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No Future, Just Legends

von Afaim
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P16 / Mix
Ava Sharpe Gideon John Constantine Nate Heywood Sara Lance Zari Adrianna Tomaz
05.11.2022
03.12.2022
14
46.763
 
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28.11.2022 3.322
 
10. Innere Kraft



Vermutlich war es keine so gute Idee gewesen diesen Leuten hier zu drohen. Statistisch gesehen führten Drohungen meistens zu mehr Konflikten anstatt dazu diese beizulegen, doch Gideon war es nun einmal wichtig erschienen ihren Standpunkt darzulegen. Sie würde alles tun um ihre Crew zu beschützen, und da sie nicht in der Lage war besonders viel anderes zu tun, blieben ihr momentan eben nur Worte übrig um für diesen Schutz zu sorgen.

Trotzdem vielleicht war es ein Fehler gewesen so direkt zu werden.

Seit ihrer letzten Befragung war nun bereits um einiges mehr Zeit vergangen als zwischen ihren bisherigen Befragungen, und Gideon deutete das als schlechtes Zeichen. War es möglich, dass sie nicht mehr geholt wurde, weil alles erreicht worden war, was diese Leute erreichen hatten wollen? Oder wussten sie, dass Gideon sie durchschaut hatte, und arbeiteten gerade an einer neuen Strategie?

Gideon hatte die anderen Legends schon eine ganze Weile nicht mehr zu Gesicht bekommen. Man hatte sie offenbar wegen ihrem Verhalten bei der letzten Befragung in eine Einzelzelle gesperrt. Was wenn es schon zu spät ist? Was wenn sie den Legends bereits etwas angetan haben? Dieser Gedanke war überaus beunruhigend.

Natürlich war es aber auch möglich, dass die nur wollten, dass sie auf diesen Gedanken verfiel; dass das hier die nächste Stufe der Folter war. Wenn das der Fall war, dann ging die Taktik ihre Gegner auf - Gideon wurde nervös und war besorgt.

Solange bis sie es nicht mehr war, weil jemand in ihre Zelle einbrach.

Wie er es gemacht hatte, war Gideon einen Moment lang nicht klar. Er war einfach von einer Sekunde auf die andere in ihrer Zelle aufgetaucht. Und es handelte sich um diesen Mike-Charakter. Was nahelegte, dass die Dinge nicht so waren, wie sie erschienen.

Auf jeden Fall ging Gideon in Verteidigungsstellung, war bereit zuschlagen, wenn es sein musste (auch wenn sie darin nicht besonders gut war), und vermutlich würde es sein müssen. Dieser Mike hatte doch mit Sicherheit nichts Gutes vor.

„Wow, wow, ich bin als Freund hier“, behauptete dieser Mike und hob abwehrend seine Hand um ihr zu signalisieren, dass sie sich beruhigen sollte, „Obwohl ich genau genommen gar nicht wirklich hier bin, du kannst mir also nicht weh tun, aber … niemand soll merken, dass ich hier bin, also versuch dich unauffällig zu verhalten. Ich hab eine gefälschte Aufnahme in die Sicherheitskamera eingespielt, aber wenn du zu laut bist, dann hören dich die Wachen.“

Gideon fand all diese Bemerkungen sehr merkwürdig und verdächtig.

„Warum sollte ich dir glauben? Dein bisheriges Verhalten weist nicht gerade darauf hin, dass du einen vertrauenswürdigen Charakter besitzt“, erwiderte Gideon, die immer noch in Verteidigungsposition war. So leichtgläubig wie er dachte war sie auch wieder nicht.

„Spooner schickt mich“, erwiderte Mike darauf, „Wir brauchen deine Hilfe um alle hier raus zu bringen.“

Das konnte natürlich jeder behaupten, trotzdem schlug Gideons Herz eine Spur schneller, als sie das hörte.

„Oh, ja, und ich soll dir sagen, dass sie auch der Meinung ist, dass dieser Akzent viel besser zu Jax passt als sein eigentlicher. Was immer das heißen soll“, fügte Mike dann hinzu.

