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No Future, Just Legends

von Afaim
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P16 / Mix
Ava Sharpe Gideon Sara Lance
05.11.2022
28.11.2022
11
38.537
 
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24.11.2022 3.431
 
9. Offenbarungen



Intermezzo II



An manchen Tagen ist es gut am Leben zu sein, stellte John fest und atmete die kalte Winterluft tief ein und ignorierte das prompt darauffolgende Brennen in seinen Lungen so gut er konnte, Und an anderen ist es weniger gut.

Der Krebs ruhte irgendwo in seinen Lungen, lauerte darauf auszubrechen, das wusste er, aber er wollte sich davon nicht beunruhigen lassen. Er hatte gerade erst eine zweite Chance bekommen, hatte das Sterben gerade erst hinter sich. Er wollte nicht daran denken, dass das vielleicht nur ein zwischenzeitlicher Status war, dass er vielleicht ein Ablaufdatum in sich trug. Er wollte es genießen wieder zu leben. Das ist richtig, John Constantine ist zurück, Liebes.

Die Straßen von London waren geschäftig. Die ersten Leute waren vermutlich schon dabei ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen, andere mussten zur Arbeit oder ihre Kinder zur Schule bringen oder sonstigen täglichen Erledigungen nachgehen. Alles hier wirkte so … lebendig.

Früher hätte ihm dieser Anblick nichts bedeutet, oder er hätte ihn höchstens genervt, aber jetzt, jetzt war alles anders. Zu schade, dass er ihn alleine erleben musste.

Er dachte an Zari und daran wie gerne er diesen Moment mit ihr geteilt hätte. Aber dieser Zug ist abgefahren.

Zari und die anderen Legends würden ihm niemals vergeben, das wusste er (nun ja, Gary würde ihn sicherlich sehr wohl vergeben, irgendwie war es John trotz allem, was er dem Mann angetan hatte, noch immer nicht gelungen Garys Grenzen zu überschreiten), und das sollte sie auch nicht. Er konnte sich selbst nicht vergeben. John Constantine der Magie-Junkie, der sich sogar mit Bishop verbündete hatte, nur um seine Magie zurückzuerhalten….

Im Laufe seines erwachsenen Lebens war es ihm gelungen jede bedeutungsvolle Beziehung, die er jemals gehabt hatte, zu zerstören, das wusste er. Und jetzt hatte er es sogar geschafft die Legends gegen sich aufzubringen, davon war er überzeugt. Aber er konnte damit leben, er konnte damit leben nicht zurück zu kriechen und um Vergebung zu betteln, er konnte damit leben alleine zu sein.

Es war wie der tägliche Drang Chas aufzusuchen, es war ein Drang, den er widerstand – zum eigenem Besten der anderen Personen. John Constantine war niemand, den man in seinem Leben haben sollte. Das hatten jetzt auch Zari und Astra endgültig eingesehen, davon war er überzeugt.

Trotzdem fragte er sich was wohl aus den Legends geworden war. Er nahm an, dass es ihnen gelungen war Bishop zu besiegen, ansonsten würde die belebten Straßen von London des Jahres 2022 jetzt wohl in dieser Form vor ihm liegen. Aber was war danach geschehen? Was war aus Spooner und ihrer Mutter geworden? Beschützten Sara, Sharpie, Gary, Nate, Rory und die Tarazi-Familie die Zeitlinie weiterhin gemeinsam? War Astra immer noch an Bord der Waverider? Oder würde er sie zu Hause vorfinden, in seinem Haus, in seinem Haus, in das er sich nicht zurück getraut hatte, seit er zurück war.

Natürlich könnte ich einfach Raymond um ein Update bitten. Er würde mir alles sagen, was er weiß, sich freuen mich zu sehen, egal ob er von meinen Taten weiß oder nicht. Einfach nur weil er so ein großes Herz hat. Doch auch diesen Gedanken verwarf John sofort wieder. Ray Palmer und Nora Darhk waren genauso tabu für ihn wie der Rest der Legend und wie Chas.

