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Das Leben

von melodream
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Het
OC (Own Character)
11.11.2022
24.11.2022
5
8.743
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
24.11.2022 1.953
 
>>Das Leben ist zu kurz für irgendwann.<<
-Unbekannt-



Thea war gerade dabei das Geschirr aufzuwaschen, als es an der Tür klingelte. Schnell wischte sie sich die Hände trocken um die Haustür zu öffnen.

„Hei“, der großgewachsene Norweger von nebenan stand vor der Tür und fuhr sich unsicher mit einer Hand durch seine Haare. Das Bild was sich ihr bot, hatte so gar nichts mit dem Bild von ihrem ersten Aufeinandertreffen gemeinsam.

„Ja?“, Thea hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht und ihn hereingebeten. Sie stand in der Tür und hatte diese auch nur so weit geöffnet, dass sie darin stehen konnte. Sie hoffte, dass Vetle endlich sagte, was er sagen wollte. Doch er war offensichtlich noch dabei seine Worte zu einem Satz zu formulieren.

„Ich- Wir“, dann brach er wieder ab. Skeptisch zog Thea eine Augenbraue nach oben und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Langsam wurde es ihr kalt, schließlich trug sie nur ein dünnes Sweatshirt.

„Tiril und ich wollen gleich etwas Langlauf fahren und da dachten wir, wir fragen mal nach ob du und Mads mitkommen wollt“, schaffte er es endlich einen ordentlichen Satz zu sagen. Intuitiv wollte sie ihm gleich eine Abfuhr erteilen, doch da hatte sie die Rechnung ohne Mads gemacht, welcher ihr scheinbar in den Flur gefolgt war.

„Langlauf fahren mit Vetle, ohja“, rief er gleich begeistert aus, als er sich jetzt an seiner Mutter vorbei drängelte.

„Hallo Kumpel“, Vetle hielt Mads die Hand hin, damit er einschlagen konnte. Mads ließ sich das natürlich nicht entgehen und schlug bei dem großen Norweger ein.

„Wann geht’s los?“, fragte Mads nun seine Mutter.

„Mads, du hast doch noch nie auf Skiiern gestanden“, versuchte Thea einzuwenden, doch Vetle unterbrach sie.

„Du hast noch nie auf Skiiern gestanden?!“, rief dieser nun gespielt entrüstet. Mads schüttelte den Kopf und senkte diesen betreten nach unten. Es war ihm eindeutig unangenehm.

„Dann wird das aber allerhöchste Zeit, meinst du nicht auch?“, Vetle hatte sich zu Mads runtergekniet und brachte ihn dazu wieder aufzusehen. Mads nickte euphorisch und sah bittend zu seiner Mutter.

„Wir haben aber keine Skiier“, versuchte Thea erneut ein schlüssiges Argument einzuwerfen, damit sie nicht mit konnten. Doch auch dieses Argument schmetterte Vetle ab.

„Ach, das ist das kleinste Problem. Wir haben genügend Skiier in sämtlichen Längen da. Da wird  schon was passendes für euch dabei sein. Also kommt ihr gleich rüber? Sagen wir so in einer halben Stunde?“, er sah sie fragend an.

„Okay“, willigte sie nun ein, was beide Männer zum grinsen brachte.

„Klasse, dann bis gleich“, Vetle hob noch die Hand zum Abschied und machte sich wieder auf den Weg zurück.



„Und wir können dich heute Nachmittag auch wirklich alleine lassen?“, Thea war immer noch nicht so wirklich davon überzeugt gleich Ski fahren zu gehen. Ihre Tante hatte sie ja nicht ohne Grund aus Oslo gerufen und jetzt sollte sie Sigrid für mehrere Stunden alleine lassen.

„Thea, es ist wirklich in Ordnung wenn ihr mal ein paar Stunden nicht um mich rum seid. Das schaffe ich schon, wirklich“, Thea seufzte.

„Also gut, aber wenn was ist dann melde dich bitte bei mir“, Tante Sigrid nickte und gab ihr zu verstehen sich endlich auf den Weg zu machen. Mads wartete schon im Flur auf sie.

„Dann komm“, sie hielt Mads ihre Hand hin, die er auch gleich ergriff. Vom weiten konnte Thea Tiril und Vetle schon draußen sehen. Als Mads die Zwei auch entdeckt hatte, riss er sich los und sprintete zu Vetle, der sich sichtlich über Mads zu freuen schien. Vetle und Mads waren gerade dabei Skiier anzuprobieren, als auch Thea zu der kleinen Gruppe stieß.

„Hallo“, rief sie zur Begrüßung in die Gruppe. Vetle sah nur einen ganz kurzen Moment zu ihr auf und widmete sich dann wieder Mads zu und Tiril schnallte gerade ihre Tochter im Babyschlitten fest. Mit einem Lächeln im Gesicht besah sie sich Vega einen Moment genauer, die sie auch gleich zurück anstrahlte.

