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The German Helper

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Daryl Dixon OC (Own Character)
09.11.2022
28.11.2022
19
37.312
8
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.11.2022 2.307
 
Danke für die tollen Reviews, die mich erreicht haben, und viel Spaß mit Kapitel 15! :)





"Das ist gar nicht gut, das ist gar nicht gut."

Nervös und beinahe rennend, um mit Daryls großen Schritten mithalten zu können, schüttelte ich immer wieder den Kopf, während wir eilig durch die dunklen Straßen Alexandrias zu dem Haus, in dem Rick und die anderen auf uns warteten, gingen. Auch wenn das gerade alles so einfach und toll geklappt hatte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Deanna diese Drohung so einfach auf sich sitzen lassen würde. Sie würde uns rausschmeißen, uns alle. Da war ich mir sicher.

"Beruhig dich mal."

Als wir gerade die Veranda zu dem Haus, in dem wir schliefen, erklimmt hatten, fuhr Daryl mich genervt an und legte mir bestimmt seine Hände auf die Schultern, um mich fest durchzuschütteln.

"Das ist Deanna, die kann uns nicht."

Ich schluckte schwer und löste mich schnell aus seinem unsanften Griff. Ich wusste zwar tief in meinem Inneren, dass er Recht hatte, doch konnte ich im Moment nichts anderes als Angst verspüren. Was wenn wir die anderen, die dort gespannt hinter der Haustür auf uns warteten, in Gefahr gebracht hätten? Was wenn wir Carl und Judith in Gefahr gebracht hätten? Was wenn wir alle enttäuscht hätten?

"Ich - aber was -"

Meine stammelnde Stimme erstarb, als ich den fast amüsierten Blick erkannte, den Daryl mir durch die Dunkelheit hinweg zu warf. Für ihn schien das hier alles nur ein lustiges Spiel zu sein, in dem er sowieso immer der Gewinner wäre.

"Was ist, wenn Deanna uns rauswirft? Uns alle?"

Mit einem festen Atemzug zwang ich meine unsichere Stimme dazu, mir wieder zu gehorchen. Ich konnte es nicht ausstehen, dass Daryl sich über mich lustig machte.

"Als wir hier ankamen, haben wir gesagt, dass wir Alexandria übernehmen, wenn nötig. Und Rick steht zu seinem Wort."

Daryl zischte leise, fast so als wollte er verhindern, dass die Leute auf der anderen Seite der Haustür unsere kleine Diskussion hörten. Ich zögerte kurz, unsicher, ob Daryl wirklich die Wahrheit sagte oder ob er mich einfach nur zur Ruhe bringen wollte. So wie Rick nämlich vor unserem Gespräch mit Deanna gewirkt hatte, wollte er einer Konfrontation um jeden Preis aus dem Weg gehen.

"Aber Rick, er -"

"Rick will nur die Ruhe in Alexandria bewahren. Doch glaube mir, die Sicherheit seiner Kinder ist ihm wichtiger als jede Ruhe der Welt."

Ich war über den intensiven und ernsten Gesichtsausdruck, den Daryl plötzlich aufgesetzt hatte, überrascht. Es war keine Spur mehr von dem amüsierten Blick zu sehen, welchen er zuvor gezeigt hatte. Vielleicht war das doch nicht alles nur ein Spiel für ihn und er verstand tatsächlich den ganzen Ernst der Lage. Verstand, dass ein Rauswurf für ein kleines Kind wie Judith langfristig ein Todesurteil wäre. Ohne etwas zu sagen, musterte ich weiter seine dunklen Augen, die in der Dunkelheit, die uns umgab, trotzdem irgendwie hervorstachen. Sie hatten etwas vertrautes und tröstliches an sich, das mich auf eine seltsame Art beruhigte. Wenn er sagte, dass Rick Alexandria im Falle eines Falles einnehmen würde, dann würde ich ihm das glauben. Daryl würde mich nicht anlügen. Unbehaglich stellte ich fest, dass auch Daryl mich einfach nur stumm anstarrte und gar nicht daran zu denken schien, unseren Blickkontakt abzubrechen. Er hatte wieder dieses undefinierbare Funkeln in seinen Augen, dass ihn stets halb träumerisch halb verlegen wirken ließ und stand, was mir seltsamerweise erst jetzt auffiel, eigentlich viel zu nah an mir. Ohne dass ich es wollte, merkte ich, dass meine Augen einmal kurz zu seinen Lippen flackerten und mein Herzschlag polternd aus dem Takt geworfen wurde. Was passierte hier eigentlich? Und warum fiel es mir so schwer, Daryls Blickkontakt standzuhalten? Gerade als ich schon glaubte, dass Daryl sich langsam näher zu mir hinabbeugte, was mein rasendes Herz zu einem harten Aussetzer zwang, wurde die Haustür neben uns aufgerissen. Polternd setzte sich mein Herz wieder in Bewegung und Daryl und ich fuhren mit einer schnellen Bewegung auseinander.