Er fragte sich war er mit seinem zurückgewonnen Leben anstellen sollte. Einfach weitermachen wie vor seiner Begegnung mit den Legends erschien ihm nicht mehr richtig. Und außerdem war ihm so als hätte es einen Grund dafür gegeben, dass das außer Frage stand. Als ob das jemand anderer an seiner Stelle tun hätte sollen, jemand, der ihn hätte ersetzen sollen, doch der nun erst recht nicht das tat, was ihm bestimmt gewesen war.

Aber was sollte er dann tun? Ihm war nicht danach sich mit Engeln und Dämonen anzulegen, das konnte gerne jemand anderer in der Zukunft tun. Er selbst wollte … einfach nur leben, nahm er an. Leben und nicht mehr an seine Vergangenheit denken, oder an all diejenigen, die er enttäuscht hatte. Ich wusste immer, dass ich es versauen würde. Trotzdem, ich hatte eine Zukunft, mit dem Mädchen, das ich liebe; sie war zum Greifen nahe, aber ich….

Ja, er musste wirklich dringend damit aufhören an die Vergangenheit zu denken…

„John!“ Die bekannte Stimme ließ John überrascht herumfahren. Und dann sah er sie – sie stand mitten in der Menschenmasse am Gehsteig hinter ihm und starrte ihn an. „Zari?“

Dann bemerkte er ihre plumpen Stiefel und den zu großen Mantel und dass sie keinen Hut trug, und das trotz des unfreundlichen Wetters, und er wusste, dass er sich geirrt hatte. Zari würde sich niemals so in der Öffentlichkeit sehen lassen. Und dann tauchte auch schon Nate neben ihr auf. Ja, er hatte sich geirrt. „Ach, du bist es“, stellte er fest und gab Nate und seiner Begleiterin dann eine Chance ihn einzuholen.

„Zari, Nate“, begrüßte er die beiden und wartete auf die unvermeidlichen Vorwürfe, die Frustration, den Zorn.

„John“, begrüßte ihn Zari stattdessen warm.

„Zari hat uns gesagt, dass du wieder lebst und ihr den Schlüssel zu deinem Haus gegeben hast“, meinte Nate, „Aber es tut trotzdem gut dich zu sehen.“

John versuchte sich seine Verwirrung nicht anmerken zu lassen, und tastete nach dem Schlüssen zu seinem Haus in seinem Mantel. Der war definitiv noch da. Verdammtes Zeitreisen, ich wusste doch, dass es deine dumme Idee war sich darauf einzulassen. Das passt nicht zu John Constantine! Er würde noch herausfinden müssen wann und wo genau er Zari treffen und den Schlüssel geben musste, bevor noch das Raumzeitkontinuum kollabierte, weil er es nicht tat. Aber alles der Reihe nach, er war sich ziemlich sicher, dass Zari und Nate nicht hier waren, weil er der anderen Zari diesen Schlüssel gegeben hatte/geben würde.

„Was führt euch zu mir?“, erwiderte John, dem das besser vorkam als die sinnlose Frage danach wie sie ihn gefunden hatten.

„Es sind die Legends“, meinte Zari, „Die Legends stecken in Schwierigkeiten.“



Booster Gold



„Es ging mir nur darum Skeets zu retten“, erklärte Mike gerade, „Was ihr verstehen würdet, wenn ihr zu zumindest ein bisschen Empathie fähig wärt. Das mit dem weißen Haus, das war notwendig um ihm zu helfen, ihr könnt es mir nicht übel nehmen. Immerhin ist kein bleibender Schaden entstanden.“

Die einzige Antwort, die er erhielt, war ein kalter Blick.

Mike seufzte. „Ja, ja, ich weiß, die Zeit ist ein dehnbares Band, aber man soll es nicht überdehnen, schon klar, aber seht ihr, ich habe mir die Daten der Legends auf ihrer Waverider angesehen, und sie machen so was dauernd, mit Erfolg. Verändern die Zeitlinie noch mehr als es die Zeitabweichung tun würde um sie nachher resetten zu können, und es hat noch jedes Mal funktioniert“, argumentierte er dann weiter, „Also dachte ich mir, ich probierte es auch mal aus. Einmal ist kein Mal. Und das ich meinen Posten verlassen habe, das ist auch kein großes Ding, weil es der eine Fixpunkt ist, der sich nicht ändern kann, weil es ohne ihn kein Zeitreisen gäbe, das haben mir die Legends erklärt. Und ist zu glauben, dass mir das erst aufgefallen ist, nachdem sie mir das gesagt haben? Ich meine….“



„Ja, ja, ich erinnere ich mich daran“, Mike winkte ab und forderte die anderen Leute im Raum auf die Aufnahme abzudrehen, „Ich leide nicht an Amnesie oder habe andere Erinnerungen implantiert bekommen oder sonst etwas in der Art. Ich weiß das alles noch.“

Der Monitor wurde dankenswerter Weise abgedreht.

