekte Deckung.

Mittendrin nutzten Narbengesicht und Jack die Gelegenheit um kurz zu verschnaufen. Dabei konnte man Jack deutlich anmerken, was er von Narbengesichts Aktion hielt: „Bist du mit deinen Freunden hier? Sag es mir lieber gleich, damit ich weiß was mir bevorsteht.“ „Nein. Ich bin alleine gekommen. Die Anderen sind im Lager geblieben, weil sie nicht noch mehr Ärger von Tarek und Unah bekommen wollten.“, Narbengesicht blickte auf sein verwundetes Hinterbein und versuchte es vorsichtig auf den Boden abzustellen. „Wenigstens etwas.“, brummte Jack. Narbengesicht betrachtete Jack für einen Moment nachdenklich: „Du hast mich gerettet. Du hast mich gerettet, obwohl ich deine Schwester-“ „Jetzt ist nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt dafür. Verschieben wir das auf später.“, unterbrach Jack ihn schnell.

Einer der Wilderer schien indessen die Nase voll von dem ganzen Spiel zu haben: „Okay. Jetzt reicht’s!“
Dabei war es ausgerechnet der bewaffnete Wilderer. In einer schnellen Bewegung griff er nach seinem Gewehr und richtete es auf eine Stelle im Gras, wo er einen der Wölfe vermutete. Sein Finger war bereits um den Abzug. Doch bevor er abdrücken konnte, wurde er mit Wucht seitlich von Etwas getroffen. Zwar löste sich ein Schuss aus dem Gewehr, doch glücklicherweise ging dieser nur in den Boden. Der Wilderer stolperte, konnte sein Gleichgewicht jedoch halten. Als er sehen wollte, wer da soeben seinen Schuss versaut hatte, blickte er in das Gesicht von Unah. Breitbeinig und kampfbereit stand sie vor ihm. Im nächsten Moment stürzte sie sich laut knurrend auf ihn zu. Unerwartet war der Wilderer jedoch in der Lage dem Angriff auszuweichen. Überrumpelt davon, landete Unah ungeschickt auf ihren vier Pfoten. Gerade als sie herumwirbelte um einen neuen Angriff zu starten, holte der Wilderer mit seinem Gewehr aus und traf Unah mit dem Hinterschaft der Waffe am Kopf.
Benommen sank Unah zu Boden und konnte nicht mehr aufstehen. Auch nicht, als sie direkt in den Lauf des Gewehres blickte, was auf sie gerichtet war.

Jack, welcher mitbekommen hatte, was vor sich ging stürmte los. Doch bevor er die beiden erreichen konnte, schoss ein beigefarbener Blitz aus dem Gras und stürzte sich auf den Wilderer und warf ihn zu Boden. Zwar rappelte er sich schnell wieder auf und ergriff die Flucht. Vergaß dabei jedoch sein Gewehr, welches vergessen auf der Erde lag.

Tarek, dem ebenfalls nicht entgangen war, dass seine Gefährtin sich in Schwierigkeiten befand, war herbeigeilt und half Unah gerade auf ihre Beine zurück. Als er sich nach dem Retter seiner Gefährtin umsah, traute er seinen Augen nicht: „Was… Du?“ Erst jetzt konnte Jack einen deutlichen Blick auf den Wolf werfen und spürte am eigenen Leib, was gerade in Tarek vorgehen musste. Vor ihm stand, sichtlich angeschlagen aber aufrecht, seine Schwester: „Grace? Was machst du da? Du solltest gar nicht hier sein!“ „Es freut mich auch dich zu sehen. Aber dass ist nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt für ein Schwätzchen.“, zwar lag ein Grinsen auf Graces Gesicht. Allerdings war deutlich was für eine Kraftanstrengung diese Aktion für sie gewesen sein musste.

Einer der Wilderer, welcher versucht hatte die Karte zu lesen, hatte indessen mehr als genug: „Zum Teufel! Ich verschwinde!“
Weit kam er jedoch nicht. Da er im nächsten Moment über Irgendetwas stolperte. Das Etwas stellte sich als kleiner Welpe heraus, welcher sich im richtigen Augenblick zur lebenden Stolperfalle gemacht hatte. Da Louie schnell in Deckung gegangen war, bemerkte ihn der Mann nicht. Was er jedoch bemerkte war das wütende Paar Augen, welche ihn anstarrten. Es waren jedoch keine Wolfsaugen. Sondern die Augen eines Hundes, welcher so aussah wie eine viel größere Version des Welpen. Der Wilderer lag völlig erstarrt da, als der Hund seine Zähne fletschte.
Aber bevor irgendetwas hätte passieren können, packten ein Paar Hände die Schultern des Mannes. Einer seiner Kollegen zog ihn harsch zurück auf seine Füße: „Kommt jetzt. Wir müssen hier weg.“

Daraufhin liefen die Wilderer los. So schnell sie konnten. Aus ihrer Sicht flohen sie. Weg von den Wölfen. Direkt durch eine Lücke, die sich im Gras aufgetan hatte. Sie dachten wirklich, sie würden ihren Verfolgern ein Schnippchen schlagen. Doch die Wölfe waren nicht auf den Kopf gefallen. Wenn sie wussten, wie sie eine Gruppe Rehe in die richtige Richtung treiben konnten, so wussten sie auch wie sie bei den Wilderern vorzugehen hatten.
Diese liefen so schnell sie konnten durch das Gras. Die Wölfe, zusammen mit diesen merkwürdigen Hunden waren dicht hinter ihnen. Die Männer konnten sie vielleicht nicht sehen. Dafür aber in ihrer unmittelbaren Nähe hören und spüren. Das Vierergespann steuerte eine Lücke zwischen den Bäumen an. Dort konnten sie entkommen.

Sie hatten den Waldrand fast erreicht, als die Dunkelheit der Nacht von einem unglaublich hellen Licht durchdrungen wurde. Wie angewurzelt blieben die Männer stehen und hoben Arme und Hände vor ihre schmerzenden Augen.

Scheinbar aus dem Licht heraus ertönte eine Stimme: „Hier spricht der Rangerverband des White Lake Nationalparks! Geben Sie auf, Sie sind umstellt! Runter auf Ihre Knie und Arme hinter den Kopf!“

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