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Solved

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Keigo Takami / Hawks OC (Own Charakter) Tenko Shimura / Tomura Shigaraki Touya Todoroki / Dabi
11.11.2022
06.12.2022
17
32.411
6
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24.11.2022 1.604
 
Mit jedem Muskel in meinem Körper angespannt, stolperte ich über die Türschwelle von Keigos und meiner Wohnung. Zu meiner Überraschung brannte in der Küche und im Wohnzimmer bereits Licht und ich war mir ziemlich sicher, nichts davon heute Morgen angelassen zu haben. Die Akten in meinen Armen parkte ich auf dem Sideboard im Flur zwischen, gleichzeitig rutschte mir die Tasche von der Schulter auf den Boden und ich verlor in einer flüssigen Bewegung beide meiner Schuhe. Ohne ein Wort zu sagen, fiel ich langsam die Treppen ins Wohnzimmer hinab und schaute mich um. Ich hatte die Lampen doch nicht brennen lassen, oder?

Nicht mehr ganz so überzeugt von mir selbst, beugte ich mich in die Richtung der kleinen Lampe im Wohnzimmer und knipste sie vorsichtig aus. Wenn sie tatsächlich schon den ganzen Tag lang brannte, könnte ich mir was von Keigo anhören, kam die Stromrechnung erstmal in den Briefkasten geflattert. Dass die fehlende Helligkeit jedoch die Beleuchtung der Außenwelt wieder mehr in den Fokus rückte, und sich mir ein breiter Schatten aufdrängte, damit hatte ich dann doch nicht gerechnet und legte einen gekonnten Sprung zur Seite hin.

„Himmel Herr Gott, du bist ja doch schon Zuhause“, seufzte ich und legte eine meiner Hände gegen mein rasendes Herz, wie ich mich wieder ordentlich aufrichtete, „Katsuki sagte, du bist noch in der Firma. Kann ja doch nicht so lange gedauert haben.“

Es trieb mich in die Küche. Ich ließ Keigo an der großen Fensterfront stehen und wandte meine Aufmerksamkeit dem Kühlschrank zu, dessen Licht den Raum beinahe mehr erhellte als die Dunstabzugshaube. Wir hatten jedoch beide mit Sicherheit noch nicht ausgiebig genug gegessen, also sollte ich fürs Abendbrot noch irgendwas ordentliches zaubern.

„Ich habe Bakugo gesagt, er soll dich abholen – ich bin nach Hause geflogen“, Keigo stand dort, ohne sich oder seine Schwingen viel zu bewegen. Ich beobachtete ihn aus dem Augenwinkel, bis er mich unterbrach, wie ich nach der ersten Zutat für das Sushi griff, welches ich nun plante zuzubereiten.

„Ich habe bereits gegessen. Für mich brauchst du nicht mitkochen“, meinen Oberkörper gerade aufgerichtet, zog ich beide Augenbrauen ungläubig zusammen. Ich verstand diesen unangenehmen Unterton nicht. Abgesehen davon sagte Hawks selten nein zu Sushi – besonders Sushi mit Hühnchen. Trotz alledem harkte ich nicht nach, stellte die Verpackung wieder zurück und schloss die beiden Flügeltüren.

„Warum hast du mich nicht eingesammelt? Dann hätte Katsuki wenigstens nicht bis hierhin fahren müssen. Immerhin wohnt er am anderen Ende der Stadt. Du musst aufhören, ihn wie einen Praktikanten zu behandeln. Er ist seit über einem Jahr fest bei uns angestellt“, in meiner Drehung langte ich nach einem Glas aus dem Schrank und füllte mir etwas Leitungswasser ein. Endlich hielt Keigo es für nötig sich zu mir zu drehen – ein Segen.