„Und jedes Wort war wahr. Und deswegen habe ich euch ja auch zu den Legends geführt. Damit ihr mit ihnen reden könnt. Aber ich wusste nicht, dass ihr vorhabt sie zu foltern und das gleich hardcore. Ich meine, das ist nicht Eobard Thawne, und ihr seid die Zeitpolizei und nicht die verdammten Zeit-Phantome“, erklärte Mike dann und blickte sich im Raum um.

Ernste Gesichter blickten ihm von überall her entgegen.

„Ich meine ja nur, das sind die Legends. Die tun keinem weh, sind nicht besonders gefährlich, wozu all der Overkill?“, fuhr er fort, „Man kann vernünftig mit ihnen reden. Und wenn ihr das irgendwann vorher mal getan hättet, dann hätten wir dieses Problem hier überhaupt nicht. Ich meine, es kann doch nicht so schwer sein zu sagen: Tut das bitte nicht. Oder doch?“

Keiner ließ sich zu einer Antwort herab.

Mike seufzte. „Ich will nur sagen, dass ich nicht verstehe warum sie nicht behandelt werden wie alle andern auch. Sie tragen ihren Teil zu all dem hier bei, tun das seit Jahren. Entsprechend sollte man sie behandeln. Das ist alles, was ich sagen will“, schloss er, „Dass sie genauso viel Respekt verdient haben wie Barry Allen oder Oliver Queen oder Kara Danvers.“

Schließlich räusperte sich der Captain. „Ihr Organismus hat unvorhergesehen auf die Droge reagiert“, erklärte er, „Die Dosis war extra gering gehalten. Wir wissen nicht woran es liegt, dass Sara Lance sofort so schlecht reagiert hat. Es muss an ihrer Alien-Biologie liegen. Wer weiß was Bishop ihr alles hineingemischt hat, von dem keiner weiß?“

„Also war es wirklich ein Unfall? Na dann, entschuldigt euch und lasst es einfach bleiben. Hört auf sie und die anderem diesem Zeug auszusetzen. Sie ist nicht das einzige Alien in der Crew“, erwiderte Mike.

„Nein“, das kam von der Profilerin, denn auf sie war immer Verlass, wenn es darum ging in der Psyche anderer herum zu pfuschen, „So funktioniert unsere Verhörmethoden, und das weißt du. Und nur so verstehen wir wirklich was in ihnen vorgeht. Du sagst, dass sie nicht gefährlich sind, aber genau das ist der Irrtum. Ihre Propaganda ist gefährlich. Die müssen wir ihnen austreiben. Wenn wir wollen, dass sie für uns arbeiten genauso wie wenn wir die andere Option in Betracht ziehen.“

Mike stutzte verwirrt. „Andere Option“, wiederholte er, „Welche andere Option?“ Er war während seiner Zeit bei der Zeitpolizei bereits unzählige Male nach Reboot gesteckt worden und dort umerzogen worden, und so anstrengend der Neuorientierungs-Prozess war, so hatte er doch noch niemals davon gehört, dass es irgendeine andere Option als Umerziehung und darauf folgende Assimilation dort gäbe.

