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The German Helper

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Daryl Dixon OC (Own Character)
09.11.2022
30.01.2023
54
133.492
15
Alle Kapitel
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23.11.2022 2.335
 
Daryl sprach auf dem Rückweg nach Alexandria kein Wort mit mir, sondern knirschte nur angespannt mit seinen Zähnen, was mich halb verrückt machte. Zwar glaubte ich nicht, dass der Armbrustschütze wirklich sauer auf mich war, doch richtig einschätzen konnte ich ihn irgendwie auch nicht. Mit einem deutlich zu hohen Tempo fuhren wir schließlich auf den Vorplatz von Alexandria ein, woraufhin die Blicke der Anwesenden direkt zu uns fielen. Ich erkannte auch Rick und Deanna unter ihnen, die gerade vor den zwei abgebrannten Häusern standen und anscheinend mögliche Zukunftspläne besprachen. Als Rick mich auf dem Beifahrersitz neben Daryl erkannte, runzelte er überrascht die Stirn und kam gefolgt von Deanna mit eiligen Schritten auf uns zu. Ich war noch nicht einmal richtig ausgestiegen, da rief der Mann uns schon fragend entgegen.

"Was ist passiert?"

Ich wollte schon abwinken und mich eilig abwenden, damit der Anführer meine demolierte Nase nicht erblicken könnte, da setzte Daryl auch schon zur Erwiderung an.

"Spencer ist passiert."

"Wo ist mein Sohn?"

Deannas Stimme klang unsicher und ängstlich und wäre ich nicht so sauer auf Spencer gewesen, so hätte ich in diesem Moment vermutlich Mitleid mit ihr gehabt. Sie musste wahrscheinlich denken, ihr Sohn wäre den Saviors oder Beißern zum Opfer gefallen. Wobei Letzteres vermutlich immer noch die bessere Option wäre. Niemand erwiderte etwas auf Deannas Frage, während Rick mit zusammengekniffenen Augen einen Schritt näher zu mir kam und mir vorsichtig eine Hand ans Kinn legte. Meine Intuition sagte mir, mich direkt von ihm loszureißen, doch hielt mich sein fast fürsorglicher Gesichtsausdruck letztlich davon ab. Das hier war nicht Negan oder einer seiner Männer, Rick wollte mir nichts Böses. Bestimmt hob er meinen gesenkten Kopf an, um sich meine Nase zu beschauen und blickte dann wieder fragend zu Daryl.

"Was hat Spencer gemacht?"

"Er hat Mila die ganze Zeit unterschwellig herausgefordert und miese Kommentare abgegeben. Er meinte, sie könnte so einen Balken niemals alleine tragen."

Rick kniff nachdenkend die Augen zusammen, als er wieder von meinem Kinn abließ, mir jedoch stattdessen absichernd eine Hand auf die Schulter legte.

"Das klingt aber so gar nicht nach meinem Sohn."

Deanna schnalzte unzufrieden mit der Zunge, worauf jedoch abermals niemand einging. Ich war noch nicht lange in Alexandria, doch könnte ich mir vorstellen, dass Deannas Söhne für sie so etwas wie kleine Könige wären. Ich wollte ganz sicher nicht diejenige sein, die sie nun vom Gegenteil überzeugte.

"Ich glaube nicht, dass die Nase gebrochen ist, aber vielleicht gehst du trotzdem einmal zu Denise."

Deanna nur einen genervten Blick zuwerfend, sprach Rick ruhig auf mich ein. Ich konnte an seinen Augen jedoch erkennen, dass dieses Thema für ihn noch nicht durch wäre und er mindestens noch Daryl, wenn nicht auch mich, später weiter befragen würde.

"Haben Sie Spencer etwa jetzt alleine auf der Müllwiese zurückgelassen?"

"Er wird es überleben."

Undiplomatisch beantwortete Daryl nun zum ersten Mal eine Frage von Deanna, was diese angewidert die Nase rümpfen ließ. Sie öffnete gerade den Mund, um wohl bissig etwas zu erwidern, da fuhr auch schon ein weiteres Auto, mit Spencer hinter dem Lenkrad, auf den Hof. Eine direkte Konfrontation wohl umgehen wollend, scheuchte Rick Daryl und mich eilig vor sich in Richtung der Krankenstation, während Deanna aufgeregt zu ihrem Sohn rannte.

"Der hat sie nicht alle, Rick."