Gideons Herz schlug noch eine Spur schneller. Etwas, das nur Gideon, Spooner und Astra wussten, das sie dazu bringen sollte Mike zu vertrauen, wurde als Codephrase benutzt. Natürlich könnte diese Information irgendwie telepathisch aus Spooner herausgekitzelt worden sein, das war nicht auszuschließen, doch Gideon wollte das nicht glauben.

Spooner war diejenige, die die Gedanken von anderen lesen konnte, und nicht die, deren Gedanken andere lasen. Und außerdem war das eine sehr spezielle Information, nach der niemand einfach so suchen würde. Also beschloss sie Mike zu glauben, zumindest fürs Erste.

Vielleicht vor allem, weil sie ihm im Grunde einfach glauben wollte.

„Also schön“, meinte sie und ließ langsam ihre Hände sinken, „Wie genau sieht der Plan aus?“



„Man kann lernen der Wirkung der Droge zu widerstehen“, hatte Mike ihnen erklärt, „Ich habe mir es mir selbst beigebracht. Na ja, genau genommen hat Skeets mir erklärt wie es funktioniert, aber darauf kommt es nicht an. Worauf es ankommt ist, dass die Person, die der Droge ausgesetzt wird, ihr eigener ärgster Feind ist. Deswegen kann man der Wirkung am Besten widerstehen indem man sich daran erinnert worin man gut ist. Dann bin ich eben ein Versager, den alle hassen, aber zumindest bin ich gut darin alle gegen mich aufzubringen. Selbsterkenntnis ist wichtig, aber jede Münze hat mehr als nur eine Seite. Eure Freunde wissen nicht, dass sie halluzinieren, dass sie mit sich selbst sprechen und streiten. Das macht es schwieriger für sie. Aber mit ein wenig Hilfe sollten sie in der Lage sein sich vom Einfluss der Droge zu befreien.“

Die Hilfe, die Mike vorschwebte, war Hilfe der telepathischen Art. Spooner wäre aber gerade mal dazu in der Lage mit Sara und Gary Kontakt aufzunehmen, deswegen brauchten sie Gideon. Mit Hilfe der Technologie der Zeitpolizei und Gideons einzigartigen Verstand sollte sie dazu in der Lage sein sich in das Bewusstsein der Anderen zu projizieren.

Und dann kam es auf das richtige Timing an. Mike würde für eine Ablenkung sorgen und die anderen müssten alle zum gleichen Zeitpunkt einen Fluchtversuch starten. In dem folgenden Chaos würde es ihnen hoffentlich gelingen sich bis zur Waverider durchzuschlagen und zu entkommen.

„Die rechnen nicht damit, dass ich sie verrate“, behauptete Mike, „Die denken, ich bin auf ihrer Seite.“

Gideon und Spooner hatten ihre Zweifel daran, dass jemand, der Mike kennengelernt hatte, nicht damit rechnen würde von ihm verraten zu werden, doch sie sagten nichts zu dieser Aussage und hofften darauf, dass alles glatt gehen würde.

Immerhin blieb ihnen nichts anderes  mehr übrig als zu hoffen.



„Ein austauschbarer Klon ohne Autorität. Warum sollte irgendjemand auf Sie hören? Die Crew der Waverider hat Sie nur als Co-Captain akzeptiert, weil sie Sara Lances Bettgefährtin der Woche waren! Und jetzt wo Nate weg ist, ist niemand mehr da, der Ihre Fehler ausbügelt, jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Legends meutern und Sara erkennt, dass Sie sich mit einem Fehler zufrieden gegeben hat, obwohl sie Perfektion hätte haben können“, erklärte die Frau, die Ava befragte, dieser gerade erbarmungslos, „Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis alle erkennen, was für eine Betrügerin Sie in Wahrheit sind, Ava-12.“

Die Frau, so erkannte Ava erst jetzt, sah selbst ein wenig aus wie ein Ava-Klon. Vielleicht war das hier ja nur ihre Einbildung, aber ihr war beinahe so als ob sie von ihrem eigenen Spiegelbild beschimpft wurde.