Es herrschte einen Moment lang Schweigen. „Alun Thomas und Gwyn Davies sind wandelnde Zeitabweichungen. Es war ihr Schicksal zu sterben“, erklärte der Captain dann, „Wir müssen die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass wir zur Stärkung des Raum-Zeitkontinnums gezwungen sind die Zeit ihren Lauf nehmen zu lassen.“

Mike war einen Moment lang baff. „Aber das ist doch absurd“, behauptete er dann, „Die Zeitlinie verändert sich ständig, viele von uns sind nur hier gelandet, weil wir eigentlich hätten sterben sollen, und keiner von uns wurde jemals … dem Lauf der Zeit ausgesetzt. Wir sind nicht die TVA, bei uns wird keiner gestutzt!“ Vermutlich rannte er mit seiner Pop-Kultur Referenz gegen eine Wand des Nicht-Verstehens, aber er konnte es ja zumindest versuchen.

„Wir hatten es auch noch nie mit den Eltern des Zeitreisens zu tun“, warf die Profilerin ein, „Du hast es selbst gesagt: Der dir zugeteilte Fixpunkt braucht keinen Wächter, weil er nur dann geändert werden kann, wenn er passiert ist, also kann er nicht geändert werden. Bis er geändert wurde. Wir wissen nicht was das für Auswirkungen haben könnte.“

Mike ließ diese Worte auf sich wirken und versuchte sie zu erfassen. „Das ist doch Quatsch“, lag ihm auf der Zunge, doch er konnte es nicht aussprechen. Vielleicht weil er sich nicht sicher war, ob es wirklich Quatsch war. Ja, es gab auch außerirdische Kulturen, die das Zeitreisen erfunden hatten, teilweise vor, teilweise nach Gwyn Davies, aber aus irgendwelchen Gründen lag Gwyn Davies‘ Erfindung genau im Zentrum sämtlicher temporaler Knotenpunkte, beinahe so als wäre sämtliche Zeitreise-Technologie nur deswegen möglich, weil er eine Zeitmaschine erfunden hatte.

Und ja natürlich wäre das Ende von Zeitreise-Technologie nicht das Ende von Zeitreisen. Die Speed Force und die Still Force wären trotzdem noch vorhanden, und dann gab es noch Mutationen, die Zeitreisen auf anderen biologischen Wegen ermöglichten. Aber ohne Zeitreise-Technologie gäbe es keine Time Master, kein Zeitbüro, keine Zeitpolizei, kein Reboot, keinen Vanishing Point, keine Waverider, keine Legion of Superheroes, und keinen Monitor und daher auch keinen Anti-Monitor. Genau genommen hätte es das alles niemals gegeben, und dann….

Mike hatte keine Ahnung was passieren würde, wenn die Zeit von dieser Veränderung „zurückschnalzen“ würde.

Aber trotzdem, sie einfach sterben zu lassen, das kam ihm durch und durch falsch vor.

„Und ja, wir wissen, dass der Rest der Legends nicht besonders erfreut sein wird zu erfahren, was mit Dr. Davies und dem Mann, den er unbedingt retten wollte, passiert ist“, sagte die Profilerin, die Mike besser kannte als ihm lieb war, dann, „Deswegen ist es auch so wichtig ihre Reaktionen weiter zu erforschen. Wir foltern sie nicht, weil wir grausam sind. Wir suchen nach Wegen sie zu retten.“

Denn wenn die Legends nicht in der Lage wären zu akzeptieren, dass Gwyn Davies und Alun Thomas sterben mussten, wenn sie versuchen würden das zu verhindern, und jede Umerziehung deswegen zum Scheitern verurteilt wäre … Nun dann würde man sich den Legends möglicherweise auf andere Art und Weise entledigen müssen.

Wenn Mike das alles gewusst hätte, bevor er das letzte Mal geschnappt worden wäre, nun dann hätte er vielleicht besser aufgepasst, was er bei seiner Befragung sagte.

Der Captain räusperte sich. „Wir wollten über Skeets reden, wenn ich mich nicht irre?“, meinte er, „Darüber, dass er gerettet werden muss? Welche Ressourcen wären dafür notwendig?“

Mike blickte ihn an. Es war ein einfacher Deal gewesen, denn er geschlossen hatte: Skeets Rettung gegen den Aufenthaltsort der Legends und eine freiwillige Neuorientierung. Und da es nichts gab, dass er nicht für Skeets tun würde, da Skeets der einzige war, der jemals immer bereit gewesen war alles für ihn zu tun (abgesehen von Ted vielleicht), war es ihm nicht schwer gefallen diesen Deal zu schließen. Aber jetzt, jetzt sahen die Dinge mit einem Schlag anders aus, nicht wahr?