Zischte Daryl leise und drehte sich noch einmal kurz zu Spencer herum, der schon in den Armen seiner Mutter lag.

"Ich weiß, ich weiß."

Rick ließ uns gar nicht erst stoppen, sondern führte uns zügig die Stufen zur Veranda der Krankenstation hinauf.

"Ihr dürft euch nur nicht von ihm provozieren lassen."

"Das sagst du so leicht."

Genervt meldete nun auch ich mich zu Wort, während Rick die Tür zur Krankenstation aufdrückte und uns eilig hineinschob. Tatsächlich waren von dem Angriff der Saviors mehr Betten besetzt, als es zu der Zeit, als ich hier gelegen hatte, der Fall war. Denise wirkte dennoch überraschend gelassen und kam mit schnellen aber bestimmten Schritten auf uns zu.

"Ist jemand verletzt?"

"Einmal bitte Milas Nase kontrollieren."

So als wäre ich wieder ein kleines Kind, das in Deutschland mit seiner Mutter beim Arzt wäre, übernahm Rick das Antworten für mich und drückte mich dann, nach Aufforderung von Denise, auf der nächsten Krankenliege in eine sitzende Position.

"Ich weiß, dass Spencer ein angeberischer und anstrengender Typ ist. Trotzdem ist er aber Deannas Sohn und diese Frau liebt ihn abgöttisch."

Während Denise gerade ihr ärztliches Equipment zusammensuchte, sprach Rick mit einem ernsten Blick auf mich und Daryl, der unschlüssig etwas Abseits stand, ein. Anscheinend hatte er wirklich Angst vor einem großen Streit mit oder um Deannas Sohn.

"Alexandria ist schwach und braucht uns, aber wenn wir Spencer schief kommen, dann traue ich es Deanna zu, uns rauszuwerfen."

"Das glaubst du doch selber nicht!"

Aufgebracht erhob Daryl die Stimme, wurde jedoch direkt von Ricks mahnenden Blick zur Ruhe gezwungen. Einer der Patienten zwei Betten weiter, schaute jedenfalls schon interessiert zu uns herüber. Während ich Ricks Worte sacken ließ und überlegte, ob Deanna es echt wagen würde, Rick und seine Leute, zu denen ich wohl nun auch gehörte, rauszuschmeißen, kam Denise zu uns zurück. Vorsichtig tastete sie meine Nase ab, während sich Rick und Daryl zischend weiter miteinander unterhielten.

"Scheint nur verstaucht zu sein."

Als die Ärztin die Stimme erhob, trat Rick direkt wieder zu uns heran und nickte dankend.

"Ich denke eine kleine Schiene zum Schutz genügt und in ein paar Tagen ist alles wieder gut."

So als wäre Ricks Nicken Antwort genug und meine eigene Erwiderung nicht weiter von Relevanz, legte sie mir schon eine blaufarbende Schiene um, die sich fest an meinen Nasenflügel legte. Unzufrieden verzog ich mein Gesicht, wusste jedoch, dass es wohl keine andere zufriedenstellende Möglichkeit gab. Weshalb war ich auch so dumm gewesen und hatte Spencer meine Stärke beweisen wollen? Ich bedankte mich kurz bei ihr und verließ dann wieder gemeinsam mit den beiden Männern die Krankenstation. Von Deanna und ihrem Sohn war nichts mehr zu sehen, doch stattdessen warteten Carol und Maggie am Fuße der Verandastufen auf uns. Als sie mein Gesicht mit der Schiene sahen, guckten sie ganz erschrocken und schüttelten fassungslos den Kopf.

"Hat Spencer dich geschlagen?"

Während ich verneinend den Kopf schüttelte, hörte ich Daryls lachendes Schnauben neben mir. Vermutlich wäre es tatsächlich eine Lachnummer geworden, wenn Spencer es in Daryls Nähe nur versucht hätte, mich zu schlagen.

"Ich habe mich von ihm zu sehr provozieren lassen."

Mit zusammengepressten Zähnen und einem vielsagenden Blick in Ricks Richtung erklärte ich kurz die Sachlage, was aber keine der Frauen zufriedenzustellen schien. Sie runzelten verwirrt die Stirn, woraufhin Rick schon abwehrend die Hände hob. Ich war nicht wirklich sauer auf ihn, wo ich doch wusste, dass er eigentlich Recht hatte. Es war ein Fehler gewesen, sich auf Spencers Spielchen einzulassen.

"Schaut mich nicht alle so an, ich versuche nur die Situation etwas zu entspannen. Deanna wird sowieso schon alles andere als begeistert sein."