„Ich bin keine Betrügerin“, setzte Ava langsam an, „Ich wurde von Rip persönlich ausgewählt…“

„Weil er wusste, dass Sie ein williges Werkzeug sein werden, deswegen“, erklärte ihr die andere Frau, „Weil er wusste, dass Sie ohne die Regeln des Zeitbüros nichts wären.“

„Das ist nicht wahr“, erklang eine dritte weibliche Stimme im Raum.

Ava drehte sich verwirrt nach dieser um. „Gideon?“, stellte sie fest, „Wie kommst du hier herein?“

Doch Gideon ignorierte diese Frage. „Co-Captain Sharpe hat ist öfter als einmal über die Regeln des Zeitbüros hinausgewachsen. Sie wird schon lange nicht mehr nur von diesen Regeln bestimmt, sie hat sie hinter sich gelassen als es notwendig wurde“, erklärte Gideon, „Und sie ist zu mehr geworden als ihre Programmierung jemals vorgesehen hatte. Ich kann das nachvollziehen, auch ich bin über meine Programmierung hinaus gewachsen, wurde zu mehr als ich war. Auch ich habe Liebe gefunden, Wünsche und Träume entwickelt.“

„Rip wollte das für mich, davon bin ich überzeugt. Und ich weiß, dass er auch mehr für Captain Sharpe wollte. Sie war nicht so wie die anderen Klone. In dem Moment, als ihm klar wurde, dass sie echte Gefühle für Captain Lance hat, da wurde ihm klar, dass sie ein echtes Individuum ist, das Potential dazu besitzt zu noch viel mehr zu werden. Sie ist besonders, das waren seine Worte. Rip wusste, dass Captain Sharpe nicht wie die anderen Ava-Klone war. Und jeder, der sie jemals getroffen hat, der weiß das ebenfalls.“

Die Frau, die ein wenig aussah wie ein Ava-Klon, lachte. „Oh, ja, sie ist ein so besonderer Klon – neurotisch, zwanghaft, kontrollsüchtig, hormongesteuert, gewaltbereit, fühlt sich zur Dunkelheit hingezogen… Ja, sie ist eindeutig mehr geworden als ihre Programmierung, nur wozu?“, spottete sie.

„Zu einem großzügigen, loyalen Menschen, der sich um seine ganze Crew kümmert, aber dabei nie auf das große Ganze vergisst“, gab Gideon zurück, „Dazu ist sie geworden. Niemand ist perfekt, jeder macht Fehler, jeder besitzt Charaktereigenschaften, die andere nicht als gut oder angenehm ansehen, aber genau dadurch wird man zu einem echten Menschen. Und das Negative an einem Menschen ist nicht alles an diesem.“

Sie wandte sich Ava zu. „Ich kann nicht die ganze Arbeit für Sie tun, Captain Sharpe“, erklärte Gideon, „Das hier sind Ihre Ängste, nur Sie alleine können sich Ihnen stellen. Nur Sie alleine können Sie besiegen. Sagen Sie ihr, was Ihnen auch in den schlimmsten Momenten die Kraft gibt weiterzumachen.“

Ava wandte sich der Frau, die sie beschimpft hatte zu. „Vielleicht habe ich keine Familie und keine Vergangenheit, und ja, vielleicht zweifle ich manchmal an mir selbst und meinen Entscheidungen“, räumte sie an, „Aber aus allen Menschen auf dieser Welt hat Sara Lance mich ausgewählt. Sie hat mich ausgewählt um sich zu binden und eine Familie zu gründen. Und vielleicht stimmt es, dass sie Besseres haben kann, aber sie wollte mich. Also hat sie etwas in mir gesehen, das ich an schlimmen Tagen nicht in mir selbst erkennen kann. Aber weil sie das erkannt hat, kann ich nur jeden Tag versuchen das Beste in mir selbst zu finden und es zu leben.“

