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Die Erbin des Merlin

von Lilly2701
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Albus Severus Potter Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter Lily Luna Potter Merlin
12.11.2022
08.12.2022
92
303.490
7
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23.11.2022 3.451
 
Lily dachte natürlich direkt an das Schlimmste und rannte, ohne die Hände abzutrocknen, in die Küche und rief: "Was ist los?"

Ailah warf ihr einen belustigten Blick zu: "Du hast es ja eilig. Es schneit".

"Toll, und ich dachte, es wäre sonst was passiert", genervt wischte Lily ihre Hände am Umhang ihrer Freundin ab, die kichernd versuchte, wegzurennen.

"Was sollte denn passiert sein? Hier kommt niemand rein und wenn im Schloss etwas passiert, bekommen wir das nicht mit".

Lily zuckte mit den Schultern: "Vielleicht hast du beobachtet, wie jemand in den Schwarzen See gefallen ist. Oder das Schloss wird von grün-gestreiften Vampiren angegriffen, die im Sonnenlicht glitzern. Oder Toivo hatte betrunken was mit einem Thestralmännchen".

"Wie kommst du denn auf die letzte Idee? Das ist doch völliger Schwachsinn", fragte Ailah ungläubig.

Lily lachte trocken: "Wenn du schon länger mit den Zwillingen zu tun hättest, wüsstest du, dass man so etwas in ihrer Gegenwart lieber nicht sagen sollte. Die würden es sogar versehentlich schaffen, den Schwarzen See in Wackelpudding zu verwandeln, wenn sie eines ihrer abgedrehten Experimente durchführen".

Ailah blickte sie mit weit aufgerissenen Augen an und winkte dann ab: "Egal. Aber ich will jetzt nach draußen. Es schneit anscheinend schon seit einigen Stunden, denn der Schnee liegt ziemlich hoch und jetzt ist es dunkel, also sieht uns keiner, wenn wir draußen herumlaufen".

"Okay, dann los", rief Lily.

"Och, wieso denn nicht?", fragte Ailah enttäuscht und dann schien sie zu realisieren, was Lily gerade gesagt hatte: "Warte, was? Ich dachte, du bist immer so vernünftig und ängstlich?!"

"Ich will auch nach draußen. Aber zieh dir was Dickes an, damit wir morgen nicht erkältet sind", lachte Lily.

"Super, danke", Ailah umarmte Lily und hüpfte fröhlich ins Schlafzimmer.

Schlussendlich waren sie beide zu faul, ihre Wintersachen herauszusuchen und anzuziehen, weshalb sie einfach einen Wärmezauber wirkten, der sogar noch effizienter war.

Das Portal konnte nur Orte im Schloss erreichen, weshalb sie in der Eingangshalle landeten und durch eines der Fenster, die nur mit einem einfachen Abschließzauber versehen waren, nach draußen klettern wollten. Die große Eingangstür war durch wesentlich mehr Zauber geschützt und es würde zu lang dauern, sie alle zu brechen und wieder zu erneuern. Auf dem Weg trafen sie auf Gina, doch diese hatte kein Interesse, in den kalten, nassen Schnee zu gehen.

Tief sog Lily die frische Winterluft ein, als sie im Schnee landete. Es war ein tolles Gefühl, wieder einmal draußen zu sein. Sie öffneten zwar Nachts auch manchmal das Fenster der Wohnung, aber das war nicht dasselbe.

Als sie einen sehr kräftig geworfenen Schneeball an den Umhang geworfen bekam, drehte Lily sich lachend zu Ailah um und sprintete auf sie zu: "Na warte, das kriegst du zurück".

Schon nach wenigen Metern hatte sie ihre Klassenkameradin eingeholt und warf sich auf sie, sodass die Mädchen gemeinsam im Schnee landeten. Zum Glück schützte der Wärmezauber auch vor dem kalten Wasser. So wurden sie zwar nass, aber es fühlte sich warm an.

Lily rappelte sich wieder auf und versuchte, aus Ailahs Reichweite zu kommen, als diese versuchte, sie wieder herunter zu ziehen.

Sie rannte den Berg herunter, stolperte dabei über ein Schlagloch und fiel in den Schnee.

Ailah, die ihr dicht auf den Fersen war, konnte nicht mehr bremsen und fiel über sie, sodass die Mädchen erneut lachend im Schnee lagen.

