Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Jack und Louie - Zwei Hunde im Einsatz für den Nationalpark

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
14.11.2022
28.01.2023
23
44.694
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
14.11.2022 1.857
 
Hallo an alle Leser da draußen.
Willkommen zu meinem ersten Kapitel meiner zweiten Freien Arbeit. Wie bei meiner ersten hoffe ich auch diese nach Fertigstellung als Buch rausbringen zu können.
Aber für den Anfang ist sie hier und ich freue mich sehr darauf Rückmeldungen per Review zu erhalten.

Euch allen viel Spaß beim Lesen.
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Gras. Gras. Gras.
Und noch mehr Gras.

Um ihn herum war nichts als grünes Gras. So weit das Auge reichte. Zumindest wirkte es so. Immerhin war durch die unzähligen Halme vor seinen Augen sein Sichtfeld ziemlich eingeschränkt. Er drehte sich um sich selbst. Doch das half nicht viel. Egal wo er hinsah, er sah nichts als Grashalme. Einziger Kontrast bildete der blaue Himmel welchen er sah, wenn er seinen Kopf in den Nacken legte. In dem Moment kam eine Briese, wodurch die Halme im Wind sanft hin und her wogen. Ein kleiner, besonders nerviger Halm wehte dabei direkt an seiner Schnauze. Was ihn zum Niesen brachte. Verärgert machte er einen Hopps und drückte den Halm mit seinen Pfoten zu Boden.

Da!

Er hielt inne als ihm eine Witterung in die Nase stieg. Er senkte seine Schnauze zu Boden und nahm einen tiefen Atemzug. Inmitten des dominanten Geruchs von Gras und Erde, konnte er einen anderen Geruch wahrnehmen. Einen, den er nur zu gut kannte. Erneut hob er seinen Blick und betrachtete das Gras vor sich genauer. Erst jetzt erkannte er, das viele der Halme entweder zur Seite geschoben oder am Boden platt gedrückt waren.
Ganz klar. Hier ist Jemand entlanggekommen. Und das vor nicht all zu langer Zeit. Er war auf der richtigen Spur.

Mit neuem Tatendrang trottete er los. Immer wieder blieb er stehen und witterte um sich zu vergewissern das, ja. Er war noch immer auf der richtigen Spur. Er war bereits ein gutes Stück vorangekommen, als er erneut stehen blieb. Vor ihm war eine Wand aus Gras.
Doch anhand wie Sonnenlicht vereinzelt zwischen den Halmen durchschimmerte konnte er erkennen, dass sich dahinter eine offene Fläche befinden musste. Und genau dort musste sich auch sein Ziel befinden.
Jetzt oder nie!

Sogleich spannte er seine Muskeln an und machte sich sprungbereit. Für einen letzten Moment hielt er nochmal inne, um alles nochmal im Kopf durchzugehen. Bevor er tief Luft holte und aus seiner Deckung sprang: „Hab dich!“
Auf allen Vieren landete er auf dem weichen und viel, viel kürzeren Gras. Er stand am Rande einer freien Lichtung inmitten des scheinbar unendlichen Grasmeeres, in welchem er noch eben herumgeirrt war. Wichtiger war jedoch vielmehr die Tatsache, dass er sich völlig alleine wiederfand. „Was zum-?“, verwirrt lief er weiter in die Mitte der Lichtung. Langsam drehte er sich um sich selbst, als würde er so doch noch etwas entdecken. Doch da war nichts. Nur das Grün des Grases und das Blau des Himmels. Sofort drückte er seine Nase wieder zu Boden und ging schnüffelnd auf und ab. Hier musste doch etwas sein. Er war sich so sicher gewesen!

So in seine Arbeit vertieft, bemerkte er nicht das Paar stechender Augen, welches ihn aus dem Schatten zwischen den Halmen beobachtete. Keine seiner Bewegungen entgingen diesem scharfen Blick und sie warteten nur auf den richtigen Moment, bevor er-
Jetzt!

In der Sekunde, in welchem er ein Geräusch hinter sich hörte und umdrehte, schoss ein brauner Blitz aus dem Gras und er wurde mit Wucht von etwas getroffen. Vorderpfoten, größer als die Seinen, drückten ihn zu Boden. Geschockt keuchte er nach Luft. Bevor er den Kopf hob und in das Gesicht blickte, welches ihn so intensiv anstarrte.
Was folgte war ein Schmollmund von seiner Seite: „Oh, man. Dabei dachte ich wirklich ich würde es diesmal schaffen.“ „Leider nicht. Aber du warst nahe dran.“, die Pfoten verschwanden und endlich konnte er wieder aufstehen.
Sein Gegenüber reckte sich ausgiebig. Sein Name war Jack. Ein stattlicher und erfahrener Rangerhund, welcher für den Nationalpark arbeitete, in dessen Grasfeld sie sich gerade befanden. Ein ausgewachsener Schäferhund mit dunkelbraunem Fell und etwas ungewöhnlich gefärbten Augen, die in einem grüngelb schimmerten.