"Ich wusste doch, ich habe was auf der Veranda gehört. Wie war es bei Deanna?"

Verwirrt blinzelte ich gegen das grelle Licht, das nun durch die geöffnete Tür aus dem Inneren des Hauses auf die dunkle Veranda schien. Im Türbogen stand Rick, der, vielleicht auch wegen der Dunkelheit, anscheinend weder unser wildes Auseinanderfahren, noch unsere erschrockenen Gesichtsausdrücke sah. Stattdessen blickte er nur fragend und ehrlich besorgt zu uns, wobei ich jedoch einen Moment brauchte, um neben dem Poltern in meiner Brust und dem Rauschen in meinen Ohren einen klaren Gedanken zu fassen. Deanna. Wir kamen gerade von Deanna und mussten ihm erzählen wie es gelaufen war.

"Ähm-"

Auch Daryl schien etwas aus der Bahn geworfen zu sein und stutzte für ihn unüblich etwas verlegen umher. Ich wagte es nicht, ihn anzuschauen und fragte mich, ob ich mir die Situation gerade einfach nur eingebildet hatte oder ob wir tatsächlich dabei gewesen waren, uns zu küssen. Was wäre passiert, wenn Rick nicht genau in diesem Moment nach draußen gekommen wäre?

"Kommt rein, dann könnt ihr es allen erzählen."

Rick, der von dem allgemeinen Unwohlsein nichts mitbekommen zu schien, winkte uns eilig in das helle Haus hinein. Mich ebenfalls nicht anschauend, ließ Daryl mir den Vortritt, sodass ich Rick schnell in das gefüllte Wohnzimmer folgte. Die angespannten Blicke der anderen sprachen Bände und sie schienen selbstverständlich nur auf Daryls und meine Rückkehr gewartet zu haben. Unbehaglich ließ ich mich auf einen leeren Sessel fallen, während Rick und Daryl vor den Sitzgelegenheiten stehenblieben. Mit zu Boden gesenkten Augen, versuchte ich noch immer meine unregelmäßige Atmung in den Griff zu bekommen, stets darauf bedacht, dass keiner der anderen mich beobachtete. Meine Hände krallten sich im Polster des Sessels fest, während die abwartende Stille im Raum langsam erdrückend wurde. Mal ganz davon abgesehen, dass mein Körper sich erstmal beruhigen musste, würde ich sowieso ganz sicher nicht als Erste das Wort ergreifen. Schließlich hatte Daryl es doch für eine so gute Idee gehalten, der Anführerin Alexandrias zu drohen, dass er das jetzt auch gerne den anderen berichten könnte. Denn nur weil er mich auf der Veranda davon überzeugt hatte, dass Rick nicht zulassen würde, dass wir aus Alexandria geschickt wurden, musste ich seine Tat noch immer nicht gutheißen.

"Es lief ganz okay."

Wohl spürend, dass ich nichts sagen würde, erhob Daryl nach einigen Momenten des angespannten Schweigens die Stimme. Ich hörte Maggie erleichtert die Luft ausatmen und sah wie Rick zufrieden nickte, blieb aber weiterhin still. Ganz okay war ein sehr weit dehnbarer Begriff.

"Wir müssen als Strafe die Gemüsebeete für eine Woche übernehmen."

Aufmunternd und mit einem Schmunzeln auf den Lippen, da die Pflege der Beete nun wirklich keine große Sache wäre, klopfte Rick seinem Freund kurz auf die Schulter. Der Anführer wusste nicht, dass das erst die halbe Wahrheit war. Mit zusammengekniffenen Augen schielte ich also zu dem Armbrustschützen, der meinen brennenden Blick wohl nur zu deutlich zu spüren schien. Sich mit einem lauten Räuspern nämlich erneut über das aufgeregte Murmeln der anderen Gehör verschaffend, sprach er zögernd, fast beiläufig weiter.