"Diese Dunkelheit ist echt nervig", jammerte Ailah außer Atem. "Das kann auch gefährlich ausgehen, wenn wir stolpern".

Lily, dessen Knie tatsächlich ziemlich brannte, stimmte zu. "Aber ich kenne einen Zauber, durch den man im Dunkeln sehen kann".

Den hatte Merlin ihr beigebracht, aber in der Zukunft und wahrscheinlich auch in der jetzigen Zeit war er bereits verloren gegangen. Nach einem Zauberstabschwung konnten sie tatsächlich beinahe so gut sehen, wie am Tag.

"Das ist toll", staunte Ailah und stand wieder auf. Dann hielt sie Lily die Hand hin, um ihr aufzuhelfen. "Schau mal, wie geheimnisvoll der verbotene Wald bei Nacht aussieht. Können wir da hingehen? Wir müssen ihn ja nicht unbedingt betreten".

"Klar", Lily ergriff die Hand und ließ sich hochziehen. Dann lief sie voraus auf den dunklen Wald zu, versuchend, die Erinnerungen an ihr letztes Mal, als sie sich bei Nacht und Schnee rausgeschlichen hatte, zu ignorieren.

Unheimlich und still ragte der Wald vor ihnen auf, als Lily und Ailah ankamen. Lily kannte so einen ähnlichen Anblick zwar schon durch ihre Zeit bei Merlin, doch noch immer erschauderte sie bei dem Gedanken, was für Wesen dort lebten und von wie vielen Augen sie wohl gerade beobachtet wurden.

"Äh, wollen wir vielleicht wieder weg hier und dafür zum See?", fragte Ailah unsicher. "Irgendwie ist das gruselig hier".

Da hatte Lily nichts gegen. Auch sie wollte nicht länger, als unbedingt notwendig, in ihrer Menschenform hier stehen. Als Tier ging das ja noch, weil sie sich an den Wald anpassen und sich mit ihrem Körper verteidigen konnte, doch so hatte sie gegen Wesen, wie eine Acrumantula keine Chance.

Plötzlich schrie eine Eule. Durch das unerwartete, laute Geräusch zuckten beide Mädchen zusammen und auf einmal hörte Lily es: Schritte kamen aus dem Wald.

Blitzschnell überlegte sie, verwarf jedoch die Idee, wegzulaufen, beinahe augenblicklich. Ein Mensch würde sie auf dem Weg zum Schloss auf jeden Fall entdecken und ein Tier wäre viel schneller, als sie.

"Versteck dich", zischte die rothaarige Hexe und zog Ailah hinter ein Gebüsch, sodass sie die kommende Person beobachten konnte. Erst erkannten sie trotz des Nachtsichtzaubers nur einen schwarzen Schatten, doch als er immer näher kam, erkannte Lily, dass er zu klein war, um zu einem der Gründer zu gehören. Außerdem hatte er offene, lange Haare. Schließlich erkannte sie Yardila. Aber was machte diese ganz allein im Wald? Zur Sicherheit blickte Lily an den Himmel, doch der war wolkenverhangen. Also wusste sie nicht, ob Vollmond war.

"Das ist doch deine Schlafsaalgenossin", flüsterte Ailah. "Was macht die hier?"

Lily presste ihr den Mund, doch zu spät. Yardila hatte etwas gehört.

"Ist da jemand?", fragte sie unsicher und hob ihren Zauberstab, den sie dank des Pegasus selbst gebaut hatte, in ihre Richtung.

Dann machte sie langsam einige Schritte auf das Gebüsch zu. Lautlos kroch Lily tiefer in die Zweige hinein und zog Ailah, ihre Hand noch immer auf deren Mund, mit sich. Sie wollte sich nicht vorstellen, was Yardila tun würde, würde sie zwei fremde Mädchen auf dem Gelände finden. Vielleicht würde sie sie für andere Schüler halten, doch spätestens wenn Yardila das Ravenclawabzeichen auf Lilys Umhang entdecken würde, wüsste sie, dass sie Lily noch nie gesehen hatte - oder sich nicht mehr an sie erinnerte, aber für Yardila machte das keinen Unterschied.