Ein kompletter Kontrast bildete da der kleine Hund vor ihm, welcher ihn eben durch das Gras verfolgt hatte. Streng betrachtet war er noch kein Hund. Sondern ein Welpe, welcher auf den Namen Louie hörte. Mit noch immer leicht tapsigem Gang. Schlappohren, welche zu beiden Seiten sein Gesicht einrahmten und ein cremefarbenes Fell, das mit schokoladenbraunen Tupfen übersät war.
Zusammen bildeten sie ein recht ungewöhnliches Gespann. Doch es gab eine Sache welche sie verbannt: Die Rangerarbeit im Nationalpark. Während Jack bereits seit mehreren Jahren in diesem Bereich beschäftigt war, war es Louies großer Traum eines Tages ein Rangerhund zu werden. Und um diesen Traum zu erreichen, hatte Jack sich bereit erklärt für Louie die Rolle des Lehrmeisters zu übernehmen. Heute hatte Fährten lesen und Anschleichen auf dem Lehrplan gestanden.

„Also? Wie war ich?“, aufrecht hatte sich Louie wieder hingesetzt und betrachtete aufmerksam seinen Ausbilder. Jack tat es seinen kleinen Schüler nach und machte es sich bequem: „Du hast dich, was Fährtenlesen angeht, auf jedenfall sehr verbessert. Du bist nicht im hohen Gras verloren gegangen, wie als wir mit dem Training angefangen haben. Wie gesagt, du warst nahe dran. Du hättest mich finden können, wenn-“ „Wenn?“, Louies kleine, vor Aufregung wedelnde Rute blieb kerzengerade stehen, als er angespannt auf den Rest wartete. „Dein Fehler war es, dass du zu sehr aufs Wittern fixiert warst. Da du dich nur auf das Wiederfinden meiner Fährte konzentriert hast, hast du nicht mitbekommen wie ich mich hinter dir im Gras versteckt habe. Hättest du aufgepasst und auf das Rascheln des Grases gelauscht, hättest du mich rechtzeitig bemerkt.“, mit dem Kopf deutete Jack an die Stelle, wo er sich eben im Gras versteckt hatte. Louie stieß einen enttäuschten Seufzer aus. So war es häufig. Immer wenn er Fortschritte machte, wurde er daran erinnert, dass er noch einen sehr weiten Weg vor sich hatte. Natürlich gab er sein bestes. Jeden Tag. Aber es gab Momente, wo ihn der Frust einholte. So wie jetzt.

Offenbar genau spürend was in dem kleinen Köpfchen vor ihm vor sich ging, kam Jack zu Louie herüber und gab ihn einen Stubs: „Na komm, Kleiner. Allem in Allem war das heute doch ganz gut. Ein guter Rangerhund muss wissen, wie er von allen seinen Sinnen Gebrauch machen kann. Mach dir keine Sorgen. Du lernst es schon noch.“ Jack richtete sich auf und reckte seine Schnauze in die Luft, als der Wind etwas auffrischte: „Es ist schon recht spät. Wir sollten langsam wieder zurück.“ Louie nickte und sprang auf seine Pfoten.
Bevor er sich daran machte, seinem Lehrer durch das hohe Gras zu folgen.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Seite an Seite gingen Jack und Louie den Wanderweg entlang, welcher sie über eine Waldlichtung führte. An diesem hing der Duft von unzähligen Menschen, die hier vorbeigekommen waren. Touristen, Wanderer. Aber auch der ein oder andere Parkranger. Um diese Zeit traf man aber nicht mehr viele Leute an. Sicher. Es war noch recht hell. Aber im Westen begann die Sonne sich bereits Richtung Berge zu senken und das geübte Auge konnte durchaus das schwindende Licht des Tages erkennen.
So wie in Jacks Fall: „Wir sollten einen Zahn zulegen. Nicht das Mozart wieder alle Hunde und anderen Haustiere der Nachbarschaft zusammentrommelt, um einen Suchtrupp auf die Beine zu stellen.“ „Du lässt es so klingen, als wäre er so ein Panikmacher.“, Louie zog eine pelzige Augenbraue hoch. „Du musst aber zugeben, dass er ein ganz schönes Theater gemacht hat, als wir das eine Mal erst zurückgekommen sind als es bereits dunkel war.“, Jack schmunzelte bei der Erinnerung. Louie dagegen wirkte, als war ihm nicht nach lachen zumute: „Als er auf uns zugelaufen ist dachte ich, jetzt überrennt er uns.“ „Tja. Im Vergleich zu dir ist er ein ziemlicher Riese.“ „Hey! Was soll das heißen?!“, empört war Louie stehen geblieben.

