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Veränderte Freundschaft

von Tasha88
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Michimiya Yui Sawamura Daichi
05.11.2022
08.12.2022
14
21.484
7
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Dieses Kapitel
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26.11.2022 1.992
 
Okay, sie haben die letzten zwei Wochen wirklich viel trainiert, das ist schon richtig. Und sie hat schon an sehr viel offizielleren Turnieren als diesem hier teilgenommen, das ja mehr ein Freizeitspaß darstellen soll. Trotzdem ist sie unglaublich nervös. Was wohl eher an ihrem Teampartner als an allem anderen liegt. Vorsichtig schielt Michimiya neben sich, wo Sawamura steht. Er ist im Gegensatz zu ihr sehr entspannt. Na gut, er hat ja auch schon an wirklich wichtigeren Spielen teilgenommen, zum Beispiel eben am Frühlingsturnier auf Nationalebene. Damit wird sie niemals mithalten können. Doch trotzdem, was noch schlimmer als einfach nur versagen wäre, wäre, wenn sie wegen ihrer Nervosität rausfliegen. Nein, sie muss sich zusammenreißen und Mühe geben. Sich anstrengen, dass es für sie nicht gleich nach der ersten Runde zu Ende ist.
“Ihr könnt euch aufwärmen gehen”, richtet da einer der Wettkampfhelfer an sie.
“Vielen Dank”, erwidert Sawamura mit einer leichten Verbeugung. Michimiya beeilt sich, es ihrem Partner gleich zu tun. “Na gut, gehen wir, oder?”, richtet er anschließend lächelnd an sie.
“J-ja”, stimmt sie zu und folgt ihm dann zu dem Platz, wo sie sich aufwärmen können.
“Alles gut?”, richtet er an sie.
“K-klar”, erwidert sie stotternd.
Ein Schmunzeln entkommt ihm und er legt eine Hand auf ihre Schulter, drückt diese sanft.
“Michimiya, das hier soll einfach nur Spaß machen. Wenn wir rausfliegen, dann ist es so. Dann haben wir zumindest teilgenommen. Wenn wir heute gewinnen ist es natürlich besser, denn das bedeutet, dass wir auch noch eine weitere Runde zusammen spielen können, nicht wahr?”
Seine leuchtenden Augen und dazu seine Aussage helfen Michimiya, dass die Anspannung nachlässt. Er hat recht, das hier soll Spaß machen. Und sie kann Zeit mit ihm verbringen, das ist der Hauptgrund, dass sie hier ist. Und sie will noch mehr Zeit mit ihm verbringen - das bedeutet einfach, dass sie gewinnen müssen. Entschieden nickt sie.
“In Ordnung. Lass uns gewinnen, Sawamura!”
Ein Grinsen breitet sich auf seinem Zügen aus.
“Genau das!”