Das Mädchen überwand die letzten Schritte zum Gebüsch und beugte sich darüber. Lily hielt den Atem an, als der Schatten des Kopfes ihrer ehemaligen Schlafsaalgenossin über ihnen auftauchte und sich suchend umblickte.

Nach einigen Sekunden verschwand er wieder und sie hörten Schritte, die sich rasch entfernten, Sicherheitshalber wartete Lily einige Minuten, bevor sie wieder etwas sagte: "Wieso ist sie mitten in der Nacht im Wald?"

"Ich weiß es nicht", Ailahs Stimme zitterte. "Aber ich will wieder in den geheimen Raum. Das ist mir hier zu gefährlich".

Vorsichtig hob Lily den Kopf, um zu sehen, wie Yardila in Richtung Schloss ging: "Dann benutz du deinen Portschlüssel. Ich möchte noch nachschauen, wo sie hingeht".

Ailah wusste direkt, wer gemeint war und nickte: "Okay, aber bleib nicht zu lange weg".

"Mach ich nicht, keine Sorge", damit verabschiedete Lily sich von ihrer Freundin und schlich Yardila geduckt hinterher. Sie verschwendete keine Zeit, um sich unsichtbar zu machen, denn ihre ehemalige Schlafsaalgenossin hatte bereits jetzt den halben Weg zum Schloss zurückgelegt und Lily wollte sie nicht verlieren. Doch später würde sie sich wünschen, sie hätte es getan.

Yardila kletterte durch dasselbe Fenster, wie zuvor Lily und Ailah und die Erbin war froh, dass sie es wieder abgeschlossen hatten. Als die Erstklässlerin nicht mehr zu sehen war, wartete sie einige Sekunden und kletterte ihr dann hinterher.

In der Eingangshalle war es trotz des Zaubers ziemlich dunkel, doch Lily konnte genügend Umrisse erkennen. Yardila war verschwunden, wahrscheinlich in ihren Schlafsaal, den sie jetzt allein bewohnte. Lily beschloss, wieder in den geheimen Raum zurückzukehren, doch zuerst verschloss sie das Fenster wieder.

Dabei war sie für einen winzigen Moment unaufmerksam, doch das reichte schon aus. Als sie Ginas lautes Quieken hörte und den Schatten hinter ihr bemerkte, war es bereits zu spät. Eine schwere Hand legte sich auf ihre Schulter, sie spürte ein seltsames Kribbeln und alles um sie herum wurde schwarz.

Als Lily aufwachte, waren ihre Hände erneut gefesselt, doch dieses Mal war die Umgebung um sie herum hell erleuchtet. Ihre Magie konnte sie erneut nicht benutzen, doch was sie viel mehr erschreckte war der Fakt, dass sie das vertraute Gewicht um ihren Hals nicht mehr spürte. Slytherin hatte ihr die Kette abgenommen und somit ihre letzte Möglichkeit, unbeschadet zu fliehen, zunichte gemacht.

Ihr war sofort klar, wer ihr Entführer gewesen war, denn sie kannte die Umgebung. Lily lag in einer Ecke der Kammer des Schreckens und der Gründer höchstpersönlich stand neben der Säule, in welcher er sein schwarzmagisches Spielzeug aufbewahrte.

Mit etwas Abstand hinter ihm stand Rowena, doch ihr Gesicht war emotionslos.

Als hätte er geahnt, dass Lily aufgewacht war, drehte Slytherin sich zu ihr um und grinste hämisch: "Da ist also unser vermisstes Mäuschen. Ich dachte schon, ich müsste mir Sorgen machen".

Mangels anderer Möglichkeiten beschloss Lily, sein Spiel mitzuspielen. Sie hatte ja sowieso nichts mehr zu verlieren: "Keine Sorge, Kätzchen. Das Mäuschen war die ganze Zeit in seinem Loch".

"Ich weiß. Deshalb habe ich es direkt ausgenutzt, als es sich herausgewagt hat. Zu Schade, dass es beim ersten Mal zu schnell war".

"Ja, leider. Und das Kätzchen war generell zu langsam, um das zweite Mäuschen zu kriegen", langsam machte Lily das Ganze sogar Spaß und sie lehnte sich entspannt gegen die Wand. Solange Slytherin redete, konnte er ihr nichts tun.