Louie stapfte direkt vor seinen Lehrer und reckte ihm seinen Kopf entgegen: „Nur damit du es weißt: Susan sagt, ich sei seit vergangenem Monat ein ganzes Stück gewachsen. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis ich meinen ersten Wachstumsschub habe. Dann werde ich nicht mehr der kleine tollpatschige Welpe sein, den alle in mir sehen.“
Mit hoch erhobenen Haupt wollte Louie vorraus stolzieren. Doch gerade als er fünf Schritte gemacht hatte, verfing sich sein Fuß in einem Stein und er purzelte prompt vorne über. Bauchlinks lag er auf dem Boden und schüttelte verwirrt seinen Kopf. Hinter sich hörte er herzhaftes Lachen: „Und das wirst du. Ganz sicher. Aber im Moment gilt bei dir noch der Welpenschutz.“ Aus dem nichts spürte Louie Zähne, die vorsichtig sein Nackenfell festhielten. Bevor er erst in die Luft gehoben und schließlich wieder sanft zu Boden gelassen wurde. Leicht beleidigt wandte sich Louie zu Jack zu. Aber dieser zwinkerte verschmitzt: „Du solltest das als was Gutes sehen. Immerhin kommt die Welpenzeit nie wieder, sobald du einmal aus hier rausgewachsen bist. Genieß es also, solange du kannst. Lass dir das von einem Rüden sagen, der morgens beim aufstehen bereits den ein oder anderen Knochen unangenehm in sich spürt.“
Jack reckte beispielhaft seine Beine und seinen Rücken und man hörte dabei jedes Mal ein leises Knacken.

Bevor Louie aber etwas darauf erwidern konnte, durchdrang ein Geräusch die frühe Abendluft. Ein hohes, langgezogenes Heulen. Sofort schoss Jacks Kopf in die Richtung, aus welcher das Geräusch gekommen war. Seine spitzen Ohren zuckten, als er angestrengt lauschte: „Sieht so aus, als ob das Felsenrudel zur Jagd aufbricht.“ Louie war auf einen Flachen Felsen am Wegrand geklettert, um mit Jack auf einer Augenhohe zu sein: „Ich habe das Wolfsrudel schon ziemlich oft gehört. Aber es nie gesehen. Können wir es vielleicht mal bei ihrer Jagd beobachten?“

Unter seinem Fell versteiften sich Jacks Muskeln: „Wölfe sind sehr stolze Tiere. Die Jagd ist ein wichtiger Teil ihrer Tradition und sie mögen es gar nicht von Dritten gestört zu werden. Wir können nicht einfach in ihr Revier spazieren. Es würde nicht gut ausgehen. Für keine von beiden Seiten.“

Louie sah Jack verwundert an. Es war nicht das erste Mal, dass das hiesige Wolfsrudel zur Sprache kam. Und wie jedes Mal zuvor legte sich auch jetzt ein komischer Ausdruck über Jacks Augen.

Scheinbar bemerkte der Schäferhund Louies durchdringenden Blick auf sich, denn er fing sich räuspernd wieder: „Wir sollten uns jetzt aber wirklich beeilen. Komm.“
Ohne darauf zu achten, ob Louie ihm folgte, setzt sich Jack wieder in Bewegung und schritt den Weg entlang. Louie dagegen verharrte einen Moment auf dem Felsen und blickte seinem Lehrer nachdenklich hinterher. Seine kleine Stirn in Falten geworfen. Schließlich gab er sich seufzend geschlagen und sprang mit einem Satz wieder auf dem erdigen Boden zurück. Um sich zügig daran zu machen Jack einzuholen. Da hörte er erneut das langgezogene Heulen der Wölfe in der Ferne. Er blickte Richtung Wald und fragte sich wie so viele Male zuvor, was diese für ihn rätselhaften Tiere wohl jetzt gerade machten.

„Louie!“
Louie wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er seinen Namen hörte. Weiter vorne direkt vorm Waldrand stand Jack und sah ihn abwartend an. Sofort eilte Louie los und hatte Jack kurz darauf wieder eingeholt und zusammen setzten sie ihren Weg fort.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Das wars fürs erste. Das nächste Kapitel wird dann voraussichtlich am Wochenende erscheinen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast