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The German Helper

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Daryl Dixon OC (Own Character)
09.11.2022
30.01.2023
54
133.492
15
Alle Kapitel
123 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
09.11.2022 1.737
 
Hallo! Nach langer Pause melde ich mich dann auch mal wieder hier zurück mit einer Geschichte, die bereits seit vielen Jahren in meinem Gehirn herumspukt. Meine letzte Geschichte hier im Fandom "The German Girl" (schaut gerne mal vorbei) liegt jetzt schon viele Jahre zurück und leider habe ich nach mehr als 100 Kapitel irgendwann den Spaß verloren. Ich hoffe, dass das diesesmal anders wird!
Verzeiht mir bitte, dass es in dieses Geschichte erneut um ein deutsches Mädchen geht, aber irgendwie ist das für mich immer ein ganz guter Aufhänger, um eine Geschichte zu starten.
Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß bei dem ersten Kapitel und würde mich sehr über einige Rückmeldung von euch freuen! :)





,,Und du glaubst wirklich Rick, dass ein Mädchen wie sie in dieser Welt alleine überlebt?"

Der Mann, dessen Armbrust noch immer direkt auf mich zielte, schaute skeptisch zu einem Mann an seiner Seite. Der Angesprochene zuckte nur die Schultern und musterte mich ein wenig, ließ seine Waffe bisher jedoch ebenfalls nicht sinken. Meine Augen huschten nervös zwischen ihnen umher, ehe ich die kleine Gruppe an Menschen hinter ihnen erkannte. Ein Asiate, der eine Frau im Arm hielt, eine dunkelhäutige Frau mit Samuraischwert, eine ältere Frau mit kurzen Haaren und sogar ein Junge mit einem Maxi-Cosi, in dem ein kleines Baby schlief. Was auch immer der Armbrustschütze von mir hielt, so eine Gruppenkonstellation würde auf der offenen Straße heutzutage auch nicht lange überleben.

,,Ich glaube das jedenfalls nicht."

Der Armbrustschütze beantwortete seine Frage mit einem tiefem Brummen selber, bevor er herausfordernd auf mich zu trat. Er hatte etwas einschüchterndes an sich, das mich willkürlich einen Schritt zurück stolpern ließ.

,,Lass die Waffe fallen, klar?"

Ohne zu zögern ließ ich meine kleine Machete, welche ich auf einem meiner Streifzügen gefunden hatte, fallen. Ich hätte sowieso keine  Chance gegen die gesamte Gruppe. Vermutlich nicht mal gegen die Hälfte der Gruppe.

,,Und Rucksack her."

Rick, wie der Armbrustschütze ihn genannt hatte, kam ebenfalls ein Stück nach vorne und hielt mir seine offene Hand hin. Etwas widerwillig setzte ich daher auch meinen Rucksack ab, um ihm diesen zu reichen. Der Rucksack war mir seltsamerweise sogar wichtiger als meine Waffe. Ich hatte ihn immer bei mir, selbst vor dieser ganzen Apokalypse hier. Er enthielt die wenigen Dinge, die ich noch besaß. Die mir keiner hatte nehmen können, nicht einmal die verotteten Untoten. Während Rick nun den Reißverschluss meines Rucksackes öffnete und einfach so meine Sachen durchwühlte, kam der grimmige Kerl mit Armbrust nochmals näher auf mich zu. Seine Waffe berührte schon beinah meine Brust, doch diesesmal zwang ich mich dazu, stehen zu bleiben. Mir war die gesamte Situation zwar gar nicht geheuer, doch ich wollte nicht noch schwächer wirken, als sowieso schon. Wer wusste, was sie sonst mit mir anstellen würden?

,,Wo sind deine Leute?"

Ich reagierte nicht auf seine Frage, sondern schwieg weiterhin. Ich hatte die Straße, auf der wir uns im Moment befanden, eigentlich nur schnell überqueren wollen, um von dem Waldstück auf der einen Seite des Asphalts, in den Wald auf der anderen Seite zu huschen. Diese Berechnung hatte ich jedoch ohne diese achtköpfige Gruppe gemacht, die die Straße einige Meter entfernt enlang gelaufen war. Ich hätte rennen können, hätte es vielleicht sogar geschafft zu fliehen, doch man konnte nie wissen, wie gut sein Gegenüber mit seiner Waffe zielen konnte.

,,Mila Scheuer aus Deutschland."

Rick, der neben meinem Rucksack auf dem Boden hockte, sprach zögernd, während er das Bild auf meinem Personalausweis, welchen ich ironischerweise noch immer mit mir herumtrug, mit meinem Gesicht verglich. Die kleine Karte, die ich, wie alle meine Klassenkameraden, auf Wunsch meiner Lehrerin zweimal hatte kopieren müssen, bevor wir nach Amerika geflogen waren, schien nun so nutzlos. Sie würde mich nicht aus diesem Land bringen, ausweisen musste man sich sowieso nirgends mehr.

,,Das ist ihr Perso, Daryl."

,,Typisch deutsch würde ich mal sagen, den immer noch dabei zu haben."

Daryl, wie Rick den Armbrustschützen genannt hatte, murrte abgeneigt, als er mich aus zusammengekniffenen Augen beschaute.

,,Hier gibt's keine Polizei mehr, Mädchen, den brauchst du nicht mehr."

,,Jedenfalls wissen wir nun Bescheid."

Rick zuckte die Schultern und zog dann meinen dunkelgrauen Abschlusspulli aus der Tasche. Kurz spürte ich heiße Tränen in mir aufkochen, als ich die Rückseite des Oberteils erkannte, die helle Schrift sah, in der die Namen meiner ehemaligen Mitschüler geschrieben waren. Mitschüler, von welchen die meisten heute vermutlich nicht einmal mehr lebten. Wenn ich die Augen schloss konnte ich noch immer meine betrunkenen Klassenkameraden amüsiert gröhlen hören, als die ersten Untoten unser Hotel stürmten. Ein neuer Trend aus Amerika, so hatten wir geglaubt, kam da gerade auf uns zugerollt.

,,Hier steht auch ihr Name."

Rick deutete auf die Vorderseite des Pullover, wo in klein mein Name geschrieben stand. Ein typischer Pullover halt, den man im Abschlussjahr der Schule bekam. Schlicht und einfach gehalten, für mich dennoch wunderschön.

,,Vielleicht versteht sie auch gar kein Englisch?"

Der Asiate, der das Mädchen im Arm hielt,  meldete sich zum ersten Mal zu Wort, woraufhin ich direkt die Nase rümpfen musste. Hatten die eigentlich irgendeine Ahnung von Deutschland? Von Europa? Ahnung davon, was für einen Stellenwert Englisch inzwischen bekommen hatte?

,,Klar verstehe ich Englisch."

,,Oh, und sie spricht es sogar."

Mit zuckenden Augenbrauen drehte Daryl sich erstaunt zu mir, was ich nur mit einem stummen Verschränken der Arme quittierte. Sein Ton klang schnippisch und fies und ich ließ nicht gerne so mit mir reden.

,,Wo ist jetzt also dein Lager? Deine Leute?"

Rick ignorierte meine Reaktion und fragte mich stattdessen erneut nach meinen nicht vorhandenen Leuten.

,,Ich bin alleine."

Ich entschied mich kurzerhand dazu, etwas zu erwidern. Anders würde ich hier sowieso nicht rauskommen.

,,Angeblich"

Daryl verdrehte ungläubig die Augen, weshalb Rick ihm einen kurzen, warnenden Blick zuwarf. Anscheinend war er sowas wie der Anführer dieser Gruppe. So wie ich die Konstellation der acht Personen einschätzte war er auch der Vater des Jungen mit Sherrifhut und des Mädchens.

,,Wie lange schon?"

Ich zuckte überlegend die Schultern. Ich zählte keine Tage mehr, keine getöteten Untoten oder sonst irgendwas. Zählen war in dieser Welt wohl mindestens so unnötig wie ein deutscher Personalausweis.

,,Ein paar Wochen oder so."

,,Und davor?"

Langsam kam Rick näher, als er bemerkte, dass ich bereit zum Reden war. Er wirkte inzwischen auch nicht mehr wirklich feindselig mir gegenüber, sondern eher interessiert.

,,Warst du in einer Gruppe? Mit deiner Familie unterwegs? Freunden?"

Er fügte noch eilig einige Vorschläge hinzu, als ich nicht sofort zur Antwort ansetzte.

,,Ich war mit meiner Schule auf Abschlussfahrt in den USA, als das alles hier anfing.

,,Also Mitschülern und Lehrern?"

Ich nickte stumm, woraufhin Rick zögernd eine kleine Frage hinterherstellte.

,,Hast du alle verloren?"

,,Vermutlich."