„Ich lerne dazu, lege meine Vorurteile ab, sehe das Beste in anderen, so wie sie das Beste in mir gesehen hat. Ich lerne mich selbst zu akzeptieren wie ich bin, weil sie mich so akzeptiert hat. Und auch wenn ich nicht Oliver Queen oder Nyssa al Ghul sein kann, so kann ich doch zumindest die beste Version von Ava Sharpe sein, die es dort draußen gibt. Denn Ava Sharpe ist einmalig, im Guten wie im Schlechten, und das ist für einen Klon eine bedeutsame Leistung. Und alles andere, das wird sich schon von selbst fügen.“



„Du wirst deine Freunde verraten, Gary, weil es in deiner Natur liegt. Hör auf dich gegen das Unvermeidliche zu wehren“, erklärte Agent Soran Gary hart, „Steh dazu, dass du schwach bist. Wenn du dich schon nicht selbst respektieren kannst, dann akzeptier dich wenigstens selbst.“

Gary fummelte an seiner Brille herum, war kurz davor sie abzunehmen, aber brachte es doch nicht über sich. „Ich will die Anderen nicht verraten“, betonte er, „Ich kann mich ändern.“

„Gary muss sich nicht ändern.“ Gary hob überrascht den Kopf, als er Spooner Cruz auf einmal durch die Türe in den Befragungsraum kommen sah. „Spooner?“, wunderte er sich.

„Ich meine, ja, er ist ein schleimiges menschenfressendes Alien“, erklärte Spooner, „Und es wäre gelogen zu sagen, dass ich damit am Anfang keine Probleme hatte, aber dann habe ich ihn kennengelernt. Und er ist so viel mehr als das. Es erfordert so viel Mut sich von den kulturellen Werten, mit denen man aufgewachsen ist, abzuwenden. Und es erfordert noch mehr Mut einfach das eigene authentische Selbst zu sein, immer und egal unter welchen Umständen.“

Agent Soran lachte trocken. „Oh ja, der authentische Gary, das ist der Gary, den niemand jemals ernst nehmen kann, über den alle immer nur lachen“, ätzte er, „Es ist ja so erstrebenswert diese Person zu sein!“

„Besser ein Gary Green zu sein als ein Arschloch“, erwiderte Spooner, „Ich weiß nicht aus welchen Winkel von Garys Gehirn du entstanden bist, mein Freund, aber eines bist du sicherlich nicht: Ein netter Kerl. Aber Gary, der ist ein netter Kerl. Und ja, nette Kerle sind leicht zu manipulieren, weil sie ihre Gefühle leben anstatt sie in sich zu vergraben. Gary mag vielleicht naiv sein, aber er selbstlos, freundlich, und immer bereit für seine Freunde durchs Feuer zu gehen.“

„Er wird uns nicht verraten. Das liegt nicht in seiner Natur. Alle anderen haben nur immer wieder versucht ihm einzureden, dass es so wäre. Aber wir alle, die wir ihn kennen, wissen es besser.“ Spooner blickte Gary vielsagend an. „Ist es nicht so, Gary?“

Gary nickte langsam. „Ja, ja, so ist es. Mein ganzes Leben lang wollten alle, dass ich härter bin und stärker und grausamer“, gab er zu, „Aber ich wollte das nie sein. Und dann wollte ich endlich nicht mehr der ewige Fußabtreter sein und deswegen genau zu dem werden, zu dem mich alle immer hatten machen wollen. Aber seit dem habe ich erkannt, dass ich das nicht nötig habe. Denn ich habe Freunde gefunden, die mich so akzeptieren wie ich bin. Und sogar eine feste Freundin, die mich so liebt, wie ich bin. Ich muss niemanden mehr verraten um mir selbst oder allen anderen zu beweisen, dass ich mehr bin als nur ein Witz .Ich bin so in Ordnung wie ich bin. Das weiß ich, und das wissen alle anderen ebenfalls.“



„Sie müssen endlich etwas zurückgeben, Behrad, Ihr Privileg nutzen um etwas zu bewirken. Sie müssen endlich damit aufhören der Clown zu sein, Sie müssen Ihre Schuld abbezahlen. Und der einzige Weg Sie abzuzahlen besteht darin einzusehen, dass Sie alles von Anfang an falsch angegangen sind“, redete der leicht dunkelhäutige Agent auf Behrad ein, „Machen Sie endlich die Augen auf und ändern Sie sich, oder machen Sie Platz für jemandem, der es auch wirklich verdient hat am Leben zu sein.“