Bevor noch jemand etwas sagen konnte, kam die angesprochene Frau auch schon in unser Sichtfeld getreten. Sie hatte einen sehr ernsten Blick aufgesetzt, der wohl nicht nur mir einen Schauer verursachtete.

"Ich möchte mit Daryl und Mila in meinem Büro sprechen."

Ohne eine Begrüßung oder Frage nach dem Befinden meiner Nase, kam sie direkt zur Sache und zeigte erst kurz auf Daryl und dann auf mich, was mich unwohl zusammenzucken ließ. Ich hatte nicht wirklich Angst vor Deanna, doch Respekt wohl allemal. Rick, der die Situation schnell durchblickt hatte, räusperte sich zeitschindend und nickte dann verständnisvoll.

"Natürlich, ich wäre nur auch gerne dabei."

"Nein Rick, danke."

So als wäre es ein Angebot gewesen, lehnte Deanna Rick einfach ab, der daraufhin mit unsicheren Blick zu mir und Daryl schaute. Tatsächlich hätte auch ich gerne den diplomatischen und ruhigen Rick dabei gehabt, wo ich mir doch nur vorstellen konnte, wie gefasst Daryl in Stresssituationen sein würde. Ich selber jedenfalls wusste, dass ich nicht gut die Ruhe bewahren könnte, insbesondere, wenn ich mich unfair behandelt fühlte. Zögernd setzten Daryl und ich uns also in Bewegung und ließen einen bedröppelten Rick und ängstlich reinblickende Maggie und Carol zurück. Was wenn Deanna mich und Daryl aus Alexandria schmeißen wollen würde? Was würde dann passieren? Wäre es nur ich selber gewesen, so hätte ich mir nicht große Hoffnungen gemacht, dass überhaupt etwas passiert wäre, doch Daryl? Rick und die anderen würden doch niemals Daryl einfach gehen lassen. Vielleicht würden sie Alexandria einfach übernehmen? Bei der Verfassung von Deannas Leuten wäre das auf jedenfall kein Hexenwerk. Deanna führte uns mit hektischen Schritten in das Wohnzimmer ihres Hauses, in dem gestern auch die Großversammlung stattgefunden hatte. In der Mitte des einen Sofas, auf dem gleichen Platz wie am gestrigen Tag, wartete schon Spencer mit einem undefinierbaren Blick auf uns. Die Anführerin bot uns Plätze auf dem gegenüberliegenden Sofa an, die Daryl und ich stumm annahmen. Überraschenderweise strahlte Daryl eine tiefe Ruhe aus, die mich auf irgendeine Weise auch beruhigte. Während wir so nebeneinander saßen, spürte ich auf jedenfall wie sich mein verschnellerter Herzschlag polternd wieder beruhigte. Was sollte schon passieren? Selbst wenn Deanna mich rausschmeißen würde, dann wäre ich halt einfach wieder wie zuvor auf der Straße unterwegs.

"Es ist kein Umgang, meinen Sohn einfach alleine auf der Müllwiese zurückzulassen."

"Ebenso ist es aber auch kein Umgang, andere zu provozieren und auszulachen."

Daryl schien unglaublich genervt und wirklich keinen Bock auf dieses Gespräch zu haben, weshalb ich mich fragte, ob er wohl schon einmal in so einer Situation mit Deanna gewesen war. Bei seinem Temparament wäre das jedenfalls gut vorstellbar.

"Ich habe niemanden provoziert oder ausgelacht, Mila hat sich einfach übernommen."

Spencers Dreistigkeit ließ meinen Mund offen stehen. Natürlich konnte er es sich erlauben, obwohl er zwei Gegenzeugen hatte, einfach eine Lüge zu erzählen. Der Richter war ja schließlich seine eigene Mutter.

"Mein Sohn ist sehr zivilisiert und gut erzogen, ich kann mir nicht vorstellen, dass er so etwas machen würde."

Mit kühler Stimme stimmte Deanna Spencer zu und warf Daryl einen bösen Blick zu. Ich sollte es vermutlich besser nicht wagen, noch irgendwas gegen Spencer zu sagen. Zufrieden feststellend, dass keiner von uns mehr etwas erwiderte, ergriff sie dann erneut das Wort.

"Sie werden als Strafe in der nächsten Woche die Pflege der Gemüsebeete übernehmen und ich erwarte eine Entschuldigung an meinen Sohn."

