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The German Helper

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Daryl Dixon OC (Own Character)
09.11.2022
30.01.2023
54
133.492
15
Alle Kapitel
123 Reviews
Dieses Kapitel
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25.11.2022 2.250
 
Freut mich sehr, dass ihr mir so fleißig Rückmeldung zu der Geschichte gebt! Besonderer Dank geht heute wieder an AvidReader und Annaaa! :) Viel Spaß beim Lesen!




Deanna war weder in der Nacht noch am nächsten Morgen gekommen, sodass wir beim Frühstück entschieden hatten, dass wir uns einfach ganz normal, so als hätte es keine Drohung oder sonst etwas gegeben, verhielten. Während Maggie und Michonne also nach dem Essen zu ihrer Wachschicht am Tor aufbrachen und Carol mit Judith zu einem Backtreff der Bewohner verschwand, merkte ich plötzlich, dass ich gar keine Aufgabe hatte. Vermutlich hätte ich mich Carol ohne Probleme anschließen können, doch wusste ich nicht wirklich, inwiefern ich bei einem Backtreff hilfreich wäre und vor allem, was das Alexandria bringen würde. Stattdessen wandte ich mich, nachdem die Frauen gegangen waren, also an Rick, der zusammen mit Daryl und Glenn über eine Landkarte gebeugt auf der Veranda saß.

"Kann ich was helfen?"

Während Glenn sofort freudig nickte und Daryl mich gar nicht beachtete, warf Rick mir einen unsicheren Blick zu.

"Ist deine Nase okay?"

Überzeugt nickte ich und musste dabei noch nicht einmal lügen. Ich glaubte inzwischen, dass Denise mit ihrer Schiene etwas übereifrig gewesen war und es meiner Nase eigentlich schon wieder komplett gut ging. Jedenfalls hatte ich keinerlei Schmerzen mehr, trug die Schiene aber noch um Denises und vermutlich auch Ricks Willen.

"Na gut, dann kannst du mit mir und Aaron auf Versorgungstour gehen. Kannst du mit Waffen umgehen?"

Fragend wurde ich von den Männern beschaut, woraufhin ich abermals nickte. Ich hatte mich schließlich lange alleine durchkämpfen müssen, da würden meine Fähigkeiten schon für eine kleine Versorgungstour genügen.

"Einigermaßen, würde ich sagen."

"Okay, dann wie geplant: Daryl und Glenn ihr schaut, ob es irgendwelche Anzeichen der Saviors gibt und Aaron, Mila und ich gehen auf Versorgungstour."

Ich fand es sehr sinnvoll, dass Rick die beiden anderen Männer zur Sichtung der Saviors aus dem Lager schickte. So wie ich Negan und seine Leute nämlich einschätzte, könnte uns bald der nächste Angriff erwarten. Rick rollte die ausgefaltete Karte, auf der er zuvor mit den anderen wohl Strategien und Routen besprochen hatte, schnell zusammen und nickte mir dann kurz zu.

"Ich hole noch kurz meine Sachen von oben, Daryl kann dir zeigen, wo die Waffen sind und wir treffen uns dann auf dem Vorplatz."

Ich schaute fragend zu Daryl, der nur zustimmend nickte und schon halb die Veranda verlassen hatte, woraufhin ich ihm schnell hinterher eilte. Ich verstand nicht, warum dieser Mann immer so schnell gehen musste. Die Waffenkammer Alexandrias war überraschend gut gefüllt, sodass ich in den hohen Regalen neben unterschiedlichen Messern und Pistolen sogar auch einige Bögen und Pfeile entdeckte. Selbstsicher strich Daryl durch die Regalgänge und drückte mir letztlich ein kleines, sehr edel aussehendes Messer sowie eine silberglänzende Pistole in die Hand.

"Das sollte passen."

Meinte er überzeugt, woraufhin ich die Waffen in meiner Hand kurz begutachtete und dann kurzerhand selber zu den Messern steuerte. Einige Momente scannte ich die ordentlich geordneten Waffen ab, ehe ich das, was ich suchte, schließlich gefunden hatte. Zufrieden griff ich nach der bekannten Machete und hielt sie einige Sekunden zufrieden in meiner Hand. Es fühlte sich gut an, das bekannte Stück Metall wieder kalt an meiner Haut zu spüren.