„Ich wollte einfach ein bisschen allein sein. Außerdem hab ich gedacht, dass du vielleicht lieber Katsuki an deiner Seite hättest“, mein Misstrauen wuchs, aber ich spielte mit. Ich spielte die Rolle, die mein Freund mir in die Hand gab und ich drückte mich von der Küchenanrichte weg, damit ich um die Insel in der Mitte schlechten konnte. Das Gefühl, dass hier würde ein längeres Gespräch würden, wurde ich nicht los. Und egal, wie wenig Lust ich darauf auch hatte – denn die Unterhaltung mit Bakugo hatte mich schon genug Kraft gekostet – war ich es Keigo doch zumindest schuldig. Denn wir waren doch ein Paar.

„Falsch gedacht. Ich durfte ihm nämlich schön die Leviten lesen, dafür dass er mir seine Verletzung aus dem Kampf mit Toga verschwiegen hat. Hätte ich das gewusst, wäre ich vorsichtiger gewesen“, nicht, dass Katsuki allein schuld war. Auch Hawks hatte es versäumt mir zumindest die Auseinandersetzung zu beichten. Nun stellten sich mir noch immer die Nackenhaare auf, weil ich glaubte, die Liga saß mir mehr im Nacken, als ich vor ein paar Stunden noch gedacht hatte.
„Es kriselt also schon im Paradis, wie ich sehe“, das Aufblitzen in Keigos Augen, welches durch mein Herz stach, wie ein Messer, erschreckte mich. Er stoppte nicht damit, mich über seine Schulter hinweg und durch sein Federkleid hin durchzumustern.

Der Griff um mein kühles Wasserglas wurde fester und meine Atmung flacher: „Wovon redest du?“

Mir war bewusst, was für einen Fehler ich begangen hatte. Dass ich Keigo für sein Leben enttäuschen würde. Doch wie ich ihn dastehen sah, da erkannte ich ihn nicht mehr. Nicht, weil er mehr für sein Ziel kämpfte als früher noch. Sondern, weil er so lange nicht an meiner Seite war. Weil wir kaum noch gemeinsam arbeiteten. Weil wir kaum noch freie Tage besaßen. Weil uns eigentlich nichts mehr verband. Und wenn alles, was uns damals zusammenhielt, der Fakt meiner Entführung war und Keigo den Schlüssel dazu darstellte, dann war die Basis, auf der die Beziehung sich befand, nie eine gute gewesen. Und trotz alledem, konnte ich meinen Fehler mit nichts davon entschuldigen. In dieser einen Nacht, war alles was ich wollte ein Stück von Katsuki. Ein Stück meiner Vergangenheit und dafür nahm ich die Schmerzen eines mir nahestehenden Menschen in Kauf.

„Ich weiß es bereits. Du musst dir keine Mühe mehr geben, es zu verstecken und totzuschweigen. Ich stehe wirklich gut im Bilde, Schatz“, auch, wenn ich nicht diejenige war, die sich in ein Federkleid hüllte, so sträubte ich mich dennoch bei diesem Wort. So nannte er mich nie und erst dadurch konnte ich klar und deutlich sagen, er bluffte nicht. Und ich war kurz davor den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Und obwohl er mir sagte, ich konnte aufhören zu schweigen, so wusste ich nicht, was nun zu sagen war. Es war bereits ein Wunder, dass ich das Glas noch immer in meinen schwitzigen Griffeln halten konnte. Worte zu Formen und dann auch noch die passenden zu der Situation kam gar nicht in die Tüte. Wie peinlich.

„Hat’s dir die Sprache verschlagen? Du redest doch sonst so viel und gerne“, Keigo drehte sich nun ganz zu mir und während ich mich dazu zwang, nicht auf den Teppich zu meinen Füßen zu reihern, hielt ich angestrengten Augenkontakt mit dem Mann auf der anderen Seite des Wohnzimmers.

„Ich.. es tut mir leid, ich wollte nicht..“, meine stammelnden Silben schienen wohl kaum auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes anzukommen und trotzdem bekam ich nicht mehr über die Lippen, als dieses kleine bisschen. Und offensichtlich war es nicht das, was mein Freund hören wollte. Angespannt schlug er die Hand zur Faust geballt gegen die Fensterscheibe zu seiner rechten und ich war froh, dass das Glas ganz blieb. Dennoch rutschte mir ein kleiner Aufschrei heraus.