Er öffnete seinen Mund und gab dem Captain die Antwort, die er hören wollte.



Spooner schlug die Augen auf und stellte fest, dass sie sich wieder in ihrer Zelle befand. Offenbar war sie ohnmächtig geworden. Sie setzte sich auf und bereute das wenige Momente später sofort wieder, weil sich alles um sie drehte.

„Ich würde das nicht tun, wenn ich du wäre“, meldete sich eine Stimme von der Seite ihrer Zelle zu Wort.

Spooner blickte in die entsprechende Richtung und blinzelte. „Mike?“, vergewisserte sie sich, und ja, es war der dunkelhäutige Mann, den sie vor sich sah.

„Sozusagen“, laute die rätselhafte Antwort, „Es ist dir vielleicht schon aufgefallen, aber du wurdest einer halluzinogenen Substanz ausgesetzt. Ihr alle wurdet das.“

Spooner rieb sich den brummenden Schädel. „Ja, so was in der Art habe ich schon vermutet“, meinte sie, „Die Teetasse… sie war auf einmal da, obwohl sie keiner gebracht hat, obwohl sie gar nicht wirklich da war.“

„Ja, das ist ihr Trick um den Geruch zu verschleiern. Der Straftäter soll denken, dass der Geruch von der Teetasse kommt, damit er sich nicht über den Geruch wundert. Rotblatt-Tee riecht so ähnlich wie dieses Zeug“, erklärte Mike, „Normalerweise klappt es auch. Keiner hinterfragt den Geruch, wenn eine dampfende Teetasse neben ihm steht, aber du … deine Begegnung mit dem Brunnen von Imperium als Kind hat dein Gehirn verändert, dir ist aufgefallen, dass du dich in einer Illusion befindest.“

„Ich war also nie in diesem Raum und wurde befragt?“, wunderte sich Spooner.

„Das ist der komplizierte Teil. Wenn ihr zu euren Befragungen abgeholt werdet, dann werdet ihr in leere Räume gebracht, die mit dem Dampf der Droge geflutet werden. Niemand außer euch darf den Raum betreten, bis der Dampf wieder abgezogen ist. Aber ihr werdet befragt. Euer Gesprächspartner projiziert sich in euer Hirn, erscheint in euren Chambre de Chasse, wenn du so willst“, erklärte Mike, „Ihr seid alleine in einen leeren Raum, aber jemand ist in eurem Kopf, redet mich euch. Solange bis ihr so high seid, dass das nicht mehr notwendig ist. Dann denkt ihr nur noch ihr würdet diese Person immer noch sehen, und halluziniert den weiteren Verlauf des Gesprächs. Aber ihr sprecht laut, also wird alles weiterhin aufgezeichnet.“

Spooner schüttelte den Kopf. „Das muss ja eine ziemlich starke Droge sein“, merkte sie an.

„Teils Wahrheitsserum, teils Halluzinogen - das Ding reizt euer Nervensystem, erhöht eure Adrenalin und euren Fluchtreflex, eure Aggressivität wird gesteigert, vor allem aber macht es euch Angst“, erklärte Mike, „Zusammen mit Suggestivfragen ist das alles dazu ausgelegt, dass ihr eure Innerstes offenbart. Es gab schon Zeitverbrecher, die unaufgefordert genaue Details ihres Ersten Mals wiedergegeben haben. Normalerweise werdet ihr pro Sitzung immer mehr von diesem Zeug ausgesetzt um zunehmend die Reaktion zu provozieren, die man sehen will. Es ist eine heikle Balance, zu viel und es geht furchtbar schief, zu wenig und es bewirkt praktisch nichts. Normalerweise haben die es inzwischen ganz gut drauf den richtigen Personen die richtige Menge zu verabreichen um deren Schwachpunkte aufzudecken, aber ihr …“

„Ich und Sara“, vermutete Spooner, „Unsere Alien-Teile…“

„Ja, die erste Dosis ging bei Sara Lance ziemlich schnell nach Hinten los. Während du durchschaut hast was los ist, ist sie vollkommen durchgedreht. Seit dem ist sie im ständigen Kampf- und Fluchtmodus“, erzählte Mike, „Und die setzen sie dem Zeug immer noch aus….“ Er schüttelte den Kopf. „Die haben hier was gegen euch, das hab ich nicht vorausgesehen, tut mir leid.“

„Ach ja?“ Spooner setzte sich endgültig auf. „Du dachtest, du verrätst uns um deine eigene Haut zu retten, und es wird ein Sonntagsspaziergang für uns, oder wie?!“, giftete sie ihn an.