Behrad schüttelte seinen Kopf und umfasste diesen dann. „Vielleicht bin ich eine Enttäuschung für alle“, gab er zu, „Und nicht so gut darin zu leben und Dinge zu ändern wie Zari, oder wie Zari. Aber das heißt nicht, dass die Lösung darin besteht, dass ich mich einer Organisation wie dieser hier anschließe!“ Er sah mit brennenden Augen zu dem Agenten auf, der direkt neben ihm stand, und ihn seit Stunden zuzureden schien. „Ich meine, was haben Sie mit Ihrem Privileg gemacht? Außer Menschen wie mir Schuldgefühle einzureden?“

„Das ist richtig so, B. Gib es ihm.“ Gideon war auf einmal direkt neben dem Tisch erschienen.

„Zumindest habe ich Dinge bewegt“, erwiderte der Agent sofort.

Doch Behrad schüttelte den Kopf. „Das habe ich auch, vielleicht nicht auf so offensichtliche Weise wie die anderen, aber…“ Er brach ab.

„Du hast Dinge bewegt, B.“, versicherte ihm Gideon, „Ein offenes Ohr für andere zu haben, für sie da zu sein, wenn kein anderer für sie Zeit hat, und zu ihre Grenzen zu akzeptieren ist ebenfalls eine Leistung. Du warst nie gemein zu irgendjemandem, und du hast jeden immer so akzeptiert wie er oder sie war, ohne ein Urteil zu fällen. Du hast mich als Individuum und Freundin akzeptiert, als einer der Ersten überhaupt. Nachdem Jax und Rip weg waren und Martin gestorben war, wäre ich ohne dich verzweifelt. Nicht jeder, der die Welt verändert, setzt ganze Dörfer in Brand. Manchmal legt er nur einen Stein in ein Fundament, und das genügt bereits.“

Behrad nickte zustimmend und funkelte den Agenten wütend an. „Nein, ich bin nicht besonders gut darin zu leben. Und ja, ich habe den Großteil meines Lebens damit verbracht herauszufinden wer oder was ich eigentlich sein will, aber zumindest habe ich mein Privileg nicht missbraucht. Vielleicht hätte ich mehr tun können, und vielleicht werde ich irgendwann auch noch mehr tun, aber zumindest habe ich nichts getan um anderen weh zu tun. Ich muss mich also nicht schuldig fühlen, ich habe nichts verbrochen, ich war einfach nur Ich Selbst.“

„Und nur, weil irgendein Produzent der Meinung war, dass ich darin nicht gut genug war, heißt das nicht, dass ich in Wahrheit nicht doch gut genug darin war“, belehrte er den anderen Mann, „Denn manchmal tut man einfach dadurch genug, dass man sein Bestes versucht, egal wie schwer einem das auch fallen mag. Und ich habe mein Bestes versucht, mein ganzes Leben lang, und ob das genug war oder nicht, das steht weder Ihnen noch mir zu zu entscheiden.“



Die Frau im Flanell sah inzwischen aus wie die andere Zari. „Eine andere, eine bessere Zari zu erschaffen, das war immer das Ziel, das hinter all dem gesteckt hat“, behauptete sie, „Weil diese Zari hier einfach nicht gut genug ist. Weil sie niemals mehr sein kann als eine Influencerin. Nicht einmal in der Zukunft, in der alle anderen ihren Platz gefunden haben, war sie mehr als das. Natürlich konnten wir das nicht zulassen. Natürlich musste wir das ändern.“

Zari schüttelte schwach den Kopf. „Ich wollte doch einfach nur etwas bewegen. Aber ich wollte nicht….“, setzte sie an.

„Doch du wolltest dich auslöschen. Gib es einfach zu. Niemand außer uns beiden ist hier. Mir kannst du es sagen“, meinte die andere Zari, „Vor mir musst du keine Geheimnisse haben.“

„Das ist nicht Zari Tomaz“, hallte aufeinmal Gidgets Stimme in ihr Ohr.