"Wie gut, dass das erste Mäuschen mir gleich verraten wird, in welchem Loch das zweite Mäuschen sich verkrochen hat", Slytherins gespielt freundliches Lächeln verschwand und machte einem fiesen Grinsen platz. Lily wurde eiskalt. Sie war noch nicht gut in solchen Spielchen, doch ihr war klar, dass sie verloren hatte.

"Rowena, hol sie zu mir. Ich will doch nicht so weit laufen müssen, um sie zu foltern", befahl der Gründer.

Doch Ravenclaw zögerte. Auf ihrer Stirn erschienen Schweißperlen, als sie einfach stehen blieb.

"Hol sie!", fauchte Slytherin und zögerlich setzte die Gründerin sich in Bewegung. Verwirrt über ihr Benehmen runzelte Lily die Stirn. Was sollte das?

Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, wurde Lily brutal hochgerissen und in Slytherins Richtung geschubst. Überrascht von Rowenas Kraft stolperte sie und landete wieder auf dem Boden, direkt vor Slytherins Füßen.

Dieser sagte: "Also, wir machen das jetzt einfach: Du sagst mir, wo euer Versteck ist und ich lasse dich frei. Du sagst es mir nicht und ich werde dafür sorgen, dass du dir wünschst, ich hätte dich getötet".

Lily tat so, als würde sie überlegen, doch eigentlich war ihre Antwort klar: "Dann töte mich doch".

"Wie schade, dabei hattest du so viel Talent in der schwarzen Magie. Du wärst eine würdige Anhängerin oder sogar Partnerin gewesen, doch leider bist du nicht loyal", sagte Slytherin gespielt traurig, doch Lily konnte an seinem Blick die Vorfreude darauf, sie zu töten, erkennen.

"Ich bin loyal, aber nur denen, die es verdient haben", entgegnete Lily äußerlich ruhig, doch innerlich versuchte sie, ihren Geist zu verschließen und gleichzeitig nach einer Fluchtmöglichkeit zu suchen.

"Oh, welch noble Aussage", spottete Slytherin. "Mal sehen, ob du noch immer so redest, wenn ich mit dir fertig bin. Crucio".

Lily hatte zuvor keine Ahnung gehabt, wie genau der Fluch sich anfühlte und sie wünschte sich auch, sie hätte es niemals herausgefunden. Sie hatte das Gefühl, als würde jemand an allen Stellen vergiftete Dolche in ihren Körper bohren, sie dann langsam umdrehen und, nachdem er sie wieder herausgezogen hatte, Zitronensäure darüberkippen. Gleichzeitig kam es Lily so vor, als würde ihr die Haut abgerissen und jeder Knochen einzeln gebrochen werden.

Sie hatte sich eigentlich vorgenommen, sich bei der Folter nichts anmerken zu lassen, doch das war nicht möglich. Sie schrie und wälzte sich wild auf dem Boden herum, in der Hoffnung, dass dieser unmenschliche Schmerz wieder aufhörte.

Es fühlte sich an wie Stunden, doch handelte sich wahrscheinlich nicht einmal um 2 Minuten, bis der Gründer den Zauber endlich wieder herunternahm und Lily aufatmen konnte.

Durch den Schmerz hätte sie erwartet, nicht mehr in einem Stück auf dem Boden zu liegen, doch zu ihrem Erstaunen war sie tatsächlich noch unverletzt. Das hatte alles in ihrem Kopf stattgefunden und war doch so real gewesen.

Aber wenn es nicht echt war, dann musste es sich doch unterdrücken lassen, oder etwa nicht? Sie nahm sich fest vor, es beim nächsten Mal zu versuchen, doch als der Gründer den Zauber wieder anwendete, war ihre Konzentration verschwunden.

Alles, was ihren Verstand beherrschte, war der Schmerz und Lily lag wild zuckend hilflos auf dem Boden.

Diesmal hielt der Zauber länger an und Lily spürte die unglaubliche Erschöpfung, sobald er wieder verschwand, doch Slytherin schien nicht zufrieden zu sein: "Du redest noch immer nicht? Gut für mich, schlecht für dich, denn dann wirst du bald der Familie in meiner Säule Gesellschaft leisten. Deine Schreie gefallen mir, aber das ist nicht genug. Ich hätte gern noch etwas mehr Blut".