„So in etwa.“ Mike zuckte die Schultern. „Ich gebe zu, ich hab’s nicht durchdacht. Aber ich hatte meine Gründe. Das mag zwar nichts helfen, aber es ging mir nicht darum meine eigene Haut zu retten. Ich wollte einem Freund helfen. Deswegen bin ich auf den Deal eingegangen, um ihn zu retten. Die anderen verstehen nicht warum er mich wichtig ist, oder dass er mehr ist als nur eine Maschine, aber sie waren bereit mir zu helfen ihn zu retten, wenn ich euch ausliefere….“

Spooner seufzte. „Und du hast denen geglaubt, dass sie dir helfen würden, wenn du es tust, aber jetzt hast du erfahren, dass sie nicht vorhaben dir zu helfen und bereust den Deal, auf den du dich eingelassen hast, hab ich recht?“, vermutete sie.

„Nein, eigentlich haben sie vor sich an den Deal zu halten“, erwiderte Mike, „Aber ich kann nicht zulassen, dass sie das mit euch tun, was sie vor haben zu tun. Ich dachte, ihr kriegt einen Klaps auf die Finger, werdet umerzogen, und das war’s. Aber es hat sich herausgestellt, dass die andere Pläne mit euch haben. Und so ein Arschloch, dass ich dabei einfach daneben sitze, bin ich auch wieder nicht. Ich will euch helfen hier raus zu kommen.“

War das nur ein weiterer Trick? Spooner schloss es nicht aus, aber zugleich wollte sie glauben, dass es wahr war. Im Grunde war es ihr gleich, warum Mike seine Meinung geändert hatte und ihnen helfen wollte, Hauptsache er half ihnen. Und nach dem, was sie von Saras Gedanken mitbekommen hatte, zu gehen, blieb ihr keine andere Wahl als seine Hilfe anzunehmen, weil sie nämlich dringend hier raus mussten.

Spooner kam mühsam auf die Beine und stolperte in Mikes Ecke der Zelle hinüber. Sie wollte ihn packen und gegen die Wand drücken und stellte fest, dass ihre Hand durch ihn hindurch ging.

„Lass mich raten, du bist auch nicht wirklich hier“, wurde ihr klar, „Du projizierst dich ebenfalls nur in mein Hirn.“

„Natürlich. Ich bin gerade mal wieder in meiner x-ten Probezeit. Die würden mich nie zu euch in die Zellen lassen“, informierte Mike sie.

Spooner knurrte. Dann hockte sie sich vor Mike und sah ihn direkt in die Augen. „Es ist mir gleich, ob es dir leid tut oder nicht. Oder ob du physisch hier bist oder nicht. Wenn du uns noch einmal verrätst, dann finde ich dich und sorge dafür, dass du den Tag bereust, an dem zum ersten Mal von den Legends of Tomorrow gehört hast“, erklärte sie ihm ernst.

Mike nickte nur. „Glaub mir diesen Tage bereue ich bereits“, gab er zu, und dann legte er sich beide Hände über sein Herz, „Aber ich schwöre dir, dass ich es ernst meine und euch nicht noch einmal betrügen werde. Ich hole euch hier raus, das verspreche ich.“

Das konnte er ruhig versprechen. Spooner würde diejenige sein, die dafür sorgen würde, dass er dieses Versprechen auch wirklich einhalten würde.



A/N: Ein wenig Timey-Wimey-Stuff mit John Constantines Zeitlinie, weil ich die letzte Szene mit ihm immer so aufgefasst habe, dass sie spielen muss, nachdem er erfahren hat, dass die Waverider zerstört wurde und die Legends deswegen in der Vergangenheit gestrandet waren.



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