Ich nickte abermals, wobei ich mir ehrlich gesagt nicht einmal sicher war, ob alle gestorben waren. Als wir verstanden hatten, dass diese Zombies keine Kostüme trugen und das auch kein Trend oder Spaß sein sollte, waren alle wie verrückt davon gerannt. Ich hatte mich an zwei Jungs gehalten, mit denen ich einige Tage zusammen überlebt hatte, ehe der eine gebissen wurde und der andere den Verstand verlor. Was mit den anderen passiert war, mit meinen Freunden, wusste ich nicht. Doch als überzeugter Realist war mir bewusst, dass die Chancen, dass auch nur einer von ihnen überlebt hatte, mehr als schlecht standen.

,,Ich kann trotzdem nicht glauben, dass sie so lange alleine überlebt hat."

Daryl sprach von mir in der dritten Person, was ihn mir direkt noch unsympathischer wirken ließ. Ich stand direkt vor ihm, hatte er denn keine Manieren gelernt?

,,Hat sie auch nicht."

Ich sprach genauso abweisend wie er, bevor ich mich wieder an Rick wandt. Abgesehen davon, dass er meinen Rucksack durchsucht hatte, schien er nämlich ziemlich in Ordnung zu sein.

,,Ich war in einer Gruppe, jedoch mehr unfreiwillig als freiwillig."

,,Wieso? Wer war das?"

Rick schien von meiner Aussag augenblicklich alarmiert. Ich konnte mir denken, dass sie auch schon einmal Probleme mit lebenden Menschen gehabt hatten. Jeder, der heutzutage noch lebte, hatte das wahrscheinlich schon gehabt. Die Lebenden konnten mindestens so schlimm sein wie die Toten. Wenn nicht sogar schlimmer. Wo man doch glaubte, dass insbesondere in solchen Momenten die Menschheit zusammenarbeiten würde, zeigte die Realität einem das Gegenteil.

,,Sie waren nicht wirklich so wie sie sich gegeben haben, sie -"

Ich zögerte kurz, unsicher wie viel ich preisgeben sollte.  

,,Sie nennen sich die Saviors und -"

,,Negan!"

Bevor ich den Satz auch nur beenden konnte, stürmte Daryl mit gehobener Waffe auf mich zu und zwang mich förmlich dazu, immer weiter nach hinten auszuweichen, wenn ich nicht von einem seiner Pfeile aufgespießt werden wollte.

,,Gehörst du zu ihnen? Kommen die anderen gleich? Ich schwör dir, ich bringe dich um!"

,,Daryl!"

Ich sah aus dem Augenwinkel wie Rick versuchte seinen Freund zurückzuhalten, aber bemerkte auch wie die dunkelhäutige Frau und die Frau neben dem Asiaten sich aus der Gruppe lösten.

,,Lass sie, verdammt!"

Die Samurai sprach zuerst, während sie gemeinsam mit Rick und der anderen Frau versuchte, Daryl von mir zu lösen.

,,Hör doch zu, sie war da nicht freiwillig."

,,Michonne hat recht."

Rick trifftete der Dunkelhäutigen nickend zu, wodurch der Armbrustschütze ein Stück von mir zurücktrat, jedoch keineswegs seinen misstrauischen Blick von mir abwandt. Kurz schnappte ich ein wenig nach Luft, versuchte mir aber ansonsten nichts anmerken zu lassen. Daryl hatte Kraft und hätte mich, hätten die anderen ihn nicht aufgehalten, vermutlich mit seinen bloßen Händen umbringen können. Michonne musterte mich einen Moment und hielt mir dann ihre Hand hin.

,,Ich bin Michonne und das ist Maggie."

Die zweite Frau, die mir zur Hilfe geeilt war, lächelte leicht. Sie schien etwas jünger als Michonne, aber älter als ich zu sein. Etwas perplex schüttelte ich die noch immer ausgestreckte Hand, woraufhin Daryl genervt schnaufte.

,,Was wird das hier? Wir nehmen keine Fremden auf also könnt ihr euch die kleine Vorstellungsrunde gleich sparen."

Ich schluckte leise, ohne meinen Blick jedoch auf Daryl zu richten. Diese Leute schienen abgesehen von ihm echt in Ordnung zu sein und selbst wenn ich es laut vermutlich nie zugeben würde, würde ich gerne zu ihnen gehören. Würde gerne überhaupt mal wieder einer menschlichen Gruppe zugehören, die nicht darauf spezialisiert war, Frauen zu demütigen und Männer zu töten.

,,Wir waren alle einmal fremd, Daryl."
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