~ ~


Der Volleyball kommt direkt auf Michimiya zu. Baggernd nimmt sie ihn an, spielt in Sawamuras Richtung, der ihn ebenfalls annimmt und ihn ihr stellt. Schon ist sie vor dem Netz, springt hoch und schmettert den Ball auf der anderen Seite auf den Boden. Punkt für sie beide! Jetzt haben sie den Satzball des zweiten Satzes.
“Sehr gut!” Sawamura grinst sie breit an und hebt eine Hand, um mit ihr einzuschlagen.
Ein zufriedenes Lächeln liegt auf Michimiya Zügen. Oh, das fühlt sich gut an! Es macht Spaß, wirklich viel Spaß. Und so schlecht scheint sie nicht zu sein, denn sie sind schon in der vierten Runde. Halbfinale. Sie haben es soweit geschafft und sie ist stolz. Auf Sawamura und auch auf sich selbst. Das hier hätte sie nicht von sich erwartet. Okay, sie hätte auch nie erwartet, dass sie mit ihrem Schwarm zusammen in einem Zweierteam an einem Volleyballturnier teilnimmt. Und das muss sie es genießen, solange sie kann. Ihr Blick richtet sich auf den Volleyball, den ihr Mannschaftskollege gerade mit seinem Aufschlag übers Netz auf die gegnerische Seite befördert. Sie spannt sich an. Nur noch diesen einen Punkt, dann haben sie es ins Finale geschafft. Das werden sie schaffen, da ist sie sich sicher. Auch ihren Gegnern scheint das klar zu sein, denn diese werden verbissen. Trotzdem schaffen sie es nicht, den Ball auf der anderen Seite des Netzes auf den Boden zu bekommen, Sawamura und Michimiya hindern sie erfolgreich daran. Doch auch sie bekommen den Ball nicht auf den Boden. Wenn die Gegner den Punkt machen, dann müssen sie nochmal zwei Punkte rausspielen. Lieber jetzt diesen einen Punkt machen zum gewinnen. Zum wiederholten Male an diesem Tag nimmt sie den Ball an, spielt ihn Sawamura zu, der ihn übers Netz schmettern will, doch er wird geblockt. Michimiyas Augen weiten sich. Er ist zu weit weg, sie wird ihn nicht erreichen. Außer … Schon streckt sie einen Fuß aus. Mit dem Spann ihres Fußes erwischt sie den Ball. Er fliegt nach oben, über das Netz und landet dort auf dem Boden.
Ein Pfiff ertönt, dann ein längerer, der andeutet, dass das Spiel zu Ende ist. Langsam lässt sich Michimiya auf den Boden sinken. Mit dem Fuß? Oh Gott, das ist doch auch echt peinlich! Volleyball spielt man mit den Händen, nicht den Füßen!
“Michimiya! Wir haben gewonnen!”
Im nächsten Augenblick lässt sich Sawamura neben ihr auf den Boden sinken und zieht sie in die Arme, drückt sie fest an sich. Ihr Herz nimmt einen Takt zu und sie erwidert die Umarmung. Mit geschlossenen Augen zieht sie seinen Geruch tief in die Nase. Klar, er ist verschwitzt, aber sie findet es nicht ekelhaft. Sie ist einfach nur froh, bei ihm zu sein und ihm vor allem so nahe sein zu dürfen.”
“Herzlichen Glückwunsch zum Sieg”, erklingt eine tiefe Stimme neben ihnen.
Sofort löst sich Michimiya erschrocken aus den Armen ihres Teampartners und blickt auf. Ihre Gegner sind unter Netz hindurch zu ihnen gekommen. Ein Vater und seine Tochter, die vermutlich noch auf der Mittelschule sein dürfte.
“Vielen Dank.” Sawamura hat sich aufgerappelt und drückt die Hand des Vaters. “Sie beide haben wirklich gut gespielt.”
“Das kann ich euch beiden nur zurückgeben.” Er wendet sich Michimiya zu, die ebenfalls aufgestanden ist. “Hast du schon einmal Sepak Takraw gespielt?”
Verwundert runzelt sie ihre Stirn.
“Was?”
Ein Lachen entkommt dem Älteren.
“Die Antwort bedeutet wohl nein. Sepak Takraw ist ein wenig wie Volleyball, nur dass man es mit den Füßen und nicht mit den Händen spielt. Und so wie du den letzten Punkt gemacht hast, habe ich kurz überlegt, dass du es schon mal gespielt hast.”
Mit großen Augen sieht Michimiya ihn an.
“Sapa … wie?”, fragt sie nochmal nach.
“Sepak Takraw.”
“Sepak Takraw.”
“Genau. Also dann, wir drücken euch fürs Finale die Daumen.”
“Vielen Dank.” Sawamura verbeugt sich, Michimiya tut es ihm gleich.
Als ihre Gegner gegangen sind, heben sie ihre Köpfe zu ihren Freunden, die auf der Tribüne sitzen.
“Herzlichen Glückwunsch!” - “Gut gemacht!”, schallen ihre Stimmen zu ihnen hinunter.
“Danke euch!” Sawamura hebt seine Hand, dann wendet er sich seiner Teampartnerin zu. “Duschen?”
“Oh ja, bitte”, erwidert sie sofort und nickt dankbar.
“Gut. Dann treffen wir uns draußen und gehen eine Kleinigkeit essen, oder?”
“Machen wir. Kommen die anderen wieder mit?”
“Ich denke schon. Also bis gleich.”
“Bis gleich.”