„Du bist aber eine süße Maus“, Thea wurde es ganz warm ums Herz bei dem Anblick von Vega. Stolz sah Tiril sie nun auch an, nachdem sie fertig war Vega anzuschnallen.

„Vetle meinte du brauchst auch Skiier?“, sie nickte.

„Gut, du bist ja nur etwas größer als ich. Da müssten dir eigentlich meiner Skiier von der Länge her passen. Was hast du für eine Schuhgröße?“

„39“, Tiril nickte und verschwand noch einmal in der offenstehenden Nebentür ihres Elternhauses. Thea nutzte die Gunst der Stunde und schäkerte etwas mit der kleinen Vega, die es sichtlich amüsant fand.

„Hier, probier mal ob sie dir passen“, Tiril reichte ihr Schuhe, Skiier und Stöcke, die Thea auch sofort anprobierte.

„Sie passen. Danke dir“, Tiril winkte ab.

„Wollen wir dann schonmal los?“, fragte Tiril sie jetzt. Thea sah hinter sich zu Mads und Vetle. Mads stand mittlerweile auch schon auf Skiiern und Vetle zeigte ihm gerade in der flachen Einfahrt der Christiansen wie er auf den Skiiern vorwärts kommt.

„Fahrt ihr ruhig schon vor. Wir Männer kommen dann gleich nach, oder Mads?“, Vetle hatte ihr Gespräch scheinbar mitangehört obwohl er mit Mads beschäftigt war.

„Ja, wir Männer kommen dann nach“, stolz wie Oskar grinste Mads, nachdem Vetle ihn einen Mann genannt hatte. Mit zwei Skatingschritten stoppte sie kurz vor Vetle, der sie fragend ansah.

„Gib mir bitte dein Handy“, irritiert sah er sie für einen kurzen Moment zögernd an, bis er doch noch sein Handy aus der Jackentasche holte und ihr es entsperrt hinreichte. Dabei ließ er den Augenkontakt keine Sekunde abbrechen. Erst als sich Thea seinem Handy widmete, brach dieser für einen Moment ab, aber sein Blick ruhte weiterhin auf ihr, dass konnte sie deutlich spüren.

„Hier“, sie reichte ihm sein Handy wieder.

„Wenn irgendetwas sein sollte, ruf mich bitte sofort an“, Thea fixierte seinen Blick und Vetle nickte. Immer noch etwas irritiert.

„Ich pass auf ihn auf. Du kannst dich auf mich verlassen“, Thea zog skeptisch eine Augenbraue nach oben.

„Ob ich mich auf dich verlassen kann, musst du mir erst einmal beweisen“, Thea senkte etwas die Lautstärke ihrer Stimme, damit nur er es hören konnte. Noch einmal sah sie ihm bedeutungsvoll in die Augen, bevor sie sich umdrehte und wieder zu Tiril und Vega zurück skatete.



Thea hat es richtig genossen die letzte Stunde mal wieder auf Skiiern gestanden zu haben. Viel zu lange hatte sie dies nicht mehr getan, weil sie durch Mads einfach keine Zeit und Kraft gehabt hatte, mal etwas nur für sich zu tun. Doch sie merkte wie gut es ihr tat. Mit Tiril schien sie echt auf einer Welle zu sein, so gut konnten sie sich unterhalten. Jetzt saßen sie in einer kleinen Hytte etwas oberhalb von Geilo, aßen Waffeln und tranken dazu leckeren Kaffee.

„Das hat wirklich Spaß gemacht heute“, mit einem seligen Lächeln auf den Lippen sah sie zu Vega, die es sich auf ihrem Schoß gemütlich gemacht hatte und sich über ihre Waffel hermachte.

„Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es macht auf Skiiern zu stehen.“

„Das ist aber sehr untypisch für eine Norwegerin“, Thea lachte auf. Da hatte Tiril nicht gerade Unrecht.

„Das stimmt. Irgendwie hatte ich nie Zeit dafür.“

„Es gibt Dinge, wofür man sich Zeit nehmen muss und dazu gehört definitiv die Freizeit“, da hatte Tiril schon Recht, aber wenn Thea für etwas in der Vergangenheit keine Zeit hatte, dann war es definitiv ihre Freizeit gewesen. Sie war alleinerziehend und somit komplett alleine für ihren Sohn verantwortlich und Mads stand für sie einfach an erster Stelle. Ohne Kompromisse und dadurch sind ihre eigenen Bedürfnisse einfach in den Hintergrund geraten.

Aus ihrer Jackentasche friemelte sie ihr Handy heraus um nachzuschauen, ob sich Vetle bei ihr gemeldet hatte. Aber es war kein Anruf oder Nachricht von ihm drauf. Thea konnte nicht verleugnen, dass sie so langsam unruhig wurde. Sie war mit Tiril vor einer Stunde in der Hytte angekommen. So weit war diese nicht entfernt gewesen, dass Vetle und Mads immer noch nicht hier waren.

