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Ein Jahr

von Terrier
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Romance / P18 / Het
Kriminalhauptkommissar Peter Faber Kriminalhauptkommissarin Martina Bönisch
13.11.2022
31.01.2023
44
39.511
3
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25.01.2023 1.054
 
Der Zufall wollte es, dass Alberich und Martina vor den beiden Herrn wieder bei ihren Wohnmobilen ankamen. Der Professor hatte das Pech gehabt, dass sich der einzige Bus, der in diesem Ort überhaupt fuhr, just vor seinen edlen Sportwagen gefädelt hatte. Der Professor gestikulierte, schimpfte und fluchte ein paarmal sehr unanständig, aber es nützte nichts. Sie mussten hinter dem Bus herfahren. Faber grinste innerlich, und dachte sich seinen Teil.

Martina schloss derweil auf dem Campingplatz das Wohnmobil auf, und beschloss, die Zeit bis zu Fabers Ankunft zu nutzen, und das Nötigste aufzuräumen. Sie machte erst, wenn auch eigentlich äußerst widerwillig, Ordnung in der kleinen Küchenzeile, brachte dann ein bisschen Wäsche zu einer der Waschmaschinen, die es auf dem Platz gab, und zu guter Letzt sammelte sie die im Wohnmobil verteilten Klamotten ein, die, wie sollte es anders sein, zu circa 90% Faber gehörten.

Dabei fiel ihr Fabers Parka in die Hände, und sie erinnerte sich daran, dass da ja noch ein Loch im Futter sein musste, da wo Faber ihren Dienstausweis  hervorgezaubert hatte. Sie setzte sich an eines der kleinen Fenster und hielt die Stelle ins Licht. Da würde sie ein Stückchen richtig ordentlich nähen müssen, sonst würde es, früher oder später nur noch mehr ausreißen. Sie seufzte, eigentlich hasste sie solche Arbeiten, dass war noch nie ihres gewesen. Aber, für Faber würde sie eine Ausnahme machen, wie bei so vielem in der letzten Zeit.

Gedankenverloren strich sie über den Stoff, und fühlte plötzlich, dass in der intakten Innentasche auf der anderen Seite etwas war. Eigentlich war es nicht ihre Art, in Sachen zu schnüffeln, die nicht ihre eigenen waren. Sie rang mit sich, und entschied sich dann doch, einen Blick in diese Tasche zu werfen. Vielleicht hatte Faber ja etwas wichtiges dort drin stecken lassen. Er war es ja eigentlich gar nicht gewohnt, ohne den Parka unterwegs zu sein.

Sie öffnete vorsichtig den Reißverschluss, und zog den Inhalt der kleinen Tasche ans Tageslicht. Was sie sah, ließ ihr die Kinnlade herunter fallen, und es machte sich plötzlich eine unfassbare Wut in ihr breit. Was zur Hölle fiel diesem Kerl eigentlich ein?
Wenige Minuten später betrat Faber nichtsahnend das Wohnmobil. „Das wird ja echt immer kränker und beschissener, diese Geschichte, oder Martina, glaubst du dass Kossik wegen Nora…“ weiter kam Faber nicht, denn Martina drehte sich zu ihm um und zischte leise: „Immer kränker und beschissener hmm… Das ist ein gutes Stichwort Faber! Wieso VERDAMMTE SCHEISSE befindet sich mein Personalausweis in deinem Parka??? Mein Personalausweis, der weder ungültig gemacht wurde, noch abgelaufen ist?!  Du hast ihn die ganze Zeit über spazieren getragen, was spielst du hier für ein Spiel mit mir…“