"Und sie wollte Mila und mich rausschmeißen, aber ich habe ihr gesagt, dass sie das besser lassen sollte, da wir Alexandria sonst übernehmen."

"Du hast was?!"

Das Murmeln verstummte schlagartig und erneut erfüllt eine drückende Stille den Raum, die nur von Michonnes aufgebrachten Ausruf unterbrochen wurde. Rick, der gerade noch entspannt geschmunzelt hatte, trug nun ebenfalls wie der Rest der Anwesenden einen entsetzen Ausdruck auf seinem Gesicht. Unverstehend schaute der Anführer zu mir, woraufhin ich nur entschuldigend die Schultern zuckte. Ich konnte nichts dafür, dass Daryl der Anführerin drohen musste.

"Stimmt das?"

Maggie, die mir gegenüber saß, schaute mir fragend entgegen.

"Mehr oder weniger."

Nickte ich langsam und blickte nochmal kurz zu Daryl, der aber offensichtlich nichts mehr weiter sagen wollte.

"Sie wollte uns rauswerfen, weil wir uns nicht bei Spencer entschuldigen wollten, aber ja - ja der Rest stimmt so."

Mit einem Seufzen ließ sich Rick jetzt doch auf eines der weichen Sofa sinken und versteckte für einen Moment geschafft sein Gesicht hinter den Händen. Ich konnte mir vorstellen, dass das für ihn keineswegs nach Plan lief.

"Hast du sie noch alle, Daryl?! Warum musst du Deanna so offensichtlich drohen und kannst dich nicht einfach entschuldigen?"

An dem überraschten Ausdruck auf Carls Gesicht, der stumm auf einem Sessel hockte und zu wissen schien, dass er sich in solchen Momenten raushalten sollte, merkte ich, dass Rick wohl nicht oft seine Stimme so erhob. Daryl wirkte jedoch kein bisschen eingeschüchtert, sondern konfrontierte den Anführer mit dem gleichen anklagenden Ton in seiner Stimme.

"Wofür entschuldigen? Dafür, dass Spencer Mila schlecht behandelt, ganz sicher nicht. Und du hast doch eh gesagt, dass wir Alexandria im Zweifel übernehmen."

"Ja, im Zweifel, wenn es keinen anderen Ausweg gibt. Aber was denkst du, wie die Einwohner reagieren, wenn wir einfach Deanna stürzen?"

Ich schluckte und musste Rick nickend zustimmen. Die meisten Einwohner schienen Deanna immer noch zu vertrauen, von ihren Söhnen erstmal ganz zu schweigen. Wenn wir Alexandria einfach übernehmen würden, würde es vermutlich zu Aufständen kommen. Zwar wären die wenigen, untrainierten Bewohner keine Herausforderung für die hier Anwesenden, doch war Rick wohl genau wie ich der Meinung, dass Gewalt nicht immer die Lösung sein durfte. Ich sah wie Rick noch einen wütenden Blick in Daryls Richtung warf, dann aber eher ratlos und besorgt wirkte. Wut würde uns hier in diesem Moment nicht weiterbringen, es war passiert, was nun mal passiert war. Und wenn ich so in Daryls verzerrte Gesicht blickte, so hatte auch er inzwischen wohl verstanden, dass das keine Meisterleistung von ihm gewesen war.

"Wir stellen heute Nacht Wachen vor dem Haus auf."

"Was?"

Scharf zischend meldete sich Glenn zu Wort.

"Wachen innerhalb unseres eigenen Lagers?"

"Es könnte sein, dass Deanna ihre Leute schickt, um Mila und Daryl, vielleicht aber auch uns alle, rauszuwerfen."

Erklärend versuchte Rick den Mann zu beruhigen, der immer noch wenig begeistert schien, aber erst einmal still blieb. Ich teilte Glenns Unzufriedenheit. Es verursachte wirklich kein gutes Gefühl, innerhalb Alexandria Wachen aufzustellen. Und was würden die anderen Bewohner denken, wenn sie unsere Wachen sahen? Dass wir ihnen nicht vertrauten? Dass wir uns gegen sie verschworen?