„Die Zwei kommen bestimmt gleich. Du kannst meinem Bruder wirklich vertrauen“, Tiril legte beruhigend eine Hand auf ihre. Tiril hatte wirklich eine gute Auffassungsgabe, das musste man ihr lassen. Doch richtig beruhigt war Thea durch ihre Aussage nicht wirklich. Sie hatte Mads noch niemals irgendjemanden Fremden anvertraut, außer dem Kindergarten.

„Wirklich Thea. Vetle hat schon so oft auf Vega oder auf seine anderen Nichten und Neffen aufgepasst. Er ist wirklich sehr verantwortungsbewusst und er scheint sehr vernarrt in Mads zu sein.“

„Nicht nur er. Mads redet seit dem ersten Aufeinandertreffen nur noch von Vetle“, gab Thea nun zu.

„Da haben sich scheinbar Zwei gefunden“, aufmunternd lächelte Tiril sie nun an, als die Tür der Hytte nun aufging und Vetle mit Mads eintrat.

„Siehst du, da sind sie“, Thea musste sich schon eingestehen wie erleichtert sie nun war, dass Mads wieder bei ihr war.

„Mamma“, Mads kam auch sofort auf sie zu und setzte sich zu ihr auf die Bank und fing an zu erzählen, wie toll Langlauf fahren mit Vetle war. Mit einem wissenden Grinsen sah Tiril sie nun an.
Langsam kam Vetle nun auch zu ihren Tisch.

„Ich wollte für Mads und mich Waffeln holen. Wollt ihr auch noch etwas?“, fragte er in die Runde. Tiril schüttelte den Kopf.

„Ich hätte gerne noch einen Kaffee“, Vetle nickte und ging wieder vom Tisch weg.

Voll bepackt kam er nach 10 Minuten wieder. Dankend nahm Thea ihm den heiß begehrten Kaffee ab, sodass er die Teller mit den Waffeln abstellen konnte. Kaum hatte sich Vetle hingesetzt, wurde er auch gleich wieder von Mads beansprucht, was ihn aber scheinbar überhaupt nicht zu stören schien. Ganz im Gegenteil. Und von Minute zu Minute wurde Thea dadurch entspannter und trank in Ruhe ihren Kaffee.

Nachdem alle mit dem Essen und Trinken fertig waren, machte sich die Gruppe wieder auf den Weg nach Hause. Dieses Mal blieben sie aber zusammen und fuhren, so schnell es Mads vorgab. Thea musste sich eingestehen, dass Vetle scheinbar richtig gute Arbeit geleistet hatte. Mads fuhr auf den Langlaufskiiern echt gut, obwohl er heute das allererste Mal auf den Brettern stand.  

„Mads fährt echt gut“, richtete sie daher nun das Wort an den großgewachsenen Norweger, der stumm neben ihr her fuhr.

„Er ist talentiert und lernt sehr schnell.“

„Er scheint dich sehr zu mögen“, sagte Thea, nachdem eine längere Pause zwischen den Beiden entstanden war.

„Ich mag ihn auch. Er ist sehr pfiffig“, Thea musste lachen. Es gefiel ihr, wie Vetle über ihren Sohn dachte. Und je länger sie Vetle mit ihrem Sohn zusammen sah, desto weniger missfiel ihr es. Vetle schien Mads gut zu tun. Noch niemand hatte ihn so schnell aus seinem Schneckenhaus holen können.

„Hab ich denn den Test nun bestanden?“, iritiert hörte Thea auf sich mit dem Stöcken weiter abzustoßen. Sie verstand seine Frage nicht.

„Welchen Test?“, fragte sie ihn daher.

„Das man mir vertrauen kann“, jetzt wusste Thea auch was er meinte. Vetle hatte ihr Gespräch von vorhin im Kopf.

„Von einer einzigen Aktion kann man sich nicht das Vertrauen verdienen“, Thea meinte es ernst. Und das sollte er ruhig spüren.

„Aber vertraust du mir nun so viel, dass du mir Mads morgen noch einmal anvertraust? Er würde morgen gerne nochmal Langlauf fahren“, Thea überlegte. Mads würde sich riesig freuen, wenn sie ja sagen würde, aber konnte sie dem blonden Norweger schon so viel vertrauen um ihm ihren wichtigsten Menschen erneut anzuvertrauen? Tief in ihrem Inneren sprach ein Gefühl zu ihr, dass sie es konnte. Doch konnte sie diesem Gefühl auch vertrauen? Sie gab sich einen Ruck und nickte. Auf Vetles Gesicht erschien ein fettes Grinsen und er machte sich mit kräftigen Stockhieben auf den Weg zu Mads. Er würde ihm sicherlich nun erzählen, dass ihrer Verabredung für morgen nichts mehr im Weg stand.
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