"War das deine?"

Brummend hörte ich Daryl zu mir herantreten und mir interessiert über die Schulter schauen. Ich hatte diese Machete kurz nach meinem ersten Ausbruch von den Saviors einem Beißer abgenommen und sie über die kurze Zeit wirklich lieben gelernt. Ich kannte mich nicht wirklich mit Waffen aus, doch war ich mir, so gut wie dieses Messer in meiner Hand lag, sicher, dass sie von sehr guter Qualität sein musste.

"Ihr habt sie mir damals auf der Straße abgenommen. Mit meinem Rucksack."

Ich konnte den vorwurfsvollen Ton nicht komplett aus meiner Stimme verbannen. Ich vermisste meinen alten Rucksack und dessen Inhalt, wo er mir doch so sehr ans Herz gewachsen war, wie anderen Menschen Freunde.

"Na jedenfalls eins von beiden hast du jetzt wieder."

Daryl schien nicht viel für meine Melancholie übrig zu haben, da er nur kurzerhand die Schultern zuckte und mich wieder aus der engen Waffenkammer hinaus ans Tageslicht führte. So gleichgültig wie Darly mit mir umging, war ich inzwischen davon überzeugt, mir die Situation gestern Abend auf der Veranda einfach nur eingebildet zu haben. Vermutlich war das sowieso besser so, da ich eh keine große Lust auf irgendwelche zu engen Beziehungen hatte. In dieser Zeit war das immer nur eine Gefahr.

"Pass gut auf, dass du sie nicht wieder verlierst."

Bevor ich Daryl schnippisch antworten konnte, dass ich die Machete zuvor nicht verloren, sondern er persönlich sie mir abgenommen hatte, war der Bogenschütze schon verschwunden. Alleine machte ich mich also auf den Weg zum Vorplatz Alexandrias, wo Rick und Aaron vor einem Auto stehend schon auf mich warteten. Wir begrüßten uns kurz und wollten schon ins Auto steigen, um uns auf den Weg zu machen, als plötzlich Deanna mit Spencer im Schlepptau zu uns eilte. Im ersten Moment glaubte ich, die Frau würde mich jetzt hier, mitten auf dem Vorplatz einfach aus Alexandria verbannen, doch stattdessen behandelte sie mich einfach so, als wäre ich gar nicht da. Sie schenkte mir weder einen Blick noch eine Begrüßung, sondern wandt sich nur direkt an Rick, der ebenso wie ich allein durch die Anwesenheit der Frau nervös und gestresst wirkte.

"Spencer fährt bei Ihnen noch mit."

Ich sah wie Rick den Mund öffnete, um wohl schon zu protestieren, sich dann jedoch eines besseren besinnte. So wie es wirkte, wollte Deanna den Vorfall mit Daryl und mir einfach vergessen und wieder zur Tagesordnung zurückkehren, solange wir weiterhin ihrer vermeintlichen Führung folgten. Rick wechselte einen kurzen Blick mit mir und nickte dann erschlagen. Uns war beiden bewusst, dass, wenn er Spencer nun ablehnen würde, Deanna dies als Herausforderung betrachten würde und das wohl das Letzte wäre, was wir gebrauchen könnten. Spencer schien das zufrieden zur Kenntniss zu nehmen, grinste mir nur einmal dreckig zu und ließ sich dann als erster auf der Rücksitzbank des Autos nieder. Aaron, dem der Vorfall auf der Müllwiese am gestrigen Tag natürlich nicht entgangen war, ließ sich kurzerhand neben dem jungen Mann nieder, sodass Rick und ich im vorderen Teil des Wagens Platz nehmen konnten. Die Fahrt zu dem von Rick ausgeguckten Dorf verlief überwiegend schweigend, wobei lediglich Rick einige Mal versuchte, ein kleines Gespräch aufzubauen. Anscheinend hatte Spencer von gestern einfach noch genug oder er hatte wirklich Respekt vor Rick, denn auch von ihm kamen keinerlei dumme Sprüche in meine Richtung.