Er zog das Schwert, dessen Ebenbild Ailah auch im Lehrerzimmer bereits in der Hand gehabt hatte, aus der Säule und hielt es in Rowenas Richtung: "Hiermit bekommst du die Ehre. Erleichtere die liebe Miss Sanguis um eines ihrer Körperteile".

Die Gründerin griff nach dem Schwert, blieb damit allerdings an Ort und Stelle stehen.

"Worauf wartest du noch? Los!", herrschte Slytherin sie an, doch Rowena bewegte sich noch immer nicht. Ihr Gesichtsausdruck war angespannt und sie keuchte: "...kann nicht..."

"Nutzloses Stück Dreck!", mit einem Faustschlag auf die Nase schlug Slytherin sie bewusstlos: "Würdige Partner sind heutzutage nur noch sehr schwer zu finden. Aber was solls!"

Er nahm Rowena das Schwert ab, doch dann schien ihm etwas einzufallen. Er zog Lilys goldene Katte aus seiner Umhangtasche und wedelte damit vor ihrem Gesicht herum: "Dieses Schmuckstück besitzt erstaunlich viel Magie. Wetten, dass es einen zu eurem Geheimversteck führt und Ailah und du nur durch diese Kette von Ravenclaw fliehen konntet?"

"Selbst wenn es so wäre, würde ich es dir niemals sagen", knurrte Lily und versuchte, ihre Erschöpfung zu unterdrücken. Sie musste vielleicht gleich aufstehen und kämpfen, was bei den Schmerzen, die sie noch nach dem Fluch verspürte, gar nicht so leicht sein würde.

"Zu Schade, dass du hier nicht in der Lage bist, irgendetwas zu entscheiden", grinste Slytherin gespielt mitleidig. "Also noch einmal: Wo ist euer Geheimraum und wie benutzt man diese Kette?"

Lily presste die Lippen aufeinander.

"Gut, du hast es so gewollt...", der Gründer holte mit dem Schwert aus. "Mal schauen, was du ohne deinen Arm machen willst".

Er ließ sein Schwert auf die liegende Erbin niedersausen, doch diese hatte nur darauf gewartet. Blitzschnell sprang sie auf die Beine, drehte sich um 180 Grad, wobei sie erfolgreich der Klinge auswich und rammte ihren Rücken gegen den Bauch des Gründers.

Den Moment der Überraschung nutzte sie, um ihm mit gefesselten Händen das Schwert zu entreißen, sich zurückzudrehen und die schwarze Klinge auf ihn zu richten.

Augenblicklich spürte sie den Drang der Klinge, sich auf sie selbst zu richten und zuzustechen, doch zu Lilys Glück konnte sie zwar ihre eigene Magie nicht benutzen, aber die von magischen Gegenständen gehorchte ihr. Sie benötigte nicht einmal einen Zauberspruch, das Adrenalin reichte aus, um den Zauber auf dem Schwert zu brechen und die Magie zu befreien, die in irgendeine Ecke der Kammer floh, um sonst was anzustellen.

Als dem Gründer klar wurde, dass die Erbin sich nicht selbst erstechen würde, entgleisten für einen Moment seine Gesichtszüge: "Wie...?"

Lily lachte: "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass du der Einzige bist, der sich mit Magie auskennt".

Slytherin zog seinen Zauberstab und schoss einen Fluch, doch Lily schwang das Schwert und reflektierte ihn damit, sodass der Gründer beinahe selbst getroffen wurde. Erst im letzten Moment konnte er ausweichen.

Doch dann begann er, in schnellerer Geschwindigkeit weitere Flüche zu schleudern und Lily war gezwungen, zurückzuweichen, um zum Abwehren mehr Zeit zu haben. Dadurch konnte sie allerdings das Schwert nicht mehr nutzen. Sie könnte es zwar werfen, doch dann würde sie ganz ohne Waffe dastehen, was ihre Lage noch schlechter machen würde.

Zu allem Überfluss ließ Lilys Adrenalin nach, wodurch die Erschöpfung durch den Folterfluch wiederkam. Trotzdem kämpfte sie verbissen weiter, mit dem Ziel, irgendwann in ihre Zeit zurückzukehren und ihre Familie, sowie Freunde wiederzusehen.