~ ~


Eine Stunde später sitzen sie zusammen mit Aihara, Sasaki, Sugawara und Azumane zusammen um einen Tisch herum. Heute ist der zweite Samstag in Folge, an dem sie gespielt haben. Letzte Woche waren die ersten beiden Runden, heute das Viertel- und das Halbfinale. Und nächste Woche würde dann das Finale stattfinden. Michimiya konnte immer noch kaum glauben, dass sie es so weit schaffen würden. Sie war davon überzeugt, dass sie gleich zu Beginn rausfliegen würden. Doch Sawamura war von Anfang genau für das Gegenteil gewesen. Er hatte immer gesagt, dass sie es weit schaffen würden. Das Finale hatte er nun auch nicht direkt im Kopf gehabt, aber umso mehr freut er sich.
“Und nächste Woche werden wir ebenfalls gewinnen!”, erklärt er gerade euphorisch.
“Na hoffentlich! Für was haben wir bitte sonst mit euch trainiert? Weniger als der Sieg sollte da nicht herausspringen!” Sugawara klopft seinem Freund auf den Rücken.
“Und was macht ihr dann mit der Siegerprämie?”, fragt Sasaki neugierig, immerhin gibt es ein Preisgeld von 40.000 Yen für die Gewinner.
“Na was wohl? Seine besten Freunde zum Essen einladen”, ist es Sugawara, der an Sawamuras Stelle antwortet.
“Was? Warum sollte ich das machen?”, fragt dieser sofort.
“Weil wir mit dir und Michimiya trainiert haben? Ich bin mir sicher, ohne uns hättet ihr das nicht so weit geschafft.”
“Wie bitte?”
“Also so ganz stimme ich da Suga zwar nicht bei, aber in einem muss ich ihm recht geben.” Azumane beugt sich etwas näher zu Sawamura. “Du solltest uns zum Essen einladen.”
Der Angesprochene hält inne und sieht ihn nachdenklich an, ehe er laut seufzt.
“Okay, okay. Habs ja verstanden.”
“Sehr gut.” Sugawara klopft ihm auf den Rücken, während alle anderen lachen. Alle außer einer von ihnen.
“Was machst du denn da?”, fragt Aihara und beugt sich zu ihrer Freundin, senkt ihren Blick auf das Handy, dass diese in der Hand hält. “Sepak Takraw? Was ist das denn?”
Ertappt zuckt Michimiya zusammen. Als sie aufsieht, erkennt sie, dass alle Blicke auf sie gerichtet sind.
“War das nicht das, was unser Gegner vorher gesagt hat? Dieses Volleyballspielen mit den Füßen?”, fragt Sawamura.
Schon nickt sie.
“Genau das. Es klingt irgendwie … interessant.”
“Volleyball spielen mit den Füßen? Wie soll das denn gehen?” Azumane hat seine Stirn fragend gerunzelt.
“So wie ich es bisher verstanden habe, ist es dem Volleyball spielen sehr ähnlich”, versucht Michimiya zu erklären. “Es sind jeweils drei Spieler pro Seite. Ein Netz, auch wie beim Volleyball. Und dann wie gesagt ähnlich. Der Ball darf den Boden nicht berühren. Ich glaube, das würde ich mir gerne mal ansehen.”
“Ich würde mitkommen, wenn du weißt, wo man es anschauen kann”, erklingt Sawamuras Stimme.
Sofort sieht Michimiya ihn mit stark schlagendem Herzen an.
“Okay. Ich … sag dir Bescheid, wenn ich weiß, wo es so etwas gibt.”
“Mach das.” Er lächelt sie noch einmal an, ehe er sich wieder seinem Essen widmet.