Zari blickte sich verwirrt um und erkannte Gidget, die zum Tisch herüber geschritten kam.

„Zari Tomaz weiß, dass du besonders bist, sie weiß, dass keine von euch besser als die andere ist, dass ihr beide gleich viel wert seid“, erklärte Gidget, „Und sie wusste, dass man die Welt manchmal einfach nur dadurch verändert, dass man eine kleine gute Sache zum richtigen Zeitpunkt tut; aber nicht weil man dadurch die Welt verändert, sondern weil man dadurch anderen hilft. Sie wusste das. Und du weißt es ebenfalls.“ Sie warf Zari einen herausfordernden Blick zu.

Diese nickte langsam. „Ja, ich weiß es“, gab sie zu, und dann wandte sie sich an die falsche Zari: „Und noch etwas, es gibt zumindest eine Person, die sehr wohl einfach nur deswegen Gutes tut um Gutes zu tun: Mich.“



All das Hämmern gegen die Türe hatte nichts gebracht, und auch alle Drohungen hatten nichts gebracht, und so hatte Astra wieder damit begonnen das Einzige zu tun, in dem sie wirklich gut war: Sie hatte damit begonnen zu verhandeln.

„Was kann ich euch anbieten um sie zu retten? Spooner, Gideon, Behrad und all die anderen? Was wollt ihr von mir, damit ihr sie verschont?“, wollte Astra wissen.

Der Mann, der ihr gegenüber saß, lehnte sich in seinen Sessel zurück und musterte sie verschlagen. „Ich weiß nicht, Liebes“, erwiderte er, „Wie gesagt, du bist nur Astra Logue. Wie kommst du darauf, dass du uns überhaupt irgendetwas anzubieten hättest?“ Verdammt inzwischen klang er nicht nur wie John, inzwischen sah er ihm sogar irgendwie ähnlich. Astra hasste ihn, wie sie noch nie jemanden gehasst hatte.

„Ich weiß, dass ich nicht wichtig bin, nicht so viel wert bin wie andere“, setzte sie an, „Aber es muss etwas geben, das ich euch bieten kann.“

„Natürlich bist du wichtig.“ Gideon erschien auf einmal wie aus dem Nichts in dem Raum. Astras Herz blieb fast vor Schreck stehen. Was wollte Gideon hier? Verstand sie nicht, dass sie in Gefahr war? Doch die Frau mit dem K.I.-Gehirn wirkte vollkommen unbeeindruckt. „Du bist Astra Logue“, betonte Gideon, „Du hast mir Leben gegeben. Mit oder ohne Magie, du bist einzigartig und immer wichtig. Ist es wirklich möglich, dass du das nicht weißt?“

Astra musterte sie mit unbewegter Miene. „Nun, ich schätze, dass die Tatsache, dass ich in der Hölle aufgewachsen bin und vergeblich auf Rettung gewartet habe, mich daran vielleicht hat zweifeln lassen“, räumte sie ein.

„Damals mag vielleicht niemand gekommen sein um dich zu retten, aber Spooner und ich sind jetzt dabei dich zu retten“, meinte Gideon, „So wie du uns retten wolltest.“

Astra musterte sie einen Moment lang. „Nun, das sollte mich nicht überraschen, nicht wahr?“, stellte sie fest, „Wir sind keine hilflosen Jungfrauen in Nöten, keine von uns. Wir sind alle sehr gut dazu in der Lage uns selbst zu retten.“ Sie warf einen kurzen Blick auf den Mann, der ihr gegenüber saß und mit jedem Wort, das sie sagte, mehr zu verblassen schien. Er sagte nichts dazu.

Gideon aber deutete ihre Zustimmung an. „Dann lass uns genau daran arbeiten“, schlug sie vor. Und Astra hielt das für eine sehr gute Idee.



A/N: Soweit scheint der Plan ganz gut zu laufen, aber wird sich Sara auch so einfach überzeugen lassen?



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