Durch einen Sprung wich sie einem roten Fluch aus und wehrte gleichzeitig einen Grünen auf Kopfhöhe mit ihrem Schwert ab. Dann wich sie noch weiter zurück und sah aus dem Augenwinkel, dass sie der Wand bedenklich nahe kam. Bald würde sie nicht mehr ausweichen können und falls der Gründer jetzt einen Sprengfluch gegen die Wand schleuderte, wäre sie Matsche.

Doch beide wurden abgelenkt, als von Rowena ein leises Stöhnen erklang und sie sich dann aufsetzte.

"Worauf wartest du? Bring mir das Mädchen!", schrie Slytherin, doch die Gründerin blieb auf dem Boden sitzen. Langsam drehte sie ihren Kopf in Lilys Richtung und blickte ihr direkt in die Augen.

Lily stockte und auf einmal fügten sich die Erlebnisse der letzten Wochen wie ein Puzzle zusammen. Sie hatte dem leisen Zischeln in Rowenas Büro oder dass diese den Morsecode von S O S geklopfte hatte bisher keine wirkliche Bedeutung beigemessen. Dass sie sie entführt hatte, hatte Lily dem Wahnsinn zugeschrieben, doch jetzt machte alles einen Sinn. Auch, dass die Gründerin sich in der Kammer so seltsam benahm. Jetzt bemerkte Lily nämlich den abwesenden Schleier über Rowenas Augen.

Sie handelte nicht aus freiem Willen, sondern war unter einen Imperius gestellt worden, und zwar von niemand anderem als Slytherin höchstpersönlich. Doch jetzt kämpfte sie dagegen an, was dem Gründer gar nicht gefiel.

Blitzschnell passte Lily ihren vorher nicht vorhandenen Plan an die neue Situation an und schleuderte das Schwert auf Slytherin, der auswich. Allerdings rannte er direkt hinterher und hob es wieder auf, bevor Lily auch nur vier Schritte auf ihn zu machen konnte.

"Ha, jetzt hast du keine Waffe mehr", lachte der Gründer hämisch und schwang das Schwert.

Er musste denken, dass Lily völlig durchdrehte, als sie plötzlich genau auf die Klinge zurannte und vielleicht tat sie das auch. Doch den Gedanken vergaß sie sofort, als sie die Klinge auf sich niedersausen sah.

Im allerletzten Moment warf sie sich nach hinten, riss aber gleichzeitig die Arme nach vorne, sodass die Handfesseln durchtrennt wurden. Augenblicklich spürte Lily ihre Magie zurückkehren und sprang, während Slytherin, der mit dem Schwert absolut unbegabt war, sich noch fangen musste, nach vorne, um ihm einen Tritt zwischen die Beine zu verpassen. Keuchend sackte er zusammen, doch Lily drehte sich schon zu Rowena und schrie: "Legilimens!"

Sie landete außerhalb eines riesigen Anwesens, das von einer durchsichtiges, leicht milchigen Kuppel umschlossen war. Sie hatte schon eine Ahnung, was das war, das Rowenas Zuhause umschloss und rannte darauf zu. Viel Zeit hatte sie nicht, denn solange sie sich in Rowenas Verstand befand, war Lily Slytherin hilflos ausgeliefert.

Sobald sie neben der Kuppel stand, entdeckte sie in ein dunkles Augenpaar auf der anderen Seite. Dort stand Rowena und blickte sie hilfesuchend an.

Lily schrie: "Kämpf weiter, das schaffst du!", doch die Gründerin schien sie nicht zu verstehen. Sie antwortete lautlos etwas, jedoch konnte Lily ihre Lippen nicht lesen.

Sie schlug einmal gegen die Kuppel, richtete jedoch keinen Schaden an. Also trat Lily einige Schritte zurück und wirkte den Mächtigsten Sprengzauber, den sie kannte. Tatsächlich bildeten sich Risse in der vorher gleichmäßigen Kuppel.

Lily wollte noch einen Zauber wirken, doch plötzlich spürte sie, wie jemand ihre Kehle zusammenpresste. Als sie hinunterblickte, sah sie allerdings keine Hand.

'Das ist Slytherin in der echten Welt', schoss es ihr durch den Kopf.

Sie winkte der Gründerin einmal traurig zu und verließ dann deren Verstand. Den Rest musste Ravenclaw selbst schaffen. Davon hing ihr Leben und auch Lilys ab.
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