"Ich übernehme die gesamte Nacht meinetwegen."

Daryl nickte Rick kurz zu und versuchte mit seinem Angebot wohl seine Tat wieder gut zumachen. Ich glaubte jedoch nicht, dass Rick wirklich nachtragend war oder es für sinnvoll hielt, einen von uns die ganze Nacht Wache halten zu lassen.

"Wir wechseln uns nach vier Stunden ab. Und wenn du mich nicht weckst, werde ich richtig sauer."

Ricks Worte ließen keine Wiederrede zu, sodass der Armbrustschütze einfach nur stumm nickte und dann ohne ein weiteres Wort nach draußen verschwand. Er würde sich nicht für seine Tat entschuldigen, doch glaubte ich ein wenig Reue in seinem Blick zu erkennen.

"Rick, du hast nicht vor, einen Krieg mit Alexandria zu starten, oder?"

Carols Stimme klang vorwurfsvoll, während sie den jüngeren Mann mit einem ernsten Blick betrachtete. Hier wohnten Kinder und Familien, ein Krieg wäre vermutlich das Letzte, was irgendwer von uns wollte.

"Nein, natürlich nicht."

Geschafft schüttelte der Angesprochene den Kopf und blickte einen Moment nachdenkend zu mir.

"Aber ich kann es auch nicht zulassen, dass Deanna Daryl oder Mila rausschmeißt."

Carols Augen wanderten zu mir, wobei ich glaubte ein wenig Unsicherheit in ihnen zu erkennen. Ich konnte es ihr eigentlich auch nicht wirklich verübeln. Schließlich war ich noch nicht einmal eine Woche in Alexandria und Deanna hatte mir schon mit dem Rauswurf gedroht. Das sprach nun wirklich nicht für mich. Vielleicht wäre es daher besser, wenn ich einfach gehen würde. Ich spürte, dass sich ein großer Kloß in meinem Hals bildete, den ich mehrmals vergeblich hinunter zuschlucken versuchte.

"Vielleicht können wir einen Deal mit Deanna aushandeln."

Räuspernd und mit rauer Stimme meldete ich mich schließlich zu Wort. Ich wusste, dass ich dieses Angebot machen müsste, sonst könnte ich heute Nacht nicht ruhig schlafen.

"Ich könnte Alexandria verlassen, aber Daryl und ihr bleibt. Dann hat sie jedenfalls ihren halben Willen."

Ich sah wie sich Ricks interessierter Blick innerhalb von Sekunden in Verärgerung verwandelte. Ich hatte erwartet, dass er nicht wirklich begeistert von dem Vorschlag wäre, doch wenn das ihn und seine Kinder beschützen könnte, so sollte er jedenfalls darüber nachdenken.

"Hör auf damit, Mila."

Bevor Rick etwas auf meinen Vorschlag erwidern konnte, hatte sich schon Maggie lautstark gemeldet. Auch sie sah verärgert aus und strafte mich mit wütenden Blicken.

"Wie Daryl gesagt hat, du hast dir deinen Platz hier verdient und bleibst deshalb auch verdammt nochmal hier."

Ich versuchte mich von Maggies lauter Stimme nicht aus dem Konzept werfen zu lassen, sondern schüttelte geduldig den Kopf.

"Aber ich -"

"Wir werden diese Diskussion nicht weiter führen!"

Mit einem bestimmten und sicheren Ton unterbrach Rick Maggies und mein Gespräch. Seine Augen waren dabei fest auf mich gerichtet, wodurch ich mich dann letztlich doch ein wenig eingeschüchtert fühlte. Mit diesem Mann war nicht gut Kirschen essen, wenn man es drauf ankommen ließ.

"Niemand verlässt Alexandria und niemand macht mehr irgendwelche Angebote, klar?"

Ich war überrascht, wie müde und geschafft Ricks Stimme plötzlich klang und erkannte mit einem unsicheren Blick auch die tiefen, dunklen Ringe unter seinen Augen. Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, wie viel Verantwortung dieser Mann trug. Denn wenn ich es richtig einschätzt, folgten die anderen ihm, wenn es sein musste, auch blind. Jede seiner Entscheidungen könnte damit potenziell die komplette Gruppe in Gefahr bringen. Sowohl Maggie als auch ich nickten nur stumm und damit war die Diskussion beendet.
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