Triumphierend lächelnd schaute Spencer in unsere genervten Gesichter, was mir direkt wieder mehrere bissige Erwiderungen auf die Zunge legte. Dieser Mann war sich so sicher in seiner Position als Sohn der Anführerin, dass es schon beinahe amüsant war. Was würde er nur tun, wenn tatsächlich einmal Rick das Lager auch offiziell führte? Ich sah wie Daryl angespannt seinen Kiefer mahlte und wohl auch gerade den ein oder anderen wütenden Kommentar hinunterschluckte. Anscheinend konnten wir uns ja doch beide relativ gut beherrschen, wenn wir mussten. Kurz dachte ich über die Strafe nach. Die Pflege der Gemüsebeete, vor allem wenn ich das mit Daryl machen könnte, wäre vielleicht gar nicht so schlimm, doch eine Entschuldigung? Ich hatte das Gefühl, dass mir das meinen ganzen verbliebenen Respekt vor mir selber nehmen würde.

"Wir warten."

Abwartend tippte Deanna mit ihrer Fußspitze auf den frisch gewischten Holzboden, was ein nerventötendes Klicken verursachte. Ich überlegte gerade, ob ich nicht doch einfach über meinen Schatten springen und dieses unangenehme Gespräch mit einer Entschuldigung beenden sollte, als zu meinem Erstaunen Daryl das Wort ergriff.

"Wir übernehmen die Beete, aber eine Entschuldigung wird Spencer von mir nicht bekommen. Er ist respektlos mit Mila umgegangen."

Ich schluckte als ich den versteinerten Blick der älteren Frau erkannte. Anscheinend hatte sie nicht mit einer solchen Abfuhr gerechnet. Gleichzeitig berührte es mich irgendwie, dass Daryl sich nicht bei Spencer entschuldigen wollte, nur weil er schlecht mit mir umgegangen war. Selbst ich selber hatte doch gerade mit dem Gedanken gespielt, mich einfachheitshalber kurz zu entschuldigen. Anscheinend hatte Daryl wohl sogar mehr Respekt vor mir und meiner Ehre als ich.

"Dann müssen sie beide bitte Alexandria verlassen."

Darauf bedacht möglichst ruhig und förmlich zu klingen, erhob Deanna das Wort, schaffte es jedoch nicht, das Beben in ihrer Stimme vollkommen zu verstecken. Ich sah, dass Spencer erstaunt zu seiner Mutter blickte und wohl selber nicht damit gerechnet hatte, dass seine Mutter diese Karte ziehen würde. Ich selber dagegen war weder überrascht, noch ängstlich noch sonst irgendwas. Es fühlte sich für mich irgendwie surreal an, von dieser Frau, die Daryl vermutlich mit seinem kleinen Finger zur Strecke bringen könnte, aus den sicheren Mauern geschmissen zu werden.

"Überlegen Sie sich das sehr gut."

Daryl dunkle Stimme klang drohend durch den Raum, sodass sich selbst auf meiner Haut eine unbehagliche Gänsehaut bildete. Wenn ich mir eins aus diesem Gespräch merken sollte, dann wohl, dass ich mich niemals mit Daryl anlegen sollte.

"Wir können diesen Ort mit einem Fingerschnippen übernehmen und das wissen Sie selber."

Ich sah, dass Deanna für einen Moment die Fassung verlor und ihr die Gesichtszüge entglitten, bis sie sich mit einem tiefen Atemzug wieder gefangen hatte. Nervös blickte sie sich einmal in dem Zimmer um, in dem neben hübschen Dekogegenständen und Zierkissen jedoch keinerlei Verteidigungsgegenstände zu finden waren.

"Drohen sie mir?!"

Ihre Stimme klang mindestens zwei Oktaven höher als zuvor, was mich, wenn es nicht so eine ernste Situation gewesen wäre, wahrscheinlich zum Lachen gebracht hätte. Offensichtlich wirkten Daryls Einschüchterungsversuche.

"Vielleicht. Wir bleiben auf jedenfall."

Damit erhob der Armbrustschütze sich und wies mir mit einem kurzen Kopfnicken an, das Gleiche zu tun. Unsicher stand auch ich auf, doch weder Deanna noch Spencer schienen auch nur in der Lage dazu, einen von uns aufhalten zu können. Stattdessen spazierten Darly und ich, so als hätten wir der Anführerin Alexandrias nicht gerade offen gedroht, entspannt auf dem Haus hinaus.
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