"Es wirkt sehr ruhig, daher schlage ich vor, dass wir uns aufteilen."

In dem kleinen Dorf angekommen, hielt Rick kurz eine kurze Lagebesprechung ab. Wir waren insbesondere auf der Suche nach Nahrung, doch auch funktionsfähige Waffen und Munition sowie Kleidung könnten wir jederzeit gebrauchen.

"Aaron und Spencer ihr fangt mit den Häusern dort an, Mila und ich hier. Wenn wir fertig sind, treffen wir uns wieder hier und nehmen uns gemeinsam den Supermarkt vor."

Alle Anwesenden nickten zustimmend und gemeinsam mit Rick näherte ich mich kurze Zeit später dem ersten Haus. Die Siedlung hier war keineswegs so wohlhabend wie Alexandria, doch wirkten die Häuser noch relativ unangetastet, sodass ich mir gut vorstellen könnte, den ein oder anderen Goldfund zu machen. Wie Rick prognostiziert hatte, war es tatsächlich sehr ruhig und nur wenig Beißer begegneten uns, sodass es mehr einer Häuserschau in alten Zeiten, als einer Plünderungstour in jetzigen Zeiten ähnelte. Gelassen zogen Rick und ich also durch die Häuser und sackten einige Konservendosen sowie noch essbare Snacks in unseren Taschen ein.

"Bist du eigentlich gerne bei uns?"

Ich war überrascht, als Rick mir im dritten Haus schließlich diese Frage stellte und zögerte kurz. Worauf wollte er genau damit hinaus? Wollte er überhaupt auf irgendwas hinaus?

"Klar. Ist schwer einen so sicheren Ort wie Alexandria in der heutigen Zeit zu finden."

Ich nickte letztlich zustimmend, während ich gerade zwei Dosen Ravioli in meinen immer vollerwerdenden Rucksack stopfte. Alexandria war meiner Meinung nach vermutlich einer der letzten Orte, die komplett beißerfrei waren. Ein Traum für jeden Menschen, der überleben wollte.

"Warum hast du dann gestern angeboten, Deanna vorzuschlagen, dass du gehst?"

Rick schien an dem Haus kein weiteres Interesse zu haben, sondern hatte seine Augen fest auf mich gerichtet. Wenn ich nicht selber gesehen hätte, wie wenig Beißer es hier gab, so hätte ich ihn vermutlich für lebensmüde gehalten.

"Damit ihr in Sicherheit bleiben könnt, mit Carl und Judith."

Während ich meinen Rucksack wieder schulterte, versuchte ich so beiläufig wie möglich zu klingen. Ich hatte gestern verstanden, dass Rick von meinem Vorschlag nicht wirklich begeistert gewesen war und glaubte nicht, dass es sinnvoll wäre noch weiter darüber zu sprechen. Er konnte glaube ich nicht wirklich nachvollziehen, was ich mir gedacht hatte. Dass ich nicht glaubte, dass mein Fehlen ein großer Verlust für die Gruppe wäre und ihre Sicherheit wichtiger wäre.

"Das schätze ich sehr. Aber willst du wirklich wieder alleine auf der Straße leben?"

Rick eilte mir nach, da ich bereits wieder dabei war, das Haus zu verlassen. Seine Worte trafen mich, doch ich versuchte es mir nicht anmerken zu lassen. Natürlich wollte ich nicht gerne wieder alleine auf der Straße leben, wer würde das schon gerne. Ich war doch auch ein ganz normaler Mensch und sehnte mich nach menschlichen Kontakten. Trotzdem wusste ich, dass wenn mein Verlassen Alexandrias ihrer Gruppe zum Bleiben verhelfen könnte, ich niemals meine eigenen Gefühle oder Präferenzen über ihr Wohl stellen würde. Ricks Kinder hatten ein Leben hinter sicheren Mauern verdient, das Beste, was man heutzutage noch kriegen konnte.

"Wenn es sein muss."

Ich drehte mich nicht zu dem Anführer herum, als ich antwortete, spürte jedoch seinen bohrenden Blick auch in meinem Rücken. Wenn er ein wenig Menschenkenntnis besaß, so sollte ihm inzwischen klar geworden sein, dass ich gerne menschliche Wegbegleiter bei mir hatte.