Kichern erklingt rechts von Michimiya, zusätzlich zu einem Ellenbogen in ihren Rippen. Vorsichtig hebt sie ihren Kopf und ihre Wangen färben sich augenblicklich rot. Aihara hebt ihr einen Daumen entgegen und grinst breit, während Sasaki eine Hand vor den Mund hält, um ihr Kichern zu verbergen.
“Lasst das”, flüstert Michimiya und schielt zu Sawamura. Hoffentlich hat er nichts mitbekommen. Er anscheinend nicht, aber Sugawara zwinkert ihr ebenfalls grinsend zu. Oh Gott. Schnell weicht sie seinem Blick aus und widmet sich ihrem eigenen Essen. Ihr Handy hat sie wieder in ihre Tasche geschoben. Ihr Herz fühlt sich irgendwie gepresst an. Würde Sawamura sie mögen, hätte er doch sicherlich schon irgendwelche Anzeichen von sich gegeben, oder? Immerhin bringen sie seit ein paar Wochen mehr Zeit voneinander. Als sie sich mit Ikejiri getroffen haben, hat dieser sogar gefragt, ob sie beide ein Paar wären, was Sawamura lachend abgewunken hat. Das allein ist doch schon Aussage genug, was er für sie empfindet, nicht wahr? Warum also sollte sie sich weiter Hoffnungen machen? Und schon zieht sich ihr Herz noch mehr zusammen. Warum? Vorsichtig sieht sie auf. Sawamura hebt seinen Kopf in diesem Augenblick auch und als sich ihre Blicke treffen, zwinkert er ihr zu. Schnell senkt sie ihren Blick wieder. Den Takt, den ihr Herz jetzt angenommen hat, ist ganz anders. Es fühlt sich schön an. Die Warum-Frage ist einfach zu beantworten. Weil sie nun einmal in ihn verliebt ist. Sie sollte ihm ihre Gefühle einfach endlich gestehen. Es können ja nur zwei Sachen passieren. Entweder mag er sie doch auch, oder er gibt ihr einen Korb. Aber egal was, sie kann sich später zumindest nicht die Vorwürfe machen, dass sie es ihm nie gesagt hat. Sie holt tief Luft. Doch, sie muss es ihm einfach nur sagen … Schnell presst sie die Augen zusammen, als Panik sie überkommt. Oh Gott!
“Michimiya, alles okay?”
Sawamuras Stimme klingt besorgt. Genauso schnell, wie sie ihre Augen geschlossen hat, hat sie sie auch wieder aufgerissen.
“Ähm … ja, doch, ist es. Ich … ich”, fieberhaft sucht sie nach einer Ausrede, dass sie nicht sagen muss, was sie gerade beschäftigt hat, “ich habe an das Finale gedacht!” Doch, das sollte zählen.
Sein besorgter Gesichtsausdruck, passend zu seiner Stimme, verschwinden wieder und er lächelt sie aufmunternd an.
“Michimiya, wir haben es bis hierher geschafft. Und den Rest, den rocken wir auch noch, ja?”
Über den Tisch streckt er ihr seine Faust entgegen. Kurz blickt Michimiya diese nur an, ehe sie ihren Kopf hebt. Ihr Blick trifft auf seinen. Auch sie lächelt und hebt ihre Faust, um sie leicht gegen seine zu stoßen.
“Das werden wir!”


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PS: es ist tatsächlich Kanon, dass Michimiya später Sepak Takraw spielen wird :D
warum das nicht hier reinbringen? Fragt mich nicht, wie ich darauf gekommen bin, ich weiß es selbst nicht ;p
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