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Ein Jahr

von Terrier
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Romance / P18 / Het
Kriminalhauptkommissar Peter Faber Kriminalhauptkommissarin Martina Bönisch
13.11.2022
31.01.2023
44
39.511
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13.11.2022 426
 
Mit einem nicht hörbaren Seufzen sah Peter Faber von einer uralten, vergilbten Akte auf. Es war ein glühend heißer Sommertag gewesen, und seine Laune war auf dem Nullpunkt.

Nicht nur, dass er sich heute mehr als üblich mit seinen Kollegen Pawlak und Herzog gestritten hatte, er hatte sich sogar freiwillig ins Archiv begeben, und war bis jetzt dort geblieben. Er fand es dort eigentlich immer ganz angenehm, da konnte er zumindest etwas zur Ruhe kommen. Manchmal ließ er sich dort heimlich von den Erinnerungen an seine Freundin und Kollegin Martina Bönisch treiben, und konnte sogar ein paar leise Tränen laufen lassen, ohne das ihn dabei jemand störte.

Nach außen tat er immer so, als hätte er ihren tragischen Tod längst verarbeitet. Dann ließen in die Menschen auf der Arbeit wenigstens mit diesem Thema in Ruhe. Innerlich sah es völlig anders aus, an manchen Tagen hatte er wirklich schon darüber nachgedacht, eventuell doch den berühmt/ berüchtigten Sittich vom Dach seiner alten Schule zu machen, an anderen Tagen, wenn er sich in Arbeit vergrub, ging es ein bisschen, und der Schmerz war nicht mehr ganz so lebensbedrohlich intensiv.

Und dann gab es zwischendurch immer wieder Tage wie heute, die ihn völlig aus der Bahn warfen. Der Grund für Fabers schlechte Laune war nämlich keineswegs das schwüle Wetter, sondern die Danksagung auf der Seite der Todesanzeigen in der Zeitung. Dort stand in einer kleinen Anzeige, eher unauffällig am Rand, dass der Ex-Mann von Martina Bönisch verstorben war, und im engsten Familienkreis beigesetzt worden war.

Der Gedanke, dass dieser Mann jetzt neben „seiner“ Martina liegen würde, brachte Faber irgendwie völlig aus dem Takt. Er sah auf seine Uhr, er war schon fast 19:00 Uhr. Er klappte die alte Akte zu, stand auf und sah für einen Moment aus dem kleinen Fenster nach draußen. Auch das noch, da oben schien sich was zusammen zu brauen. Graue Wolken schoben sich plötzlich vor die bis eben noch grelle Sonne.

Er beschloss, seine Arbeit für heute zu beenden, zu irgend etwas vernünftigem würde er in dieser Stimmung sowieso nicht mehr kommen. Missmutig rückte er seinen Parka zurecht, und lugte schnell durch die Tür, um sicherzugehen, dass im Flur niemand war, der ihn sehen und aufhalten würde. Schnellen Schrittes lief er in Richtung Parkplatz.

Um das Glück an diesem Tag perfekt zu machen, streikte natürlich sein altes Auto als er vom Parkplatz herunterfahren wollte. Faber unterdrückte einen unanständigen Fluch, dann stieg er aus, schloss das Auto an Ort und Stelle ab, und machte sich, diesmal langsam schlurfend, zu Fuß in Richtung Heimweg.
 
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