„Ich bin nicht dein Vater, Momoka! Ich will keine verdammte Entschuldigung von dir hören – ich würd’s lieber verstehen wollen, den ich kapier’s einfach nicht! Du hast hier alles! Meine Liebe, mein Geld, eine Arbeit und du bist nicht mal gezwungen sie zu machen! Du kannst kommen und gehen, wann du willst! Du bist verdammte Staatsheldin mit einem Pro Helden als Mann an deiner Seite! Du hast das Leben, was sich jeder da draußen wünscht und du fällst mir in den Rücken? Erläutere mir das bitte, denn ich bin scheinbar zu dumm, um diese Logik zu verstehen.“

Egal, welche Frage Keigo mir gestellt hätte, vermutlich wäre mir keine Antwort über die Lippen bekommen. Weil es einfach nichts gab, ihn das entschuldigen würde, diesen Ausrutscher. Und gerade darum, griff ich einfach nach allen Dingen in unmittelbarer Nähe, die ich Keigo um die Ohren hauen konnte, damit er zumindest meinen Hilferuf verstand.

„Ich habe alles? Willst du mich auf den Arm nehmen? Seit Monaten lässt du mich bei den Todorokis alleine aufkreuzen und immer wieder muss ich dich dort entschuldigen, weil du es nicht gebacken bekommst, dich an deine eigenen Termine zu halten! Ich schaue mir Momos und Shotos Ehe an, die perfekt funktioniert und sehe uns... Mich, die dir hinterherjagt, weil ich dich lediglich im Bett wiedersehe – oder bei unseren Scharwenzeln in deinem Büro! Aber wenn das das Leben ist, welches scheinbar jeder haben will, dann bin ich wohl die Hirnverbrannte hier!“, maulte ich und stellte lautstark das halbleere Glas auf die Kücheninsel neben mir. Keigo schnaufte ebenso gut hörbar aus und kam einen Schritt auf mich zu, was mich auf der Stelle vorsichtiger werden ließ.

„Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass ich viel arbeiten muss und mich nicht alltäglich um deine psychischen Ausfälle kümmern kann! Aber hey, vielleicht sollte ich dich nicht mehr allein zu den Todoroki-Abendessen schicken! Reicht bereits, wenn dir einer von dieser Sorte das Hirn vernebelt hat“, ich fühlte mich angegriffen. Mal wieder schob Keigo seine Fehler auf andere und mal wieder lebte er seine Doppelmoral aus, die ich mir ganz sicher nicht gefallen ließ. Schon gar nicht auf dieser unfreundlichen Ebene.

„So spielen wir jetzt also, ich verstehe. Dann kannst du mir sicherlich auch erklären, wie blöd man sein muss, um sich nach dem Debakel von vor drei Jahren schon wieder in die Reihen der Schurkenliga schleichen zu wollen! Es spielt keine Rolle, ob du das nun andersherum und durch die Befreiungsarmee da ran willst, weil du glaubst, der Verein verliert sowieso und schließt sich infolgedessen Shigaraki und Co an! Du begehst schleichenden Selbstmord, was soll das werden, wenn’s fertig ist, Keigo?“, ich hatte die Akte im Stapel gefunden von dem Fall. Und auch darüber hatte Keigo kein Wort in meine Richtung verloren. Ich hatte das Gefühl, dass die vergangenen Jahre keinerlei Bedeutung mehr hatten.

Und da fing es an. Das Schweigen, in welchem wir uns verloren. So lange, bis Keigo an mir vorbeizog, das Gespräch beendete und ich am nächsten Tag in einem leeren Bett aufwachte. Hier waren wir also gelandet. In einer gescheiterten Ehe, die noch nicht einmal angefangen hatte.
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