"Was warst du für ein Mensch, bevor diese Scheiße hier angefangen hat?"

Während wir das letzte Haus ansteuerten, das wir uns vorgenommen hatten, wechselte Rick abrupt das Thema. Ich hatte so lange nicht über mein Leben vor den Beißer nachgedacht, dass es mir so fern wie die Zeit der Ägypter vorkam. Es war heutzutage nicht mehr wichtig, wer man war, was für einen Schulabschluss man hatte oder welchen Lieblingsfilm man hatte. Was heute noch zählte waren einzig und allein Überlebenskunst, Waffengeschick und vielleicht noch medizinische Kenntnisse. Alles andere war inzwischen heiße Luft.

"Ein ganz normales deutsches Mädchen, glaube ich."

Ich lächelte unsicher, so überrascht war ich von seiner Frage. Es könnte ihm egal sein, wer ich vorher war, wenn ich nur jetzt seiner Führung folgte. Doch das war es ihm nicht. Vielleicht war gerade das das Rezept zu einem gutem Anführer.

"Ich war fast fertig mit der Schule und war gerade in der Planung für mein Gap-Year vor dem Studium. Ich wollte Psychologie studieren."

Zögerlich begann ich etwas zu erzählen, als ich Ricks weiterhin abwartenden Blick bemerkte. Er würde mich nicht zum Erzählen drängen, doch spürte ich, so länger ich über meine Vergangenheit nachdachte, dass es eigentlich gut tat, etwas von meinem alten ich mit jemandem von heute zu teilen. Es gab mir etwas Normalität, etwas Sicherheit.

"Ich habe noch bei meinen Eltern gewohnt, aber war eigentlich schon halb am Packen für das Gap-Year. Es - es sollte nach Kanada gehen."

"Naja, bist du ja jetzt nicht einmal weit von entfernt."

Rick grinste kurz, was auch mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Wir wussten beide, dass mein Gap-Year in Kanada ganz anders hätte aussehen sollen, als dieser Kampf hier ums Überleben in den USA. Wir betraten das Haus und schlenderten kurz durch die untere Etage, wobei schnell ersichtlich wurde, dass es hier nicht mehr viel zu holen gäbe.

"Hast du Geschwister?"

Während wir die Schränke in der Küche durchsuchten, in denen es neben vergammelten Obst und schimmligen Brot nicht mehr viel zu holen gab, fragte Rick mich weiter aus. Es war nicht unangenehm, obwohl es in der damaligen Zeit wohl mehr als komisch gewesen wäre, wenn ein Mann wie Rick, der vom Alter her mein Vater sein könnte, ein junges Mädchen wie mich so ausfragte.

"Einzelkind."

"Ich auch."

Rick deutete mit einem kurzen Kopfnicken in Richtung Haustür an, dass wir das Haus wieder verlassen könnte. Alles nützliche hatte schon den Weg zu anderen Plünderern gefunden.

"Wie war es für dich, als du bei Negan warst?"

"Schwierig."

Antwortete ich kurzangebunden und wünschte mir, dass er mich lieber wieder etwas zu meinem Leben in Deutschland fragen würde. Die kurze Zeit in der Gefangenschaft bei den Saviors hatte mich, im negativen Sinne, vermutlich mehr geprägt als all die Jahre zuvor.

"Maggie hat uns einiges erzählt."

Rick ließ die Aussage einfach nur einige Momente in der Luft schweben, wobei ich mir schon ziemlich sicher war, worauf er anspielte. Zügig steuerte ich vom Haus also den Treffpunkt an, bei dem ich Spencer und Aaron schon warten sah, in der Hoffnung, diesem Gespräch zu entkommen. Mit einem vorsichtigen doch bestimmten Griff an die Schulter, unterband Rick meinen Fluchtversuch jedoch und zwang mich dazu, bei ihm stehenzubleiben.

"Ich will einfach nur, dass du weißt, dass wir anders sind. Und dass wir nicht zulassen werden, dass dir nochmal so etwas passiert."
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