Faber wich die Farbe aus dem Gesicht, er sah das Martina seinen Parka hatte, was auch immer sie damit vorgehabt hatte, sie hatte sein letztes Geheimnis gelüftet. Er wusste eigentlich nicht wirklich was er antworten sollte, deswegen wurde seine Antwort zu: „Was suchst du in meinen Taschen?!“ Er bereute diese Antwort schon in dem Moment wo er sie aussprach. Martina wurde dadurch erst recht sauer: „Das war jetzt die völlig falsche Antwort mein Lieber. Was hattest du vor? Wolltest du mich so auf ewig bei dir halten? Indem du mir einfach meine Papiere nicht mehr gibst? Das ist ja wohl nicht dein gottverdammter Ernst Faber… Was ist denn dass bitte für eine Auffassung von Beziehung? Und, komm mir jetzt bitte nicht schon wieder mit der „Ich wollte dich nicht verlieren“ Leier. Die nutzt sich bei mir nämlich langsam ab. Erst habe ich es ja noch irgendwie versucht zu verstehen. Aber das jetzt? Mir geht es einfach zu weit!!!“

Faber stand wie versteinert an immer noch der selben Stelle. „Martina, ich weiß, das war nich korrekt. Ich wollt doch nur, dass du mit mir undercover gehst, hätt ich dir alles direkt gegeben, wärst du doch sofort wieder weg gewesen. Ich hätt doch nie ne Chance bei dir gehabt, verstehst du?“ Martina stand auf, und stellte sich ihm gegenüber: „Faber, wieso bist du dir da eigentlich immer so sicher? Du hättest mir die Wahl lassen können, oder nein, eigentlich hättest du mir die Wahl lassen müssen. Und, dass WEISST DU auch…“

„ Ja, und dann wärst du gleich wieder mit dem nächsten Kerl in die Kiste, oder über alle Berge, dass wissen wir doch eigentlich beide Martina, oder?“ Martina wurde dunkelrot vor Wut, auch weil ein ganz kleiner Teil in ihr wusste, dass Faber mit den beiden letzten Punkten nicht so völlig unrecht hatte. Außerdem kränke es sie ziemlich, dass Faber immer noch annahm, sie könnte jederzeit abhauen. Sie war kurz davor, ihm eine saftige Ohrfeige zu verpassen. Da das die Situation aber auch nicht verbessern würde, schob sie ihn kurzerhand zur Seite, und grollte nur: „Ich muss hier raus!“ Damit war sie auch schon fast draußen, und knallte die Tür hinter sich zu.

Faber setzte sich geschockt und ratlos hin. Was hatte er jetzt nun wieder angestellt? Er konnte verstehen, dass sie alles andere als begeistert darüber war, dass er sämtliche wichtigen Dokumente behalten hatte. Aber konnte sie sich den gar nicht vorstellen, dass er damals glaubte, dass das die letzten Sachen gewesen wären die von ihr übrig waren? Alle, bis auf ihren Führerschein, den hatte sich Rosa anscheinend gekrallt, und das war für Martina wohl kein großes Problem gewesen. Warum nur? Er wollte doch bloß bei diesem Undercover-Einsatz eine gute Zeit mit ihr haben, und sich ihr eventuell langsam wieder annähern. Das war ja auch alles geglückt, so schien es zumindest. Aber, hätten sie diese Chance auch gehabt, wenn Faber ihr von Anfang an ihre Sachen wiedergegeben hätte? Er hatte da so seine Zweifel. Er wollte eben schon immer mehr sein, als nur ihr Kollege und Freund. Aber er hatte lange Zeit keine Ahnung gehabt wie er das bewerkstelligen sollte. Er sendete ihr immer mal wieder eigentlich eindeutige Zeichen, sie hatte nie wirklich geantwortet oder reagiert. Allerdings war sie auch nicht wirklich ablehnend gewesen. Da hatte er dieses Wohnmobil als Chance gesehen, und war dabei übers Ziel hinausgeschossen. Wie immer… Er wusste echt gerade nicht, wie er die Wogen wieder glätten sollte… Er hatte ja auch nicht vorgehabt, die Papiere zu behalten. Hoffentlich bekam er das wieder hin… Er beschloss Martina ein wenig Zeit zu lassen, und später mit ihr zu reden. Sie musste sich jetzt erst mal wieder beruhigen.
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